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Full text of "Das österreichische Kavalleriekorps Holstein und das Vordringen der preussischen Hauptkraft gegen Wien : mit Benützung der Feldakten des k. und k. Kriegsarchivs"

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Von Königgrätz bis an die Donau. 

Darstellung der Operationen des österreichisch-preußischen Feldzuges 1866 
nach der Schlacht bei Königgrätz. 



Das 



OsterreichisGlie Kavalleriekorps Holstein 



und das 



Vordringen der preußischen Hauptkraft gegen Wien. 



Mit Benützung der Feldakten des k. und k. Kriegsarchivs 

bearbeitet von einem 

Generalstabsoffizier. 



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Mit einer Generalkarte 1 : 200.000 des Ope^ationsraumes, 
10 Beilacren und 2 Textskizzen. 



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Wien 1907. 

Verlag von L. W. Seidel & Soiin 



k. und k. HofbuchhäEdler. 



Druck von Josef Roller & Comp., Wien 



LNHALT. 

Seite 

Vorwort VII 

I. Die Bildung des Kavalleriekorps Holstein. 
Die Armeediposition für das Kavalleriekorps. Betrachtungen über diese 
Disposition. Das Korpskommando und die vier Kavalleriedivisionen 
am 7. Juli. Betrachtungen über die Tätigkeit der 1. leichten Kavallerie- 
division. Das Kavalleriekorps am Abend des 7. Juli 1 

]L Der 8. Juli. 

Die preußischen Dispositionen: a) Großes Hauptquartier, h) 1. Armee. 
c) Die Eibarmee. Die österreichische 1. EeservekavaJleriedivision. Das 
10. Korps. Die 2. und 3. österreichische ßeservekavalleriedivision. Die 
1. leichte Kavalleriedivision. Das Vorgehen der preußischen Eibarmee. 
Überblick über das Tagesergebnis. Eintreffen der Armeedisposition 
aus Zwittau bei der Division Edelsheim 1.5 

ni. Der 9. Juli. 
Dispositionen "der preußischen 1. und Eibarmee. Tätigkeit des öster- 
reichischen Kavalleriekorps, a) Die 1. schwere Division, h) Die 2. und 8. 
schwere Division, c) Die 1. leichte Kavalleriedivision, d) Das Kavallerie- 
korpskommando. Das große Hauptquartier 31 

IV. Der 10. Juli. 
Die preußischen Dispositionen für den 10. Juli, a) 1. Armee, h) Die Eib- 
armee. Das große Hauptquartier. Volle Klarheit über die Situation. 
Die österreichische 1. Eeservekavalleriedivision. Die 2. Eeservekaval- 
leriedivision. Die 3. Reservekavalleriedivision. Die 1. leichte Kavallerie- 
division. Die preußische Eibarmee und die Kavalleriebrigade Wallis. 
Betrachtungen über das Verhalten des österreichischen Kavallerie- 
korps am 10. Juli. Das Kavalleriekorpskommando ^o 

V. Das ßeitergefecht bei Saar. 
Aufstellung der kaiserlichen Husarenabteilungen bei Saar und der Anmarsch 
der Preußen. Der Reiterkampf. Verfolgung und Rückzug. Betrach- 
tungen ^" 



IV 

Seite 
Vr. Der 11. Juli. 

Dispositionen der preußischen Hauptquartiere, aj Die Eibarmee, h) Die 
1. Armee, c) Das große Hauptquartier. Die Eibarmee und die Division 
Edelsheim. Die 3. Reservekavalleriedivision 65 

VIT. Das Reitergefecht bei Tischnowitz. 
Das preußische Kavalleriekorps. Dispositionen bei der 2. schweren Division. 
Der Marsch der Brigade Sottyk von Lomnitz nach Tischnowitz. Das 
Reitergefecht. Verhalten der Hauptkräfte. Rückzug und Verfolgung. 
Die beiderseitige Führung. Verluste. Die Patrouille des Leutnants 
Erben. Die 1. Reservekavalleriedivision. Das Kavalleriekorpskommando. 73 

Vin. Der 12. Juli. 

Das Hauptquartier der 1. Armee. Der Einzug der Preußen in Brunn. 
Das preußische Kavalleriekorps und die österreichische 1. und 2. 
schwere Division. Die Dispositionen der Eibarmee. Die bei der 
Division Edelsheim für den 12. getroöenen Anordnungen. Die Divi- 
sion Coudenhove. Das Gefecht bei JMartinkau. Marsch der Brigade 
Fratricsevics nach Hardegg. Die Hauptkraft der Division Edelsheim. 
Das österreichische Kavalleriekorpskommando am 12. Das Haupt- 
quartier König Wilhelms 93 

IX. Der 13. Juli. 

Disposition der preußischen 1. Armee. Das große Hauptquartier in Brunn. 
Dispositionen der Eibarmee. Anordnungen des Wiener Kriegsmini- 
steriums vom 12. Juli. Dispositionen des Kavalleriekorps für den 
13. Juli. Die Brigade Mondel. Die 1. schwere Division. Die 2. schwere 
Division. Die Vorgänge bei Znaim. Das österreichische Kavallerie- 
korpskommando . . 112 

X. Der 14. Juli. 

Die 1. und Eibarmee. Dispositionen des großen Hauptquartiers. Die 
Divisionen des österreichischen Kavalleriekorps. Das Kavalleriekorps- 
kommando • . . 124 

XI. Die Anlage der preußischen Operation gegen Lundenburg. 

Eintreffen der Nachricht vom Abzug der Nordarmee aus Olmütz. Direk- 
tiven Moltkes am 15. Juli 132 

XII. Die preußische 1. Armee und die drei schweren Reserve- 

kavalleriedivisionen am 15. Juli. 

Dispositionen des Prinzen Friedrich Karl. Der Vormarsch der preußischen 
Avantgarde des Herzogs v. Mecklenburg. Das preußische Kavallerie- 
korps. Nachtruhestellung der 1. Armee. Die österreichische Division 
Solms. Die 2. schwere Division. Die 3. schwere Division 139 

XIII. Das Gefecht bei Jetzelsdorf. 
Dispositionen der Eibarmee für den 15. Juli. Dispositionen des GM. Frei- 
herrn V. Edelsheim. Das Gefecht bei Jetzelsdorf. Vorgänge bei der 
Hauptkraft der Division Edelsheim. Das Kavalleriekorpskommando . . 146 



Seite 

XIV. Der 16. Juli. 

Die preußische 1. Armee. Die Eibarmee. Das große Hauptquartier. Die 
1. schwere Division. Die 2. schwere Division. Die 3. schwere Division. 
Die 1. leichte Kavalleriedivision. Das Kavalleriekorpskommando . . . VA 

XY. Der 17. Juli. 

Die preußische 1. Armee, Die Elbarraee. Das Gefecht bei Gaunersdorf. 
Das große Hauptquartier, Das Kavalleriekorps Holstein l(il 

XVI. Der 18. Juli. 

Die preußische 1. Armee. Die Eibarmee. Das große Hauptquartier. Das 
Kavalleriekorps Holstein 170 

XVII. Betrachtungen. 

Die preußische Kavallerieverwendung. Das Kavalleriekorps des Prinzen 
Albrecht. Die Avantgarde des Herzogs v. Mecklenburg. Moltkes 
Befehlsverfahren. Die Leistungendes österreichischen Kavalleriekorps. 
Das Verfahren bei den vier Divisionen des Kavalleriekorps. Die 
Division Edelsheim. Das Gelände. Ein Urteil über die Tätigkeit des 
Kavalleriekorps 17b 

Anhang. 

I. Ordres de bataille des österreichischen und preußischen Kavallerie korps. 195 

II. Die Ausrüstung und Bewaffnung der k. k. und der k. preußischen 
Kavallerie im Jahre 1866 mit besonderer Berücksichtigung ihrer Be- 
fähigung zum Feuergefecht 200 

Textskizzen. 

1. Karte zum Gefecht bei Jetzelsdorf am 15. Juli (1 : 75.000). 

2. Das österreichische Kavalleriekorps im Aufklärungs- beziehungsweise Siche- 

rimgsdienst. (Schematische Darstellung. 

Beilagen. 

Generalkarte 1 : 200.000 des Operationsraumes. (Nördlicher und südlicher Teil.) 

1. Übersichtskarte (1 : 750.000) zum Marschtableau für das österreichische 

Kavalleriekorps. 

2. Situation der drei preußischen Armeen und des österreichischen Kavallerie - 

korps am Abend des 0. Juli 1866. 

3. Situation der drei preußischen Armeen und des österreichischen Kavallerie- 

korps am Abend des 10. Juli 1866. 

4. Situation der preußischen Hauptkrafc und des österreichischen Kavallerie- 

korps am Abend des 11. Juli 1868. 

5. Situation vor Beginn des Eeitergefechtes bei Tischnowitz am 11. Juli 1866 um 

die zehnte Vormittagsstunde. 

6. Situation der preußischen Hauptkraft und des österreichischen Kavallerie- 

korps am Abend des 12. Juli 1866. 

7. Situation der preußischen Hauptkraft und des österreichischen Kavallerie- 

korps am Abend des 13. und li. Juli 1866. 



VI 

8. Situation der preußischen Hauptkraft und der bei Wien versammelten öster- 
reichischen Streitkräfte am Abend des 16. Juli 1866. 

9. Situation der preußischen Hauptkraft und der bei Wien versammelten 
österreichischen Streitkräfte am Abend des 17. Juli 186B. 

10. Situation der preußischen Hauptkrtift und der bei Wien versammelten 
österreichischen Streitkräfte am Abend des 18. Juli 1866. 

Anmerkung: In der folgenden Darstellung erfolgt wiederholt die 
Beziehung auf Beilagen des Bandes: „Der Rückzug der Nordarmee vom 
Schlachtfeld". Zur Unterscheidung wurden diese hier mit römischen Ziffern 
bezeichnet. 

Für jene Leser, welche diesen Band allein bezogen haben, sind die 
betreifenden Beilagen um einen geringen Betrag von der Verlagsbuchhandlung 
erhältlich. 



VOR\\'ORT. 



Zu den am wenigsten gekannten Operationsphasen des öster- 
reicliisch-preußischen Feldzuges gehört die Tätigkeit des vom 
FML. Prinz Holstein befehligten Kavalleriekorps, welches im 
Juli 18G6 vor dem Drucke der gegen Wien vordringenden feind- 
lichen Hauptkräfte an die Donau zurückwich. 

Erst die im Vorjahr veröffentlichte Schiift des FZM. Johann 
Freiherm v. AValdstätten ,.Die 1. leichte Kavalleriedivision in der 
Zeit vom 3. bis 15. Juli 1866" brachte einen wichtigen Beitrag 
zur Geschichte der Kavallerieverwendung jener Tage. 

Leider fehlen von den drei übrigen, dem Prinzen Holstein 
unterstandenen Kavalleriedi\äsionen ähnlich ausfüln'liche Aufschlüsse: 
ein Übelstand, mit welchem die vorhegende Darstellung zu kämpfen 
hatte. 

Bei beiden kiiegführenden Parteien sind die Leistimgen der 
Kavallerie in dieser Periode hinter den gehegten Erwartungen 
zurückgeblieben. 

Der durch die rücksichtslose Schärfe seines Ürteiles be- 
kannte Oberquartiermeister der preußischen 2. Armee, General 
V. Stosch, bezeichnet die Kavalleriegenerale des eigenen Heeres 
,, durchgängig als abgelebte Männer"'. 

AVie die folgenden biographischen Xotizen entnehmen lassen, 
trifft; dies hinsichthch des Lebensalters dieser Fühi-er nur zum 
Teil zu. 

Der Kommandeur des preußischen Kavalleriekorps Prinz 
Alb recht von Preußen. Bruder König Wilhelms, war am 
4. Oktober 1809 geboren, diente vorwiegend in der Kavallerie; 
1840 Kommandem^ der 5. Division, 1852 General der Kavallerie. 



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BRIGHAM YOUiM^o JNlv£fiSlTY 

PROVO, UTAH 

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1864 befand er sich während des dänischen Feldznges im Haupt- 
quartier des GFM. Graf "Wrangel, 1866 nahm er mit Teilen 
seines Korps an den Kämpfen bei Münchengrätz, Jicin und König- 
grätz unmittelbaren Anteil. Im Kriege 1870/71 befehligte er die 
4. Kavalleriedivision und kam bei Hagenau, Sedan, Artenay, 
Orleans, Loigny-Poupry, nochmals Orleans und Beäugen cy an den 
Feind. Der Prinz starb 1872 als Generaloberst von der Kavallerie. 

Yon seinen Divisionskommandeuren war General Benno 
Hann v. Weyhern am 23. Oktober 1808 geboren, beteiligte sich 
1848 am Feldzug in Schleswig und Jütland, 1866 wirkte er in 
den Kämpfen bei Sichrow — Turnau, Münchengrätz, Königgrätz, Saar, 
und Blumenau mit; 1870/71 führte er die 4. Infanteriedivision 
bei Gravelotte und Champigny. Er starb 1890 als General der 
Kavallerie z. D. 

Der andere Divisionskommandeur, GeneralHermann v. Alvens- 
leben, geboren 10. April 1809, hatte 1866 bei Problus und König- 
grätz gekämpft, 1870/71 war er nicht bei der Operationsarmee; er 
wurde 1871 zur Disposition gestellt und starb 1887 als General- 
leutnant. 

Die Avantgarde der 1. Armee führte General AVilhelm 
Herzog zu Mecklenburg-Schwerin, geboren 5. März 1827, 
nahm er 1848 am Feldzug in Baden und 1864 an jenem gegen die 
Dänen, in diesem letzteren als Kommandeur von Kür. 6 teil, 
1870 führte er die 6. Kavalleriedivision bei Vionville — Mars la Tour 
und erlitt später bei der Explosion in der Zitadelle von Laon 
eine Kontusion, an deren Folgen er 1879 starb. An der Zer- 
nierung von Paris, bei St. Amand und Le Maus fand die von ihm 
befehligte Division Gelegenheit zur Betätigung. 1872 Kommandeur 
der 22. Division, 1873 von diesem Kommando enthoben, wurde 
der Prinz 1875 zum General der Kavallerie ernannt. 

Die der Eibarmee vorangehende Kavalleriebrigade wurde 
vom General Karl Friedrich Graf v. d. Goltz komman- 
diert. Geboren 12. April 1815, hatte Goltz 1844/45 den Feld- 
zug in Algier im Gefolge des Marschalls Bugeaud mitgemacht; 
am Straßenkampf in Berlin 1848 und am Feldzug in Baden 1849 
beteiligt, kämpfte der General 1866 bei Münchengrätz, Königgrätz, 
Martinkau, Znaim und Jetzelsdorf; 1870/71 führte er die Gardekaval- 
leriedivision in den Schlachten bei St. Privat, Beaumont und Sedan 
und in den Kämpfen vor Paris und bei Le Bourget. Er starb 1901 
als General der Kavallerie z. D. und Generaladjutant des Kaisers 
und Königs. 



IX 

In den übrigen Bänden dieser Schrift wird der Kommandeur 
der schlesischen Kavalleriedivision General Julius v. Hart- 
mann oft genannt. Geboren 2. März 1817, 1848 am Straßen- 
kampf in Berlin beteiligt, 1849 Generalstabsoffizier der 4. Division 
im Feldzug in Baden und der Pfalz. 1860 l^ei Königgi-ätz, 
Tobitscbau und Eoketnitz an den Feind gekommen, 1808 Kom- 
mandeur der 2. Infanteriedivision; 1870/71 nahm er als Führer 
der 1. Kavalieriedivision an den Kämpfen bei Colombey, Gra- 
velotte, Fange, an der Zernierung von Metz, bei Beaime la 
Rolande und Tours Anteil. 1878 als General der Kavallerie z. D. 
gestorben. 

Von den österreichischen E-eiterführern ist der an der 
Spitze der 1. leichten Kavalleriedi\4sion gestandene GM. Leopold 
Freiherr V. Edelsheim, der als Kommandant der Preußen-Husaren 
im Feldzug 1859 zu hoher Bedeutung gelangt war, in erster Linie zu 
nennen. Geboren 10. Mai 1826 in Karlsruhe, focht er am 28. Oktober 
1848 als Kürassierrittmeister beim Angriff auf Wien, machte die 
ganze Kampagne 1849 mit (bei Eäkos verwundet i; 1856 Oberst, 
25. Juli 1866 FeldmarschaUeutnant, 1869 — 1874 Generalkavallerie- 
inspektor, 1874 General der Kavallerie und kommandierender 
General in Budapest, 1886 in den Ruhestand getreten, 27. März 1893 
gestorben. 

Der damalige Generalstabschef der Division charakterisiert 
seinen Chef in folgender Art: 

,, Seine Entschlossenheit, sein Festhalten an dem als richtig 
Erkannten, der Nachdruck, mit dem er sich jederzeit unbedingten 
und pünktlichen Gehorsam zu verschaffen wußte, das sichere 
Abwägen dessen, was die Truppe jeweilig leisten konnte und 
mußte, verbunden mit klarem Verstand, Kriegserfahrung imd 
physischer Leistungsfähigkeit, dies aUes findet sich sehr selten in 
so hohem Maße vereinigt und wird sich auch in der Zukunft 
leider nur selten wieder vereinigt finden. Er war kein angenehmer 
Vorgesetzter, zarte Rücksichten waren ihm gänzlich fremd.'' 

Aber auch der erste Gehilfe des Divisionärs verdient in 
hohe>m Maße hervorgehoben zu werden. Der kürzHch aus der 
Aktivität geschiedene Generaltruppeninspektor FZM. Johann 
Freiherr v. Waldstätten zählt zu den bedeutendsten Lehr- 
meistern unserer Armee, seine zahlreichen Schriften haben seinen 
Namen weit über die Grenzen des Heimatlandes hinaus bekannt 
gemacht; aber auch vor dem Feinde als Fühi'er der 7. Brigade 



errang Waldstätten im Okknpationsfeldzug ruhmvolle Erfolge. 
Entgegen dem leidenschaftlich-stürmisclien Temperament Edels- 
heims, welches dem hervorragenden General eine Unzahl er- 
bitterter Feinde schuf, wußte Waldstätten durch wohltuende Ruhe 
und Gründlichkeit zu fesseln und im Verkehr überzeugend zu 
wirken. 

Das Kavalleriekorps befehligte FML. Wilhelm Prinz zu 
Schleswig-Holstein; geboren 181G in Schleswig, war er Oberst 
bei Windisch - Graetz - Dragonern, 1862 Kavalleriedivisionär in 
Lemberg; gestorben 5. September 1893 in Fredensborg. 

Sein Generalstabschef, der bekannte Militärschriftsteller Oberst 
Franz Schmidt, geboren 1820, war anfangs Infanterieleutnant, 
frequentierte als solcher die Schule des Bombardierkurses in Wien, 
diente von 1843 an im Generalstab, Taktiklehrer an der provisori- 
schen Kavallerieschule in Budapest, dann an der Zentralkavallerie- 
schule zu Wien, endlich am höheren Geniekurs zu Klo sterbruck bei 
Znaim, pensioniert 1.892 als Generalmajor, gestorben 1895. 

An der Stelle des Prinzen Holstein führte in der geschilderten 
Operationsphase GM. Prinz Karl zu Solms-Braunfels, Stief- 
bruder des Königs von Hannover, die 1. schwere Reserve- 
kavalleriedivision. Geboren zu Neu Strelitz 1812, Rittmeister bei 
den preußischen Gardedragonern, 1841 Rittmeister im öster- 
reichischen Kürassieregiment Nr. 3, 1844/46 in Nordamerika, 
1867 Kommandant der 1. Kavallerietruppendivision, 1868 in den 
Ruhestand getreten; gestorben 1875 in Rheingrafenstein bei 
Kreuznach. 

Die 2. Reservekavalleriedivision befehligte GM. Karl Zaitsek 
V. Egbell, geboren 1810 in Saßen, hielt 1848 als Rittmeister des 
10. Husarenregiments seine Eskadron trotz versuchter Aufwiegelung 
im kaiserlichen Dienste fest, 1869 Kommandant der 10. Infanterie- 
truppendivision, 1870 in den Ruhestand getreten und 1886 in 
Budapest gestorben. 

GM. Karl Graf Coudenhove kommandierte die 3. Reserve- 
kavalleriedivision. Geboren 2. Dezember 1814 in Wien, 1830 zu 
Kaiser Ferdinand - Chevaulegers Nr. 1 in Mailand assentiert, als 
Rittmeister bei Kür. 5 im Feldzug 1848/49 in Ungarn glänzend 
erprobt, 1853 Oberst und Kommandant von Kür. 4, seit 1860 
zweiter Generaladjutant Sr. Majestät, 9. August 1866 Feldmarschall- 
leutnant, gestorben 28. August 1868. 

Von den letztgenanten Generalen hatten sich Prinz Hol- 
stein und Graf Coudenhove aus den Attacken bei Stfesetic — 



XI 

Langenhof, Prinz Solms aus den Eeiterkampf bei AVvsokow reiche 
Lorbeeren geholt. Sie verkörperten jenen glänzenden T31) unserer 
in der Armee dienenden Grand seigneurs, deren lautere vornehme 
Gesinnung echt adeHgen Gepräges veredelnd auf die Umgebung 
gewirkt, deren bis ziu' Tollkühnheit gesteigerter Mut und Todes- 
verachtung die Blätter unserer Heeresgeschichte mit den ruhm- 
vollsten Taten bereichert hat. Für die Mehrzahl jener prächtigen 
ßeiterofiiziere, die sich den unumgängHch notwendigen Details 
des kavalleristischen Dienstes mit regstem Pflichteifer hingaben, 
war es später schwer, wenn sie in höhere Stelhmgen gelangten, 
dem liebgewordenen Getriebe ihi'er militärischen Jugendjahre zu 
entsagen und den Blick auf die höheren Aufgaben der Führung 
zu richten, mit denen sich atich leider der hinsichtlich Kavallerie- 
verwendung rückschrittliche Zeitgeist wenig beschäftigte. 

So befand sich bei den hier zusammentreffenden Eeiter- 
gescliwadern beider Heere außer Edelsheim kein Kavalleriegeneral, 
der auf der Höhe zu fordernden "Wissens und Könnens stand. 



Die Bildung des Kavalleriekorps Holstein. 

Unter V des Bandes ,,Der Rückzug der Nordarmee vom Die Armee- 
Schlachtfeld . . ." wurden die Entschlüsse Benedeks angeführt, die 1^^«^°«^"''° 
er am Abend des 5. Juli in Leitomischl gefaßt hatte. Kavaiierie- 

Dem Drängen des im Armeehauptquartier anwesenden Ministers korps 
des Aui3ern war insofern nachgegeben worden, als zum Schutze 
von Wien das 10. Korps mittels Bahn von Lettowitz abtranspor- 
tiert werden, die 1. leichte und die drei schweren Kavalleriedivisionen, 
in ein Korps vereinigt, ebenfalls an die Donau zurückgehen sollten. 

Die Grundlage für die Tätigkeit dieses Kavalleriekorps, von 
welcher dieser Band vorwiegend handelt, wurde durch folgende, 
am 6. Juli in Zwittau an die vier Kavallerietruppendivisionen aus- 
gegebene Armeedisposition geschaffen (vergl. Beilage 1): 

„Tn der Anlage erhält p. p. das Tableau für die fernere 
„Bewegung der Kavalleriedivision in der Richtung gegen Wien." 

Dieses Tableau enthielt die nachstehenden Bestimmungen : 



1. ßeservedivisionij 2. E-eservedivision 3. Reservedivision 1. leichte Division 



bleibt am 



7. in Policka 

8. in Brüsau 



7. in Bistrau 



7. in Ingrowitz 



7. in Saar 

8- in Radostin 

9. in G.Meseritsch 



w 



e i t e r über 



Switawka 

Czernahora 

Lipuwka 

Brunn 



ö:s 

Nedwietitz 

Tischnowitz 

Eichhorn-Bitischka 

Rossitz I 



Rossoch 
Straschkau 
G. Bittesch 

Namiest 



Trebitsch 

Jarraeritz 

Mhr. Budwitz 



und weiter in der Richtung gegen Wien nach Weisung Sr. Hoheit des 

FML. Prinz Holstein. 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. ■*■ 



Die Disposition besagt weiter: 

_„Die Ortsnamen bezeichnen nicht die Marschstationen, son- 
,,dern nur die Marschrichtung. 

„Die Aufgabe der Kavalleriedivisionen ist, das Vordringen 
,,des Feindes gegen Wien möglichst lang aufzuhalten und ihm 
, allen möglichen Abbruch zu tun. Den letzten Nachrichten zu- 
,folge steht der Feind an der Elbe und hat Abteilungen gegen 
,,Chrudim, Caslau ^) vorgeschoben. 

„Die Divisionen haben vorläufig in der letzten mit einem 
.Datum versehenen Station zu bleiben. 

,, Sämtliche Divisionen haben vor allem zu trachten, die 
„Fühlung mit dem Feinde wieder zu gewinnen und die auf 
„beiden Flügeln befindlichen nebstbei das Terrain an ihren 
,, äußersten Flanken möglichst Aveit aufzuklären. Nur wenn dem 
,, Nachdrängen des Gegners nicht Einhalt getan werden kann, 
,ist in der Richtung Wien rückzugehen und werden die wei- 
„teren Weisungen über die einzuschlagenden Richtungen von 
„dort erfolgen. 

,, Bezüglich der Verpflegung wurde die Intendanz von dieser 
, Bewegung verständigt, im Bedarfsfall ist das Nötige im Re- 
,,quisitionswege zu verschaffen. 

,, Sämtliche Kavalleriereservedivisionen und die 1. leichte 
, Kavalleriedivision werden unter das Kommando Sr. k. Hoheit 
„des FML. Prinz Holstein gestellt, von dem die nötigen Weisungen 
,für die Divisionen in Zukunft ergehen und an den alle Meldungen 
,,zu richten, besondere und dringende Vorfallenheiten aber äußer- 
ndem auch direkt an das Kriegsministerium im kürzesten Wege 
,zu erstatten sind." 

FML. Prinz Holstein hatte das Kommando der 1. schweren 
Reservekavalleriedivision an den rangälteren Brigadier zu über- 
geben; der Generalstabschef der Division, Oberst Schmidt, sollte 
in gleicher Eigenschaft beim Kavalleriekorps fungieren. 

In der an den Prinzen gerichteten Ausfertigung der Armee- 
disposition hieß es noch : 

„Euer Hoheit wollen sich bei jener Division aufhalten, 
„welche für den Moment die wichtigere Aufgabe und die 



V 

^) Caslau war an diesem Tage vom Feinde frei, hingegen hatte das 
preußische Heer die Elbe bereits überschritten. Vergl. Beilage 3 des Bandes: 

„Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld ". In der Folge werden 

zur Unterscheidung bei Beziehung auf Beilagen des letzteren Bandes römische 
Ziffern angewendet. 



,, bequemste Kommunikation mit Wien hat, da Sie alle Vorfallen- 
,,lieiten und getroffenen Maßnahmen dem Kriegsministerium so 
,, schleunig als möglich anzeigen müssen und andererseits nur 
,,von dort her Weisungen zu gewärtigen haben." 

Endlich wurde die Armeeintendanz angewiesen, die Yerpflegs- 

maßnahmen im Einklang mit dem Kavalleriekorpskommando zu 

treffen, schließlich das Kriegsministerium von allen Verfügungen 

in Kenntnis gesetzt. 

Die Ordre de bataille des Kavalleriekorps Holstein ist aus 

Anhang I^) zu entnehmen. 

Das durch die angeführten Dispositionen gebildete Kavallerie- Betrachtungen 
korps war eine höchst merkwürdige Schöpfung, für welche es nicht Disposition, 
leicht werden dürfte, eine Analogie in der Kriegsgeschichte zu finden. 

Verfolgt man die zwölftägi^e Bewegung bis zum Erreichen 
des südlichen Donauufers durch die Hauptkraft dieser Reiter- 
masse, so wird die in vieler Hinsicht verfehlte Disponierung 
völlig klar; hier soll zunächst nur in Kürze auf einige hervor- 
stechende Eigentümlichkeiten in der Auftragerteilung hingewiesen 
werden. 

Das Kavalleriekorps erhält die Aufgabe, ,,das Vordringen des 
Feindes gegen Wien möglichst lange aufzuhalten". Die Verwendung 
der einzelnen Divisionen wird indes so weit beeinflußt, daß jeder 
eine bestimmte Marschlinie vom Armeekommando zugewiesen wird, 
überdies werden, um den Einklang in der Bewegung herzustellen, 
die ersten Marschetappen vorgeschrieben. Es soll nicht verkannt 
werden, daß in Zwittau hiebei die anerkennenswerte Absicht vor- 
gewaltet hatte, der neuaufgestellten Kommandobehörde, die sich 
selbst erst organisieren mußte, die dringendsten und nächstliegenden 
Arbeiten möglichst zu erleichtern. 

Die Divisionen wurden anfangs auf einer 34 hn breiten Front 
Policka — Saar aufgestellt, die sich erst später im Verlauf des Rück- 
zuges zwischen Brunn und Trebitsch auf nahezu 60 hn verbreitern 
sollte. Seltsamerweise ist die große, über D. Brod, Iglau und 
Znaim führende Reichsstraße, welche, wie das Armeekommando 
damals selbst vermutet, gegnerische Abteilungen bereits einge- 
schlagen hatten, erst nach mehreren Tagen bei Mhr. Budwitz von 
der 1. leichten Kavalleriedivision zu erreichen. Allerdings enthält 



1) AnhaEg I enthält auch die Ordre de bataille des preuJiischen Kaval- 
leriekorps. 



4 

die Disposition die Aufforderung an die beiden Fingeldivisionen, 
,,an ihren äußersten Flanken möglichst weit aufzuklären", indes 
ist es zweifellos, daß es ebenso für die Verwertung des Nach- 
richtenergebnisses als für die Unterstützung vorgeschobener Abtei- 
lungen am zweckmäßigsten ist, den Gros eine tunlichst durch die 
Mitte des zu erkundenden Saumes führende Marschlinie zuzuweisen. 
Welche Entfaltung das gegnerische Marschechiquier nehmen würde, 
war am 6. Juli in Zwittau noch nicht zu übersehen ; das Armee- 
kommando konnte die einzelnen Divisionen des Korps zur Ein- 
leitung ihrer Tätigkeit — wie dies tatsächlich auch geschah — 
entsprechend im Räume verteilen, da es dermalen über die Gesamt- 
situation noch besser unterrichtet war als das erst ins Leben ge- 
rufene Kavalleriekorpskommando. Aus der nach und nach er- 
forschten Ausdehnung der feindlichen Operationsfront mußte sich aber 
dann letzteres die Verteilung seiner Kraft im Räume selbst ableiten. 
Dies war ebensowohl notwendig, um die Aufklärung zweckmäßig 
bewirken als auch den anbefohlenen Widerstand leisten zu können. 

Mit der Übergabe des Marschschemas wurde ein guter Teil 
von Initiative und Selbsttätigkeit im Stabe des Korpskommandos 
ohne zwingende Ursache in Bande geschlagen, die man nach da- 
maligen Anschauungen viel unzerreißbarer wähnte, als dies heute 
der Fall sein würde. 

Wie es mit der Widerstandskraft des 10.000 Reiter und 
56 Geschütze^) Gefechtsstand ^) zählenden Kavalleriekorps aussah, 
ist aus Anhang II zu entnehmen, welcher Angaben über die Be- 
waffnung der kaiserlichen Kavallerie im Vergleich zu jener des 
Gegners, dann über die Ausbildung für das Fußgefecht enthält. 
Aus den dort angeführten Daten ist zu entnehmen, daß der General- 
stabschef der Nordarmee, GM. Baumgarten, in seinem Feldzugs- 
bericht mit Recht beklagt, daß das Kavalleriekorps nicht durch 
Beigabe von Infanterie in seiner Gefechtskraft gestärkt worden w^ar. 

Als neue, anscheinend zu operativen Anordnungen befugte 
Stelle tritt nach der Armeedisposition das Kriegsministerium in 

^) Die 1. und 3. schwere Eeservekavalleriedivision soll den Rückzug 
vom Schlachtfeld nur mit je 8 reitenden Geschützen angetreten haben. 

2) Der Yerpflegsstand des Kavalleriekorps betrug 17.400 Mann und 
16.600 Pferde. Die Ordres de bataille der Divisionen sind während der ßück- 
zugstage sehr mangelhaft geführt worden; zuverlässige Standesdaten waren 
für die 1. leichte Kavalleriedivision nur für den 20. Juli, für die drei schweren 
Divisionen erst für den 21. Juli als nächstliegenden Termin zu erbringen 
gewesen. Anhang I enthält daher nur eine tabellarische Ordre de bataille 
des Kavalleriekorps. 



Wien auf, welchem Prinz Holstein fortan untergeordnet sein sollte. 
Tatsächlich wurden aber bis zum Eintreffen des Erzherzogs Albrecht 
in der Eesidenz alle operativen Geschäfte von der Generaladju- 
tantur geleitet. 

Im Verlauf der Darstellung der Tätigkeit des Kavallerie- 
korps wird sich noch wiederholt Gelegenheit finden, auf die Aus- 
gangsdisposition zurückzugreifen, weshalb jetzt gleich mit der 
Schilderung der täglichen Ereignisse begonnen wird. 

Die an FML. Prinz Holstein gerichtete Ausfertigung der Das Korj.s. 
Armeedisposition trägt den Eingangsvermerk: Sebranitz, den 7. Juli, *^ommando 
l/op. obne nähere Stundenangabe. Da die Expedition von Zwittau Kavaiierie- 
am Abend des 6. erfolgt war und der Überbringer über Policka ^i^>s»onen am 

. ^ ". Juli >) 

nur 24 km zurückzulegen hatte, so ist anzunehmen, daß er späte- 
stens bei Tagesanbruch im Divisionsstabsquartier der 1. ßeserve- 
kavalleriedivision eingetroffen war. 

Über den Beginn der Tätigkeit des neugebildeten Kavallerie- 
korpskommandos am 7. fehlen in den Akten jegliche Angaben. 
Es scheint, daß Prinz Holstein den größten Teil des Tages bei 
der 1. Reservekavalleriedivision zugebracht hatte, deren 
Kommando an seiner Statt von GM. Prinz Solms-) übernommen 
wurde. 

Der Befehl des Kronprinzen von Sachsen, zum Abmarsch 
dieser Division nach Bhm. Rothmühl war durch die eingetroffene 
Armeedisposition aufgehoben worden. Um 6^ früh trat die Division 
Solms den Marsch von Sebranitz nach Policka an, wo um 10 "^ vor- 
mittags ein Biwak bezogen wurde. ^) 

Um auf der Linie Friedrichshof — Lubna — St. Katharina die 
Fühlung mit dem Feinde aufzunehmen, wurde 1 E Ul. 4 bestimmt, 
je einen Zug nach den genannten Orten zu dirigieren.'*) 



^) Hiezu Beilagen III und IV. 

-} Oberst Graf Thun von Kür. 6 übernahm hierauf den Befehl über die 
Brigade Solms. 

3) Im Streffleur 1899/11 befindet sich ein Aufsatz: ..Die k. k. Kavallerie- 
brigade des GM. V. Schindlöjker im Feldzuge 1866" von Freiherrn v. d. 
Wengen, nach welchem der Abmarsch der 1. Eeservekavalleriedivision erst 
um 3° nachmittags stattgefunden hätte. Die vorstehenden Angaben ent- 
stammen dem Operationsjournal der Division. 

4) Der nach St. Katharina abmarschierte Zug traf dort mit dem Deta- 
chement Taxis (4, 5/Hus. 8 der 1. leichten Kavalleriedivision) zusammen und 
rückte alsbald wieder nach Policka ein. 



Die direkte Sicheruug des Lagerplatzes besorgte Kür. 6, 
welches am Abend nach Hana vorgeschoben wurde. ^) Zu vor- 
gerückter Stunde traf in Policka die Meldung ein, daß die Avant- 
garde der Preußen um 3 ^ nachmittags in Richenburg eingerückt 
sei und dort Schüsse mit eigener Kavallerie gewechselt wurden. 
Die Preußen hätten in Richenburg und Umgebung fouragiert 
und den Abschub der erlangten Futterartikel nach Luze ange- 
ordnet. 

Die auf den 7. in Ingrowitz nächtigenden zwei schweren 
Divisionen wurden von dem mutmaßlich in die Irre gerittenen Über- 
bringer der Armeedisposition nicht angetroffen.^) So marschierten 
diese beiden Armeekörper noch nach der Anordnung des Kom- 
mandanten der 3. Kolonne, Kronprinz Albert, zu sehr früher 
Stunde nach Bohnau. Die 3. Reservedivision erhielt erst am Nach- 
mittag des 7. in Bohnau die Armeedisposition; beide Divisionen 
beschlossen aber, den bereits bezogenen Lagerplatz an diesem 
Tage nicht mehr zu verlassen. 

Die Alarmierung infolge des Überfalles bei Zwittau wurde 
im Band: ,,Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld ....'' 
geschildert. 

Das Korpshauptquartier wurde nach Bhm. Rothmühl 
verlegt: Prinz Holstein wollte am nächsten Tage nach Brüsau ge- 
langen. Zweifellos ergab sich durch die Etablierung des Korps- 
hauptqaartiers an der Bahn die rascheste Verbindung mit Wien, 
worauf in der Armeedisposition Wert gelegt wurde, auch mit 
der gegen Olmütz abziehenden Nordarmee blieb man noch mög- 
lichst lange im Kontakt; bei der Leitung des Kavalleriekorps 
mußte aber der Aufenthalt des Führers hinter dem östlichen 
Flügel daran hindern, auf die Tätigkeit der Divisionen zeit- 
gerechten Einfluß zu üben. 

Die Kommunikationsmittel der Gegenwart, die eine ganz 
andere Beherrschung des Raumes durch die Führung wie damals 
erlauben, waren noch unbekannt. Auf den Hauptlinien stand wohl 
der Telegraph zur Verfügung, doch hatte das Personal häufig die 
Stationen schon auf das erste Gerücht vom Herannahen des 
Feindes verlassen; dann war man zur Hinterlegung der bedeutenden 



^) Nach Angabe v. d. "Wengens nur eine Division, die am nächsten Tage 
zur Deckung der nördlichen Flanke über Blumenau und Bhm. Eothmühl 
nach Brüsau marschieren sollte. 

2) Die 2. schwere Division sollte dem Marschtableau gemäß nach Bistrau 
gelangen, die 3. in Ingrowitz bleiben. 



in Frage kommenden Strecken für Befehl und Meldung nur auf 
die Schnelligkeit des Pferdes angewiesen. 

Leider hatte die Not nicht genügend erfinderisch gemacht. 
Dem raschen Verkehr mit den einzelnen Heeresteilen, welchen 
Napoleon — durch die Technik auch nur mangelhaft unterstützt - 
stets so sorgfältig zu regeln wußte, scheint im vorliegenden Falle 
von den hiezu berufenen Personen nicht die zukommende Be- 
deutung geschenkt worden zu sein. Der lähmende Pessimismus, 
welcher sich nach Königgrätz der Geister bemächtigt hatte, 
machte sich eben auf jedem Gebiet bemerkbar. 

Ganz abseits von den für den Aufklärungsdienst am 7. fast 
gänzlich ausfallenden Reservedivisionen, war die Division Edels- 
heim am westlichen Flügel weiterhin bestrebt, den preußischen 
Vormarsch zu erkunden. 

Schon am Morgen des 6. Juli war die Disposition des Armee- 
kommandos vom 5.1) bei der Division eingetroffen und hatte 
deren Loslösung aus dem Verband der 3. Armeekolonne veranlaßt. 
Die Nächtigung auf den 7. ist der Beilage III zu entnehmen. Das 
Divisionsstabsquartier hatte sich in Saar Schloß etabliert. Der 
Division war allerdings vom Armeekommando für den 6. Gottseida 
als Marschziel vorgeschrieben worden; da aber für die Truppen 
ein Rasttag notwendig war und der Divisionsstab rückständige 
Kanzleiarbeiten nachzuholen hatte, wodurch gleichfalls der Wunsch 
nach einiger Ruhe entstand, entschloß sich der Divisionär, mit der 
Hauptkraft der Division schon an diesem Tage bis m die Gegend 
von Saar zurückzugehen und dort am 7. stehen zu bleiben 

Die Brio-ade Wallis war bei Gottseida zurückgeblieben und 
hatte nach den Direktiven des Divisionärs den Auf klärungsdienst 
zu übernehmen. „Es trat damit ein ziemlich regelmäßiger 
Dienst in der Aufklärung ein, welcher im großen ganzen bis an 
die Donau beibehalten wurde. Eine Brigade blieb zunächst am 
Feinde, von welcher gewöhnlich ein Regiment in Detachements 
geteilt war. Zwei Brigaden kamen um eine Tagesstaffel zurück 
und hatten relativ Ruhe, wodurch die Truppe so ziemlich geschont 
wurde, weil die Pferde abgesattelt werden konnten. -) 

^gl. die interessantenBetrachtongen, welche der einstigeGeneralstabs- 
chef dei Division FZM. Freiherr v. Waldstätteu in seiner Schrift: .,Die 1^ leichte 
Kaval leried,visicn in der Zeit vom 3. bis 15. Juli 1866" '^^^'^'^^^^^^^. 
erfolgen Berufnngen auf dieses Werk bloß unter Namensangabe de. ^ erta»ser». 

'-!) Waldstätten. 



8 

Das Nachschubmagazin Nr. 4, welches sich bei Saar befand, 
wurde nach Abgabe eines Teiles seiner Vorräte an die Truppen 
der Division zum Abmarsch über Krzizanau und G. Bittesch ange- 
wiesen. 

Am 7. Juli fanden bei der Division nur geringfügige 
Änderungen in der Aufstellung des Dr. 1 statt. ^) Da das Detache- 
ment des Majors Prinz Taxis gänzlich verschollen war, wurde 
der Brigade Wallis der Auftrag erteilt, in der Richtung gegen 
Chroustowitz, Chrudim und Nassaberg durch je einen Zug bis an 
den Feind patrouillieren zu lassen.^) Außerdem wurden noch 
1, 2/Hus. 5 unter Oberstleutnant v. Gabor nach Zdirec geschickt 
und sollten gegen Chrudim und Hermanmestec aufklären, also 
zum Teil in derselben Richtung, in welcher von der Brigade 
Wallis zu erkunden war. Der an die Husarendivision Gabor von 
der Brigade Fratricsevics erteilte Befehl, der auf mündliche 
Weisungen des Divisionärs zurückzuführen sein dürfte, bezeichnet 
den Zweck der Entsendung mit den Worten: ,,zur vollständigen 
Sicherung der linken Flanke und des Straßenknotens [von Zdirec]." 
Oberstleutnant v. Gabor sollte über Hlinsko gegen Bela (westlich 
Luze), über Trhow Kamenitz gegen Nassaberg und gegen Chotebor 
und Kohl Pribram streifen lassen. 

Infolge des erwähnten Befehls der Division ordnete die 
Brigade Wallis an, daß die in Swratka gebliebene Eskadron 3/Dr. 1 
nach Krauna vorzugehen habe, um von dort aus die befohlenen 
Patrouillierungen nach Chroustowitz und Chrudim auszuführen. 
Die von Rittmeister Zemliczka hiezu bestimmten zwei Züge hatten 
von Krauna gemeinsam bis Richenburg zu reiten, dort sollten sie 
sich trennen, um die angegebene Richtung einzuschlagen. Schon 
bei dem bezeichneten Orte kam es indes zu den unter IX des 
Bandes: ,,Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld . . ." er- 
wähnten Plänkeleien mit der zum Schutze der südlichen Flanke 
des preußischen 1. Korps entsendeten Eskadron 4/Dr. 1. Die öster- 
reichischen Dragoner^) zogen sich, nachdem noch der Anmarsch 



^) Vergl. Beilage IV. — 5/Dr. 1 blieb in Zdirec, 3/Dr. 1 hielt anfangs 
in Swratka und wurde nachmittags vom Brigadekommando nach Krauna vor- 
geschickt; 1, 2, 6/Dr. 1 kamen von Swratka nach Gottseida. 

2) Da ein bezüglicher Befehl dennoch an das Detachement Taxis ge- 
langte, wurde der Auftrag sowohl von der Husarendivision als von dem durch 
die Brigade Wallis bestimmten Dr. 1 ausgeführt. 

•') Auch eine Husarenpatrouille vom Detachement Taxis soll sich zur 
Stelle befunden haben. 



eines vom Feinde nach Richenbiirg dirigierten Detachements fest- 
gestellt wurde, nach Krauna zurück. 

Nach den Aussagen von Landleuten hatten sich angeblich 
gegen Skutsch größere Kavalleriemassen, gegen Hohenmauth ,, große 
Infanteriemassen" vorbewegt, in Luze sollten solche stehen.^) 

Wie schon früher bemerkt, hatte bis zum Morgen des 7. 
jedwede Nachricht von dem Detachement des Majors Prinz Taxis 
gefehlt. Aus den nun sukzessive auf mancherlei Umwegen ein- 
langenden Meldungen erfuhr man die bis zum Abend des 6. ge- 
schilderten-) Erlebnisse dieser Husarendivision. 

In der Nacht zum 7. traf durch Vermittlung des Dr. 1 ein 
Befehl der Division ein, je einen Zug nach Chroustowitz, Hrochow- 
teinitz, Chrudim und Hermanmestec zu entsenden. Diese Ab- 
teilungen stießen im Laufe des Tages bei Bojanow auf die 
preußische Avantgarde Mecklenburg, bei Eichenburg und Luze 
auf preußische Kavallerie vom 1. Korps. Auf die Nachricht vom 
Anrücken feindlicher Kavallerie über Richenburg und Neuschloß 
zog sich der Prinz nach St. Katharina zurück unter BelassuDg 
einer halben Eskadron in Prosec und Dirigierung eines Zuges 
nach Krauna. Seine Patrouillen hielten auf der Linie Eichenbui'g — 
Nassaberg — Bojanow Fühlung mit dem Feinde. 

Die Friktion war vornehmlich dadurch entstanden, daß Prinz 
Taxis von dem letzten Richtungswechsel der 1 . leichten Kavallerie- 
division gegen Süden keine Kenntnis erhalten hatte und seine 
Meldereiter nun sämtlich falsche Wege einschlugen. 

FZM. Freiherr v. Waldstätten betont, ,,wie also die Ver- 
bindung mit den im Aufklärungsdienst stehenden Abteilungen gerade 
so einflußreich ist, wie die Beobachtung des Feindes selbst. Andern- 
falls hat die Aufklärung nur einen kriegsgf^schichtlichen Wert.*' 

Prinz Taxis hatte das Vorgehen feindlicher Massen gegen 
Chrudim und Hohenmauth festgestellt. Das ganze vom Detachement 
erbrachte Nachrichtenergebnis verlor indes durch die eingetretene 
Verspätung an Bedeutung. 

Major Prinz Taxis glaubte noch bis zum Abend des 7. Juli, 
daß die 1. leichte Kavalleriedivision nach der am 5. ausgegebenen 
Disposition über Ingrowitz marschiert sei. Endlich traf ein von 
der Brigade Fratricsevics entsendeter Offizier in St. Katharina ein, 
der ihn über die geänderten Verhältnisse aufklärte und den 



1) Vergl. Beilage IV. 

2) Der Eückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld. YIII. 



10 

Auftrag für das Detachement überbrachte, nach Heraletz zu reiten. 
Dies konnte jedoch erst am nächsten Tage (8. Juli) geschehen.^) 

GM. Freiherr v. Edelsheim schickte am 7. einen Offizier nach 
Brunn, um die Weiterinstradierung ab G. Meseritsch zu erbitten. 
In der Nacht zum 8. Juli um 2 ^^ früh traf im Divisions- 
stabsquartier zu Saar Schloß eine von der Brigade Wallis weiter- 
gegebene Meldung des E-ittmeisters Benes, Kommandanten der 
Eskadron 5/Dr. 1, ab Zdirec, 7. Juli, 10^ abends ein, die wegen ihrer 
bemerkenswerten Gründlichkeit im Wortlaut wiedergegeben wird. 
,,Mit Bezug auf den Brigadebefehl vom 7. 11^^) melde 
,,ich, daß der Leutnant Broudre des o. Husarenregiments mit 
„derselben Weisung nach Nassaberg mit seinem Zug abgingt), 
„daher ich meinen Zug erst jetzt abschicke. 

,,Der Leutnant Broudre brachte folgende Nachricht: In 
jjNassaberg wurde für heute abends durch die Preußen Unter- 
,,kunft für Infanterie bestellt. Zahl unbestimmt. Quelle der 
,, Bürgermeister daselbst. 

,,Bei Bojanow stieß der Leutnant Broudre oben am Berg 

,5auf feindliche Husaren, Dragoner und Infanterie, denen er 

,, weichen mußte. In Bojanow sollen bei 4000 Preußen stehen."*) 

.,Um 10^ abends expediere ich den Oberleutnant Herlesch 

,,mit seinem Zug, nach Brigadebefehl. ^) 

,,Eine heute 10^ früh über Chotebor abgesendete Patrouille, 
,,1 Korporal und 5 Dragoner, ist noch nicht zurück. 

,, Oberleutnant Harmos des 5. Husarenregiments, der diese 
,, Route später machte, sagt, daß die Preußen in Goltsch-Jenikau^) 
,, heute 2^ nachmittags mit 120 Reitern requiriert und sich nach 
,,Ronow zurückgezogen haben. '^) 

„Von Patrouillen aus Hlinsko nichts Neues. 
„Heute nachts kam in Studenz der von Slatinan^) geflüch- 
,,tete Verwalter Markel an. Er gibt an, daß im Schloß Slatinan 



^) Hiernach berichtigt sich die Angabe des österreichischen General- 
stabswerkes, IV, 41. 

2) Auftrag, die vom Divisionskomrnando angeordneten Patronillierungen 
an Stelle des nicht auffindbaren Detachements Taxis durchzuführen. Seite 8. 

3) Von der um 12^ mittags nach Zdirec gelangten Husarendivision Gabor. 
*) Avantgarde Mecklenburg. 

^) Nach Nassaberg. 

°) An der Strai3e Caslau— D. Brod. 

') Vermutlich vom preußischen Kavalleriekorps. 

^) bkm südlich Chrudim. 



11 

.,von den Preußen 4 Bataillone Infanterie, 1 Bataillon Jäger, 
.,1 Division Ulanen, mehrere Geschütze, femer ein General. 
;, mehrere Offiziere und Kanzleien untergebracht sind.^ Gestern 
„(am 6.) soll ein Teil der Armee von Chrudim nach Chrast, ein 
,,Teil gegen Nassaberg abmarschiert sein.-; Gestern war in 
,,Hermanmestec eine Eskadron Ulanen^), für heute war im 
,, Schloß Slatinan der kommandierende General Prinz Karl an- 
,, gesagt, samt Suite. '^) 

,Jn Bojanow sollen bei 4000 Preußen stehen.*'^) 



1. leichten 
Kavallerie- 
division. 



Bei der bekannten Bedeutung der führenden Personen ist es Betrachtungen 
begreiflich, daJ3 die 1. leichte Kavallerie division ihre kriegerischen "^"^^^^^r^*^ 
Aufgaben in einer Art zu lösen verstand, die auch heute in 
vieler Hinsicht als vorbildlich gelten muß. 

Diese Schrift hat jedoch die Aufgabe, theoretische Unter- 
suchungen anzustellen, welche die Weiterentwicklung der aus 
unserem letzten Kriege gewonnenen Anschauungen fördern sollen. 
Dies nötigt, Fragen aufzuwerfen, deren Behandlung zu diesem 
Zwecke beizutragen bestimmt ist. 

Das bis zum Morgen des 8. Juli im Divisionsstabsquartier 
vorliegende Nachrichtenergebnis besagt, in knapper Kürze zu- 
sammengefaßt, daß der Feind mit seinen Teten die Linie Richen- 
burg — Bojanow erreicht habe. 

Sucht man aus Beilage IV, welche die Abendsituation am 
7. Juli darstellt, jene ideale Forderung zu konstruieren, welche an 
die Aufklärungstätigkeit der Division gestellt werden konnte, so 
ergeben sich folgende Lücken gegenüber dem tatsächlich gebotenen 
Bilde. 

Die preußische Operationsfront reichte im Westen 
bis Caslau. 

Wiederholt tadelt FZM. Freiherr v. Waldstätten in seiner Schrift, 
daß von Seiten der 1. leichten Division der Straße von Kolin über 
D. Brod nach Iglau zu spät Beachtung geschenkt wurde. Die 
Schuld trifft jedoch in viel höherem Maße das Armeekommando, 
welches durch den größeren Überblick über die Gesamtsituation 



') Vom preußischen 1. Korps. 

2) Einzige Andeutung über die divergierenden Marschrich- 
tungen der preußischen Armeen. 

3) Vorübergehend, vielleicht von der Avantgarde Mecklenburg. 



4^ 



^) Avantgarde Mecklenburg. 



12 

befähigt und berufen gewesen war, den Rahmen für die Aufklärung 
festzustellen. Dies wurde jedoch weder in der am 5. Juli in Leito- 
mischl entworfenen Disposition getan, noch enthält der Befehl für 
das Kavalleriekorps einen solchen unbedingt erforderlichen Hinweis. 
Im Armeehauptquartier hatte man mutmaßlich damit gerechnet, daß 
die preußische Gesamtkraft der auf Olmütz zurückgehenden Nord- 
armee direkt folgen werde. In solchem Falle lag die erwähnte 
E-eichsstraße allerdings außerhalb des in Betracht kommenden 
Operationsraumes. 

Erhebliche Kräfte des feindlichen linken Heeres- 
flügels hatten sich am 7. Juli in östlicher, die Haupt- 
massen in südlicher Richtung fortbewegt. 

Die Gründe, warum diese wichtige Tatsache infolge mangelnder 
Kontinuität in der Aufklärung den Blicken der Division Edelsheim 
entgangen war, sollen später erörtert werden, wenn sich für die dann 
aufgestellte Behauptung die Zahl der Belege gehäuft haben wird. 

Zwischen Caslau und Bojanow mußten die feind- 
lichen Abteilungen als solche der Elb- und 1. Armee, 
bei ßichenburg, Luze etc. als solche der 2. Armee fest- 
gestellt werden. 

Die von der Division wirklich erbrachten Nachrichten ließen 
sich von der obersten Führung nicht zu brauchbaren Kombinationen 
verwerten, weil über die Zugehörigkeit des angetroffenen Gegners 
Angaben mangelten. 

FZM. Freiherr v. Waldstätten äußert selbst: 

,, Gefangene sind im Nachrichtendienst das wertvollste Objekt". 

Bis dahin wurden keine gemacht, vielleicht, weil die preußische 
Kavallerie mit großer Vorsicht vorging und keinen ebenbürtigen 
Aufklärungsdienst entfaltete. 

Das radikalste Mittel, dem Feinde Gefangene zu entreißen, 
ist unstreitig der Kampf. 

An den Befehl des Armeekommandos zum Rückzug der 
Division nach Süden, knüpft der einstige Generalstabschef folgende 
Betrachtung: ,,Der erneuerte Widerstand bei Wien erschien als 
eine Konzentrier ung zu einer neuen Schlacht daselbst und 
dazu mußte der Heereskörper möglichst intakt, zahlreich und 
schlagfertig an der Donau eintreffen".^) 



^) Es sei an dieser Stelle an die Kämpfe der Division Edelsheim vor 
Königgrätz erinnert (Langenbruck, Sichrow, Jicin); in der jetzigen Operations- 
phase glaubte man dem Ganzen mehr zu nützen, wenn man die Kräfte für 
den an der Donau gewärtigten Entscheidungsschlag aufsparte. 



13 

Demnach wollte mar] größere, verlustreiche Kämpfe vermeiden. 
Der Zweck, Gefangene zu machen, ließ sich aber, wie dies auch später 
geschah, durch kleinere Patrouillenscharmützel noch immer erreichen. 

Von Interesse ist es ferner, das Verfahren zu beleuchten, 
welches bei der 1. leichten Kavalleriedivision zur Durchführung 
der Aufklärung in den letzten Tagen eingeschlagen wurde. 

Am 4. Juli wird die Division Kutschenbach (1, 4 Dr. 2) der 
Brigade Appel knapp südlich der Elbe zur Wiederaufnahme der 
Fühlung mit dem Feinde zurückgelassen; am 5. Juli erfolgt die 
Ausscheidung der Division Taxis (4, 5/Hus. 8) der Brigade Fra- 
tricsevics, welche hinter der Division Kutschenbach in Chrudim 
angesetzt wird, um diese im Aufklärungsdienst abzulösen, nach 
Chrast wurde die Division Krenosz (1, 3/Hus. 9) der Brigade 
Appel zur Deckung der nördlichen Flanke der 3. Kolonne dis- 
poniert. 

Am Nachmittag dieses Tages wurden die Dragoner- und die 
beiden Husarendivisionen in Scharmützel mit der über Chrudim 
vorgegangenen preußischen Brigade Wnuck verwickelt und näch- 
tigten schließlich alle drei bei Chrast. 

Statt einer angemessen breiten Aufklärungsfront begnügen 
sich die sechs Eskadronen mit der einzigen Straßenlinie über 
Chrudim. Der Gesichtskreis der Truppendivision verengte sich er- 
heblich. Jedes Erscheinen stärkerer KJräfte des Feindes, welches 
zu Scharmützeln führt, wird auf Auf klärungseskadronen immer eine 
berechtigte Anziehungskraft ausüben; es wird sie häufig aus ihrer 
Zone heraus in die benachbarte hineinziehen, wo sie ihre der Reiter- 
waffe angeborene Kampflust betätigen können. 

Es muß indes angestrebt werden, die alte Ordnung der Dinge 
tunlichst bald wiederherzustellen. 

Über das Verfahren, Nachrichtendetachements (Kutschenbach, 
Taxis) bei eigener rückgängiger Bewegung abzulösen, ohne die 
Kontinuität der Aufklärung zu imterbrechen. wird sich noch später 
Gelegenheit finden, Betrachtungen anzustellen. 

Der Generalstabsschef der Truppendivision deutet in seiner 
Schrift selbst an, daß die Entfaltung des Aufklärungsapparates in 
diesen Tagen zu dürftig ausgefallen war, man mußte einen viel 
breiteren Raum einbeziehen, um so mehr als der Nachbar zur 
Rechten noch nicht mitwirkte und sichtlich alle Aufgaben der 
Division Edelsheim allein zufielen. 

Vom 6. Juli ab wird der Dienst in der Weise gehandhabt, 
daß mit tag w ei sem Wechsel immer eine Brigade die Aufklärung 



14 

und Sicherung — Begriffe, die damals noch nichfc so scharf atis- 
ein and ergehalten wurden wie heute — in erster Linie bestritt, 
während die beiden anderen, vom Feinde entfernt, mehr der 
Euhe pflegen konnten. Da am 7. Juli ein Rasttag gehalten wurde, 
stand die Brigade Wallis an beiden Tagen in letzterem Dienste. 

Von der Husarendivision Taxis waren — wie früher erwähnt — 
keinerlei Nachrichten eingelaufen ^) : im Divisionsstabsquartier wußte 
man daher nicht, ob sie im Aufklärungsdienst tätig war oder nicht. 
Dies bewog am 7. den energischen Divisionär, dem die Unsicher- 
heit nicht behagte, zu dem bekannten Befehl an die Brigade 
Wallis, die Aufgaben des verschollenen Detachements Taxis zu 
übernehmen. Die nach Zidirec und Krauna vorgeschobenen Eska- 
dronen des Dr. 1 wurden hiemit beauftragt. 

Da am 8. Juli die Brigade Fratricsevics an die Stelle der 
vorne befindlichen Brigade Wallis treten sollte, wurde schon am 
7. die Division Gabor (1, 2/Hus. 5) der ersteren Brigade nach 
Zdirec gesendet, um die dort befindliche Eskadron der letzteren 
abzulösen. 

Wie gestaltete sich nun auf Grund dieser Anordnungen die 
Aufklärungsttäigkeit bei der 1. Kavalleriedivision am 7. Juli? 

Das Detachement Taxis besorgte, zwar für das Divisionsstabs- 
quartier verschollen — aber dennoch von einem Befehl in nicht ganz 
geklärter Weise ereilt — zwischen Neuschloß und Bojanow den 
Aufklärungsdienst, dem in Unkenntnis dessen im gleichen Räume 
die Eskadronen 3 und 5/Dr. 1 der Brigade Wallis oblagen. Im 
Westen dieses Raumes hatte die Division Gabor die Erkundungen 
am Nachmittag des 7. aufgenommen, Rittmeister Benes schickte 
aber noch am Abend einen Zug seiner Eskadron gegen Nassaberg. 
Im Interesse rationeller Arbeitsteilung hätte indes eine scharfe Be- 
grenzung der Aufgaben im räumlichen und zeitlichen Sinne platz- 
greifen müssen. 

Das Kavai- überblickt man die Wirkung der in der Armeedisposition 

leriekorps am ^^^ Formierunö: des Kavalleriekorps betreffenden Anordnungen, so 

Abend des ^ . . . 

7. Juli. muß festgestellt werden, daß sie bis zum Abend des 7. Juli noch 
keineswegs durchgegriffen hatten. Die 2. und die 3. schwere 
Division hielten nicht am richtigen Platze. Die 1. leichte Kavallerie- 
division hatte von ihrer Unterstellung unter das Korpskommando 



^) Das Eegiment Hus. 8 war im Frieden Edelskeim nicht unterstellt 
gewesen. 



Hauptquartier. 



15 

noch nichts erfahren und wirkte wohl sachgemäß im Interesse des 
Ganzen, zunächst aber noch vollkommen selbständig nach Zielen, 
die sich ihr Führer selbst gesteckt hatte. 

Sichtlich hatte das Korpskommando zu sehr darauf vertraut, 
daß sich die Befehlsübermittlung vom Armeehauptquartier in Zwittau 
zu den Divisionen reibungslos vollziehen werde und daher ver- 
säumt, selbst kräftig mitzuwirken. Über Offizierspatrouillen der 
1. Reservekavalleriedivision konnte das Korpskommando sofort ver- 
fügen, die Funktionierung des Telegraphen mußte ohne Verzug 
ausprobiert werden. 

IL 
Der 8. Juli. 

Zum Verständnis der nunmehr nach Abtrennung der 2. Armee Die 

von den preußischen Hauptkräften gegen Süden angetretenen Be- Disposit^o*^ ^" 
wegungen sollen noch einmal die beiden letzten Dispositionen des «) Großes 
großen Hauptquartiers in Erinnerung gebracht werden. 

In der Abenddisposition vom 6. Juli hieß es, daß die 1. Armee 
über Chrudini, Skutsch die Richtung auf Policka, die Eibarmee 
jene über Caslau nach Kreuzberg einzuschlagen habe. 

Die am 7. Juli 9 ° vormittags ausgegebene Disposition weist 
der Eibarmee die Direktion über Caslau gegen Igl au zu, ,, wo- 
durch der 1. Armee die beiden großen Straßen von Chrudim über 
Skutsch gegen Policka sowie über Kreuzberg— Neustadtl zufallen". 

Im unwahrscheinlichen Falle eines österreichischen Angriffes 
auf die 2. Armee wird dieser die Unterstützung durch den linken 
Flügel der 1. zugesagt. 

Die preußische Heeresleitung betrachtete nunmehr den Abzug 
der Hauptkräfte der Nordarmee nach Olmütz als nahezu zweifellos, 
obwohl am Abend des 7. die tatsächliche Situation des kaiserlichen 
Heeres noch immer die Abschwenkung nach Süden gestattet haben 
würde. Allerdings, wozu hätten sich dann die österreichischen 
Kolonnen bis dahin immer gegen Südosten bewegt? 

Der am 8. Juli, 9 ^ vormittags in Pardubitz verfaßte Opera- 
tionsbefehl schließt die Kette der vorangegangenen Dispositionen; 
an Stelle schrittweiser Dirigiernng nach nächstgelegenen Zielen 
treten nun infolge der als völlig klar angesehenen Lage Direktiven, 
die auf längere Zeit und über weite Räume hinaus dem Handeln 
als Richtschnur dienen sollen. 



16 



Der erwähnte Operationsbefehl lautete: 

,,Im Allerhöchsten Auftrag Seiner Majestät des Königs 
,, teile ich den Armeekommandos nachstehend die den nun 
,, folgenden Operationen zu Grunde liegenden Absichten mit, 
,, wovon indessen die untergebenen Kommandobehörden immer 
,,nur die zur Erreichung des Zweckes notwendige Kenntnis zu 
,, erhalten haben. 

,,Die Zweite Armee erhält die Bestimmung, sich auf 
,, einer Linie Littau — Konitz gegen Olmütz aufzustellen und wird 
,,ihre Avantgarde fortwährend suchen, den Feind zu erreichen 
,,und möglichst zuverlässige Nachrichten über den Verbleib 
,, seiner Hauptkräfte einzuziehen. Ein förmlicher Angriff auf 
,, Olmütz wird nicht beabsichtigt, wogegen die Zweite Armee 
,,aber jede Gelegenheit zu möglichen Unternehmungen benützen 
,,und die rahige Retablierung des Feindes zu hindern suchen 
,,wird. In dem nicht wahrscheinlichen Falle einer allgemeinen 
., Offensive der Armee aus Olmütz mit entschieden überlegenen 
,, Kräften würde die Zweite Armee nicht auf die beiden anderen, 
,, sondern auf die Grafschaft Glatz auszuweichen und den Feind 
,,nach sich zu ziehen haben. Demgemäß sind auch die rück- 
.,wärtigen Kommunikationen dieser Armee auf Glatz zu basieren. 

,,Die Erste Armee dirigiert sich auf den beiden Straßen 
,,über Policka — Kunstadt und über Kreuzberg — U. Rozinka auf 
,, Brunn. 

,,Der Eibarmee wird von Iglau aus, je nach der Sach- 
,,lage beim Feinde, die weitere Direktion entweder gleichfalls 
,,auf Brunn oder über Znaim angewiesen werden. Dieselbe hat 
,,in Iglau sofort mit Anlage eines großen Magazins vorzugehen. 

,,Das Hauptquartier Seiner Majestät des Königs 
,,geht am 9. d. M. nach Hohenmauth, wo deshalb von der 
,, Zweiten Armee ein angemessenes Detachement zur Deckung 
,. zurückzulassen ist, am 10. nach Zwittau. 

,, Meldungen der Eibarmee sind in den nächsten Tagen 
,, durch Vermittlung der Ersten Armee weiter zu befördern, wozu 
,,sich diese Armeen ihre beiderseitigen Marschdirektionen mitzu- 
,, teilen haben. 

,,Eine Bestimmung über Verstärkung, beziehungsweise Ver- 
.,minderung der gegen Olmütz aufgestellten oder der auf Wien 
jjOperierenden Armee bleibt vorbehalten. Einstweilen ist bereits 
,,die Versammlung des ganzen 1. Eeservekorps bei Prag in der 
,, Ausführung begriffen". 



17 

Über den die 2. Armee betrefienden Teil dieser Anordnungen 
bandeln ,,Die kritiscben Tage von Olmütz im Juli 1866". 

Die 1. Armee erbielt Brunn als Operationsziel, für die Eib- 
armee behielt man sich noch ferner die Alternative vor, sie ent- 
weder zur Unterstützung der 1. gleichfalls gegen Brunn oder unter 
Beibehaltung der breiten Operationsfront gegen Znaim zu dirigieren. 

Die Schlußstelle des zitierten Befehles findet in dem 
Kriegstagebuch des großen Hauptquartiers die Erläuterung, daß 
,, genaue Nachrichten, mit welchen Kräften der Feind auf Olmütz 
und mit welchen er nach Wien zurückgegangen war", noch immer 
nicht vorlagen. Man ersieht, was nach dem Vorgesagten im Kriege 
unter ,, Klarheit" verstanden werden muß. 

Hier liegen die Ursachen der schwankenden Grundlagen für 
die Entschlußfassung vollkommen zu Tage: Nichtverwendung 
der Kavallerie! 

Moltke wandte das durch die vorstehende Disposition gekenn- 
zeichnete Verfahren zur Leitung mehrerer auf einem Kriegs- 
schauplatz vereinter Armeen an, ohne durch deren räumliche 
Entfernung hiezu unbedingt genötigt zu sein. Viele Stimmen in 
allen Lagern liehen damals der Empfindung Ausdruck, daß der 
Feldherr hiedurch den Armeeführern ein zu ausgedehntes Maß 
selbständigen Handelns gewährte, wodurch die Ausführung seiner 
operativen Gedanken leicht gefährdet werden konnte. 

Ganz abgesehen von den Erfolgen, welche Moltkes Befehl- 
gebung für sich beanspruchen kann — auch Napoleon erzielte 
solche mit seinem anders gearteten, zentralistischen Verfahren ^) — 
und weiters abgesehen von dem Einfluß der immer mehr wachsenden 
Heeresstärken, scheint zu Gunsten Moltkes ein bekanntes psycho- 
logisches Argument am meisten zu sprechen: der allzusehr ge- 
gängelte Unterführer verliert bald das Bedürfnis, sich den Über- 
blick über das Ganze zu erhalten. Die Elastizität, im Geiste des 
erteilten Auftrages zu handeln, auch wenn sich die Grundlagen 
desselben verschoben haben, wird beeinträchtigt. Während der mit 
großem Spielraum für seine Tätigkeit ausgestattete General Miß- 
griffe der obersten Führung auszugleichen bestrebt sein wird, 
werden sie dem Blicke des am straffen Befehlsseile Gehaltenen 
wahrscheinlich gänzlich entgehen; er fühlt, daß auf eine geistige 
Mitwirkung außerhalb des allerengsten, seiner Kommandostelle ge- 
zogenen Rahmens, nicht gerechnet wird. 



^) Der Herbstfeldzug 1813 ausgenommen. 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 



18 

So nahm Moltke lieber alle Friktionen — und solche sind 
gerade in dieser Operationsperiode häufig entstanden — in den 
Kauf, um sich die höherstehenden Vorteile seines Verfahrens zu 
sichern. 

Aus einem Briefe des im großen Hauptquartier anwesenden 
Kriegsministers, General v. Eoon, vom 8. Juli entnimmt man, daß 
an diesem Tage der Zug der preußischen Hauptkraft nach der 
Donauresidenz als festbeschlossene Tatsache angesehen wurde. 
,,Ich rechne, daß wir in 14 Tagen mit 130.000 Mann vor den 
Toren von Wien stehen werden." 

Ein weiterer, am selben Tage ausgegebener Erlaß der obersten 
Stelle mahnt zu geordneterer Durchführung des Fuhrwerksverkehrs 
im Rücken der Armee. ,,Eine stärkere als die bisher bemerkte 
Bedeckung der Kolonnen^) wird sich beim weiteren Vormarsch 
schon deshalb empfehlen, weil Versuche der feindlichen Kavallerie 
gegen unsere Convois durchaus nicht unwahrscheinlich sind." Dieser 
Passus klingt heute wie ein nachträglicher Vorwurf gegen unsere 
Kavallerie, daß sie in dieser Hinsicht der Forderung der Benedek- 
schen Disposition aus Zwittau, ,,dem Feinde, wo nur immer möglich, 
Abbruch zu tun" so wenig entsprochen hatte. Dieser Vorwurf 
trifft das österreichische Kavalleriekorps nicht ganz unverdient. 

Der letzterwähnte Erlaß warnt zum Schluß vor unbefugter 
Zerstörung der Bahn- und Telegraphenlinien. 

b) 1. Armee. Die im Hauptquartier zu Hermanmestec für den 8. Juli ent- 

worfene Disposition führte die preußische 1. Armee 20 bis 25 hn 
weiter nach Süden, mit den Spitzen bis in die Höhe von Neuesdorf 
(nordwestlich Chotebor) und Hlinsko; für die Avantgarde 
Mecklenburg und das Kavalleriekorps enthält sie gleich- 
falls nur Anordnungen für den Ortswechsel. 

Bei der 1. Armee hatte sich die Gepflogenheit herausgebildet, 
außer der Marschdisposition an die einzelnen Heereskörper noch 
eine gesonderte Zuweisung der Ortschaften zum Belag und zur 
Requisition auszugeben. 



armee. 



c) Die Eib- * Auf Gruud der Disposition vom 7. Juli wurde beim Ober- 

kommando der Eibarmee ein Marschtableau angefertigt und am 
folgenden Tage früh nach Pardubitz gesendet. Hienach wollte 
General v. Herwarth die etwas über 50 hn messende Entfernung 
von Goltsch Jenikau nach Iglau in drei Tagen hinterlegen, daher 

^) Fuhrwerkskolonnen. 



19 

am 11. mit der Hauptkraft der Armee die letztgenannte Stadt 
erreichen. Mit Ausnahme der 15. Division, welche auf die west- 
liche Parallelkommunikation über Swetla — Heraletz gewiesen war, 
hatte alles übrige auf der Reichsstraße zu marschieren. 

Die an die unterstehenden Divisionen ausgegebene Marsch- 
disposition enthält nichts Bemerkenswertes. Die nach Habern 
dirigierte Avantgarde Schöler erhielt Befehl, bis halben Weges 
nach D. Brod und Swetla zu patrouillieren. 



"Wir kehren auf österreichische Seite zurück, um den Zu- 
sammenhang der vorstehend disponierten preußischen Bewegungen 
mit den Ereignissen beim kaiserlichen Kavalleriekorps aufzusuchen. 

Es sei bei der am östlichen Flügel nächst Policka näch- 
tigenden 1. Reservekavalleriedivision begonnen. 

Infolge des am Abend des 7. bei Zwittau stattgehabten Über- 
falles verging die Nacht unruhevoll. Von der zwischen Friedrichshof 
und Lubna stehenden Eskadron liefen unausgesetzt Meldungen über 
angebliches Vordringen des Feindes ein. Um 3*^ früh wurden 
2 E/Kür. 9 zur Aufnahme der Ulanen nach Hana vorgezogen, da 
das dortselbst stehende Kür. 6 zur Division einrücken sollte. 

Um 4^ früh brach die 1. schwere Division — Kür. 6 als 
Nachhut — auf, da es hieß, der Feind wäre im Anmarsch gegen 
Policka. Der Train der Brigade Solms, der sich verspätet hatte, 
schob sich in die Kolonne ein und verzögerte den Marsch. 

Erst um 11^ vormittags wurde Brüsau erreicht (20 Z;m), wo 
die Division nach dem Marschtableau stehen bleiben sollte. Hier 
rastete zur Zeit die Brigade Roth des 8. Korps, deren Marsch über 
Zwittau bereits als zu gefährdet angesehen worden war.^) 

Als neue Nachhut wurde Ul. 4 ausgeschieden, welches bei 
Greifendorf Aufstellung nahm, im Laufe des Tages über Zwittau 
bis Mohren patrouillierte und den Abzug schwächerer feindlicher 
Husarenabteilungen gegen Bhm. Trübau konstatierte. Es war die 
von Oberstleutnant v. Barnekow bei Niki und Überdörfel zurück- 
gelassene kombinierte Eskadron von Hus. 2. 

Dem kaiserlichen Ulanenregiment gelang es, von dem in 
Zwittau stehengebliebenen Wagenmaterial noch zwölf gefüllte Rüst- 
und zwei Kassawagen mit requirierten Pferden zu retten. Mit dem 
bei Mhr. Trübau stehenden 8. Korps wurde die Verbindung auf- 
genommen. 



Die öster- 
reichische 
1. Reserve- 
kavallerie- 
division. 



^) Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld des 3. Juli. Seite 112. 

2* 



20 

Der in Brüsau anwesende Korpskommandant, FML. Prinz 
Holstein, hatte indes das Verbleiben der 1. schweren Division an 
dem ihr vorgeschriebenen Punkte Brüsau infolge der ungünstigen 
Terrainverhältnisse als bedenklich erachtet und erteilte den Befehl 
zur Fortsetzung des Rückzuges. 

Die Haupttruppe der Division marschierte um 2 ^ nachmittags 
wieder ab — Ul. 4 blieb bei Greifendorf — und ritt im Zwittawatal, 
fortwährend durch sächsische Trains aufgehalten, bis zum Meierhof 
Strzebetin zurück. An das Korpskommando, welches sich am 
Nachmittag gleichfalls nach rückwärts begab und sein Hauptquartier 
in Switawka etablierte, wurde von der Division die Bitte gerichtet, 
am 11. Juli in Brunn rasten zu dürfen, um die Schäden am Huf- 
beschlag sowie an Montur und Rüstung nach Möglichkeit beheben 
zu können. 

Das 10. Korps. Hinter der Division war bekanntlich das 10. Korps am 8. 

von Brüsau nach Lettowitz marschiert; 14 Kompagnien von den 
Brigaden Mendel und Wimpffen sicherten dort gegen Nord und 
West die sofort beginnende Einwaggonierung. 

Der Abtransport des 10. Korps war eine Improvisation im 
vollsten Sinne des Wortes. 

Das ganze Betriebsmaterial war nach der Schlacht bei König- 
grätz über Brunn hinaus zurückgezogen, ein Zuschub über Olmütz — 
Bhm. Trübau war ausgeschlossen, weshalb das nötige Material ad hoc 
von der Brunn — Wiener Strecke nach Lettowitz zurückdirigiert 
werden mußte. Von einer zweckmäßigen Zusammensetzung der 
Zugsgarnituren konnte daher nicht die Rede sein; selbst Kohlen- 
transportwagen mußten für die Beförderung der Mannschaft heran- 
gezogen werden. 

Da sich in Lettowitz keine Rampe zur Einwaggonierung von 
Geschützen und Fuhrwerken befand, mußte eine solche von der 
Pionierkompagnie des Korps in aller Eile erst hergestellt werden; 
bis zu ihrer Vollendung wurde nur Lifanterie abtransportiert. 

Die militär-technische Leitung besorgte die Feldeisenbahn- 
Transportleitung, Oberstleutnant v. Nemethy und Hauptmann Anton 
V. Pitreich des Generalstabskorps. i) Von Seiten der Bahn war an 
dem Transport Bahningenieur v. Kuttig — der heutige Betriebs- 
direktor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn — beteiligt. 2) 

^) Letzterer verfaßte die Disposition zum Abtransport. 
2) Kuttig hatte sich in der vorangegangenen Zeit bei Evakuierung des 
Bahnhofes Pardubitz hervorragend betätigt. Ihm waren in bahntechnischer 



21 

Am 8. Juli wurde die Brigade Knebel befördert, ihr folgte 
am 9. der Rest des Korps; mit dem letzten Zuge verließen am 
Abend der interimistische Korpskommandant GM. Baron Koller^), 
Generalstabschef Oberst Baron Bourguignon und die vorgenannten 
Personen der Eisenbahn -Transportsleitung die Station Lettowitz. 

Nach einer Schrift des Oberstleutnants im Generalstabskorps 
Zanantoni ,,Die Eisenbahnen im Dienste des Krieges'" wurden von 
Lettowitz innerhalb 38 Stunden in 20 Zügen : 22.000 Mann, 
900 Pferde, 200 Geschütze und Fuhrwerke abtransportiert. 

Die Korpsanstalten hatten in starken Fußmärschen über 
Brunn, Pohrlitz und Nikolsburg gegen Wien zu rücken. 



Die 2. und 3. schwere Division, welche die durch den Die 2. und s. 



Überfall bei Zwittau gestörte Nacht zum 8. marschbereit im Lager 
bei Bohnau zugebracht hatten-), schickten sich nun an, die ihnen 
im Marschtableau für die weitere ßückzugsbewegung vorgezeich- 
neten Straßenzüge zu erreichen. 

Die 2. schwere Division brach erst nach dem Abkochen 
um 9 ^ vormittags mit dem Gros nach Oels auf ^), Kür. 1 hatte bei 
Bistrau Vorposten aufgestellt. Patrouillen dieses Regiments sollen 
bei Policka mit feindlichen zusammengestoßen sein."^) 

Das Operationsjournal der Division enthält hinsichtlich des 
Feindes nur den Vermerk, daß 2000 Preußen in Leitomischl ein- 
gerückt wären. ""j Wie diese Nachricht erbracht wurde, ist nicht 
zu ersehen. 

Die 3. schwere Division erreichte ßossoch, Ul. 11 besorgte 
bei Ingrowitz den Sicherungsdienst. Dieser letztere Ort war zur 



öster- 
reicliische 

Eeserve- 
kavallerie- 

di Vision, 



Hinsicht die weitgehendsten Befugnisse über alle das Operationsgebiet der 
Xordarmee durchziehenden Linien eingeräumt. Nach der Bewältigung der 
Transportsimprovisation bei Lettowitz wirkte Kuttig noch in Olmütz an 
leitender Stelle an dem Abschub des 3. und Teilen des sächsischen Korps mit. 

Sachverständige haben die damaligen Leistungen der Bahnen unter den 
bestehenden außerordentlichen Erschwernissen als geradezu erstaunliche be- 
zeichnet. 

^) FML. Baron Gablenz berichtete dem Armeekommando über den Miß- 
erfolg seiner zweiten Sendung ins preußische Hauptquartier. 

-) Vergl. Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld, Seite 136. 

^) Das Stabsquartier und Brigade Boxberg kantonierten in Oels und 
Cerhow, die Brigade Soltyk (ohne Kür. 1) lagerte bei Kcenov. 

*) Nach einer, sonstiger Bestätigung entbehrenden Angabe der Eegi- 
mentsgeschichte. 

^) Es war das ganze preußische 1. Korps. 



di Vision. 



22 

Zeit mit Fuhrwerken des noch nicht in sein Verhältnis gelangten 
Kolonnenmagazins der Division angefüllt. Als eine sächsische 
ßeiterpatrouille dorfcselbst auftauchte, entstand ein unnötiger Alarm. 
Ul. 11 nahm hierauf in der Nähe von Pawlowitz Aufstellung. 

Mit der 1. leichten Kavalleriedivision wurde die Verbindung 
hergestellt.^) 

Die im Operationsjournal der Division befindliche Notiz: 
,, Ausgeschickte Patrouillen treffen auf feindliche Vorposten", läßt 
sich nicht nachprüfen, da sonst hierüber nirgends eine erklärende 
Andeutung aufzufinden ist. 

Die 1. leichte Die Situation der 1. leichten Kavalleriedivision in der 

Nacht zum 8. Juli ist in Beilage IV dargestellt. 

Im Sinne der Armeedisposition vom 5. Juli dirigierte GM. 
Freiherr v. Edelsheim die Hauptkraft der Division nach Ostrau — 
Radostin. 

Den Dienst der Brigade Wallis, welche ihre beiden nach 
Zdirec und Krauna vorgeschobenen Eskadronen von Dr. 1 einzog, 
übernahm die Brigade Fratricsevics, welche auf ihrem Lagerplatz 
bei Saar Schloß stehen blieb. 

Die Husarendivision Taxis rückte von St. Katharina unter 
Zurücklassung einer halben Eskadron bei Heraletz im Laufe des 
Nachmittags zur Brigade ein. Der Auf klärungs dienst ruhte somit in 
den Händen der in Zdirec aufgestellten Division 1/Hus. 5. 

Auf den Straßen nach Nassaberg und Chotebor fanden 
die Radetzky-Husaren Gelegenheit, den Anmarsch der preußi- 
schen Avantgarde Mecklenburg und des Kavalleriekorps zu 
erkunden. 

Leider wich die Division des Oberstleutnants v. Gabor kurz 
nach Mittag, wohl mehr auf Grund übertriebener Gerüchte als 
vom Gegner gezwungen, wie sich dies aus dem Vergleich mit 
den preußischen Maßnahmen unzweifelhaft ergibt, zu früh von 
ihrem Aufstellungspunkt 2direc zunächst nach Kreuzberg, in der 
weiteren Folge aber bis Skrdlowitz zurück. Dahin war der Brigadier 
GM. V. Fratricsevits vorgeritten, um von den, dort eine weite 
Eundsicht bietenden Höhen zu ermitteln, ob die angekündigte 
Vorrückung des Feindes tatsächlich stattfinde. 



^) Durch eine Oö'izierspatrouüle von Ul. 11, welche über Neustadt! und 
Saar ritt, am Morgen des 9. bei der Division Edelsheim anlangte und mit 
Dienstschriften derselben am Abend dieses Tages wieder bei der eigenen 
Division eintraf. 



23 

Im Brigadestab war man auf den Oberstleutnant schlecht zu 
sprechen, da nunmehr die Fühlung mit dem Feinde auf mehrere 
Stunden abriß. 

Gegen Abend, als mit Sicherheit festgestellt war, daß nur 
feindliche Reiterpatrouillen den wichtigen Straßenknoten von Zdirec 
passiert, sich aber wieder zurückgezogen hatten, sandte Fratricsevics 
den Rittmeister v. Galgoczy^) mit den Eskadronen 6 Hus. 5 und 
4/Hus. 8 wieder dahin vor. 

Der 8. Juli ist ein Ehrentasr für die Patrouillen der 
Radetzky-Husaren. 

Eine Offizierspatrouille unter Leutnant Turek konstatierte 
den Vormarsch der. die Tete des preußischen Kavalleriekorps 
bildenden Brigade Bismarck über Wilimow gegen Chotebof. Es 
gelang, eine in den letzteren Ort ahnungslos vorausreitende Stabs- 
ordonnanz des preußischen Kavalleriebrigadiers fast angesichts der 
anmarschierenden Haupttruppe gefangenzunehmen. 

Dieser Husarenstreich wirkte außerordentlich alarmierend. Der 
feindliche Divisionskommandeur. General v. Hann, sprengte an der 
Spitze der ersten Truppen durch Chotebor hindurch, um sich zu 
überzeugen, ob man nicht unversehens auf stärkere Kräfte des 
Gegners gestoßen war. 

Dem preußischen Kavalleriekorps, dessen Tete nach der Armee- 
disposition nur bis Xeuesdorf hätte gelangen sollen, zog die nach 
den vorstehenden Ereignissen erfolgte Besetztmg von Chotebof den 
Tadel des Oberkommandos wegen der zu exponierten Dislo- 
kation zu. Die Unternehmungslust der Reiterei mag hiedurch 
nicht angespornt worden sein. 

\2 E/Hus. 5 ging auf der Straße über Trhow Kamenitz vor; 
es kam zu Scharmützeln, vermutlich mit der Kavallerie der preußi- 
schen 6. Division. Eine über Hlinsko vorgegangene^ 17 Reiter 
starke Offizierspatrouille fand den Ort bei ihrer Rückkehr besetzt; 
nur unter erheblichen Opfern glückte es, sich durchzuschlagen. 

Den Einmarsch der preußischen Avantgarde Mecklenbui'g in 
Hlinsko beobachtete eine schwache Unterofßzierspatrouille. eben- 
falls vom Regiment Radetzkj^-Husaren. Als die Unterkünfte be- 
zogen waren, bemerkte der Führer der Patrouille, daß sich zwei 
preußische Infanteristen (von F 48 nach einem einzelnstehenden 
Hause außerhalb des Ortes begaben. Er sprengte auf sie los und 
nahm sie gefangen. 



*) Naclimals Kommandant des 1*2. Korps. 



24 

Die vom Herzog v. Mecklenburg erstatteten Meldungen 
sprachen von 4 gegenübergestandenen österreichischen Husaren- 
eskadronen der Regimenter Liechtenstein^) und Radetzky. 

Aus den Aussagen der bei Hlinsko gefangenen Infanteristen 
erfuhr man die genaue Ordre de bataille der Avantgarde Mecklen- 
burg; der bei Chotebor gefangene Kürassier teilte mit, daß nach 
diesem Orte am selben Tage noch vier Kavallerieregimenter ge- 
langen würden. 

Am Vortag wurde von einer Patrouille der Husarendivision 
Taxis bei Richenburg ein feindlicher Reiter des 1. Leibhusaren- 
regiments gefangen, welcher angab, daß dort die Avantgarde des 
1. Korps stehe.^) 

Mit dem Nachrichtenergebnis vom 8. Juli konnte die 
Division Edelsheim wohl zufrieden sein. 



Das Vorgehen 
der preußi- 
schen Elb- 
armee. 



Nur über die Eibarmee, deren Vormarschzone in das Auf- 
klärungsgebiet der 1. leichten Kavalleriedivision fallen sollte, kamen 
dem Divisionsstab aus den bereits angegebenen Gründen bloß 
Gerüchte zu Ohren. 

Der Husarendivision Gabor war allerdings von der Brigade 
Fratricsevics anbefohlen worden, von Zdirec gegen Caslau zu 
patrouillieren. Doch war an ein Durchdringen nicht zu denken, 
da hier das preußische Kavalleriekorps vorrückte. 

In der Nacht zum 8. wurde über Requisitionen bei Goltsch 
Jenikau gemeldet.^) 

Am Nachmittag erfuhr man in Ostrau gerüchtweise, daß 
am Vortag 12.000 bis 14.000 Preußen in Caslau eingerückt 
wären. *) 

In einem zur selben Zeit eingelangten Bericht der Brigade 
Fratricsevics wurde der Antrag gestellt, daß von der Hauptkraft 
der Division in der Richtung gegen D. Brod gestreift werden 
möge. Eine am 8. dort gewesene Patrouille der Brigade hatte 
allerdings den Ort noch vom Feinde frei gefunden. 

Der Avantgarde der Eibarmee unter General v. Schöler 
war befohlen worden, am 8. bis Habern vorzugehen. Dort und in 
den umliegenden Ortschaften waren bereits Quartiere bezogen, als 



^) Traf bekanntlich nicht zu. 

2) Vergl. Seite 8. 

3) Die Meldung ist auf Seite 10 vollinhaltlich abgedruckt. 

^) Tatsächlich rückte dort die Avantgarde Schöler am 7. ein. 



•io 



man durch die Mitteilungen der Einwohner erfuhr, in den letzten 
Tagen wären starke Wagenkolonnen nach Iglau abgerückt.^} 

Um diese Trains womöglich aufzugreifen, wiurde unter Führung 
des GM. V. d. Goltz ein Detachement gebildet aus 175 auf Wagen 
fortgebrachten Infanteristen von F/28 und 1/40, dem Husaren- 
regiment Nr. 7 und zwei Geschützen der reitenden Batterie 3/8. 

Am Spätnachmittag trat dieses Detachement den Marsch an 
und zog gegen 8 ^ abends in D. Brod ein.-) Es stand nun auf 
gleicher Höhe mit der Brigade Fratricsevics in Saar. 

Die in Beilage VI dargestellte Situation am Abend des 8. Juli überbUcküber 
gewährt ein ganz eio-enartiges Bild. Die Operation sfronten der e/^ebnis 
beiderseitigen Gesamtkräfte stehen senkrecht aufeinander und be- 
rühren sich nahezu in einem Scheitel, der sich in der Gegend von 
Landskron befand. 

Die Verlegung des Hauptquartiers des Prinzen Friedrich Karl 
an den linken Armeeflügel nach Chrast deutet darauf hin. dai3 man 
dort bereit sein wollte, die in den Pardubitzer Direktiven als 
eventuell notwendig dargestellte Unterstützung der 2. Armee ohne 
Zeitverlust verfügen za können. 

Das Echiquier der 1. Armee ist augenscheinlich noch nicht 
organisiert und befindet sich in einem Ubergangsstadium, ent- 
standen durch die abgeänderte Zuweisung der Marschzonen seitens 
des großen Hauptquartiers. Das Kavalleriekorps hatte sich endlich 
glücklich in die erste Linie vorgearbeitet und die Höhe der Avant- 
garde Mecklenburg erreicht, wodurch eigentlich deren Aufgabe als 
Heeresavantgarde mitübernommen wurde, ohne daß für beide 
Armeekörper in dieser Hinsicht eine einheitliche Leitung bestellt 
wurde. Die Avantgarde klebte völlig an der 6. Division, deren 
Führer sie unterordnet war. Bei der doch halbwegs gewahrten 
Selbständigkeit der Avantgarde waren wiederholte Reibungen 
zwischen dem General v. Manstein und dem Herzog die Folgen 
dieses knappen Hintereinandermarschierens. Über den Vormarsch 
der beiden in erste Linie gelangten Heereskörper wäre zu be- 
merken, dai3 beim Kavalleriekorps die Divisionen hintereinander 
vorgingen. Bei der Tetedivision Hann war eine Avantgarde kom- 



^) In dieser Gegend befanden sich am 6. Juli: das Xachschubmagazin Xr. 1 
und das Armeeschlachtviehdepot Xr. 1 in Polna. das ZSTachschubmagazin Xr. 5 
in Humpolec, endlich das SchlachtvieheiDliefeningsdepot in Wollein (nord- 
westlich Gr. Meseritsch). 

-) Die Eskadron 2,'Hus. 7 war über Humpolec nach Iglau dirigiert. 



26 

biniert worden, zu welcher jedes der vier B-egimenter eine halbe 
Eskadron' beizustellen hatte, da der Avantgarde auch der Requi- 
sitionsdienst übertragen ward. Bei der Avantgarde Mecklenburg 
blieb die Marschordnung der Vortage — die Infanterie vor der 
Kavallerie — aufrecht. 

Als beachtenswerte Einzelheit sei hier noch erwähnt, daß 
Prinz Friedrich Karl der Kavallerie in einem Erlaß anheimstellte, 
vor in Aussicht stehenden Zusammenstößen mit der gegnerischen 
Eeiterei die Mäntel zum Schutze gegen den Hieb anzuziehen. 

Aus der Situation der preußischen Armeen am 8. Juli ^) ergibt 
sich, dai3 sich die Divisionen des österreichischen Kavalleriekorps 
an diesem Tage ganz wohl an der Transversalkommunikation 
Zwittau — Policka — Ingrowitz — Saar hätten behaupten können. 

Die 1. Reservekavalleriedivision mußte indes laut Marsch- 
tableau bis Brüsau und infolge eines vom Korpskommando ge- 
gebenen Befehles bis Strzebetin zurückgehen. Die 2. und 3. schwere 
Division wären, an der genannten Transversalkommunikation haltend, 
in der Lage gewesen, den Linksabmarsch des preußischen 1. Korps 
von Lu^e nach Leitomischl zu entdecken; Unternehmungen gegen 
die Trains dieses Korps konnten Erfolg versprechen. 

In Wirklichkeit ließ aber die 2. schwere Division, die nach 
Oels gelangt war, nur ein Regiment in Bistrau — dem ihr für den 
7. zugewiesenen Marschziel — zurück. Vom Ausgangspunkt Bistrau 
sollte jedoch nach der Armeedisposition nur nach Maßgabe des 
gegnerischen Druckes, entlang der im Tableau angegebenen Marsch- 
linie, zurückgegangen werden. Das gleiche galt für die 3. schwere 
Division, welche mit der Hauptkraft ohne jede Gefährdung hätte 
in Ingrowitz bleiben können. Ihr bot sich ein vortreffliches Feld 
der Aufklärung gegen die linke Flanke der preußischen 1. Armee. 

Die Armeedisposition war nichtVerstanden worden. 

Der 1. leichten Division war für den 8. Radostin als Etappe 
zugewiesen worden. In richtiger Würdigung der Lage ließ aber 
Edelsheim in Saar eine ganze Brigade zurück. Obwohl die 3. Re- 
servedivision mit der 1. leichten Division in Verbindung getreten 
war, wußte man bei der letzteren noch immer nichts von 
der Unterstellung unter das Korpskommando. 

Sucht man die für das Kavalleriekorps in Betracht kommende 
Aufklärungsaufgabe zu präzisieren, so handelte es sich zunächst 

1) Beüage VI. 



27 

um die Aufhellung des Raumes zwischen der Zwittau — Brünner 
und der Caslau — Iglauer Straße. Dieser Aufklärungsraum hatte 
zwischen Zwittau und D. Brod gemessen eine Breite von 72 Jim, 
wodurch bei Beibehaltung des Systems der Divisionskolonnen für 
jede Division nur ein Streifen von 18 hn Breite entfiel. Die vier 
Divisionen mußten daher im Gesamtraum nach Maßgabe des 
Terrains, der Kommunikationen und der über den Feind ein- 
laufenden Nachrichten entsprechend verteilt werden. Dem stand 
entgegen, daß das Armeekommando die Instradierung der vier 
Divisionskolonnen selbst angeordnet hatte, ferner daß für eine 
tägliche Disponierung dem Korpskommando bei dem unverläßlichen 
Funktionieren des Telegraphen die technischen Mittel der Gegen- 
wart zur Beherrschung der Räume mangelten. 

Es wäre interessant, klarzulegen, wie die dem Kavalleriekorps 
zugefallene Aufgabe gelöst werden konnte, wenn man dem Kom- 
mandanten volle Freiheit ließ und der erteilte Auftrag bloß ge- 
lautet hätte, Fühlung mit der gegen die Donau vordringenden 
preußischen Hauptkraft zu halten und ,,dem Gegner soviel Ab- 
bruch als möglich" zuzufügen. 

Die hier gegebene Anregung sei nur so weit ausgeführt, als 
versucht wird, die hinsichtlich der Kraft Verteilung maßgebenden 
Gesichtspunkte aufzustellen. 

Die Einwirkung gegen die äußeren Flanken des vor- 
marschierenden, gegnerischen Heeres zum Zwecke der Aufklärung, 
Unternehmungen gegen Trains und gegen das Rückengebiet mochten 
den beiden Flügeldivisionen überlassen bleiben ; ihnen konnte 
völlige Freizügigkeit und Selbständigkeit gewährt werden. 

Die verbleibende Hauptkraft war vor der preußischen Front 
zusammenzuhalten, Kraftabgaben durften lediglich zu Aufklärungs- 
zwecken erfolgen. Dieses Gros gab dem Drucke des Feindes zwar 
nach, nützte aber sorgsam jede Gelegenheit aus, wo sich feind- 
liche Kavallerie zu isoliertem Schlage darbot. 

Durch derart errungene Erfolge konnte eine — allerdings 
nicht wesentliche — Verzögerung des feindlichen Vormarsches 
erhofft werden. 

Nur von einem, mit modernen Kampf- und technischen Hilfs- 
mitteln ausgestatteten Kavalleriekorps, welches von einigen Infan- 
teriebataillonen unterstützt war, konnte verlangt werden, daß es 
dem Feinde — wenn auch nur vorübergehend — Aufenthalt 
in operativem Sinne bereitete. 'Leicht konnte der Gegner zur 
Vermutung kommen, daß Hilfskräfte, von der Donau heran- 



28 

gekommen, sich an den Aktionen der kaiserlichen Reiterei be- 
teiligten. Diese Täuschung würde zweifellos nicht nur zu zahl- 
reichen, ermüdenden taktischen Aufmärschen der Preußen, sondern 
auch zu Bewegungen geführt haben, die den Zusammenschluß von 
Armeekolonnen bezweckten. Ohnedies wurden solche vom Feinde 
ohne Not bei der Annäherung an Brunn tatsächlich ausgeführt. 
Damit wäre das angestrebte Resultat erreicht worden. 

Es sei zur Wirklichkeit zurückgekehrt. 

Nach dem Operationsjournal des Korpskommandos waren 
im Laufe des 8. Juli gar keine Meldungen beim Kaval- 
leriekorps eingetroffen. 

Eine noch von Brüsau abgesendete Situationsmeldung an das 
Armeekommando ^j und an das Kriegsministerium enthielt daher 
die unrichtigen Angaben, daß die 1. leichte Kavalleriedivision in 
Saar verblieben sei und die Arrieregarde der 1. Reservekavallerie- 
division nach Brüsau gelangen würde. 

Welche Schritte von Seiten des Korpskommandos unternommen 
wurden, um sich den Einfluß auf die einzelnen Divisionen des 
nun schon seit 48 Stunden bestehenden Korps zu sichern, ist nicht 
überliefert. 

Eintreffen der Es muß nuu eine Weiterung angeführt werden, die sich aus 

sition Tus*" ^^^ anfangs angeordneten Instradierung der Division Edelsheim 

Zwittaubeider durch das Generalkommando in Brunn ergab. 
Edelsheim. ^^^ ^^^ Wortlaut der Disposition des Armeehauptquartiers 

in Leitomischl, mit welcher die Abtrennung der 1. leichten Kaval- 
leriedivision angeordnet wurde, geht nur hervor, daß man diesen 
Armeekörper unaufgehalten nach Wien zurückgehen lassen wollte, 
auf ein Fühlunghalten schien es nicht anzukommen, da in diesem 
Befehl die einzelnen Tagesetappen bestimmt angegeben waren. 
Daß GM. Edelsheim trotzdem verständnisvoll den Aufklärungsdienst 
fortsetzte, bleibt sein Verdienst. 

Das Armeehauptquartier hatte am 6. früh nach Brunn an die 
Armeeintendanz telegraphiert, das mährische Generalkommando 
habe bei der Weiterinstradierung hinsichtlich der Verpflegsmaß- 
nahmen im Einklang mit FML. v. Pokorny vorzugehen. Die 
gegen Brunn abgehenden Nachschubmagazine sollten zur Abgabe 
von Vorräten an die Division Edelsheim angewiesen werden. 

^) Die Situationsmeldung trägt den Eingangsvermerk: Olmütz, 10. Juli 
(ohne Stundenangabe), sie war etwa um Mittag des 8. nach der zirka QOhn 
entfernten Festung abgegangen. 



29 

In Brunn wurde die Instradierung der Division auf diesen Befehl 
hin derart verfaßt, daß die leichte Division am 10. nach Trebitsch, 
]1. nach Jarmeritz, 12. nach Znaim und am 13. nach Jetzelsdorf 
gelangen sollte; der Armeeintendanz war von Seiten der Division 
über Bewegungen des Feindes, täglich wenigstens einmal, mittels 
Kurier oder Telegraph Bericht zu erstatten. 

Als die befehlsgemäß erfolgte Ausgabe dieses für die 1. leichte 
Kavalleriedivision bestimmten Marschplanes am 9. zur Kenntnis 
des Armeehauptquartiers kam, war dort, schon drei Tage früher, 
die Bildung des Kavalleriekorps erfolgt, welches nur nach 
Maßgabe gegnerischen Druckes zum Rückzug be- 
rechtigt war. Das Armeekommando fürchtete, wie später gezeigt 
werden wird, nicht mit Unrecht, daß auch für die anderen drei 
Divisionen des Korps Holstein, deren Verpflegung im Einvernehmen 
zwischen dem Korpskommandanten und der Armeeintendanz ge- 
regelt werden sollte, ebenfalls eine solche ,, Friedensinstradierung" 
platzgreifen würde. Aus diesem Grunde wurde in einer am 10. nach 
Brunn expedierten Depesche die für das Kavalleriekorps maßgebenden 
Gesichtspunkte mit den Worten erläutert: ,;Die Rückbewe- 
gung nach Wien darf auf den im Tableau angedeuteten 
Hauptlinien nur nachMaß, als überlegenes feindliches 
Nachdrängen es nötig macht, erfolgen und muß mit 
dem Feinde fortwährend Fühlung erhalten bleiben".^) 

Die Armeeintendanz mußte nun schleunigst die ausgegebenen 
Instradierungselaborate als ungültig erklären. 

In der Nacht zum 9. Juli^ noch ehe der Marschplan aus Brunn 
eingelangt war, traf im Stabsquartier der 1. leichten Kavallerie- 
division zu Ostrau endlich die in Zwittau zur Bildung des Kaval- 
leriekorps erlassene Armeedisposition ein. Über 50 Stunden hatte 
der Überbringer — vermutlich ein Burggendarm -; — gebraucht, 
um die 60 hn betragende Strecke zu durchmessen.^) 



^) Ähnlich äußerte sich das Armeekommando auch auf die erste tele- 
graphische Anfrage der Armeeintendanz vom 7. Juli. Die schriftliche Be- 
antwortung aus Konitz am 8. Juli vermochte den Anordnungen des Armee- 
kommandos nicht mehr rechtzeitig Geltung zu verschaffen. 

-) FZM. Freiherr v. Waldstätten erwähnt die Vorteile, welche sowohl 
für das Armeekommando als auch für das Kavalleriekorpskommando daraus 
erwachsen wären, wenn man mit der Bestellung dieses wichtigen Befehles 
einen Generalstabsoffizier betraut hätte. 

^j Eine von der Division Edelsheim am 7. Juli. 8" abends, an das Armee- 
kommando abgefertigte Situationsmeldung, welche am 10. beim Kavallerie- 



30 

Die Beurteilung der Armeedisposition von Seiten des GM. 
Freiherrn v. Edelsheim ist aus einem am Morgen des 9. an das 
Landesgeneralkommando in Brunn gerichteten Schreiben zu ent- 
nehmen. Es wird hierin zunächst gebeten, die mitfolgende 
Situationsmeldung über das Ergebnis des 8. ^) an den Kommandanten 
des Kavalleriekorps zu übermitteln, da dessen Standort bei 
der Division nicht bekannt war. 
Dann fährt das Schreiben fort : ^) 

,,Mit Bezug auf den obzitierten Armeekommandoerlaß erlaube 
jich mir zu bemerken, daß ich die Fühlung mit dem Feinde 
,seit 23. Juni, d. i. seit dem Beginn der Operationen nicht 
,,einen Moment verloren habe. 

,,Was das Aufhalten des Feindes anbelangt, so erlaube ich 
,mir aufmerksam zu machen, daß -der Feind mit Infanterie, 
, Kavallerie und Artillerie vorgeht. Ich kann daher, da mir keine 
,, Infanterie zu Gebot steht, seinen Marsch wohl täglich mehr 
,,oder weniger verzögern, kann ihm aber in diesem Terrain, 
jOhne Infanterie, keinen so nachhaltigen Widerstand entgegen- 
,, setzen, daß sein Marsch tagelang aufgehalten wird.^) 

,,Die Telegraphenstation in G. Meseritsch war schon gestern 

„abends abgebrochen. Da hiedurch die rasche Verbindung unter 

,,den einzelnen Heeresteilen empfindlich leidet, so bitte ich, das 

,hohe Landesgeneralkommando wolle die geeigneten Maßregeln 

,, ergreifen, damit ein solches frühzeitiges Abbrechen der Tele- 

,graphenlinien unterbleibe." 

Die Auffassung des damaligen Generalstabschefs der Division 
Edelsheim ist, um für die Beurteilung der Verhältnisse das nötige 
Material herbeizuschaffen zu wichtig, um dessen Ausführungen anders 
als wörtlich zu zitieren. FZM. Freiherr v. Waldstätten schreibt: 
„Wir wollten eine schlagfertige Kavalleriedivision an die 
Donau bringen, nicht aber ßeste einer solchen. An dem wurde 
festgehalten und das wurde auch erreicht. 



korpskommando in Brunn durchlief, erhielt in Olmütz den Eingangsvermerk 
vora 12. Juli. Sie war naturgemäß wertlos. 

^) Die Daten sind aus der Darstellung bekannt. Hinzuzufügen ist nur, 
daß vom Kirchturm in Nassaberg der Marsch von zwei starken Kolonnen von 
Hefmanmestec gegen Chrudim beobachtet worden war. 

2) Dieser Akt war dem einstigen Generalstabschef der Division bei Ver- 
fassung der mehrgenannten Schrift nicht vorgelegen. 

^) Dem Eingangsvermerk der 2. schweren Reservedivision auf der in 
Rede stehenden Armeedisposition ist von der Hand des Generalstabschefs bei- 
gefügt: „Was zu machen, wenn wir im Gebirge von Infanterie angegriffen?" 



31 

Die Vereinigung der vier Kavalleriedivisionen in ein Kaval- 
leriekorps war keine glückliche Maßregel. Der Korpskommandant 
FML. Prinz Holstein war ein tapferer Mann, aber das allein genügte 
nicht. Sein Generalstabschef ein Pedant, das genügt noch weniger. 
In solchem Falle handelt es sich um den Mann mit fester Hand 
und klarem Blick. Die Leitung war nicht sicher, nicht großzügig 
und vorausblickend." 

Die fernere Darstellung dürfte ausreichende Belege für dieses 
Urteil beibringen. Schwer fällt es aber andererseits, sich eine 
sachgemäße Leitung des Korps vorzustellen, da durch die Armee- 
disposition fast jeder Spielraum benommen war und zur Über- 
windung der beträchtlichen Entfernungen nichts anderes für den 
Dienstverkehr zu Gebot stand, als das von den Anstrengungen des 
Feldzuges bereits sehr hergenommene Pferdematerial. 



III. 
Der 9. Juli. 

Die am 8. Juli noch in Hermanmestec für den folgenden Tag Dispositionen 
ausgegebene Disposition für die preußische 1. Armee enthält aus- gc^enT"un"d 
schließlich Anordnungen für den Ortswechsel. Die Truppen Eibarmee, 
marschierten am 9. — wie aus Beilage 2 zu entnehmen ist — in 
südöstlicher Richtung vor. Das Bestreben, der 2. Armee zur Seite 
zu bleiben, überwog den ebenso berechtigten Wunsch, nach Süden 
Raum zu gewinnen. Eigentümlich ist es, daß man den Besitz des 
Straßenknotens von Saar am 9. nicht für erstrebenswert erachtet 
hat, er war das sich einer Verfolgung natürlich darbietende Ziel; 
alle größeren und kleineren österreichischen Kavallerieabteilungen, 
welche die Teten der Armee am Vortag recht lästig umschwärmten, 
hatten wahrscheinlich dort den Ausgangspunkt für ihre Unter- 
nehmungen gehabt. 

Zur Vorrückung gegen Saar stand das Kavalleriekorps zur 
Verfügung, welches von den nahen Infanterieteten unterstützt 
werden konnte. 

Aus der Disposition der Eibarmee für den 9. Juli, deren 
Marschbewegungen den Beilagen VI und 2 zu entnehmen sind, 
wäre hervorzuheben, daß die Avantgarde Schöler angewiesen wurde, 
nach der rechten Flanke im Sazavatale abwärts zu patrouillieren. 
Über die Nähe der 1. leichten Kavalleriedivision war gerüchtweise 



32 

Nacbricht in das Hauptquartier des Generals v. Herwarth ge- 
drungen.^) 

AVeiters sollte das Detachement des Generals v. d. Goltz mit 
Tagesanbruch von D. Brod gegen Iglau vorgehen. .Dieses ener- 
gische Vortreiben der Kavallerie konnte allfällige Nachteile der 
großen Tiefe des Kantonierungsraumes der Eibarmee ausgleichen. 



Tätigkeit des 
österreiclii- 
sclien Kaval- 
leriekorps. 

a) Die 

1. schwere 

Division. 



Die 1. E-eservekavalleriedivision war am Morgen des 

9. aus dem Lager bei Strzebetin abmarschiert, um an diesem 
Tage Czernahora zu erreichen. Nicht nur der Wortlaut der Armee- 
disposition sprach gegen diese Absicht, sondern auch die der 
Division naturgemäß zufallende Aufgabe, den Abtransport des 

10. Korps zu sichern. 

Die sich auf der Brünner Straße nach Süden bewegende 
Reiterkolonne hatte bereits Switawka passiert, als die Division 
aus dem noch in letzterem Orte befindlichen Korpshauptquartier 
zur Umkehr nach Lettowitz angewiesen wurde. Dies geschah. 
Das zum Arrieregardedienst bestimmte Kür. 4 ritt zur Ablösung 
von Ul. 4 bis Greif endorf vor, wo es sich — dem Anmarsch des 
preußischen 1. Korps gegenüber — bis in die ersten Nachmittags- 
stunden hielt und dann nach Brüsau zurückging. 

Von den Kürassierpatrouillen wurde indes — wie aus den 
eingelangten Meldungen hervorgeht — nur der Marsch der feind- 
lichen Kavallerie erkundet, so der Ul. 12 und der Dr. 1. 

Die preußischen Patrouillen drangen schon vormittags bis in 
die Gegend von Greifendorf vor, gaben aus dem Sattel Karabiner- 
feuer gegen die österreichischen Reiterabteilungen ab, zogen sich 
aber wieder zurück. An eine Verfolgung konnte nicht gedacht 
werden, da die Kürassierpferde so herabgekommen waren, daß sie 
nur durch Säbelhiebe in Trab gebracht werden konnten. ^) 



^) Ein anderes, lange für glaubwürdig gehaltenes Gerücht entstand 
dadurch, daß ein jüdischer Reisender in einem Wirtshaus in Caslau erzählte, 
in Znaim stünden starke österreichische Truppenabteilungen. Diese Nach- 
richt wurde von der 14. Division in das Hauptquartier der Eibarmee 
gemeldet. 

2) Gesch. V. Dr. 4. 

Es wäre doch zu erwägen, ob nicht auch heute die Belastung des Kavallerie- 
mannschaftspferdes eine derartige ist, daß längerwährende Anstrengungen und 
Entbehrungen ein gänzliches Versagen des Materials befürchten lassen müssen. 
„Nichts sei von der Ausrüstung zu entbehren", wird häufig geantwortet. Was 
aber, wenn dadurch die Leistungsfähigkeit so beeinträchtigt wird, daß die 



33 

Von der preußischen Infanterie wurden nur kleinere Abtei- 
lungen wahrgenommen. Es ist dies nicht leicht zu begreifen, da 
der Höhenzug östlich der Brünner Straße eine Menge vorzüglicher 
Aussichtspunkte gewährt, von denen mit guten Ferngläsern die 
Vorgänge bei Zwittau deutlich wahrgenommen werden konnten. 
Am Abend hielt man bei Kür. 4 Zwittau nur von starker Kaval- 
lerie belegt. Landleute erzählten aber von 2 Infanterie- und 
2 Kavallerieregimentern und 18 Kanonen, viele Truppen seien 
gegen Landskron und Bhm. Trübau marschiert. ^) 

Über die Streifungen preußischer Abteilungen von Zwittau 
gegen Süden finden isich unter XV des Bandes : ,,Der Rückzug 
der Nordarmee vom Schlachtfeld . ." die nötigen Angaben. Mehrere 
nach Mitternacht von Brüsau gegen Greifendorf entsendete, aus 
den bestberittenen Leuten gebildete Patrouillen von Kür. 4 griffen 
bei dieser Gelegenheit 9 Gefangene (darunter den Leutnant Bachmann 
von F/3) auf. 2) 

Bei der 2. und 3. schweren Reservekavalleriedivision '^) Die 2. nnds. 
wurde die Benedeksche Disposition entschieden richtiger auf- D^vi^on^ 
gefaßt, als es nach dem vorstehenden bei der 1. geschehen war. 

Die beiden erstgenannten Armeekörper blieben auch während 
des 9. Juli in der am Vortag bezogenen Aufstellung.^) 

In Oels erging an diesem Tage ein Befehl an die Truppen 
der 2. schweren Division, aus welchem die Anschauungen ihres 
Führers über die Handhabung des Dienstes zu entnehmen sind. 
Dieser wichtige Befehl lautete: 

,,Um 6^ früh wird immer abgegessen. Es wird von nun 
,,an stets eine ganze Brigade zur Deckung des Rückzugs ver- 
,, wendet werden, deren Aufgabe es jedoch keineswegs sein 
,,wird, sich in ihrer ganzen Stärke in der Vorpostenlinie gegen 
„den Feind aufzustellen, wozu ein Regiment genügen wird und 
,,der übrige Teil der Brigade eine halbe bis ganze Stunde 
,, (dahinter) als Vorpostenreserve verbleiben kann. 



Kavallerie aus dem Kalkül der Führung gänzlich ausfällt? Der Friede bietet 
nicht die Probe auf das Exempel; die Anforderungen werden da an gut ge- 
nährte und gepflegte Pferde nur auf kurze Zeit gestellt. 

^) Vergl. Beilage 2. 

-) Im Operationsjournal der 1. Reservekavalleriedivision wurde an diesem 
Tage der "Wunsch nach Beigabe von Infanterie unter Hinweis auf das 
schwierige Gelände ausgesprochen. 

^) Minder wichtige Ortsveränderungen erhellen aus Beilage 2. 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 3 



34 

,,Der Herr Brigadekommandant hat die Verpflichtung, die 
,, zweckentsprechende Aufstellung seiner Brigade nach den von 
,,hier erhaltenen Weisungen zu veranlassen und den Vorposten- 
,, dienst zu überwachen und zu leiten. Hauptgrundsätze sind 
,,hiebei folgende: 

,,1. Nach vorwärts die Fühlung mit dem Feinde unbedingt 
,. aufsuchen und erhalten. 

,,2. In jeder Weise trachten, möglichst bestimmte Nach- 
,, richten über dessen Stellung, Stärke und mutmaßliche Absicht 
,,zu erlangen, 

,,3. Nach rechts und links mit den nebenstehenden dies- 
,,seitigen Truppen die Verbindung suchen und erhalten. 

,,4. Nach rückwärts mit dem Divisionskommando in steter 
,, Verbindung bleiben und alles, was bekannt wird, hieher be- 
,, richten, jedenfalls täglich einen Frührapport und eventuell den 
„Ablösungs- und Besetzungsrapport einzusenden. 

,,5. Sollte die Avantgardebrigade mehr als eine Stunde vom 
„Divisionskommando entfernt sein, so ist ein Zwischenordonnanz- 
,,posten aufzustellen und hieher bekannt zu geben." 

Wie aus den Akten hervorgeht, hatte GM. v. Zaitsek die 
Absicht, auch am 10., wenn es der Gegner erlaubte, bei Oels 
stehen zu bleiben. 

Über die von der Division am 9. durchgeführte Aufklärung 
und deren Ergebnis verlautet in den Akten und sonstigen Quellen 
nichts. 

Das von der 3. Reservedivision zur Sicherung zurück- 
gelassene Ul. 11 hielt seit dem Vortag bei Pawlowitz. Der Vor- 
marsch der preui3ischen Avantgarde Mecklenburg von Hlinsko über 
Swratka gegen Niemetzky, wurde von einer starken, mittags ab- 
geschickten Offizierspatrouille entdeckt, als die feindliche Kolonne 
bei Millau freieres Gelände betrat. 

Es begegneten sich hier die ülanenregimenter gleicher Nummer. 

Am Nachmittag, als die Preußen das Biwak bei Niemetzky 
bezogen hatten und Patrouillen von Hus. 3 gegen Ingrowitz und 
Neustadtl vorschickten, verwehrten ihnen neuerdings vorgegangene 
österreichische Ulanenpatrouillen weiter vorzudringen. Das Ergebnis 
einer von den Preußen in Jaworek (östlich Niemetzky) bewirkten 
Requisition wurde im Stich gelassen, als noch am Spätnachmittag 
kaiserliche Ulanen in nächster Nähe des Dorfes auftauchten. Ob 
Ul. 11 tatsächlich die Nacht zum 10. Juli — kaum 5 hm vom Feinde 



35 

entfernt, in Pawlowitz zugebracht hatte und nicht auf Rossoch 
zurückgegangen war, ist leider nicht zu ermittehi gewesen. 

Da man im Divisionsstabsquartier den Marsch der Division 
Edelsheim nach G. Meseritsch erfuhr, so wandte man sich an 
das Korpskommando mit der Anfrage, ob sich die eigene Division 
in gleicher Höhe mit der 1. leichten bewegen oder erst dem Drucke 
des Feindes nachgeben solle, ,.in welch letzteremFalle ihr recht- 
zeitiges Erscheinen im Marchfeld in Frage gestellt sei". 

Der Bericht enthält weiters Klagen über das schwierige 
Gelände sowie die langsame Beförderung von Meldungen und hebt 
dann die Unmöglichkeit hervor, den aus allen drei Waffen- 
gattungen bestehenden Feind aufhalten zu können. 

Das Korpskommando beseitigte mit der am nächsten Tage 
einlaufenden Antwort das Dilemma keineswegs. Die Division wurde 
beschieden, ,,im Einklang mit Edelsheim und im Sinne des 
Marschplanes" zu handeln. 

Wie übrigens der Führer der 3. schweren Division, GM. Graf 
Coudenhove, die Verhältnisse beurteilte, geht aus Privatbriefen 
hervor, die aus jenen Tagen stammen: 

„Drei Kavalleriedivisionen verkriechen sich hier in den 
stillen Tälern — weil die PreuJ3en uns aus dem Felde geschlagen 
haben. — — — — — — — — — Wir wandern der Kreuz und 

der Quer, wie sich's für eine streifende Eskadron geziemen würde. 
Aber eine Kavalleriedivision derart wandern zu lassen, gibt Zeugnis 
dafür, daß das Schiff im Wanken ist, der Steuermann den Kopf 
verloren hat." 

An die 1. leichte Kavalleriedivision begann nunmehr die '; Die i. leichte 
Situation äußerst schwierige Anforderungen zu stellen, da die 
Division genötigt wurde, ihre Aufmerksamkeit nicht nur gegen 
Xord zu richten, wo die Teten der Armee des Prinzen Friedrich 
Karl Raum gewannen, sondern auch gegen West, wo das Deta- 
chement Goltz vordrängte. 

Um die für den 9. in der Armeedisposition vorgeschriebene 
Marschstation G. Meseritsch einzuhalten, setzte sich die tags vorher 
in erster Linie gestandene Brigade Fratricsevics zeitlich früh von 
Saar nach G. Meseritsch in Bewegung^); auch die Brigade Wallis 
gelangte von Radostin dahin. 



KavaUerie- 
division. 



^) 4, 5/Hus. 5 rückten in der östlichen Flanke über Swratka nach 
Krzizanau, um dem nach G. Bittesch abmarschierten Kolonnenmagazin der 
Division einigen Schutz zu gewähren. 

3* 



36 

Die Brigade Appel blieb in Ostrau stehen. 

Der an Stelle des Oberstleutnants v. Gabor mit zwei Eska- 
dronen nach Zdirec gesendete Rittmeister v. Gälgoczy hatte um 
2^^ nachts den am 8. ohne zwingenden Grund aufgegebenen Straßen- 
knotenpunkt erreicht. 

Auf ihn stieß das preußische Ul. 9, welches um etwa 6*^ früh 
von Chotebor als Avantgarde der Division Hann^) aufgebrochen 
war. Dem feindlichen Regiment gelang es — über die Einzelheiten 
fehlt leider jede Angabe — der österreichischen Husarendivision 
den Rückweg auf der Hauptstrai3e nach Saar abzuschneiden, so 
daß Rittmeister Gälgoczy über Hluboka auswich und später die 
Höhe von Skrdlowitz erreichte. 

Rittmeister v. Gälgoczy blieb bis nach 2^ nachmittags bei 
Skrdlowitz stehen und trat hierauf den Rückmarsch über Strzanow 
nach Ostrau an. 

In Strzanow fand sich auch die über Nacht in Heraletz ge- 
standene Vo E/Hus. 8 ein, deren Patrouillen früh bis in die Nähe 
von Hlinsko vorgeritten waren, wo sie den Abmarsch der Avant- 
garde Mecklenburg beobachten konnten. 

Das preußische Ul. 9, welches zum Schutze der um Kreuzberg 
biwakierenden Division Hann die Vorposten bei Wojnomesteo 
bezog, war mit einer schwächeren Abteilung bis Skrdlowitz ge- 
folgt, von wo man noch in weiter Ferne die über die Höhe von 
Strzanow abziehenden Husaren erblicken konnte. Ein weiteres 
Nachsetzen verbot der herabgekommene Zustand der Pferde, die 
zwar an diesem Tage nur etwa 22 hm hinterlegt, in der Kondition 
aber durch mangelnde Ernährung äußerst gelitten hatten. 

Der Generalstabsoffizier der Division Hann, Hauptmann 
V. Schönfels, schrieb in seinen Feldzugsaufzeichnungen am 9. Juli: 

„An diesem Tage kamen auch endlich einige Wagenkolonnen 
mit Verpflegung an, so daß Leute und Pferde für das Kampieren 
in Schmutz und Nässe doch einige Entschädigung fanden. In den 
letzten Tagen waren die Leute ganz ohne Brot, die Pferde fast 
ganz ohne Hafer gewesen. Gerade in der Zeit, in welcher die 
größten Anstrengungen zu ertragen sind, gibt es die schmälste 
Kost, daher auch die mit der Zeit sich mehrende Zahl der Kranken 
und Opfer überhaupt. Aber es ist nicht anders möglich." 

Unterdessen war kurz vor 4 ^ nachmittags Rittmeister v. Gäl- 
goczy in Ostrau eingetroffen, wurde aber dort von Oberst Freiherrn 



^) Das preußische Kavalleriekorps marschierte in einer Kolonne. 



37 

V. Appel wegen der nunmehr aufgegebenen Fühlung mit dem Gegner 
ziemlich hart angelassen. Trotzdem er zur Zeit schon 54 Stunden 
in der ersten Linie im Dienste gestanden war, schickte ihn der 
Oberst neuerdings vor. Die 2V2 Eskadronen erreichten am Abend 
die Gegend von Saar, wo sie die aus Beilage 2 zu entnehmende 
Aufstellung bezogen. 

,,Es war dies zwar eine harte Mai3regel," schreibt Wald- 
stätten, ,,aber vom disziplinaren Standpunkt gerechtfertigt." 

Das Vordringen des preußischen Detachements Goltz 
lenkte nun immer mehr die Blicke der Division Edelsheim gegen West. 

Der feindliche General war schon um 4^ früh von D. Brod 
aufgebrochen und zog in den Vormittagsstunden in Iglau ein. 
Das Detachement belegte die dortige Infanteriekaserne, deren Ein- 
gänge verbarrikadiert wurden. In der rechten Flanke gelangte am 
Vorabend 2/Hus. 7 nach Humpolec, von Gendarmen mit Schüssen 
empfangen, und biwakierte am Marktplatz. Die Eskadron erreichte 
am 9. Juli Pilgram. 

Diese 1866 sonst nicht häufig auf so große Ent- 
fernung erfolgte Detachierung einer einzelnen preußi- 
schen Eskadron, w^ eiche auch über Nacht in ihrem 
isolierten Verhältnis verblieb, muß hervorgehoben 
werden. 

Der Eskadron 2/Hus. 7 war es gelungen, etwa 30 Wagen — 
vermutlich von dem am 6. in Humpolec gestandenen Nachschub- 
magazin Nr. V — zu erbeuten. Der erhoffte größere Coup war 
fehlgeschlagen. 

Schon in der Nacht zum 9. Juli hatte Oberst Freiherr v. Appel 
gegen Polna eine Offizierspatrouille von Hus. 9 ausgeschickt, die 
unterwegs preußischen Königshusaren begegnet war und auch 
Meldung von der erfolgten Besetzung von D. Brod erstattete. 

Der Brigadier entsandte infolgedessen um 11^ vormittags 
die Eskadron 5/Hus. 9 mit dem Auftrag, die Fühlung mit dem 
Feinde zu erhalten. In seinem hierüber an das Divisionskommando 
erstatteten Bericht regte er überdies an, daß auch von G. Meseritsch 
direkt gegen Iglau zu patrouillieren wäre.^) 

Es würde den Rahmen dieser Schrift überschreiten, sollten 
die Ereignisse bei den zahlreichen an diesem Tage von der Divi- 
sion ausgeschickten Patrouillen verfolgt werden.^) Die ent- 

^) Die Brigade Wallis sandte nicht weniger als drei Patrouillen von 
Hus. 10 gegen Iglau. 

2) Siehe Waldstätten. 



38 

wickelte emsige Tätigkeit im Aufklärungsdienst ist 
mustergültig. 

Mit der Anführung der Nachrichtenausbeute an diesem Tage 
erfahren die Einzelleistungen ihre beste Würdigung. So wußte 
man bis zum Morgen des 10., daß der Feind mit starker Kavallerie 
und Geschützen bei Zdirec und mit einem Detachement aller drei 
Waffen bei Libinsdorf nächtige^). Niemetzky sei gleichfalls von 
feindlicher Kavallerie (etwa 200 bis 300 Reiter) besetzt.^) Die von 
G. Meseritsch gegen Iglau vorgeschickten Patrouillen hatten die 
Besetzung der Stadt alsbald festgestellt. 

Einem von der Eskadron 5/Hus. 9 vön Polna gegen D. Brod 
entsendeten Zuge unter Leutnant Ambro gelang es um 6 ^ abends 
ein preußisches ßelais bei Steken aufzuheben. 

Aus den Aussagen eines hieb ei gefangenen Königshusaren 
wurde Klarheit über die Situation und teilweise auch über die 
Zusammensetzung des Detachements Goltz und der Avantgarde 
Schöler gewonnen. 

In einem um 12^ nachts aus Ostrau erstatteten Bericht, der die 
angeführten Nachrichten wiedergab, schlug Oberst Freiherr v. Appel 
einen Überfall auf Iglau vor. Da das betreffende Schriftstück erst 
um 5^ früh in G. Meseritsch einlangte, konnte im Hinblick auf 
die Tageszeit und die geringe Entfernung der preußischen Avant- 
garde Schöler nicht mehr auf eine Überraschung schwächerer 
Kräfte bei Iglau gehofft werden. Zeitgerecht eingeleitet, hätte eine 
Überrumpelung von Iglau in den Morgenstunden des 10. wohl 
Aussicht auf Erfolg gehabt. 

Immerhin gaben die Meldungen über das Vordringen des 
Feindes auf der Znaimer Reichsstraße den Anstoß zum Entschluß, 
diese Straße, welche nach dem Marschtableau des Armeekom- 
mandos bei Mhr. Budwitz zu erreichen war, nunmehr — selbst unter 
Einschränkung der gegen Norden gerichteten Aufklärung — ohne 
Zeitverlust zu gewinnen und dem Feinde zuvorzukommen. 

DieserEntschluß entsprach vollkommen der Lage. 

ä) Das Kavai- j^^ Laufc dcs 9. Juli hatten die Divisionen des Kavallerie- 

leriekorps- 

kommando. korps mit Ausnahme der 2. schweren die Fühlung mit dem Gegner 
aufgenommen. Nur über den etwas verhaltenen linken Flügel der 



^) Letzteres bekanntlicli ein Irrtum. 

-) Zur Verbindung mit der 8. Reservekavalleriedivision ging eine Offi- 
zierspatrouille von Hus. 9 über Bobrau — Neustadtl nach Ingrowitz. Von dieser 
stammt jene nicht ganz zutreffende Nachricht; der Feind wurde unterschätzt. 



39 

preußischen 1. Armee, der über Policka hätte aufgesucht werden 
können, fehlten aus der erwähnten Ursache jegliche Angaben. 

Der Stab des Kavalleriekorps hielt sich während der größeren 
Hälfte des Tages in Switawka auf Hier herrschte regste Schreib- 
tätigkeit. 

Von der Armeeintendanz aas Brunn war eine Übersicht der 
Bewegung der Nachschubmagazine und Schlachtviehdepots ein- 
gelangt. Nun glaubte man dieser, in Yerkennung der Armee- 
disposition, auch die Marschetappen des Kavalleriekorps anpassen 
zu sollen.^) 

Es wurde der folgende Marschplan ausgearbeitet und sofort 
verschickt : ^) 



1. leichte i 1. Eeserve- ' 2. Reserve- i 3. Eeserve- 



K a V a 1 1 e 



r 1 



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1 V 1 s 1 o n 



, 8. Juli 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 



Saar 

G.Meseritsch 

Trebitsch 

Jarmeritz 

Znaim 
Jetzelsdorf 



Lettowitz 

Czernaliora 
Zinsendorf 

Brunn 

Nikolsburg 

Poisdorf 



Oels 

Nedwietitz 

Tischnowitz 

ßossitz 

Hosterlitz 

GriLßbach 

Laa 



Eossoch 

Straschkau 

G. Bittesch 

Daleschitz 

Znaim 
Haugsdorf 



Weiters nach Weisun^g des Kriegsministeriums. 



^) Diese Verpflegsanstalten waren am 9. folgend gruppiert: 

Nachschubverpflegsmagazin I in G. Bittesch ilO. Juli Brunn), 
,, ,, III ,. Znaim. 

„ „ II ,, Brunn, 

,, ,, • ^"^ :? Znaim. 

Armeeschlachtviehdepot I, HI, lY, Y in Brunn. 

Die Truppen waren verständigt, ihren Yerpflegsbedarf zunächst bei diesen 
Anstalten zu decken. 

Zur Festsetzung des weiteren Yerpflegsplanes war vom Kriegsmini- 
sterium der Generalstabsmajor Winterhaider in das Hauptquartier des Kaval- 
leriekorps geschickt worden. Die Divisionen wurden in administrativer Hinsicht 
dem Landesgeneralkommando in Wien unterstellt. 

-) An die drei schweren Divisionen, welche ihn noch im Laufe des 9. 
erhielten; an die 1. leichte Kavalleriedivision, wo er am 10. 4^*' früh eintraf, an 
das Armeekomraando in Olmütz, die Armeeintendanz in Brunn, an das Kriegs- 
ministerium und das niederösterreichische Landesgeneralkommando. 

Yergl. Beilage 1. 



40 

Das Begleitschreiben des Korpskommandos lautete: 

,,In der Anlage erhält das Divisionskommando den Marsch- 
,,plan, nach welchem der Rückmarsch gegen Wien fortzusetzen ist. 

,,Die Marschstationen bezeichnen die Aufstellungspunkte 
,,des Gros, während die Arrieregarde stets auf etwa zwei Meilen 
,, vorgeschoben zu belassen und durch weitgehende Patrouillen 
,,die Fühlung mit dem Feinde zu erhalten ist ; die eigenen 
,, Flanken müssen entsprechend zu sichern getrachtet werden. 

,,Von einem ernsten Widerstand kann in dem hiesigen, 
,,für die Kavallerie höchst ungünstigen Terrain nicht die Rede 
,,sein und es wird sich die Wirksamkeit daher vorzugsweise 
,, darauf beschränken, wo die Gelegenheit dazu geboten ist, durch 
,, kleine Überfälle, Bedrohung seiner Flanke durch Streitk:om- 
„manden, den Gegner vorsichtig zu machen und von einem zu 
,, raschen Nachrücken abzuhalten." 

(Folgen Weisungen wegen Verpflegung, Magazinen, Standes- 
ausweisen etc.) 

,,Mein Korpshauptquartier kommt heute abends nach Czerna- 
,,hora, morgen, den 10. Juli, nach Brunn und bleibt dort am 11., 
,,am 12. geht es nach Nikolsburg, am 13. nach Poisdorf. 

Holstein, FML." 

So hatte sich denn der Argwohn des Armeeko m- 
mandos bestätigt.^) 

Die festgesetzten Etappen betragen — mit hohem Durch- 
schnitt gerechnet — 20 hm. Wer bürgte dem Korpskommando, 
daß der Gegner gleiche Tagmärsche zurücklegen würde und die 
kaiserlichen Reiterdivisionen unbehindert ihre schematisierte Be- 
wegung ausfahren konnten? 

FZM. Freiherr v. Waldstätten beurteilt die Korpsdisposition 
aus Switawka folgend : 

,,Der Anfang dieser Kommandoführung war nicht gerade 
vielversprechend und gab Stoff zu abträglicher Kritik. — Dieses 
Korpskommando war noch vor drei Tagen der Kollege im Kom- 
mando der 1. Reservedivision und waren die Belehrungen ent- 
weder überflüssig oder setzten wenig Vertrauen in das Geschick 
der Divisionäre." 

Sicherlich wären die gegenseitige Abgrenzung der Auf- 
klärungsräume, wie noch weiter hervorgehoben wird, sowie eine 

1) Seite 29. 



41 

sachgemäße Regelung des Verbindungsdienstes mit dem bei 
der rechten Flügeldi\4sion verharrenden Korpskommando nicht 
zu vernachlässigende Punkte dieser Disposition gewesen. In 
seiner bekannten Schrift erwähnt der Feldzeugmeister schließlich, 
daß an die Kanzleitätigkeit der Division Edelsheim durch die auf- 
erlegte Pflicht der Berichterstattung an vier Stellen: Armeeinten- 
danz. Generalkommando Brunn. Kavalleriekorpskommando und 
Kriegsministerium, nicht geringe Ansprüche gestellt wurden. 

Das Kavalleriekorpskommando hatte sich nun mit seinem Marsch- 
tableau vollends die Hände gebunden, viel mehr noch, als dies 
bereits durch die Zwittauer Armeedisposition geschehen war. Jetzt 
war diese hohe Kommandostelle zu einer lediglich Meldungen 
sammelnden Zwischeninstanz herabgesunken. 

Das Korpshauptquartier wurde am Xachmittag nach Czerna- 
hora verlegt. 

Die einzige von dort nach Olmütz^) und ^ien gerichtete 
Situationsmeldung dürfte zu so früher Tagesstunde abgegangen 
sein, daß sie nur die Erlebnisse der 1. schweren Division enthält. 
Es wäre doch notwendig gewesen, den im Feldzug 1866 in der 
Regel zu früher Stunde eintretenden Abschluß der Tageshandlung 
abzuwarten. 

Das Hauptquartier König Wilhelms hatte am 9. Juli Pardu- Das große 
bitz verlassen und traf eben in Hohenmauth ein, als das Haupt- *^,V 

' i^ quartier. 

quartier des Kronprinzen sich anschickte, den Ort zu verlassen. 
Es kam indessen noch zu einer Rücksprache zwischen den Generalen 
V. Moltke und v. Blumenthal. -) 

Über die im Bande: ..Der Rückzug der Xordarmee vom 
Schlachtfeld . . .'' geschilderten Ereignisse im Räume Wilden- 
schwert — Zwittau — Landskron am 8. Juli wurde das gi'oße Haupt- 
quartier auch durch einen am Morgen dieses Tages noch in 
Hohenmauth verfaßten Bericht des Generalstabschefs der 2. Armee 
unterrichtet. 

An das Hauptquartier der Eibarmee in D. Brod erging 
aus dem großen Hauptquartier folgender Auftrag: 

..Hohenmauth, den 9. Juli 1866. 

..Die Eibarmee hat von Iglau aus sofort eine mit Kavallerie 

,, möglichst zu verstärkende Division auf Znaim zu dirigieren. 

,,als Avantgarde der auf Wien von'ückenden preußischen Armee. 



^) Eingegangen am 11. Juli. 

*j Der Eückzug der Xordarmee vom Schlachtfeld. Seite 170. 



42 

,, Diese Division hat mit dem auf den beiden Straßen über 
,,Trebitscli und Gr. Meseritsch auf Brunn marschierenden Rest 
,,der Eibarmee möglichst Verbindung zu halten. Alle Meldungen 
,,der Division sind mir mitzuteilen." 

Man erfährt hieraus durch Vergleich mit den am Vortag 
ausgegebenen Direktiven, daß das große Hauptquartier sich nunmehr 
entschlossen hatte, die Hauptkraft der Eibarmee nach Brunn zu 
dirigieren, um den dort vermuteten Widerstand im Verein mit der 
1. Armee zu brechen. 

Die Detachierung auf Znaim wird im Kriegstagebuch des 
großen Hauptquartiers damit motiviert, daß die Aufmerksamkeit 
des Gegners auf die Donauübergänge oberhalb Wien gelenkt 
werden sollte. ^) 

Im Hauptquartier der Eibarmee, welche nunmehr schon am 
10. mit der Avantgarde Iglau erreichen wollte — in ihrem Marsch- 
tableau war dies erst für den 11. vorgesehen — hatte vor Eintreffen 
dieses Befehles die Absicht bestanden, am 11. die Armee bei Iglau 
,, durch Heranziehung der rückwärts echelonierten Divisionen mehr 
zu konzentrieren, ohne im wesentlichen über Iglau hinaus vor- 
zugehen". 

Von dem Generalstabschef dieser Armee, Oberst v. Schlot- 
heim, langte bei General v. Moltke am 9. Juli ein Schreiben ein, 
in welchem über die Besetzung von Prag durch die Gardelandwehr- 
division berichtet wird, welche angewiesen war, an diesem Tage 
ein Detachement nach Kralup vorzuschieben. Bahn und Telegraph 
bei Elbeteinitz waren unterbrochen, das sächsische Bahnmaterial 
über Pardubitz abgeführt, nur Teile hievon in Prag zurück- 
geblieben. 

Noch mögen die Verhältnisse im Rücken des preußischen 
Heeres kurz gestreift werden. 

Die Bahnen im Norden waren durch die festen Plätze König- 
stein, Theresienstadt, Josefstadt und Königgrätz gesperrt. 

Die Beobachtung beziehungsweise Rekognoszierung der erst- 
genannten beiden festen Plätze erfolgte von Seiten der in Dresden 
befindlichen Landwehrdivision Bentheim. Vor Josefstadt und König- 



^) Im Kriegstagebuch des großen Hauptquartiers steht noch die Be- 
merkung: „Über die österreichische Armee erfuhr man, daß österreichische 
und sächsische Verwundete aus der Schlacht bei Königgrätz in Chrast ihren 
ersten Verband erhalten hatten. Dieselben geben den Verlust ihrer Armee in 
der Schiacht auf 50.000 Mann an." 



43 

grätz war bekanntlich die 12. Division zui'ückgeblieben, welche auch 
Pardubitz besetzt hielt. Die Stadt, als Haiiptetappenstation ein- 
gerichtet, wurde von einer Pionierkompagnie befestigt, die hier 
vom 9. bis 28. Juli arbeitete. 

Für den Nachschub sollte zunächst die Bahn über E-eichen- 
berg, Turnau, Jungbunzlau, Prag, Pardubitz ausgenützt werden. 

Die Etappenlinie der I.Armee lief von Pardubitz über Horitz, 
Jicin, Turnau, ßeichenberg nach Görlitz, jene der 2. über Königin- 
hof nach Schlesien. ^j 

Die Beilage 1 des Bandes .^Die kritischen Tage von Olmütz . . ." 
orientiert über die Gesamtsituation auch hinsichtlich des Deta- 
chements Knobelsdorff und des Infanterieregiments Nr. 63.-) 

Das österreichische Generalstabswerk charakterisiert die Lage 
am 9. Juli mit den Worten: 

„Die Trennung der auf Wien zurückgehenden österreichischen 
Kavalleriedivisionen von der nach Olmütz marschierenden Nord- 
armee war an diesem Tage vollendet, eine Lücke, in die sich die 
feindliche Armee bald als Keil einschob, dessen Spitze im Ver- 
laufe der Ereignisse beinahe bis Pressburg getrieben wurde". 

IT. 
Der 10. Juli. 



Die am 8. Juli erlangte Fühlung mit der kaiserlichen Reiterei Die preußi- 
schen Dis- 
positionen für 

1. Armee, schon am 9. vormittags vor dem Abreiten aus Chrast den lo. .JnU. 



des Prinzen Holstein veranlaßte das Oberkommando der 



die Disposition für den nächsten Tag auszugeben, nach welcher 
durch stärkere Märsche (freilich nur bis zu 2bhn) der Kontakt 
mit dem Gegner aufrechterhalten und auf letzteren ein wirksamerer 
Druck ausgeübt werden sollte. AVeiters beabsichtigte man auch 
den bisher versasften linken Heeresflüo:el in die Höhe des rechten 
vorzuführen. 

Im allgemeinen gab die Armeedisposition den Kolonnenteten — 
wohl absichtslos — die Erreichung so ziemlich jener Linie auf, die 



0. ) ^. 



Armee 



^) VergL die ausführlichen Darlegungen in den Feldzugsermnerungen 
des G. d. K. Graf Wartensleben-Carow. 

-) Dies gilt auch für die folgenden Tage, für welche die Gesamt- 
situationen aus den Übersichtskarten zu entnehmen sind, welche den beiden 
Bänden: „Die kritischen Tage von Olmütz"' und .,Die letzte Operation der 
xsordarmee" zuliegen. 



arniee. 



44 

bei Antritt der Märsche noch von den Divisionen des öster- 
reichischen Kavalleriekorps eingenommen ward. Eine besondere 
Anweisung an das Kavalleriekorps oder die Avantgarde des Herzogs 
V. Mecklenburg für ihr Verhalten vermißt man auch in dieser 
Disposition. Die beiden letztgenannten Heereskörper blieben dauernd 
an die hinter ihnen befindlichen Massen gefesselt. 

i<) Die Eib- 'Qq[ ^qj; Elbarmec wurde die Avantgarde Schöler bis nach 

Iglau dirigiert, wo sie sich mit ihrem, am Vortag dahin vorge- 
schickten Detachement Goltz wieder vereinigte; die 15. Division 
blieb auf der westlichen Parallelkommunikation, die 16. hatte sich 
am Abend in der Höhe von Stehen derart zu gruppieren, daß sie 
am 11. mit einer östlichen Kolonne den Weg Polna — Wiese 
benützen konnte. 

Die Armeedisposition gibt hinsichtlich Sicherung und Auf- 
klärung viel eingehendere Weisungen, als dies vom benachbarten 
Armeehauptquartier geschah. 

Das große: j)g^g Hauptquartier des Königs von Preußen wurde am 10. Juli 

von Hohenmauth nach Zwittau verlegt. Der König bewohnte 
dort bis zum 12. das kleine, am oberen Ende des Platzes gelegene 
Neumeistersche Haus, in welchem vier Tage früher der Kronprinz 
von Sachsen übernachten sollte, wozu es infolge des Überfalles nicht 
gekommen war. 

Da durch den Linksabmarsch der 2. Armee und die noch 
nicht bis zur Brünner Chaussee vorgeschrittene Annäherung der 
Armee des Prinzen Friedrich Karl das Hauptquartier des Königs 
gegen Süden jeder Deckung entbehrt hätte, so war von dem 
nach Mhr. Trübau abgerückten 1. Korps bei Greif endorf ein 
Detachement^) zurückgelassen worden. 

General Graf Wartensleben berichtet über einzelne Vorgänge, 
welche sich am Abend des 10. in Zwittau abspielten, und ge- 
eignetsind, Personen und Verhältnisse charakteristisch zu beleuchten. 
Der schweigsame Moltke und seine ebenso schweigsamen General- 
stabsoffiziere hatten durch die Aufstellung des Detachements Pape 
für die Sicherheit des Aufenthaltes in Zwittau gesorgt, sich aber 
in der Mitteilung der getroffenen Maßnahmen vermutlich nur aut 
jene Personen beschränkt, die hievon Kenntnis haben mußten. 
Gegen Abend verbreitete sich nun lebhafte Erregung im 
Hauptquartier, da aus sich immer verstärkenden Gerüchten auf 



^) GM. V. Pape mit der 1. Infanteriebrigade, Ul. 12 und einer Batterie. 



45 

einen bevorstehenden Überfall geschlossen wurde. Hievon erzählt 
auch der preußische Kriegsminister in einem Briefe an die 
Gattin. 

Der Generalstab nahm damals noch eine ziemlich unbe- 
achtete Stellung im Hauptquartier des Königs ein, nur bei dem 
Monarchen war das wachsende Vertrauen zu Moltkes militärischen 
Anordnungen immer sichtbarer hervorgetreten. Die Träger der 
herrschenden Aufregung waren namentlich im Hofstaat vertreten. 
Hochgestellte Offiziere gingen persönlich zum Rekognoszieren vor, 
stießen aber bald auf die Vorposten der Brigade Pape und kehrten 
mit zufriedenstellenden Berichten heim. ^) 

Der Zweck der noch am Abend von Moltke in das kronprinz- 
lichp Hauptquartier nach Mhr. Trübau angetretenen Fahrt ist an 
anderer Stelle berührt worden.^) 

Wie schon früher festgestellt^;, war in den preußischen Haupt- Voiie Klarheit 
quartieren infolge ungenügender Aufklärung über die Kraftverhält- Situation, 
nisse der auf Olmütz und gegen Wien zurückgehenden Heeresteile 
noch immer keine ausreichende Orientierung gewonnen. 

Daß die Berichte der 2. Armee ein Schwanken in der Be- 
urteilung der gegnerischen Lage verursachten, ist schon einmal 
erwähnt worden. 

Aber auch aus Neustadtl, dem Hauptquartier der 1. Armee, 
lief noch am Abend des 10. ein Schreiben des Prinzen Friedrich 
Karl an den König ein, nach welchem man darauf rechnete, bei 
Brunn mit dem Gegner zusammenzutreffen und glaubte, dessen 
weiteren Rückzug durch den Kampf erzwingen zu müssen. Nach 
Aussagen der Bewohner wäre ,,clie sächsische Armee und das k. k. 
8. Korps in desolater Verfassung auf Brunn zurückgegangen''. 
Andere Truppen sollten bei Lettowitz einwaggoniert und nach 
Süden transportiert worden sein. Der Avantgarde des Herzogs 
von Mecklenburg hätten gestern österreichische Ulanen gegenüber- 
gestanden, ein Kürassierregiment habe Ingrowitz passiert. 

,, Außerdem sind dem 2. Armeekorps'^) gegenüber die Regi- 
menter: Savoyen-Dragoner, Liechtenstein-, Radetzky- und Hessen- 



^) Fast wörtlich aus den Feldzugserinnerungen des G- d. K. Graf 
Wartensleben. 

-) Die kritischen Tage von Olmütz, Seite 28. Es handelte sich um 
die Aufstellung der 2. Armee vor der Festung. 

3> Vergl. Seite 17. 

^) Wohl dem Kavalleriekorps. 



46 

Kassel-Husaren wahrgenommen worden. General Edelsheim^) ist 
noch heute früh im Schloß zu Saar gewesen." 

Der Prinz schloß seinen Bericht, indem er die Beschwerlichkeit 
der letzten Märsche über das Gebirge hervorhob, Mangel an Brot, 
Hafer und Tabak sei eingetreten, Fleisch habe sich aber noch 
immer reichlich vorgefunden.^) Am 12. Juh hoffte das Armee- 
kommando, mit der Avantgarde in Brunn einzurücken. 

Mit einem Schlage sollte aber volle Klarheit über 
die Sachlage gewonnen werden. 

Das 2. Armeekommando hatte bei seinem Eintreffen in Mhr. 
Trübau die Beschlagnahme aller im dortigen Postamt erliegenden 
Dokumente, Briefe etc. angeordnet. Hierunter fanden sich nun 
die für das Kriegsministerium in Wien bestimmten Ausfertigungen 
der Armeedisposition sowohl für den Rückzug der Nordarmee nach 
Olmütz als für jenen des Kavallerie- und 10. Korps nach Wien. 

Diese beiden wichtigen, schon am 6. ausgearbeiteten Dispo- 
sitionen wurden somit erst am 7. während des Aufenthaltes 
in Mhr. Trübau der Beförderung durch die Post anvertraut. 
Der ganze Einlauf war vermutlich bei der überhasteten Räumung 
der Stadt durch die Behörden unbeachtet und als willkommenste 
Beute für den Feind liegen geblieben. Eine solche Handhabung des 
Dienstverkehrs zog freilich die härteste Strafe nach sich. In der 
trüben Zeit, die über Österreichs Heer hereingebrochen war, ver- 
sagten die Gehilfen des unglücklichen Feldherrn vollends. 

Ein Spiel des Zufalls wollte es, daß sich in dem aufgefan- 
genen Postpaket auch ein Gesuch des abberufenen Chefs der Ope- 
rationskanzlei befand, welches die Bitte um Bewilligung eines 
dreiwöchentlichen Urlaubes nach Baden bei Wien zur Herstellung 
seiner Gesundheit enthielt. 

Im Berliner Kriegsarchiv erliegt ein ziemlich umfangreicher 
Faszikel mit aufgefangenen österreichischen Schriftstücken, Dis- 
positionen, Dokumenten, Briefen, Telegrammen, Frührapporten, 
Standesausweisen etc. Es sei erwähnt, daß sich hierunter auch die 
von Benedek am 11. Juli in Olmütz ausgegebene Disposition zum 
Abmarsch der Armee nach Wien^) befindet, ferner ein sehr reser- 



\) Der Stab der 1. leichten Kavalleriedivision verließ am 8. früh 
Saar Schloß. 

-) Man Vergleiche auf den Situationsskizzen die weit ausgedehnten Kan- 
tonierungsräume der Armeekörper, welche der Verpflegung außerordentlich 
zu statten kommen mußten. 

^) Ausfertigung an das sächsische Korps. 



47 

vierter Erlaß an die im Brückenkopf bei Floridsdorf — Stadlau be- 
findlichen Kommanden, Avorin das Losungswort für die passierenden 
Kundschafter bezeichnet wird. 

Unser Archiv birgt freilich auch eine ähnliche Ausbeute, 
doch muß angesichts des Falles von Mhr. Trübau darauf hinge- 
wiesen werden, daß durch Belehrung im Frieden solcher Sorg- 
losigkeit entgegenzuwirken w^äre. 

Im Gegensatz zu dem Vorstehenden möge erwähnt werden, 
daß am 16. August 1870 der Generalstabschef des deutschen 
10. Korps, Oberstleutnant v. Caprivi, nach dem mißglückten Angriff 
der 38. Brigade auf die Höhen von Bruville den Mitgliedern des 
Stabes befahl, alle in ihrem Besitz befindlichen Schriftstücke zu 
vernichten. 

Der kostbare Fang ^vurde noch am Nachmittag aus dem 
kronprinzlichen Hauptquartier nach Zwittau übermittelt, die beiden 
österreichischen Armeedispositionen in Abschrift an die Ober- 
kommanden der preußischen 1. und Eibarmee übersendet, wo sie 
im Laufe des 11. einlangten. 

Ein Schreiben des Prinzen Friedrich Karl vom 11., 8^ früh, 
an den Herzog v. Mecklenburg unterrichtete den letzteren bereits, 
daß man bei Brunn voraassichtlich nur gegnerische Kavallerie 
antreffen werde. 

Auf der Brünner Chaussee war die österreichische 1. schwere Die österrei- 
Division von Lettowitz am 10. Juli bis Czernahora zurückge- einsehe i. Ee- 
gangen. Die Situation der' zur Sicherung beziehungsweise Auf- leriedivision. 
klärung ausgeschiedenen Abteilungen ist aus Beilage 3 zu ersehen. 

Die von Ul. 4 am Vormittag halben ^^eges zwischen Brüsau 
und Lettowitz etablierten Vorposten wurden später näher an den 
letztgenannten Ort zurückgezogen, als südlich Brüsau preußische 
Ulanentrupps des Detachements Pape auftauchten und gleichzeitig 
auch die Besetzung von Swojanow gemeldet wurde. 

Eine über Krönau vorgerittene Patrouille von Ul. 4 hatte 
einen preußischen Artilleristen mit drei Pferden und einen Marke- 
tenderwagen aufgehoben. Nach Aussage des Gefangenen sollten 
sich drei preußische Armeekorps über Gewitsch auf 
dem Marsche nach Olmütz befinden. 

Auch von einer nach Boskowitz detachierten Eskadron 
wurde gegen Norden patrouilliert und übereinstimmend die An- 
sammlung erheblicher Kräfte des Gegners bei Mhr. Trübau fest- 
gestellt. 



48 

Die 2. Eeserve- Die 2. Reservekavalleriedivision ging am 10. Juli mit 

division. ibrer Hauptkraft ohne Aufenthalt bis Tischnowitz zurück. Die 

mit der Sicherung betraute Brigade Soltyk blieb anfangs in Czer- 

nowitz stehen und umspannte mit ihren Vorposten den Bogen 

von Kunstadt über Cerhow (knapp bei Oels) bis Stiepanow. 

Die Nachricht von dem Vordringen des Feindes in der Rich- 
tung gegen Oels, Bystrzitz und Rossoch sowie das zur Kenntnis 
des Divisionskommandos gelangte Zurückweichen der Arrieregarde 
der 3. schweren Division bis G. Bittesch, bewog GM. v. Zaitsek, 
die Brigade Soltyk am Abend in den aus Beilage 3 ersichtlichen 
Nächtigungsraum zurückzunehmen. Dem Brigadekommando wurde 
nachdrücklichst aufgetragen: ,, insbesondere die Straße von 
Olschi gegen Tischnowitz gut zu bewachen, da der Feind in 
größeren Massen auf derselben vorzugehen beabsichtigt". 
Die Berichte über die Ausführung dieses Befehles sowie über 
die Einzelheiten hinsichtlich Stärke und ^Aufstellung der zum 
Sicherungsdienst bestimmten Abteilungen sind recht lückenhaft 
und gestatten kein Urteil über die Zweckmäßigkeit der getroffenen 
Maßnahmen. 

Dies. Reserve- GM. Graf Coudenhove wollte mit der 3. schweren Division 

division. ^^^ ^- Bittcsch zurückgehen und näherte sich bereits diesem Orte. 

In Krzizanau stand als Arrieregarde Kür. 12, welches eine 
Eskadron in Straschkau zurückgelassen hatte. 

In die Gegend des letzterwähnten Ortes führte der Vor- 
marsch der nach U. Rozinka dirigierten Avantgarde des Herzogs 
V. Mecklenburg.^) 

x4.1s die bei der Vorhut eingeteilte preußische Ulaneneskadron 
die Nähe österreichischer Kavallerie meldete, wurde bei Zwolla 
ein kurzer Halt angeordnet, dann zog man aus der Kolonne 4 Es- 
kadronen (3., 4./2. G. Dr. und 1., 2./Hus. 3) vor und disponierte sie 
über Blaschkow zum Angriff auf die bei Straschkau stehende 
österreichische Kürassiereskadron. 

Letztere zog sieh auf ihr Regiment zurück. Nachweisbar 
ging die preußische Kavallerie nur um ein unbedeutendes Stück 
"Weges über das letztgenannte Dorf hinaus vor. 



1) Marschordnung: F/18, r/48, 3./Ü1. 11, 1 Batterie, I.E. Nr. 60, Jg. 4, 
Lazarett, 2. leichte Kavalleriebrigade — hinter dem. Teteregiment 2 Batterien 
— Train — 1 Kompagnie Jg. 4. Um die Kolonne zu verkürzen, wurde 
angeordnet, daß die Kompagniechefs nicht zwischen, sondern neben den 
Kompagnien zu reiten hätten. 



49 

Bei Krzizanau will man aber den Vormarsch einer starken 
Kolonne aller drei AV äffen beobachtet haben — möglicherweise 
sah man in weiter Ferne die preußische Avantgarde Mecklenburg 
— worauf das Kürassierregiment den Rückzug bis G. Bittesch 
fortsetzte. 

Dort hatte sich unterdessen um 4 ^ nachmittags die 3. schwere 
Division nordwestlich und südlich des Ortes bereitgestellt, um einer 
weiteren Vorrückung des Feindes entgegenzutreten. 

Obwohl bis 6^ abends jegliche Anzeichen einer solchen aus- 
blieben, ward trotzdem unter Belassung von Kür. 12 bei G. Bittesch 
der Rückmarsch bis Namiest fortgesetzt, wo zu später Stunde 
ein Biwak südlich des Ortes bezogen wurde. 

Man wollte den Truppen die überaus wünschenswerte absolute 
Ruhe während der Nacht gewährleisten und hegte daher Besorg- 
nisse bei G. Bittesch, vorwärts der den Raum südlich dieses Punktes 
ausfüllenden, groiBen Waldzone, zu nächtigen. Dies war die Ver- 
anlassung zu dem anfangs nicht beabsichtigten w^eiten Zurückgehen. 

Die Disposition Edelsheims für den 10. Juli entsprach den Die i. leichte 
gefaßten Entschlüssen.^) Die Brigade Appel wurde von Ostrau "^^^^^glon^" 
und die Brigade Fratricsevics von G. Meseritsch nach Trebitsch 
disponiert; die Brigade Wallis hatte über Kamenitz nach Pirnitz 
vorzugehen, um die Straße Igiau — Znaim in die Aufklärungs- 
sphäre einzubeziehen. 

Die Verlegung der Hauptkraft der Division trug auch dem 
vom Korpskommando ausgearbeiteten Marschtableau Rechnung. 
Die beabsichtigte Verschiebung nach Westen wurde der Division 
Coudenhove mit dem Ersuchen mitgeteilt, die mit dem Feinde 
bei Saar erreichte Fühlung in der Folge aufrecht zu erhalten. 

Vor dem Abmarsch des Divisionskommandos von G. Mese- 
ritsch war noch eine Depesche des Kriegsministeriums eingelangt, 
in welcher direkte Berichterstattung gefordert wurde. 

Der nach Brunn zur Aufgabe eines Antworttelegram mes ab- 
geschickte Kurier fand, daß auf der ganzen für den Rückmarsch 
der Division in Betracht kommenden Linie bis Znaim der tele- 
graphische Verkehr bereits voreilig eingestellt worden war. 

Aus der Depesche Edelsheims geht hervor, wie zutreffend 
man in den über Caslau anrückenden Kräften die preußische 
Eibarmee erkannt hatte, weiters, daß sich neben ihr die 1. Armee 



1) Seite 38. 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 



50 

in südöstlicher Eicbtung vorbewegte, endlich^ daß das zur 2. Armee 
gehörige 1. Korps aus der Beobachtungszone ausgetreten war. 

Die Brigade Fratricsevics ließ sich auf ihrem Marsche nach 
Trebitsch durch das von flüchtenden Bewohnern verbreitete 
Gerücht, dieser Ort sei vom Feinde besetzt, nicht aufhalten. 
Dennoch sicherte sich diesmal die ausnahmsweise lagernde 
Haupttruppe der Division durch einzelne Feldwachen. 

Das Vorrücken des j)reußischen Kavalleriekorps über 
Saar führte zu einem Gefecht mit den dort befindlichen öster- 
reichischen E-eifcerabteilungen, welche schließlich ebenso wie die 
Brigade Appel über G. Meseritsch nach Trebitsch zurückgingen. 
Das Reitergefecht bei Saar wird unter V geschildert. 

Die in Polna aufgestellte Eskadron 5/Hus. 9 sollte nach Weisung 
des Obersten Freiherrn v. Appel über Kamenifcz oder Wollein nach 
Trebitsch zurückgehen und hiebei die westliche Flanke der Brigade 
decken. Rittmeister v. Zaitsek hatte am Morgen gemeldet, daß auf der 
Iglauer Straße keine feindlichen Truppenbewegungen stattfänden, 
daß sich aber der in D. Brod gemeldete Gegner nach Saar zöge. 

Die von der preußischen Avantgarde Schöler ausgeschickte 
Eskadron 1/Hus. 11 war um Mittag in den Raum zwischen einem 
nächst Stehen aufgestellten Zug des österreichischen Rittmeisters 
und der Hauptkraft seiner Eskadron eingedrungen. Letzterer hatte 
eben, von einem Besichtigungsritt der westlich von Polna auf- 
gestellten Vedetten zurückgekehrt, die Fütterung der Pferde an- 
geordnet, als seine von den preußischen Husaren geworfenen 
Sicherungspatrouillen in Karriere zurückpreschten. 

Es gelang indessen, von einem zur rechten Zeit nieder- 
gehenden W^olkenbruch begünstigt, den Südausgang des Ortes zu 
gewinnen und dem als Revanche für die gelungene Aufhebung des 
Relais bei Stehen^) zugedachten Überfall zu entgehen. Rittmeister 
V. Zaitsek wollte südlich Polna das Einrücken aller seiner auswärts 
befindlichen Patrouillen abwarten, mußte aber bald vor der an- 
marschierenden 16. Division zurückweichen. Er traf um 8^ abends 
in Trebitsch ein; der bei Stehen abgeschnittene Zug vermochte 
sich unter geringen Verlusten an Gefangenen durch zwei feindliche 
Abteilungen durchzuschlagen und langte noch vor der Eskadron 
in Trebitsch ein. Alle Versprengten fanden rasch zurück, weil 
Zaitsek Zettel mit den skizzierten Marschwegen — Trebitsch als. 
Sammelpunkt — ausgegeben hatte. 

1) Seite 38. 



51 

Die Yon der preußischen Eibarmee im Laufe des 10. Juli ^ie preußi- 

, , sehe Elb- 

erreichte Situation ist in Beilage 3 enthalten. Das Armeekommando armee imd 
rückte um 1^ nachmittags in Mau ein. Noch vor dem Abreiten die Kavaiierie- 

brigade 

von D. Brod war um 7 ^ früh das Schreiben Moltkes vom Vortag waiiis. 
eingetroffen.^) 

Der Aufenthalt der österreichischen Eskadron Zaitsek bei 
Polna hatte einen regelrechten Gefechtsaufmarsch der dahin diri- 
gierten Füsilierbrigade der 16. Division herbeigeführt. 

Mit der Avantgarde Schöler trat die Kavalleriebrigade Wallis 
in engen Kontakt. Der ihr vom Divisionär erteilte Auf rag forderte 
recht schwierige Leistungen. Es waren über 30 knf auf beschwer- 
lichen Kommunikationen zu hinterlegen, die befohlene Abgabe 
von drei Eskadronen zur Sicherung auf den nach Saar und Polna 
führenden Straßen-) reduzierte die Hauptkrafb der Brigade auf 
7 Eskadronen, von denen nach Erreichung des Marschzieles noch 
2 nach Stannern auf die Straße Iglau— Znaim vorzuschicken waren. 
Dabei war das Divisionskommando über die Stärke der bereits zur 
Zeit der Dispositionsausgabe in Iglau und D. Brod befindlichen 
Kräfte des Gegners unterrichtet. 

Es fragt sich, ob nicht auf der guten Straße über Trebitsch 
die Iglauer Chaussee rascher hätte gewonnen werden können. Der 
Weg w^ar um einige Kilometer länger, aber weniger beschwerlich, 
der Zweck daher sicherer zu erreichen. 

Der tatsächliche Einsatz der Brigade Wallis gegen die Flanke 
der Eibarmee war entschieden kühner; es war zu hoffen, daß man 
sehr bald zu ausreichenden Nachrichtenergebnissen gelangen 
würde, man gedachte hiedurch auch den Linksabmarsch des Gros 
der Division zu verschleiern. Über die von der Brigade Wallis 
eingeschlagene Marschlinie sowie ihre Detachierungen gibt die 
Beilage 3 Aufschluß. 

Besonders beschwerlich gestaltete sich das Überschreiten des 
tief eingeschnittenen Iglawatales bei Branzaus. Hier mußten die 
Pionierzüge der beiden Regimenter^) helfend eingreifen, um eine 

1) Seite 41. 

2) Vergl. Beilage 3. 

^) Über die Organisation und Ausrüstung der Pionierzüge berichten die 
,, Mitteilungen über Gegenstände der Ingenieur- und Kriegswissenschaften" 
Jahrgang 1868 (Offizieller Teil) wie folgt: 

„Bei der Aufstellung der k. k. Nordarmee wurde bei zehn Kavallerie- 
regimentern, welche in die errichteten zwei leichten Kavalleriedivisionen ein- 
geteilt waren, je ein Zug von 30 berittenen Gemeinen durch Beteilung mit 
Werkzeugen samt den erforderlichen Tragvorrichtungen als Pionierzug aus- 

4* 



52 

Furb auszumittelii, den Ab- und Aufstieg zu erleichtern und die 
schadhafte, schwankende Brücke zu verstärken. 

Die Brigadebatterie mußte den Umweg über Okrischko ein- 
schlagen. Um 5^ nachmittags war die Brigade im Lager bei Pirnitz 
versammelt. 

Die gegen Prisnek vorgeschobene Eskadron 1/Hus. 10 unter 
Rittmeister Freiherrn v. Mladota alarmierte die Vorposten der preußi- 
schen Avantgarde Schöler wiederholt und nahm dem Feinde auch 
drei Gefangene ab. 

Dispositionsgemäß waren von der Brigade zwei Eskadronen 
nach Stannern zu dirigieren; es wurden hiezu 5, 6/Hus. 10 be- 
stimmt. 

Auf der Straße Iglau — Znaim war preußischerseits die Eska- 
dron 3/Hus. 7 bis Stannern vorgeschoben, welche eine Reko- 
gnoszierung noch weiter bis Hungerleiden ausgeführt hatte. Gegen 
Abend erschienen westlich Haslitz die beiden österreichischen Eska- 
dronen. Der preußische Eskadronschef ließ alarmieren, die Eingänge 
von Stannern verrammeln und von Karabinerschützen besetzen. 
Doch der die kaiserlichen Eskadronen führende Rittmeister stand 
von jeder Unternehmung ab und zog sich zur Nächtigung nach 
Kneschitz zurück; außerdem erstattete er die nicht zutreffende 
Meldung von der Besetzung von Lang-Pirnitz.^) 

Die in Kamenitz zurückgelassene Dragonerdivision meldete 
das Erscheinen feindlicher Ulanen bei Hochstudnitz. 

Das vorgeschilderte Verhalten der beiden nach Stannern diri- 
gierten Husareneskadronen hatte den Hauptzweck der Entsendung 
der Brigade Wallis, die eigenen Aufklärungsabteilungen auf die 



gerüstet. Außerdem wurde jeder der beiden leichten Kavalleriedivisionen ein 
besonders ausgerüsteter, mit vier Pferden bespannter Geniezugsrequisiten- 
wagen zugewiesen, der außer Werkzeugen auch drei Sprengtonnen aus Bessemer- 
stahlblech ä 65 Pfund Pulverladung, 40 Torpedos ä zwei Pfund Ladung und 
Zündmittel enthielt. Zu jedem der Wagen wurden aus dem Stande der Genie- 
truppe je ein Führer und ein Gefreiter, welche im Pionier- und Genie.lienste 
überhaupt, besonders aber im Gebrauche der Sprengtorinen und Torpedos die 
nötiget) Kenntnisse besaßen und zwei Fahrgemeine beigegeben. Später wurden 
vom hohen Kriegsministerium noch die Hauptleute des Geniestabes Gustav 
Mihälik V. Madunyitz und August Euef zu den leichten Kavalleriedivisionen 
eingeteilt, um dortselbst die rationelle und möglichst erfolgreiche Anwendung 
der in den Geniezugswagen mitgeführten Sprengtonnen und Torpedos zu über- 
wachen und auch auf die Abrichtung und Verwendung der aus dem Stande 
der Kavallerieregimenter aufgestellten Pionierzüge Einfluß zu nehmen." 

^) Vermutlich hing dies mit dem ßitt der preußischen Eskadron 3/Hus. 7 
nach Hungerleiden zusammen. 



53 

Straße nach Znaim zu setzen, vereitelt. Die Brigade befand sich 
nächtlichen Unternehmungen des Gegners gegenüber in nicht im- 
bedenklicher Lage; die 5 Eskadronen und die Batterie bei Pirnitz 
verbrachten die Nacht in gespannter Erwartung eines Angiiffes. 
Der einstige Generalstabschef der Division findet in seiner 
Schrift wohlberechtigte AVorte des Tadeis für die Nichterfüllung 
des erteilten Auftrages. Erschwerend kommt hinzu, daß die knappe 
schriftliche Disposition eine ausführliche mündliche Erläuterung 
gefunden hatte, denn Divisionär und Brigadier, befanden sich am 
Vortag in einem Orte; der letztere mußte daher über den Zweck 
seiner Entsendung vollkommen im klaren gewesen sein. Unter 
solchen Umständen hätte sich allerdings die Erreichung der großen 
Chaussee auf dem Wege über Trebitsch— Pröding mehr empfohlen. 

Die Lage des österreichischen Kavalleriekorps am Abend des Betrachtungen 

° . über das 

10. Juli läßt einige Betrachtungen angebracht erscheinen. verhalten des 

Der ß:eö:nerische Druck hatte bei den drei schweren Divisionen 'jsterrei- 

'^ ^ ... . cbischen Ka- 

die Zurückziehung der Yor[)Osten in eine, hinter der ursprünglich vaiieriekorps 
disponierten, gelegene Linie veranlaßt. Bei der 3. ßeservekavallerie- ^°^ ^^' "^^^^ 
division sah man sich auch zur Verlegung des Biwaks für die 
Hauptkraft bis zu einem Punkte bewogen, welcher sich 10 Jcm 
südlich des anfangs beabsichtigten Lagerplatzes befand. 

Eine auf Grund der Karte gefällte Kritik würde schlechtweg 
verurteilend lauten. Aus diesem Grunde ist es notwendig, bei 
Tatsachen zu verweilen, die mit dem weltberühmten Offensivgeist 
und der anerkannten Tüchtigkeit der kaiserlichen Reiterei im 
AViderspruch zu stehen scheinen. 

Die 1859 allerdings nur mit einem Regiment unternommenen 
heldenmütigen Ritte Edelsheims quer durch das, der Bewegung 
schier unüberwindliche Hindernisse entgegensetzende oberitalieni- 
sche Rebengelände bei Magenta und Solferino hatten noch keines- 
wegs die Anschauungen damaliger Reiterführer dahin geklärt, daß 
moderne Krieg-führung auch der Kavallerie nicht mehr gestatten 
kann, sich das Feld ihrer Verwendung besonders auszusuchen. In 
dem reichbedeckten und coupierten Hügelterrain Böhmens und 
Mährens fühlten sich die großen Reitermassen nicht auf den rechten 
Fleck gesetzt, ja man verargte es der obersten Führung, die 
Waffe in ein falsches Element gelockt zu haben, in welchem sie 
keine Ehren holen konnte, sondern nur ungezählten Fallstricken 
ausgesetzt war. 

Diese Meinung darf nicht kurz verworfen werden. 



54 

Das Terrain war zonenweise außerordentlich, schwierig; die 
Bewaffnung der schweren Divisionen, wie aus Anhang II ersichtlich, 
derart, daß ihre Widerstandskraft nicht hoch zu veranschlagen war. 
Aus der einfachsten Erwägung ging hervor, daß man — nament- 
lich bei der Bewegung durch Defiles und bei nächtlichen An- 
griffen auf die eigenen Unterkünfte^) und Lagerplätze — den 
schwächsten Infanterieabteilungen gegenüber, auf wehrloses Zurück- 
weichen angewiesen war. Es sind dies ja alles Momente, die bei 
der heutigen Organisation großer Kavalleriekörper berücksichtigt 
wurden, um ihnen die damals entbehrte Selbständigkeit nunmehr 
zu sichern. 

Schließlich kam ein hoher Grad von Abnützung des Pferde- 
materials hinzu, der den wichtigen Betätigungsfaktor der Schnellig- 
keit herabdrückte. Um auch von den morahschen Potenzen zu 
sprechen, so war die kaiserliche Kavallerie — namentlich die An- 
gehörigen der 1. und 3. schweren Division — in Erinnerung an 
ihre heldenmütigen Leistungen am Nachmittag des 3. Juli zwar 
von gerechtem Stolze erfüllt, doch gab es immerhin eine kleine 
Zahl weiterblickender Offiziere, welche das Auge auf die schweren 
Folgen der eingetretenen Niederlagen richtete; solche Überlegungen 
dämpften dann den frischen, frohen Reitergeist und die Unter- 
nehmungslust, welche ein historisch begründetes Attribut der öster- 
reichischen Kavallerie sind. 

Sucht man nun im einzelnen die erwähnten Erscheinungen 
zu ergründen, so ist zunächst festzustellen, daß auch das bei den 
schweren Divisionen eingeschlagene Verfahren, die Rückmärsche 
einzuleiten, die Mitschuld trug. 

Die auf 300 bis 400 Säbel zusammengeschmolzenen Regi- 
menter, welche in der Verwendung als Arrieregarde auf 10 bis 16hn 
zurückgelassen wurden, wichen infolge ihrer Isoliertheit dem ge- 
ringsten Drucke des Feindes. Anders hätten sich die Dinge 
gestaltet, wenn die Divisionen jeden Morgen in ganzer Stärke 
auf geeigneten Punkten bereitstanden und durch solche Kraft- 
entfaltung, unterstützt von ein paar Kanonenschüssen, den Wagemut 
schwächerer feindlicher Kräfte abgekühlt hätten. 

Beim Herannahen gegnerischer Infanterie mochte dann unter 
steter Fühlung abschnittsweise der Rückmarsch fortgesetzt werden. 



^) Die preußische Kavallerie verbarrikadierte häufig die feindwärtigen 
Ortseingänge, um sich während der Nacht vor Störungen zu sichern. Dieses 
Mittel wurde Österreich! seh erseits verschmäht, obwohl es während eines Rück- 
zuges noch mehr angebracht gewesen wäre. 



oo 



Erst nach dem voraussichtlichen Abschluß der Tageshandlung 
hätte sich der Moment für die Ausscheidung der Vorposten er- 
geben, unter deren Schutz die Hauptkraft weiter rückwärts ihre 
Nächtigungsplätze aufsuchte. 

So ließ sich ein, natürlich nicht schematisch zu handhabendes 
System in die Bewegungen bringen, das jedenfalls erfrischender auf 
den Geist der Truppen gewirkt hätte, als das wirklich gewählte 
Verfahren. 

Am befremdlichsten traten die berührten Vorgänge bei der 
3. E-eservekavalleriedivision auf, deren Hauptkraft auf nahezu 40 hn^ 
von der feindlichen Sicherungslinie gerechnet, zurückverlegt wurde. 

Es wird notwendig, besonders hervorzuheben, daß die Führung 
von Kür. 12 sowie jene der ganzen Division in den Händen von 
Männern lag, deren persönliche Bravour und lauterer Sinn hoch 
über allen Zweifel erhaben waren. Der Schlüssel ihres Handelns 
lag in den herrschenden Anschauungen und in der mangelhaften 
Ausrüstung und bereits geschädigten Schlagfertigkeit ihrer braven 
und tüchtigen Truppen. 

Ein am folgenden Tage vom Kommandanten der 3. schweren 
Division verfaßter und später angeführter Bericht bestätigt die hier 
wiedergegebenen Anschauungen, 

Wo — wie bei der Division Edelsheim — hochentwickeltes 
taktisches und operatives Verständnis sowie die rücksichtslose 
Energie des Führers zu einer zweckmäßigeren Bewaffnung hinzu- 
traten — ergaben sich augenblicklich Leistungen, die auf der 
Höhe moderner Forderungen standen. 

FML. Prinz Holstein war am 10. Juli nach Brunn gelangt. DasKavaiierie- 
Hier erfuhr man zunächst im Wege der Armeeintendanz, daß torpskom- 

^ raando. 

eine Instradierung der vier Divisionen durch das Korpskommando 
im Armeehauptquartier keinesfalls gebilligt würde. 

Der Prinz entschloß sich daher, das am Vortag ausgegebene 
Marschtableau in einem neuen Erlaß als ungültig zu erklären. 
Die Divisionen sollten vorläufig an den heute erreichten Punkten 
Czernahora, Tischnowitz und G. Bittesch ^) verbleiben und erst dann 
weiter zurückgehen, wenn der Feind heftig nachdrängte. 

Die Division Edelsheim wurde angewiesen, ,,da aus den ein- 
gelaufenen Meldungen der Vorposten hervorgeht, daß die 



^) Zur Zeit war der Rückzug der 3. Division nach Xamiest dem Korps- 
kommando noch unbekannt. 



56 

Hauptmacht; des Feindes auf der Straße Igiau — Znaim sich 
vorwärts bewegt", mit dem Gros die Reichsstraße sobald als 
möglich zu gewinnen und nur eine schwächere Abteilung bei 
Trebitsch zu belassen. 

Wie sich das Korpskommando den Einklang in den weiteren 
Bewegungen der Divisionen und die Handhabung des Verbindungs- 
dienstes vorstellte, ergibt sich aus folgender Befehlsstelle: 

,,Für den weiteren Rückmarsch ist die Bewegung der 
,,1. leichten Kavalleriedivision maßgebend und es haben die 
„drei schweren Divisionen sich in ihrer Bewegung nach dieser 
,,zu richten. 

,,Das Divisionskommando wird daher angew^iesen, die Ver- 
,,bindung mit den nebenstehenden Abteilungen stets aufrecht- 
,,zuerhalten und sobald es seinen dermaligen Standort verläßt, 
,,dies sogleich der 3. Reservekavalleriedivision anzuzeigen, welche 
,, wieder die weitere Mitteilung der 2. und diese an die 1. Reserve- 
,,kavalleriedivision macht, so daß die vier Divisionen stets, wie 
,,im Marschplan angedeutet, auf gleicher Höhe nebeneinander 
,,sich bewegen. 

,,Am Abend eines jeden Tages muß mir dann von der 
,,1. Reservekavalleriedivision die Meldung zugeschickt werden, 
.,wo die einzelnen Divisionen stehen. Mein Korpshauptquartier 
,, bleibt bis auf weiteres in Brunn." 

19 Stunden war dieser Befehl unterwegs, als er am 11. Juli 
um 3^ nachmittags bei der 1. leichten Kavalleriedivision einlangte.^) 
Die Chaussee Iglau — Znaim war bereits aus eigener Initiative 
zur weiteren Marschlinie der Division gemacht worden. Schon 
anfangs waren für die Aufklärungszonen der Divisionen keine 
Grenzlinien festgesetzt; auch jetzt fehlte eine solche Maßnahme, 
wo die Schiebung der Division Edelsheim nach West eine Regelung 
besonders notwendig erscheinen ließ. 

Über die Bestimmungen für den Verbindungsdienst läßt sich 
wenig sagen, sie verfehlten durch die Langsamkeit jeglichen Dienst- 
verkehrs völlig ihren Zweck. Die Leitung des Korps war nur 
möglich, wenn sich das Hauptquartier beiläufig in der Mitte und 
nicht auf dem östlichen Flügel aufhielt und unbedingt radiale tele- 
graphische Verbindungen über einen möglichst weit zurückliegenden 
Punkt (Laa, Mistelbach, Wolkersdorf) benutzt wurden. 



^) Bei der 1. und 2. schweren Division wurde der Befehl noch am 10., 
bei der 3. schweren am 11. in ßiskapitz präsentiert. 



ot 



Aus den Direktiven, welche an diesem Tage vom Korps- 
kommando an die drei schweren Divisionen gerichtet wurden, ist 
das Verfahren ersichtlich, welches der Prinz und sein Stab zur 
Lösung der den Divisionen gestellten Aufgabe empfiehlt. Dieses 
wichtige Schriftstück wird daher wieder wörtlich zitiert: 

,,Es liegt nicht in der Absicht, die vereinigten Kavallerie- 
„divisionen einfach gegen Wien zurückgehen zu lassen, viel- 
,,mehr soll die gegenwärtige Linie nicht verlassen werden, wenn 
.,man nicht dazu durch überlegenes und nachdrückliches 
,, Drängen des Gegners gezwungen ist. 

,, Dieser Druck ist entschieden bei der Division Edelsheim 
„fühlbar, da aber sonst keine Anzeichen vorhanden sind, daß 
,,der Gegner mit größerer Macht und mit der ernstlichen Absicht, 
,,uns zu verdrängen, vorrückt, es vielmehr den Anschein hat, 
,,daß wir nur einer leichten Yortruppenkette gegenüberstehen, 
,,so ist von jeder der drei schweren Divisionen eine Eeko- 
,,gnoszierung vor der ganzen Front machen zu lassen und dem 
„Feind auf den Zahn zu fühlen. 

„Es sind IV2 bis 2 Eskadrons dazu zu verwenden, von 
,, denen immer ein Teil geschlossen auf einem Hauptpunkt etwas 
, .zurückbleibt. Die Unternehmung ist einem der Aufgabe voll- 
,, kommen gewachsenen Offizier ohne Rücksicht auf die Charge 
,, anzuvertrauen. 

,,Es handelt sich nicht um einen Eeitercoup, sondern 
,, darum, mit möglichster Schonung des Materials die Absicht 
,,des Feindes zu erfahren, was nicht ausschließt, den Gegner 
„anzupacken, wo es mit Aussicht auf Erfolg möglich. 

,,In ganz gleicher Weise sind beim Rückmarsch nur kleine 
,, Patrouillen zurückzulassen, die die Fühlung mit dem Feind 
,, behalten und zeitweise auch seinem Drängen sich widersetzen, 
,,um nicht ^or Patrouillen zu weichen. 

,,Ich mache dabei die Herren Kommandanten aufmerksam, 
„daß der Division Edelsheim gegenüber Teile des 1. preußischen 
,, Armeekorps stehen, während sich auch bei Brüsau Abteilungen 
,, desselben Korps gezeigt haben. 

,,Die Herren Generalstabschefs wollen die Kommandanten 
,,der Unternehmung instruieren und haben diese Kommandanten 
,, selbst hieher schriftlich über das Resultat Rapport zu erstatten. 

,,Zur leichteren Verständigung und Verbindung sind zwischen 
,,den Divisionshauptquartieren Ordonnanzposten aufzustellen und 
„zwar diesmal von der 1. Division in Raschau, von der 2. Divi- 



58 

,,sion in Deblin, von der 3. an einem Punkt, der der Stellung 
„der Division Edelsheim entspricht. 

„In Zukunft sind solche Posten immer gleich nach dem 
„Einmarsch in die neue Marschstation aufzustellen und damit die 
^^gegenseitige Verständigung zu verbinden, damit einige Stunden 
„später alle Divisionen über ihre gegenseitige Lage im klaren sind. 

„Wenn diese Verständigung bei einer oder der anderen 
„Division ausbleibt, so ist es hieher anzuzeigen." 

Aus diesen Direktiven ergibt sich eine bedauerliche, schon 
aus dem Befehl an die Division Edelsheim herauszulesende Tatsache. 
Nach der Ansicht des Korpshauptquartiers ging also eine starke 
preußische Kraftgruppe beiderseits der Iglauer E-eichsstraiBe vor, 
eine andere folgte der Nordarmee über Landskron und Zwittau 
auf Olmütz; der ganze östliche Flügel der preußischen 1. Armee, 
der sich unmittelbar vor der Front der schweren Divisionen befand, 
war nicht festgestellt worden.^) Diese Kräfte wurden für eine 
,, leichte Vortruppenkette" gehalten. War dies mangelnde Kom- 
binationsgabe, welche nach Sichtung der Meldungen nicht zu an- 
nähernd zutreffenden Anschauungen gelangte oder wurden auch 
bei den vorne befindlichen Divisionen die gleichen Trugschlüsse 
gezogen? Aus den Akten läßt sich diese Frage nicht beantworten. 

Spät abends traf die Nachricht ein, daß die 3. Reserve- 
division bis Namiest zurückgegangen war. Nun erschien dem 
Korpskommando die Belassung der 1. und 2. schweren Division 
bei Czernahora und Tischnowitz nicht mehr ratsam und es erging 
der Befehl, am 11. bis Zinsendorf beziehungsweise Rossitz zurück- 
zugehen und die Vorposten zwei Stunden nördlich dieser Punkte 
aufzustellen.'^) 

Im Wege des Brünner Landesgeneralkommandos langte am 
11. früh im Korpshauptquartier noch eine Depesche des Kriegs- 
ministeriums ein, welche den Prinzen anwies, wichtige Vorgänge 
telegraphisch an die Gener aladjutantur Seiner Majestät zu melden. 

Die Unzufriedenheit des Armeekommandos mit den bisherigen 
Leistungen des Kavalleriekorps v/urde in einer erst am 13. im 



^) Diese Auffassung erhellt auch aus einem, an diesem Tage nach 
Olmütz gerichteten Telegramm des Korpskommandos. Yergl. ,,Die kritischen 
Tage von Olmütz im Jahre 1866", Seite 23 und 21. 

-) Diese Maßnahme wurde auch nach Olmütz und an das Kriegs- 
ministerium gemeldet. 



59 

Korpshauptquartier eingelangten Depesche ausgesprochen.^) In 
Olmütz war man damals noch der Meinung, daß sich vor der 
Front des Kavalleriekorps nur eine ,,zum großen Teile aus Reiterei 
bestehende Avantgarde" befinde. 

Aus der Zusammenfassung des Vorgesagten dürfte das Urteil 
nicht ungerechtfertigt erscheinen, daß das Kavalleriekorps den 
an seine Schaffung geknüpften Erwartungen bis jetzt nicht ent- 
sprochen hatte. 

V. 
Das Reitergefecbt bei Saar. 

Zur Darstelluns: der Vor^-äno-e am 10. Juli ist der Reiter- ^^^ -^^*"- 

P . o r 1 1 ö o steUang der 

kämpf bej Saar nachzuholen. kaiseriiciien 

Rittmeister v. Gälgoczy hatte am 9. nach der ihm von Husarenabtei- 
Oberst Freiherrn V. Appel befohlenen Umkehr-) um 7^" abends die saar°und der 
Gegend von Saar erreicht. Der ehrgeizige und bekannt tüchtige Aümarsch der 

Preußen.. 

Reiteroffizier fühlte sich durch die ihm widerfahrene, wenn auch 
nicht unbegründete Behandlung schwer gekränkt und hatte sich 
nunmehr vorgenommen, ohne Kampf nicht einen Schritt mehr 
zurückzuweichen. 

Die Beilage 2 stellt die Situation der von ihm befehligten 
2^2 Eskadronen dar. Die Bestimmung von zwei Eskadronen ver- 
schiedener Regimenter zu diesem Detachement dürfte Verwunderung 
erregen. Besondere Rücksichten hatten mitgespielt; es galt, den 
energischen Gälgoczy auf den fraglichen Punkt zu bringen und 
minder brauchbare Personen auszuschalten. 

Zur Erklärung der Zusammensetzung des Detachements sei 
noch erinnert, daß die in Wattin zur Verbindung mit der Brigade 
Appel zurückgelassene V2 6/Hus. 8 ursprünglich zum Detachement 
Taxis gehört hatte und in der vergangenen Xacht bei Heraletz 
gestanden war. Ein vom Brigadekommando ergangener Befehl, von 
Pelles aus gegen Borau zu sichern, hatte sie nicht erreicht. 

Alle dem Rittmeister v. Gälgoczy unterstellten Reiterabtei- 
lungen hatten recht erhebliche Leistungen hinter sich. 

Als nach unbehaglicher Regennacht die Dämmerung ange- 
brochen war, verstärkte der Rittmeister den bei Strzanow auf- 



^) Am 11. JuK von Olmütz abgegangen. Tergl. ,,Die kritischen Tage 
von Olmütz", Seite 36. 
2) Vergl. Seite 37. 



60 

gestellten Zug von Hessen-Kassel-Husaren durch einen solchen 
von Radetzkj^-Husaren und stellte beide unter Befehl des Ober- 
leutnants V. Hegedüs des letzteren Regiments. Somit waren auch 
innerhalb dieser Halbeskadron beide Truppenkörper vertreten. Man 
begegnet hier einer Maßnahme, die nach taktischen Gesichtspunkten 
gewiß nicht, gerechtfertigt war. Der Grund lag darin, daß sich 
zwischen den bei Saar zusammengetroffenen Offizieren der beiden 
Husarenregimenter ein ritterlicher Wettstreit entsponnen hatte; der 
Führer ward von beiden Seiten bestürmt, bei sich ergebenden 
SpezialVerwendungen die Interessen beider Truppenkörper gleich- 
mäßig zu wahren. 

Vom preußischen KavaHeriekorps hatten die Division 
Hann auf der Straße über Skrdlowitz, die Division Alvensleben 
über Weprikau zunächst Saar zu erreichen, wo man nach den 
Ereignissen des Vortages mutmaßte, auf stärkere österreichische 
Kavallerie zu stoßen. 

Bei der erstgenannten Division sollte Ul. 9, welches bei 
Königgrätz nicht zum Eingreifen gelangt war, Gelegenheit zum 
Zusammentreffen mit dem Gegner geboten werden. Obwohl das 
Regiment über Nacht auf Vorposten gestanden war, setzte es sich 
als Avantgarde der Division um 6^ früh von Vojnomestec in 
Bewegung. 

Die Marschordnung des Regiments war folgende: 1. Eskadron 
mit 2V2 Zügen (IV2 besorgten die Sicherung in den Flanken), 
hierauf nach mehreren hundert Schritten die 3. und 4. Eskadron, 
zwischen die letzteren waren zwei reitende Geschütze eingeteilt.^) 

Der Eeiter- Eine auf der Straße nördlich Strzanow aufgestellte öster- 

reichische Husarenfeldwache mit teilweise abgesessenen Reitern 
empfing die sich nähernde preußische Spitze mit Gewehrfeuer. 

Der an der Tete befindliche feindliche Offizier, Leutnant 
V. Seckendorf, entschloß sich alsbald, mit Spitze und Unteroffiziers- 
trupp loszureiten und jagte die wenigen Husaren nach Strzanow 
zurück. Von dort brach aber Oberleutnant v. Hegedüs mit seinen 
beiden Zügen hervor und nötigte den Gegner zur Umkehr. 

Rittmeister v. Schickfus, der Kommandant der preußischen 
Eskadron 1/Ul. 9, nahm seine zurückjagenden Leute auf und setzte 
nun seinerseits mit 2V2 Zügen zur Attacke an. Lanzen und Säbel 
kreuzten sich in einer von beiden Seiten energisch herbeigeführten 

^) 2/Ul. 9 war zur ßequisition abkommandiert. 



kämpf. 



61 

Melee. Die kaiserliclien Husaren mußten weichen. Ein besonderes 
Mißgeschick wollte es, daß zwei über Nacht in Strzanow ge- 
standene Marketenderwagen auf eiliger Flucht umwarfen und nun 
für den Rückzug des österreichischen Reitertrupps ein recht unan- 
genehmes Hindernis auf dem Wege bildeten. Dieser Zwischenfall 
verursachte Sturz und Gefangennahme einzelner Reiter. 

Der preußische Rittmeister ließ Appell blasen; Oberleutnant 
V. Hegedüs zog mit seiner Halbeskadron durch die Ortschaft Saar 
Schloß und durch Saar selbst ab und vereinigte sich mit Ritt- 
meister V. Galgoczy. 

Auf der Höhe von Strzanow war unterdessen der Komman- 
deur von Ul. 9, Oberst v. Grüter, mit dem gleichfalls vorgerittenen 
General v. Hann zusammengetroffen. 

Über Felles hinweg gewahrte man eine unabsehbar lange 
Reiterkolonne, die sich gegen den Aufstellungspunkt der beiden 
Stäbe vorbewegte. Der General erteilte daher der Avantgarde 
den Befehl, vor Klärung der Situation nicht über Saar hinauszu- 
gehen. V^ 4./Ü1. 9 mußte für alle Fälle auf den Höhen bei Strzanow 
bleiben; bald stellte es sich jedoch heraus, daß es die eigene Kavallerie- 
division Alvensleben war, welche die Beunruhigung erzeugt hatte. 

Der preußische Avantgardezug war unterdessen die steile, 
schlecht gepflasterte Straße des Marktes Saar hinaufgeritten und 
über den geräumigen, hochgelegenen Platz gegen den Südost- 
ausgang vorgegangen. Der Regimentsadjutant, Leutnant v. Naso, 
der sich anfangs angeschlossen hatte, bestieg mit dem anwesenden 
Geistlichen, als Geisel, den hochragenden Kirchturm, der einen in 
die Augen springenden Auslug bot. 

An der Straße nach Wattin, ungefähr 200 Schritte von den 
letzten Hänsern des Marktes Saar entfernt, stand Rittmeister 
V. Galgoczy, die sechs Züge Hessen-Kassel- und Radetzky-Husaren 
waren in erster Linie aufmarschiert, dahinter befanden sich als 
Reserve die beiden von Oberleutnant Hegedüs zurückgeführten Züge. 

Als der feindliche Avantgardezug sichtbar wurde, entsandte 
Galgoczy, um den vermeintlich dahinter in dichten Massen stehenden 
Gegner zur Entwicklung zu bringen, zuerst einen Zug und gleich 
darauf einen zweiten der Eskadron 6/Hus. 5 gegen den Ortsaus- 
gang vor. Dem Chok der Radetzky-Husaren entzogen sich die 
feindlichen Ulanen durch eilige Räumung von Saar, obzwar am 
Marktplatz ein zweiter Zug zur Unterstützung eingetroffen war. 

Mit keineswegs angenehmen Gefühlen mag dies der auf dem 
Kirchturm beobachtende Regimentsadjutant wahrgenommen haben. 



62 

Der unten die Pferde haltende Unteroffizier saß beim Heran- 
nahen der österreichischen Husaren auf, ließ das Handpferd laufen 
und eilte zurück, um Meldung zu erstatten. 

Ein Bürger von Saar — Augenzeuge dieses Vorfalles — 
erzählt folgendes über die eigentümliche Situation, die sich in 
diesem Augenblick darbot. Die österreichischen Husaren hatten 
ihre Verfolgung, um nicht Straßenkämpfe führen zu müssen, nur 
bis zur Einmündung der Ortsgasse in den Marktplatz ausgedehnt. 
Von den preußischen Reitern waren etwa zwanzig Mann beim 
Gemeindehaus zurückgeblieben. Dieses lag an der gegen den Nord- 
ausgang herabführenden Gasse. Der Feind konnte somit die Vor- 
gänge auf dem Platze nicht wahrnehmen. 

Die Kirche von Saar — in der Turmstube der von dort be- 
obachtende preußische Offizier — befand sich somit zwischen beiden 
Parteien. Zwei Husaren waren, mehr zufällig, bis dorthin vor- 
gedrungen und hatten die geschilderten Vorgänge beim Eingangstor 
zur Turmstiege veranlaßt. 

Auf die bei Oberst v. Grüter eingetroffeine Nachricht von 
der gefährlichen Lage seines Adjutanten win-de die 1. Eska- 
dron sofort in Galopp nach Saar hineingeworfen, um Rettung 
zu bringen, dahinter folgte der Oberst mit der 3. und der 
V2 4. nach. 

Den pommerschen UJanen schlugen auf dem Marktplatz ein- 
zelne Gewehrprojektile entgegen, die Schützen verschwanden aber 
rasch hinter den dann sofort wieder geschlossenen Haustoren der 
Östlichen Häuserfront, wo sie die Pferde bestiegen und durch den 
gegen die Felder führenden Ausgang zu ihren noch immer südlich 
Saar stehenden eigenen Eskadronen ritten. 

Jetzt brach die Eskadron 1/Ul. 9 über den Südostausgang vor; 
ihre Avantgarde wurde von den österreichischen Reitern mit aus 
dem Sattel abgegebenem Gewehrfeuer empfangen. Rittmeister 
V. Gälgoczy, welcher Befehl zum Herankommen der in Wattin 
befindlichen Halbeskadron von Hessen-Kassel-Husaren geschickt 
hatte, stürzte sich mit 6 Zügen auf den Feind. Nach preußischen 
Quellen vermochte die hier etwa mit 100 Reitern auftretende Es- 
kadron Schickfus die Oberhand über die etwa doppelt so starken, 
aber außerordentlich ermüdeten Husaren zu erringen : österrei- 
chische Angaben stellen jedoch fest, daß erst das Erscheinen der 
aus Saar debouchierenden Haupttruppe des gegnerischen Regi- 
ments die Melee zu Ungunsten der kaiserlichen Waffen beeinflußte 
und die Umkehr der Husaren veranlaßte. 



" 63 

Auf der Straße nach Wattin ritten die Eskadronen Gälgoczys Verfolgung 

und Rückzug. 

teilweise mit dem Gegner vermengt, zurück. 

Oberst v. Grüter disponierte die 3. Eskadron zur Verfolgung, 
die V2 4. imd die 1. Eskadron als Eeserve. Die Ulanen ritten, um 
nicht Distanz zu verlieren, auf der Straße in Marschkolonne.^) 
Um das Nachdrängen des Feindes zu mäßigen, warf sich ein 
Trupp Hessen-Kassel-Husaren auf den Feind, mußte aber bald 
wieder, da er Gefahr Hef gänzhch isoliert zu werden, den voraus- 
gegangenen eigenen Abteilungen folgen. 

Nahezu über eine Strecke von 6000 Schritten hinweg ging 
die Jagd der auf 500 bis 600 Schritte voneinander entfernt 
bleibenden Parteien. Auf dem schlechten, teils schlüpfrigen, teils 
steinigen Boden kam es auf beiden Seiten zur äußersten Kraft- 
anspannung. 

Die von AVattin heranbefohlene Halbeskadron war leider zu 
spät gekommen und konnte sich an dem Zusammenstoß bei Saar 
nicht mehr beteiligen: ihr Erscheinen nötigte den Verfolger zu 
kurzem Halt, ihre Aufstellung südhch Wattin ermöghchte die 
Ealliierung der beiden anderen Eskadronen. 

Die Brigade Appel in Ostrau war auf die Nachricht von dem 
Vorgehen des Gegners gegen Saar alarmiert worden: Hus. 9 ritt 
nach G. Meseritsch voraus. Oberst Fürst Windisch- Graetz erhielt 
die erbetene Erlaubnis, mit 2V2 E/Dr. 2 zur Aufnahme Gälgoczys 
abrücken zu dürfen: der Rest der Brigade marschierte nach 
G. Meseritsch. 

In der Höhe von Sazomin vereinigten sich die Dragoner mit 
den Husaren Gälgoczys. 

Die von General v. Hann unter Begleitung von V2 4/Ul. 9 
auf die Höhe südöstlich Wattin disponierten reitenden Geschütze 
der Preußen feuerten um 10 ^^ vormittags den verschwindenden 
kaiserhchen Reitern noch einige Granaten nach, die indes ihr Ziel 
verfehlten. 

Die Brigade Appel kam nach längerer Rast bei G. Meseritsch 
um 7 ^ abends, die beiden Eskadronen Gälgoczys eine Stunde 
später im Lager bei Trebitsch an. 

Die Verluste in diesem, nach den beiderseits zum Eingreifen Betrach- 
gelangten Truppenstärken eigentHch unbedeutenden, aber erbittert "°?^^- 



^) Nach anderen Angaben nötigte erst später, eine ein Kornfeld begren- 
zende Hecke zur Annahme der Marschkolonne, 



64 ' 

geführten Reitergefecht waren auf österreichischer Seite recht 
erheblich, da die Ermüdung der Husaren auf der Kampfführung 
lastete. 

Das österreichische Generalstabs werk enthält hierüber folgende 
Angaben: 

Offiziere Mann Pferde 

Tot — — — 

Vermißt — 8 9 

Verwundet 3 10 12 

Verwundet gefangen . . • — 11 10 

Un verwundet gefangen ........ 2 9 7 

Zusammen . . 5 38 38 

Die pommerschen Ulanen büßten als tot: 1 Mann und 
3 Pferde ein, verwundet wurden 17 Mann und 10 Pferde. 

Das preußische Regiment hatte einen rühmlichen Tag zu ver- 
zeichnen; bei weniger zögernderer Führung wäre es aber möglich 
gewesen, den durch die kaiserlichen Husaren hervorgerufenen 
Aufenthalt unter energischer Ausnützung der eigenen Über- 
legenheit Avesentlich zu verkürzen. Es fällt auf, daß die preußi- 
schen Abteilungen alle durch den Ort Saar hindurchritten und 
nicht versucht wurde, mit einzelnen Abteilungen an der Ostseite 
vorzurücken. 

Der Generalstabsoffizier der Brigade Fratricsevics, Rittmeister 
V. Ambrozy, schildert die Heimkehr der Eskadron Radetzky-Husaren 
folgend : 

,,Die schöne 6. Eskadron kam, nachdem die Pferde 55 Stunden 
nicht abgesattelt waren, als ein wahres Jammerbild, herabge- 
schunden, dezimiert, mit zu Grunde gerichteten Pferden bei der 
Brigade an." 

Die große Zahl von Gefangenen war zweifellos eine Folge 
der vorangegangenen Anstrengungen im Yorp ostendienst. 

Man kann es unter den bestehenden Verhältnissen vollkommen 
gutheißen, wenn österreichisch erseits getrachtet wurde, die Teten 
der feindlichen Kavallerie anzufallen, um durch einen geschickten 
Coup den Gegner vorsichtiger zu machen. Doch mußte einige 
Chance für den Erfolg vorhanden sein. Die bei Saar nicht mehr 
isolierte Vorhut eines größeren Kavalleriekörpers, selbst allein 
schon den eigenen Kräften überlegen, war nicht das geeignete 
Objekt. Schon anfangs wurde die Gemütsverfassung des Führers 
der beiden Eskadronen erwähnt, aus ihr und der Kampflust seiner 
braven, sich auch hier prächtig haltenden Schar ist die Annahme 



65 



eines Kampfes hervorgegangen, welcher kehie taktischen Interessen 
zu fördern vermochte. 

Preußischerseits hatten die Scharmützel bei Saar einigen Auf- 
enthalt verm^sacht. Die Division Alvensleben war in Gefechts- 
formation übergegangen. Kür. 6 ritt aufklärend bis Sazomin vor; 
Aveit und breit zeigte sich aber nichts mehr vom Gegner. 

Die Xächtigung des preußischen Kavalleriekor[)s ist in Bei- 
lage 3 dargestellt. 

YI. 
Der 11. Juli. 

Aus einem an Moltke gerichteten Schreiben des General- Dispositionen 
Stabschefs der Eibarmee vom 11. Juli, 10 - vormittae^s. ist ersichtlich. ^^ preußi- 

^ sehen Hanpt- 

daß man durch Gefangenenaussagen wußte, bisher niu* auf die Divi- quartiere, 
sion Edelsheim gestoßen zu sein. Gleichfalls aus dieser Quelle floß "^ ^^® ^^^' 

*=* ^ armee. 

die Kenntnis der in dem bezeichneten Bericht hervorgehobenen 
gegnerischen Absicht, ,. durch Detachements den Anmarsch der 
Preußen zu beobachten und die Marschkolonnen zu umschwärmen". 

Für die Dispositionen der Eibarmee war der in Hohenmauth 
am 9. Juli ausgegebene Befehl des großen Hauptquartiers maß- 
gebend.^) 

Der Marsch in der Ziehung links wurde am 11. derart ein- 
geleitet, daß die 16. Division die Richtung über G. Meseritsch, 
die 15. und 11. jene über Trebitsch angewiesen erhielten, um so 
die verlangte Annäherung an die 1. Armee zu bewirken. Jede 
Division sollte nunmehr ihre eigene Avantgarde vorschieben. 

Das bisher fiü^ die ganze Armee als Avantgarde bestimmte 
Detachement des Generals v. Schöler wm'de durch ein Kavallerie- 
regiment und eine Batterie verstärkt; dieser somit 7 Bataillone 
12 Eskadronen und 4 Batterien ^j starken Kraftgi'uppe fiel das 
von Moltke gewünschte Vorgehen gegen Znaim zu. Die mehr als 
doppelt so große Überlegenheit der Di\'ision Edelsheim an Kaval- 
lerie wurde auf Seiten der Preußen durch die Beigabe von Infanterie 
völlig aufgehoben; an Artillerie war man nahezu gleich stark.^i 

General v. Schöler erhielt aus dem Armeehauptquartier Direk- 
tiven, welche besagten, daß er sich als Avantgarde der gegen 



^) Vergi. Seite 41. 

■-) Der Befehl des groJien Hauptquartiers verlangte eine Division. 
-^j Jedoch erst, als ein Ergänzungstransport von acht Geschützen, der 
am 11. Juli von "Wien abgegangen war, bei der Division Edelsheim eintrat". 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 5 



AVien vorrückenden Armee auszugeben hätte; am 12. sollte Mhr. 
Biidwitz. am 13. Wolframitzkirclien und am 14. Znaim erreicht 
AA'erden. 

Dem General wurde weiters empfohlen, die durch Infanterie 
und reitende Artillerie verstärkte Kavalleriebrigade Goltz ,; ange- 
messen vorauszupoussieren". 

i') Die Prinz Friedrich Karl gab die Disposition für den 11. noch 

vor dem Verlassen des am 9. bezogenen Hauptquartiers Richen- 
biu'g aus. 

Die einleitenden Worte dieser Disposition unterrichten aus- 
führlich über die herrschenden Anschauungen und Stimmungen. 
Sie lauteten: 

,,Nach den vom Feinde eingelaufenen Nachrichten befindet 
.,sich derselbe mit einzelnen Kavallerieabteilungen vor der Front 
..der Armee. Insofern also die marschierenden Korps und Divi- 
.jsionen nicht von der Avantgarde des Herzogs AVilhelm gedeckt 
,.sind, haben dieselben fortan eigene Avantgarden zu bilden. 

,,Ich gewinne mehr und mehr die Überzeugung, daß der 
..Feind, welcher vor unserer Infanterie nicht standhält, sich 
,,noch in einem Zustand vollster Auflösung befindet, und zwar 
,,um so mehr, als er in der Schlacht bei Königgrätz 174 Kanonen, 
,,in früheren Gefechten 24 Kanonen, mithin mehr als ein Drittel 
..seiner gesamten Artillerie^), verloren hat, ein Ereignis, Avelches 
..in der Kriegsgeschichte ohne Beispiel ist." 

Durch die in der Fortsetzung dieser Disposition angeordneten 
Marschbewegungen sollte die Armee in der Richtung gegen Brunn 
zusammengeschoben werden, um für die in der Umgebung dieser 
Stadt erwarteten Kämpfe bereit zu sein. Der linke Flügel hatte 
die Chaussee Zwittau — Brunn zu erreichen. Das Kavalleriekorps 
ließ man wieder wie eine Infanteriedivision, eingeschachtelt im 
Armeeechiquier vorgehen. 

() Das große Der Postfund in Mhr. Trübau, dann die am Abend des 10. 

qulrtitr. stattgcfundeuc Besprechung Moltkes mit Blumenthal im Haupt- 
quartier der 2. Armee hatten die Grundlagen für die folgende am 
11. Juli 11^ vormittags ausgegebene Disposition geboten: 



^) Bei der Nordarmee befanden sich 736 Geschütze, bis einschliei31ich 
ö. Juli büßte man 203 Geschütze (allein 187 bei Königgrätz) ein; ein Verlust, 
welcher die kaiserliche Artillerie dennoch mit Euhm bedeckte. 



67 

..Das Hauptquartier Sr. Majestät des Königs geht morgen. 
,,den 12. d. M.. nach Czemahora. Von der 8. Di\'ision wird zur 
..Sicherung desselben ein dm*ch die Ortschaften Switawka. 
,,Boskowitz, Petrowitz und Blansko nach Osten abgegi^enzter 
..Rayon besetzt, davon ein Bataillon nach Czemahora. 

..Die 1. Infanteriebrigade des GM. v. Pape richtet morgen 
..früh ihren Marsch nach Gewitsch derartig ein, daß sie Brüsau 
..so lange besetzt hält, bis Se. Majestät der König hier diuxh- 
, .passiert sind, und hat dieselbe auf Lettowitz und Gewitsch 
..voraus zu rekognoszieren. Die Brigade ist sodann wieder zum 
..1. Armeekorps heranzuziehen. 

..Xach den hier diu'ch die Zweite Armee eingegangenen 
..und gestern abends der Ersten und Eibarmee von hier aus mit- 
. .geteilten Nachrichten, ist bei Brunn wohl höchstens das in 
..dieser Richtung zurückgegangene 10. österreichische Korps, ein 
..Teil der Kavallerie und was etwa inzwischen aus "Wien an 
..Verstärkungen herangeführt werden konnte, zu erwarten. Das 
..Oberkommando der Ersten Armee wird an Ort und Stelle be- 
.. urteilen, in welchem Maße hiemach, um sich in Besitz von 
,. Brunn zu setzen, eine Konzentriennig der Armee gegen Brunn 
..überhaupt noch nötig oder ob nicht ^'ielmehr schon seitens 
..der Ersten Armee die Mitbenützung der Straße über Eiben- 
,,schitz zulässig ist, um den Aufmarsch der Ersten und Eibarmee 
..hinter der Thaya auf der Linie Znaim — Muschau zu erleichtem 
,.und zu beschleunigen. Auf Grund der hierüber von Seiten der 
..Ersten an die Eibarmee direkt mitzuteilenden Xachrichten hat 
j.die letztere ihren Marsch über Stannem. Trebitsch. eventuell 
..G. Meseritsch auf Brunn fortzusetzen oder, wenn sich die 
..Konzentrierung bei Brunn als unnötig herausstellen sollte, mit 
..ihren Gesamtkräften dii'ekt auf Znaim vorzugehen. Sobald eine 
..Entscheidung in dieser Hinsicht dort getroffen sein wii'd. ist 
..dieselbe sofort zu melden.'' 

Man sollte eigentlich glauben, daß die in den Händen des 
gToßen Hauptquartiers befindliche österreichische Anneedisposition 
jedwede Bedenklichkeiten hinsichtlich der Situation bei Brunn 
hätte zerstreuen können. 

Am 10. Juh waren seitens der 2. Armee jedoch in Brüsau 
stattgefundene Auswaggonierungen des Gegners gemeldet worden, 
welche auch Roon in einem Briefe an die Gattin erwähnt. Das 
tatsächlich irrige Gerücht konnte mit ziemlicher Bestimmtheit als 
falsch erkannt werden, da die aufgefangenen Dispositionen Benedeks 



68 

eine mehr als ausreichende Übersicht der Gesamtlage eröffneten. 
Indes liegt es im Medium des Krieges, daß auch „Schwarz auf 
Weiß" nicht jenen letzten Rest menschlicher Zweifelsucht hinweg- 
räumt, welcher auf den unter dem Drucke hoher Verantwortung 
stehenden Stäben lastet. 

Sonst wäre anzunehmen, daß die mit über 70.000 Mann gegen 
Brunn vorrückende 1. Armee für ausreichend gehalten werden 
mußte, ein österreichisches Korps — Sollstand 26.000 Streitbare — 
zu bekämpfen. Die Eibarmee konnte sonach ganz ruhig in der 
Richtung gegen Znaim belassen werden. 

Überblickt man die aus Beilage 4 zu entnehmende Konzen- 
trierung gegen Osten, so läßt sich allerdings feststellen, daß die 
alte Ordnung im Echiquier mit wenig Zeitverlust wieder hergestellt 
Averden konnte. 

Aus der in den ,, Kritischen Tagen von Olmütz . . . ." ent- 
haltenen Korrespondenz des großen Hauptquartiers mit dem Kron- 
prinzen geht hervor, daß am 11. Juli der Gedanke bereits völlig 
klar hervorgetreten war, mit der 2. Armee die gegen Olmütz 
zurückgehende Nordarmee von jeder weiteren Beteiligung an dem 
Schlußakt des großen Ringens fernzuhalten. Man hatte auch schon 
dem kühneren Entschluß Blumenthals zu einer Aufstellung der 
2. Armee südwestlich der mährischen Feste zugestimmt. Be- 
sondere Bedeutung gewann nun die Zerstörung der Bahnstrecke 
Prerau — Lundenburg, durch welche die Kommunikation zwischen 
Wien und Olmütz unterbrochen ward. 

Einer schriftlichen Mitteilung des Oberquartiermeisters der 
1. Armee, General v. Stülpnagel, an Moltke ist zu entnehmen, 
daß dort ins Auge gefaßt wurde, durch die 8. Division die Eisen- 
bahnverbindung zwischen Olmütz und Brunn unterbrechen zu 
lassen. 

Schon an anderer Stelle ist ausführlich geschildert worden, 
wie es erst vier Tage später bei Göding zu der anbefohlenen 
Unterbrechung des Bahnverkehrs kam, wie somit teils durch ver- 
zögerte Ausführung, teils, wie am 16., durch mißverständliche Auf- 
fassung beim 1. Korps die Verwirklichung der Moltkeschen Ab- 
sichten keineswegs glatt erfolgte. 

Die aus der 1. imd Eibarmee bestehende Hauptkraft des 
l^reußischen Heeres — etwa 110.000 bis 120.000 Mann — bewegte 
sich gegen Wien, wo man etwa 100.000 Österreicher anzutreifen 
glaubte, wenn die Abdrängung und Isolierung der Nordarmee — 
wie dies vorausgesetzt wurde — gelang. 



69 

Inwieweit der Kalkiil der preußischen Heeresleitung zutrat. 
wird später \) ausgeführt werden. Vom Standpunkt unseres da- 
maligen Gegners war die Aufstellung dieser ZiÖer — selbstredend 
nur Formationen erster Linie gerechnet — so ziemlich berechtigt. 

Die in Italien befindliche Operationsannee zählte 71.000 Streit- 
bare, wiu'de sie zur Gänze an die Donau gezogen, und traten ein 
Korps UO. • der Nordarmee und noch einige mutmaßlich im Lmem 
befindliche Armeekörper hinzu, so konnte die im großen Haupt- 
quartier angestellte Stärkeberechnung im großen ganzen stimmen. 

^lit 120.000 Preußen bis an die Donau vorzugehen, um 
hiedurch einen entschiedenen Druck zur Herbeiführung des Friedens 
auszuüben, eventuell vorerst noch eine Schlacht im Marchfeld zu 
schlagen, dazu durfte sich König Wilhelm für stark genug halten. 
Mit der nicht erheblichen Überlegenheit aber den Widerstand der 
Befestigungen am nördlichen Donauufer zu brechen und eine 
schwierige Stromforcierung diurchzuführen, war nur dann in den 
Bereich der MögHchkeit zu ziehen, wenn die verbündete italienische 
Armee von Süden gegen die Residenz vorrückte. Xach den bis 
jetzt eingelaufenen Xachrichten war auf eine solche energische 
Mitwirkung kaum zu rechnen. 

Xach diesen Erwägungen war das Vorgehen der preußischen 
Hauptkraft gegen Wien wohl zweifellos ein kühner Entschluß, 
doch brauchte sich an die bis nun beschlossene Vorrückung nach 
Süden noch immer nicht der Eintritt in den letzten Entseheidungs- 
kampf um den Besitz von Wien zu knüpfen. Die Freiheit des 
Handelns blieb gewahrt: in der nächsten Zeit konnten militärische 
und politische W^andlungen zu einer Modifizierung der bis jetzt 
einwandfreien Entschheßungen führen. 

Je früher man aber an der Donau erschien, destu 
günstigere Chancen mußten sich ergeben. 

Unterdessen hatte bei allen operativen Entwürfen die Sorge 
um das regelrechte Funktionieren des Xachschubes außerordentheh 
störend gewirkt. 

Am 11. traf eine Lokomotive auf der Probefahrt von Prag 
in Zwittau ein; Major Graf Wartensleben fuhr mit ihr bis Brüsau. 

Es wurde nun beschlossen, den eröfi:neten Bahnbetrieb derart 
auszunützen, daß alle am ersten Tage von Prag eintretiPenden Ver- 
pflegszüge zur Füllung eines Magazins in Zwittau für die 2. Ai^mee. 
jene am zweiten Tage zur direkten Abgabe an die 1. Armee un'l 

^) Die Donauverteidigung. 



70 

endlich jene des dritten zur Dotierung eines Magazins in Brunn 
verwendet werden sollten. 

Der Kommandant des 1. Reserve- Armeekorps, General v. d. 
Mülbe, hatte schon am 10. Befehl erhalten ^), sich „unter zeitweiliger 
Zurücklassung eines Land Wehrkavallerieregiments und einiger Land- 
wehrbataillone in Sachsen von Dresden auf dem nächsten Wege 
über Teplitz nach Prag in Marsch zu setzen. Bei diesem Vor- 
marsch war gegen Theresienstadt keine Aufstellung zu nehmen, 
die Festung vielmehr in angemessener Entfernung zu umgehen. 
Sobald dies geschehen, sollte die Verpflegung auf Prag basiert 
werden." 



Die Eibarmee Der Vormarscli der beiden preußischen Armeen führte zur 

'T^^E^ri^^eim Fortsetzung des Eückzuges der österreichischen Kavallerie. 

GM. Freiherr v. Edelsheim wollte am 11. Juli die Znaimer 
Chaussee erreichen und ließ hiezu die Brigade Fratricsevics, welche 
den Dienst in erster Linie zu übernehmen hatte, um 3 ^ früh über 
Stiemiech nach Scheletau rücken, je eine Eskadron hatte in 
Trebitsch und zwischen Roketnitz und Chlistau zurückzubleiben; 
die Brigade hatte in den Richtungen auf G. Meseritsch, Pirnitz, 
Stannern und Teltsch aufzuklären. 

Die Brigade Appel marschierte mit dem Divisionsstab über 
Jarmeritz in das Lager von Mhr. Budwitz, wohin auch die Brigade 
Wallis unter Einziehung ihrer detachierten Eskadronen einzu- 
rücken hatte. 

Aus einer noch vor dem Abmarsch aus Trebitsch an das 
Kavalleriekorpskommando -) gerichteten Meldung ergibt sich, daß 
man bei der 1. leichten Division genaue Kenntnis über die 
Ordre de bataille der um Iglau versammelten Kräfte des Feindes 
besaß. 

Nach einer bei Pirnitz unruhig verbrachten Nacht brach die 
Brigade AVallis um 5 ^ früh mit der Absicht auf, die auf 1 Kom- 
pagnie und 3 Eskadronen geschätzte Besatzung von Stannern zu 
überfallen. 

Warum von diesem Vorhaben, welches zur Aufhebung der 
im Orte allein befindlichen preußischen Eskadron 3/Hus. 7 hätte 
führen können, abgesehen wurde, ist nicht zu erklären. Nicht 
genug daran, sah sich die Brigade wegen der Besetzung von 



^) Der Befehl ging am 8. von Pardubitz ab. 

2) Eingegangen in Pohrlitz am 12. Juli; die Meldung wurde bis Znaim 
telegraphiert, dann von einem Gendarm nach Pohrlitz gebracht. 



Stannern veranlaßt, von der Divisionsdisposition abzuweiclien und 
über Heraltitz und Czaslawitz statt auf der Znaimer Chaussee nach 
^rhr. BudA\T.tz einzurücken. 

Die detachierten Eskadronen ritten über Trebitsch und Jar- 
meritz zurück. 

GM. Freiherr v. Edelsheim, der darauf gerechnet hatte, daß 
scbon am 10. Juli die Aufklärungsabteilungen der Division auf der 
Reichsstraße stehen würden, war über diese Vorgänge äußerst 
erzürnt. 

Die Brigade Fratricsevics batte um 8 ^ früh die Höhen nord- 
westlich Scheletau erreicht. 

Aus dem Xächtigungsraum südlich Iglau war eine halbe Stmide 
früher die den Truppen des Generals v. Schöler vorausgehende 
Kavalleriebrigade Goltz mit 2 Infanteriebataillonen mid 2 Geschützen 
auf der Reichsstraße abmarschiert. 1, 2. 5/Hus. 11 ritten zur 
Deckung der linken Flanke von Stannern über Knescbitz, Opatau 
und Prödlitz. 

Die Brigade Fratricsevics schob die Eskadron o-Hus. 5 bis 
Hungerleiden vor. Aus einem von dem feindlichen General 
V. Schöler erstatteten Bericht geht hervor, daß diese Eskadron 
(Rittmeister v. Balogh) außerordentlich geschickt geführt worden 
war; ihre Patrouillen umschwärmten die preußischen Husaren von 
allen Seiten. Wälder und Ortschaften wurden umständlich vom 
Feinde dm-chsucht, so daß sich der Marsch erheblich verzögerte. 
Auf vielen Punkten schlug dem Gegner Gewehrfeuer entgegen, 
so daß schließlich mit aller Bestimmtheit behauptet win^de. die 
Kavalleriedivision Edelsheim sei dui'ch ein Jägerbataillon verstärkt 
worden. 

Statt der beabsichtigten bequemen Kantonierung ließ General 
V. d. Goltz in ein Biwak beim Käsern wirtshaus zwischen Hunger- 
leiden und Scheletau rücken, welches durch die Infanterie gesichert 
ward. Trotzdem störten die streifenden Husarenpatrotiillen wieder- 
holt die Xachtruhe. 

GM. V. Fratricsevics war etwas vor 3 ^ nachmittags von 
Scheletau in die Höhe von Markwatitz vorgeritten und traf dort 
die zurückgehende Eskadron 5/Hus. 5. Rittmeister v. Balogh hatte 
das Überschreiten der Höhen von Stannern durch die Haupttruppe 
des Generals v. Schöler festgestellt, man hatte die Entfaltimg des 
feindhchen Detachements in drei Kolonnen wahrgenommen, ohne 
zunächst zu erkennen, daß dies nur zum anfangs beabsichtigten 
Beziehen von Unterkünften erfolgt war. 



72 

Eittmeister v. Balogli wurde durch die Eskadron 1/Hus. 5 ver- 
stärkt und blieb vorläufig bei Markwatitz; die Haupttruppe der 
Brigade Fratricsevics bezog südlich Scheletau eine Bereitschafts- 
stellung. 

Auch die in Stiemiech aufgestellte Eskadron mußte jenen 
preußischen Abteilungen weichen, die in Pröding Unterkünfte be- 
ziehen sollten. Als diese Eskadron aber in der Meinung, ihre 
Tagesaufgabe bereits gelöst zu haben, im Begriff war. in das Lager 
bei Mhr. Budwitz einzurücken, stieß sie auf den Di visionär, der 
ihr neuerliches Vorgehen zur Aufrechthaltung der Fühlung in 
keineswegs sanfter Form anordnete. 

Um 7 ^^ abends trat GM. v. Fratricsevics den weiteren Rück- 
marsch an. um nicht bei Scheletau — das Walddefile von Horka 
im Rücken — zu nächtigen, so daß sich bei Einbruch der Dunkel- 
heit die in Beilage 4 dargestellte Situation ergab. 

Die in Trebitsch zurückgelassene Eskadron hatte starke feind- 
liche Kavallerie bei G. Meseritsch festgestellt, eine von der Brigade 
Fratricsevics gegen Teltsch entsendete Patrouille wollte die Belegung 
der dortigen Gegend mit zwei feindlichen Kavallerieregimentern 
und sehr viel Infanterie in Erfahrung gebracht haben. 

Letzteres ist aber auch der einzige Irrtum, der sich in das 
von der Division Edelsheim am 11. erbrachte Situationsbild ein- 
geschlichen hatte. 

Die 3. Reserve- Aus der Beilage 4 ist die unerfreuliche Tatsache zu ersehen, 

division. ^^^^^ clie 3. schwcrc Division auf Grund nicht zutreffender Mel- 
dungen auch am 11., ohne gedrängt zu werden, den Rückmarsch 
fortsetzte, so daß sich ihre Hauptkraft nunmehr 50 km südlich der 
preußischen Operationsfront befand. 

Ein ausführlicher Bericht des Divisionärs an das Kavallerie- 
korpskommando versucht die getroffenen Maßnahmen zu recht- 
fertigen. In diesem Schriftstück bezieht sich der Verfasser auf 
jenen Punkt der Disposition des Korpskommandos vom 9. Juli, 
wo es hieß, daß von einem ernsten AViderstand in diesem für die 
Kavallerie höchst ungünstigen Terrain nicht die Rede sein könne. 
Eine von G. Bittesch am 10. nach G. Meseritsch entsendete Offiziers- 
patrouille hatte die Nachricht vom Gefecht bei Saar und dem Ab- 
marsch der 1. leichten Division gegen Süden gebracht. Das mit 
Wald bedeckte Terrain zwischen G. Bittesch und Daleschitz mit 
den tief eingeschnittenen Flußläufen der Oslawa und Iglawa be- 
nahmen jede Aktionsfr-eiheit. Nach dem eingetroffenen Marsch- 



73 

tablean. dessen Inhibiernng noch, nicht zur Kenntnis des Divisions- 
stabes gekommen war. sollte am 12. Znaim erreicht werden, gegen 
welchen Punkt, wie man von der Division Edelsheim erfahren 
hatte, der Gegner von Iglan aus anrückte. Es handelte sich sonach 
darum, dem Feinde zuvorzukommen. 

Erst als die Division am 11. Batschitz um 11^ vormittags 
passierte, trafen die beiden Direktiven des Korpskommandos vom 
10. JuK ein. durch welche die ausgegebene Instradierung auf- 
gehoben und die Ausführung von Eekognoszierungen angeordnet 
wurde. ^) 

Nun war es allerdings nicht angebracht. T^deder nach G. Bittesch 
umzukehren, man wäre dann ge^dß gänzlich aus jedem Zusammen- 
hang mit den Xachbardivisionen herausgetreten und hätte die 
Kräfte der Division bis zum gänzlichen Versagen angestrengt.-) 

Um der Anregung des Korpskommandos zu entsprechen, 
wurde das zum Sicherungsdienst in Daleschitz zurückgelassene 
Kür. 10 ^j angewiesen, ein Kommando aus 120 der kräftigsten 
Pferde unter Befehl eines Offiziers wieder nach G. Bittesch vorzu- 
schicken, um Fühlung mit dem Gegner zu erhalten und ihm Ab- 
bruch zu tun. ..ohne sich jedoch deshalb in gefahrbrin- 
gende Unternehmungen einzulassen". 

Aus den Darlegungen ist zu erkennen, daß die widerspruchs- 
reichen Direktiven des Korpskommandos den Divisionär von einem 
in das andere Dilemma gebracht hatten: diese Art AuftragserteiluDg 
pflanzte sich dann begreiflicherweise nach unten fort. 

YIL 
Das Reitergefecht bei Tischnowitz. 

Am 11. Juli gingen der 1. Armee auf dem Vormarsch das Das 

preußische Kavalleriekorps und die vom Herzog v. Mecklenburg 
befehligte Avantgarde voran. kory 

Das Kavalleriekorps marschierte in Divisionskolonnen ^) über 
Radeschin und Bobrau. 



^) Vergl. Seiten 55 u. 57. 

-) ül. 11 ritt am 10. von Iqgrowitz nach Xamiest, das sind zirka 60 kw. 

^) Gehört zur Brigade ]\[engen. Kür. 8 der Brigade Pappenheim war zur 
Unterstützung der Bayern-Kürassiere in Batschitz zurückgelassen. 

*) Es sei z. B. die Marschordnung der 2. Division herausgegriöen : 
Avantgarde: Dr. 3 und 2 Geschütze: Gros: Brigade Goltz (Ul. 9. Kür. 2, 
Artillerie); Reserve: Hus. 12 und 4 Geschütze. 



preußische 
KavaUerie- 



74 

Zur Nächtigung, während welcher das Korps, wie schon er- 
wähnt, wieder in der Front der Hauptkräfte zurückblieb, wurden 
die Divisionen hintereinander gruppiert. Nennenswerte Be- 
gegnungen mit dem Feinde fanden nicht statt. ^) 

Das Detachement des Herzogs v. Mecklenburg brach um 
6^^ früh von U. Rozinka auf; im Gegensatz zur Marschordnung der 
Vortage befand sich die Kavalleriebrigade voran. ^) 

In der Gegend von Olschi hielt die Kavallerie zwischen 8 ^'^ 
und 8*^ früh eine kurze Rast, um der zurückgebliebenen Infanterie 
Zeit zum Herankommen zu geben. Osterreichische Ulanen- und 
Kürassierpatrouillen, die gegen Tischnowitz zurückgingen, waren 
allenthalben sichtbar geworden. 

Oberst von Redern ^) war der Meinung, daß sich auf senier 
Marschlinie noch einzelne Reiterabteilungen im Rückmarsch gegen 
letztgenannten Ort befänden. Er hatte demnach noch vor dem 
erwähnten Halt die Eskadron 4/2. G. Dr. über Doubrawnik, die 
Eskadron 1/Hus. 3 im Louczkabachtale gegen Vorkloster dirigiert, 
mit der Absicht, dem auf der mittleren Straße vermuteten Gegner 
noch vor dem Eingang des letzteren Ortes zuvorzukommen. 

Dispositionen J)'iq bis zum Morgen in Tischnowitz — im Stabsquartier der 

2. schweren 2. schwcreu Divisiou — eingelaufenen Nachrichten über das Zurück- 
Division gehen der eigenen Vorposten und die Anwesenheit des Feindes in 
und westlich Bystrzitz sowie in Oels^) mußten zu besonders sorg- 
fältigen Sicherungsmaßnahmen mahnen, namentlich deshalb, weil 
man größeren Zusammenstößen ausweichen wollte. 

Die für den 11. ausgegebene Disposition ordnete an: 

,, Brigade Soltyk hat morgen früh ihre Vorposten einzuziehen, 
,, abzuessen und in die Kantonierungen von Schwarzkirchen ■^) und 



^) Eiu zur Sicherung der linken Flanke der Division Alvensleben über 
Krzizanau dirigierter Zug von 2. G. Ul. stieß dort auf einen von Deblin vor- 
gegangenen Zug der Eskadron 3/Kür. 3 und büßte einen Gefangenen an die 
Sachsen-Kürassiere ein. (Vergl. auch Beilage 5.) 

-) Vergl. Beilage 5. 

^) Kommandeur der 2. G. Dr., befehligte aber für den Herzog die 2. leichte 
Kavalleriebrigade. 

^) Am 10. abends wurde ein kleiner Trupp preußischer Kavallerie in 
Oels von einem Zuge Nikolaus-Kürassiere vertrieben; der Feind büßte drei 
Marketenderwagen ein. 

^) Ein Mitkämpfer schrieb: „Es wäre dies die erste Kantonierung seit 
dem 24. Juni gewesen, die Truppe war derselben sehr bedürftig, besonders 
. die Pferde, aber es sollte wieder nichts darau? werden." 



iO 



,,Rziczan — eventuell für eine Division Rossitz abzurücken — 
,,eine Division bezieht Freilager bei Schwarzkirchen. 

,, Brigade Boxberg rückt 6 ^ früh ab und hat bei Eichhorn- 
,,Bitischka Vorposten zu beziehen. Divisionshauptquartier morgen 
,,in Rossitz." 

,, Sicheren Nachrichten zufolge steht der Feind in Bystrzitz 
,,und ist im Anmarsch gegen Nedwietitz." 

Die in den Morgenstunden von der Brigade Boxberg bezogene 
,, Vorpostenaufstellung'' ist in Beilage 13 dargestellt.^) 

Das bei der 2. schweren Division übliche System der Ab- 
lösung der Brigaden nahm dem Divisionär die Truppen namentlich 
zu Beginn des Tages völlig aus der Hand. Ein Regiment war im 
Einziehen, eines im Aufstellen der Vorposten begriffen, je ein 
Regiment stand als Gros hinter der alten, beziehungsweise der neuen 
Sicherungslinie; die Division war während dieser Zeit auf viele 
Kilometer auseinandergerissen. 

Allerdings sollte auch nicht gekämpft werden. Das ein- 
geschlagene Verfahren, mit so starken Kräften Fühlung am 
Feinde zu halten, widersprach aber andererseits dieser Absicht. 

Die Detachierung der Eskadronen 5, 6/II1. 5 nach G. Bittesch 
erfolgte in den Bewegungsbereich der Nachbardivision Coudenhove 
hinein; sie war durch den Umstand veranlaßt, daß von diesem 
Kommunikationsknoten zwei Straßen gegen den von GM. v. Zaitsek 
ins Auge gefaßten Nächtigungsraum bei Rossitz führten. Durch 
eine Abmachung mit der ö. Reservekavalleriedivision, bis zu einem 
bestimmten Zeitpunkt Kür. 12 in G. Bittesch stehen zu lassen, 
hätte dieser bedenklichen Zersplitterung vorgebeugt werden können. 

Hier sei noch erwähnt, daß nach der ursprünglichen Ordre 
de bataille das ganze Ul. 5 zur Brigade Soltyk gehörte. Da aber 
Ul. 2 von der Brigade Boxberg als Bedeckung der Armee- 
geschützreserve abgegeben war, erhielt letztere zum Ausgleich die 
Division 2/Ul. 5, um auch über leichte Kavallerie verfügen zu können. 

Die von Lomnitz über Tischnowitz abrückende Kavallerie- Der Marsch 
brigade Soltyk hatte zur Sicherung der westlichen Flanke veranlaßt, sTit k Ton 
daß die über Nacht in Nedwietitz gestandene Division 1 Ul. 5 die Lomnitz nach 
hauptsächlich im Schwarzawatal führende Straße über Vorkloster ^^'^ ^°^^ ^ 

^) Im Abschnitt westlich der Schwarzawa befehligte der Regiments- 
kommandant Oberst Schwarz, in jenem östlich des Flusses Major Freiherr 
V. Scotti. 



76 

nach Tischiiowitz einzuschlagen habe, von wo' Patrouillen in der 
Richtung der eben zurückgelegten Strecke, dann gegen Olschi und 
Straschkau auszusenden waren. 

Am frühen Morgen gegen Bystrzitz und Olschi ausgesendete 
Patrouillen waren nicht auf den Feind gestoßen. 

Die Ulanendivision — 1., 2. und V2 4.^) Eskadron unter Major 
Freiherr v. Fleissner — passierte gegen 9^ vormittags Yorkloster und 
ritt nach Zurücklassung der halben 4. Eskadron nach Tischnowitz 
weiter. Eine auf dem Marsche von Nedwietitz in die rechte Flanke 
entsendete Unteroffizierspatrouille hielt die auf gleicher Höhe über 
Olschi marschierende preußische Kavallerie für sächsische Reiter. 
Bald darauf wurde diese österreichische Ulanenpatrouille unweit 
Vorkloster gefangen genommen. 

Die aus den beiden Kürassierregimentern (1 und 5) und der 
Batterie bestehende Haupttruppe der Brigade Soltyk kam um 9"'^ 
vormittags in Tischnowitz an. 

Nun trat ein verhängnisvolles Verkennen der Lage ein. 

Nach Aussage von Mitkämpfern waren während der Nacht 
unaufhörlich — wohl zum Teil übertriebene — Nachrichten über 
den Feind auf dem Lagerplatz der Brigade Soltyk eingetroffen. 
Der Brigadier schenkte den Meldungen keinen rechten Glauben. 
Am Morgen vor dem Aufbruch und kurz nach Antritt der Be- 
wegung war indes ein Umschwung der Stimmung erfolgt. Jene 
Personen, welche die Befürchtung aussprachen, daß es dem von 
Olschi anrückenden Gegner gelingen könnte, Tischnowitz vor der 
eigenen Brigade zu erreichen, gewannen das Ohr des Generals. 
In recht beschleunigtem Tempo trabte die Kürassierbrigade über 
Lomnitschka nach Tischnowitz. Als die ersten Häuser in Sicht 
kamen und nichts auf die Annäherung des Feindes deutete, be- 
merkte der General vorwurfsvoll zu seiner Umgebung, man hätte 
sich die beunruhigenden Vermutungen ersparen können. Wieder 
wechselte die Beurteilung der Lage; mit einem Male glaubte man 
den Feind meilenweit entfernt. 

Der Brigadier meinte, daß er sich jetzt schon innerhalb des 
von den Vorposten der Brigade Boxberg gesicherten Raumes be- 
fände, entschloß sich zur Rast und um das Übel voll zu machen, 
erteilte er der Ulanendivision den Befehl, die zur Sicherung 
zurückgelassene Nachhut einzuziehen. 



') Die andere V-.» 4./TJ1. 5 war als Geschützbedeckuno; bestimmt. 



77 

Es ist zu vermuten, daß bei der jedenfalls bestehenden Ab- 
spannung nach der vorausgegangenen, fast schlaflosen Nacht der 
Befehlsgebung und Übermittlung sowie dem Vollzug jene Bestimmt- 
heit gefehlt hatte, die den schwierigsten Prüfstein der Führer 
aller Grade bildet^ an deren Betätigung so oft die fast über- 
menschliche Anforderung herantritt, den physischen Einflüssen der 
Ermüdung 5u trotzen. 

In und bei Tischnowitz entwickelte sich nunmehr folgendes 
Bild. In der Nähe der Südostlisiere des Ortes waren die Kürassier- 
regimenter abgesessen; einzelne Leute eilten in den Ort, um sich 
selbst rasch zu stärken und für die Pferde Futter zu erlangen. 
Die Ulanendivision verteilte sich auf die beiden Plätze des Markt- 
fleckens und rastete hier. 

Ein Mitkämpfer gibt indes mit voller Bestimmtheit an, Kür. 5 
hätte gleichfalls mitten in Tischnowitz gerastet. Dies wird von 
anderer Seite entschieden bestritten. Auch die Kaiser-Kürassiere 
wären vom Brigadekommando hiezu befehligt worden, allein Oberst 
V. Villata habe sich scharf dagegen ausgesprochen, hätte sein 
Regiment aus dem Orte auf die nächstgelegenen Wiesen geführt 
und überdies eine Eskadron als Bereitschaft bestimmt. Über die 
Aufstellung der hiezu beorderten Eskadron 1/Kür. 1 sind die zur 
Verfügung gestellten Aufzeichnungen von Mitkämpfern gleichfalls 
nicht in Übereinstimmung zu bringen. Nach einer Angabe befand 
sich die Eskadron am Südostausgang des Ortes, nach einer anderen 
rastete sie in Tischnowitz mit nachgelassenen Gurten und um- 
gehängten Futtertornistern. 

Bald trat jene zeitweilige Lösung der gewohnten Ordnung 
und jene Vermengung der mit verschiedenen Aufträgen durch- 
einandereilenden Mannschaft ein. welche stets ein Schwäche- 
moment ruhender Truppen bildet und darch sorgsame Sicherungs- 
maßnahmen unschädlich gemacht werden muß. Statt dessen hatte 
die anfangs bei Vorkloster zurückgebliebene halbe Eskadron über 
Befehl ihren Aufstellungsplatz zu verlassen. 

Um diese Zeit war die in die rechte Flanke detachierte 
preußische Eskadron 1 Hus. 3 bei Louczka auf die hier haltende 
^2 4 Kür. 3 gestoßen, welche sich nach kurzer Plänkelei auf Deblin 
zurückzog; sie meldete hierüber nach Tischnowitz und Gurein- 
Neudorf. 

Unterdessen war der Avantgardezug der preußischen Vorhut- Das Eeiter- 
eskadron 1/2. G. Dr. in Vorkloster eingeritten, der Regimentskomman- 



arefecht. 



78 

deur, Major v. Schack^), befand sich mit einigen Ordonnanzreitern 
bei der Spitze.^) 

Gegen eine sich noch in der Ortschaft aufhaltende öster- 
reichische Ulanenpatromlle ritt der Major mit seinen Begleitern 
los; als sich aber mehrere solcher Patrouillen vereinigt hatten, 
gelang es erst dem Auftreten des Avantgardezuges unter Leutnant 
V. Dieskau, den Gegner nach kurzem Scharmützel Vornehmlich 
durch Karabinerfeuer zurückzutreiben. 

Die Verfolgten und die Verfolger überschritten die Schwarzawa- 
brücke, die Jagd ging weiter bis hart an die ersten Häuser von Tisch- 
nowitz. ^) Hier hatte die von zurücksprengenden Ulanen übermittelte 
Nachricht von der Annäherung der Preui3en die peinlichste Über- 
raschung hervorgerufen. Es war nicht im Handumdrehen zu ermögli- 
chen, aus den in dem ausgedehnten Orte zerstreuten Truppen rasch eine 
geschlossene Abteilung zu bilden und den Gardedragonern entgegen- 
zuwerfen. Von welcher Abteilung der Wallmoden-Ulanen der Feind 
schliei31ich wieder zurückgedrängt wurde, ist nicht zu ermitteln. Ein 
bunt durcheinander gemengter Knäuel trieb der Schwarzawabrücke zu. 

Leutnant v. Dieskau scheint entlang des linken Flußufers 
ausgewichen zu sein, um die Front für die sich unter Rittmeister 
V. Korff der Brücke nähernden restlichen drei Züge seiner Eskadron 
frei zu machen. Die auf beiden Seiten die Tete nehmenden Trupps 
prallten auf der Brücke selbst aufeinander. 

Die Überlegenheit war auf Seite der Preußen, es gelang ihnen, 
vermutlich auch infolge flankierenden Eingreifens des Zuges Dieskau, 
die Ulanen nach Tischnowitz hineinzutreiben. 

In den bergigen Straßen des Marktes und auf dem schlecht 
gepflasterten Platze lösten sich die Abteilungen in einzelne Gruppen 
auf, die in erbittertem Handgemenge auf- und abwogten. 



^) Statt des die Brigade führenden Obersten v. Eedern. 

-) Der Darstellung des Reitergefechtes liegen die Schilderungen der 
beiden G-eneralstabswerke, die Schrift des preußischen Obersten v. Besser 
und die Geschichte der 2. Gardedragoner zu Grunde. Weiteres Material lieferten 
die Gefechtsrelationen des österreichischen Ulanenremments und der Brigade 
Soltj^k, jene des Obersten v. Redern und Rittmeisters v. Korff, endlich das 
Kriegstagebuch der 2. Gardedragoner. Die liierin enthaltenen Feststellungen 
weichen in zahlreichen und nicht unwesentlichen Einzelheiten voneinander 
ab. Weiters haben auch einige Mitkämpfer wichtige Beiträge geliefert. 

") Einige Berichte erwähnen, daß Leutnant v. Dieskau in Tischnowitz 
selbst eingedrungen sei. Mit Rücksicht auf den hieraus abzuleitenden über- 
großen Abstand von der Vorhuteskadron, die nach Zurückwerfung Dieskaus erst 
bei der Schwarzawabrücke eintraf, scheint dies jedoch nicht zutrelfend zu sein. 



79 

Für die kaiserlichen Reiter kam es darauf an, ihren im Ort 
befindlichen und von dem plötzlichen Erscheinen des Feindes 
überraschten Kameraden den geordneten Abzug zu der außerhalb 
aufgestellten Hauptkraft der Brigade Soltyk zu ermöglichen. 

Den verschiedenen Szenen des Kampfes zu folgen ist um so 
schwieriger, als auch innerhalb der Parteien die Angaben hierüber 
voneinander abweichen. 

So war der Zug des Premierleutnants v. Dieskau einmal 
mit seiner Eskadron in Tischnowitz eingedruugen und. hatte durch 
aus dem Sattel abgegebenes Feuer österreichische Ulanen, welche 
aus einer Nebengasse zur Unterstützung ansprengten, zur Umkehr 
gezwungen; nach einem anderen Bericht hielt derselbe die 
Schwarzawabrücke mit abgesessenen Reitern besetzt ^j und beschoß 
eine um den Südwestrand von Tischnowitz vorgegangene öster- 
reichische Ulanenabteilung. 

Bei der ursprünglich als Nachhut verwendeten V2 4/U]. 5 (1. 
und 2. Zug) war Wachtmeister Alois v. Eger — heute Major — 
eingeteilt. Aus seinen sehr eingehenden Mitteilungen ist zu ent- 
nehmen, daß sich außer den hier vorwiegend geschilderten Kämpfen 
in Tischnowitz selbst, eine Parallelaktion im Räume zwischen dem 
Orte und der Schwarzawa bis gegen Vorkloster abgespielt hatte. 

Der Major knüpft in seinem Bericht an den über Befehl 
erfolgten Rückzug der Halbeskadron bis nach Tischnowitz an. Von 
den beiden Zügen blieb nur der 2. in der Gasse unterhalb des 
hochgelegenen mittleren Ortsteiles stehen-), der andere rückte zur 
Division ein: 

,, Zwischen der Brigade und der Nachhut hatte sich eine 
preußische Patrouille von 3 bis 4 Mann der 2. G-. Dr. eingeschlichen 
und in einem Hause des Nordwestendes von Tischnowitz verborgen. 
Sie wurde von uns aufgespürt. Rittmeister Beinhauer, mein Eska- 
dronskommandant, entwaffnete die Gefangenen und schickte sie 
zur Brigade. 

Soviel ich mich übrigens erinnere, eskortierte sie der Ritt- 
meister selbst, ich habe ihn während des Gefechtes nicht mehr 
gesehen. 



1) Das Absitzen zum Feuergefecht wird von österreichischer Seite be- 
stritten, wie es scheint nicht mit Unrecht, da das lebhafte Hin- und Herwogen 
des Kampfes hiezu nicht Zeit gelassen haben dürfte. 

-) Dieser Zug hielt nach den Angaben des Majors v. Eger an der 
Gabelung der Wege, von welchen der eine hinauf zum Platze, der andere ins 
Freie dorthin führte, wo sich heute der Bahnhof befindet. 



so 

Zu dieser Zeit erblickten wir zwei, aus der ßiclitung von 
Vorkloster kommende Gardedragoner, die, sobald sie unserer an- 
sichtig wurden, sofort zurückjagten. Leutnant Koch ließ seinen 
Zug (den 2.) umkehren und die Piken fällen. Einzelne bei der 
Nachhut marschierende Schreiber der Regimentskanzlei und der 
Kurschmied der Eskadron verbreiteten mit Geschrei die Nachricht 
von der Anwesenheit der Preußen. Rittmeister v. d. Knesebek, 
eingeteilt bei der 2. Eskadron, kam an uns vorübergesprengt, riß 
den Leutnant Koch mit seinem Zuge, welchem ich mich an- 
geschlossen hatte, bis über die Brücke an das andere Ufer mit. 
Meine wiederholte Warnung, daß wir abgeschnitten würden, blieb 
unbeachtet." — — — — 

In dem hier angegebenen Zeitpunkt dürfte die Eskadron 
Korff bereits in Tischnowitz eingedrungen gewesen sein, so daß 
sich die geschilderten Ereignisse im Räume zwischen Vorhut und 
Haupttruppe der preußischen Kavallerie abspielten. 

Eger schreibt weiter : ,,Hier [bei der Schwarzawa-Brücke] 
wurde auf einzelne Gardedragoner Jagd gemacht, wobei einige 
gefangen genommen wurden, später aber wieder entkamen. Ober- 
leutnant Graf Metternich, einzelne Unteroffiziere der 2. Eskadron 
sowie der 1. Zug unter Leutnant Winzor trafen nach und nach 
hier ein. Im ganzen war hier unsererseits ein Rudel von 30 bis 
40 Reitern beisammen. 

Unterdessen erschien in unserem Rücken eine geschlossene 
Abteilung von 50 bis 60 Gardedragonern von Tischnowitz^) her, 
übersetzte die Brücke und schickte sich an, gegen uns loszu- 
reiten. ^j 

Während wir uns unter Befehl des Rittmeisters v. d. Knese- 
beck ralliierten, blieben die Preußen auf 50 Schritte von uns ent- 
fernt, stehen .... Gegenseitiges Betrachten, niemand griff an. Nach 
einer Weile schössen die Dragoner ihre Karabiner wirkungslos auf 
uns ab,' machten kehrt und ritten im Galopp gegen Tischnowitz 
bis zu dem Punkte zurück, wo früher unser 2. Zug gestanden 
war. Mehrere der feindlichen Dragoner stürzten auf dem Straß en- 
pilaster und wurden von unseren Ulanen kampfunfähig gemacht. 
Die PreuiBen blieben wieder stehen und gaben abermals eine 



^) Kann nur von der preui3ischen Eskadron Korff gewesen sein, die 
inzwischen, unbemerkt von dem ülanentrupp, bei welchem sich Eger befand, 
nach den vorgeschilderten Scharmützeln in Tischnowitz eingedrungen war. 

-) Die österreichischen Ulanen befanden sich somit zu diesem Zeit- 
punkt auf dem rechten Schwär zawa-Ufer. 



81 

Karabinersalve auf uns ab. Kaum konnten sie aber jetzt den 
Säbel ergreifen, hatten wir sie schon ereilt. In der Melee wurde 
Rittmeister v. d. Knesebeck, mit dem sich das Pferd überschlug, 
schwer verwundet und gefangengenommen ; er starb in Tischnowitz 
und wurde dort begraben. Leutnant Heinrich Koch, durch einen 
Streifschuß am Auge verwundet, kam in das Spital nach Brunn, von 
da nach Wien, rückte aber schon im August wieder zum Regiment 
ein. Leutnant Anton Winzor wurde beim Regiment als tot in 
Abgang gebracht^) und ich an dessen Stelle zum Leutnant ernannt. 
Oberleutnant Graf Ferdinand Metternich erhielt Hiebwunden an 
Gesicht und Händen. 

Unsere ganze Abteilung hieb sich durch den Feind im Einzel- 
kampf durch und rückte zur Division jenseits Tischnowitz ein. 
Diejenigen Ulanen, welche die Richtung oder die Gasse verfehlt 
hatten, wurden gefangengenommen. Als einer der letzten an 
diesem Kampfe Beteiligten, in welchem ich einige Hiebe über den 
Kopf erhielt und mein Pferd durch einen Säbelstich am Bauche 
verwundet wurde, ohne kampfunfähig zu werden, sah ich die 
preußischen Dragoner Direktion nach der inneren Stadt Tischnowitz 
nehmen. Hiemit ist meine persönliche Anteilnahme an diesem 
Gefecht beendet." 

Das Ergebnis des Gefechtes, das von den kaiserlichen Ulanen, 
wie früher hervorgehoben, lediglich um Zeitgewinn geführt ward, 
bestand daher in ihrem schließlichen Abzug vom Schauplatz des 
ehrenvoll bestandenen Kampfes. 

Oberst v. Mouillard — 1866 Oberleutnant bei der Eska- 
dron 1/Kür. 1 — schildert seine persönlichen Erlebnisse und Ein- 
drücke in anschaulicher Art: 

,,Wir-) haben uns um diese Zeit^) als äußerste Xachhut der 
Brigade Soltyk betrachtet, da wir nicht wußten, daß unsere Ulanen 
noch zurück waren. Xikol aus -Kürassiere habe ich im Orte nicht 
gesehen, doch ist es möglich, daß eine Abteilung in einer Neben- 
gasse gerastet hat. Noch vor Ablauf der Rast kamen von mehreren 
Seiten Landesbewohner in größter Aufregung zu uns und be- 
schworen uns etwas zu tun, da feindliche Husaren und Dragoner 

^) Heute Kommandant der 5. Infanterietruppendivision in Olmütz. 
Leutnant Winzor stürzte, im Handgemenge verwandet, vom Pferde, entzog 
sich aber sehr geschickt der drohenden Gefangennahme. 

2) l/Kür. 1. 

^) Gleich nach dem Eintreffen in Tischnowitz. 

Das österreich-ische Kavalleriekorps Holstein. 6 



82 

in nächster Nähe wären und wir gleich angegriffen würden. Infolge- 
dessen wurde ich vom DivisionskorDmandanten beauftragt, den 
außerhalb des Ortes vermuteten Brigadier aufzusuchen, zu melden 
und , Verhaltungsmaßregeln' zu erbitten. 

Unmittelbar hinter dem Ausgang von Tischnowitz sah ich 
die übrigen drei Eskadronen meines Regiments in Marschkolonne 
neben der Straße rasten, dann stieß ich auf Nikolaus-Kürassiere, 
fand aber den Brigadestab nicht und konnte mir auch niemand 
über dessen Verbleib Auskunft geben. Ich ritt nun längs der 
Kolonne in scharfem Tempo zurück, einigen Kameraden zurufend, 
daß wir den Feind vor uns hätten, sie möchten sich bereit machen. 
In der Höhe der Kaiser-Kürassiere angelangt, traf ich das Regiment 
schon in reger Tätigkeit. Inzwischen hatte sich meine in Tischno- 
witz zurückgebliebene Eskadron angeschlossen. Man war auf- 
gesessen mit der Front gegen den Ort, aber in Marschkolonne, 
wie ich mich wenigstens zu erinnern glaube. Ich befand mich un- 
gefähr in der Höhe der Mitte meines Regiments, als General 
Graf Soltyk mit seinem General Stabsoffizier in größter Aufregung, 
beide Herren mit gezogenem Säbel, angaloppiert kamen, und zwar 
vom Orte her. 

,Eine Eskadron Kaiser-Kürassiere attackieren, das Regiment 
kehrt euch! Trab, Marsch!' war die von mir unfehlbar genau 
gehörte Anordnung des Generals. Ich beeilte mich zu meiner zur 
Attacke bestimmten Eskadron zu kommen, bemerkte aber noch 
den Unwillen meines Obersten, des ebenso tapferen als ritterlichen 
Obersten Villata, der nicht zurückgehen, sondern sich auf den 
Feind stürzen wollte. 

Dem, wie ich später erfuhr, mit Nachdruck wiederholten 
Befehl zufolge, trabte also das Regiment zurück — bis wie weit 
weiß ich nicht — nur die eine Eskadron, bei der merkwürdiger- 
weise die vom Wachtmeister Bergmann getragene Standarte zurück- 
gelassen war und bei welcher sich der Divisionskommandant befand, 
stellte sich auf dem sanft ansteigenden, freien Räume westlich der 
Straße mit der Front gegen den Ortseingang zur Attacke bereit 
auf. Etwas weiter rückwärts fuhr unsere Batterie auf. Wie lange 
sie in dieser Stellung blieb, weiß ich nicht, sie wurde möglicher- 
weise sehr bald wieder zurückgenommen; ich kann darüber nichts 
Näheres sagen, da unsere Aufmerksamkeit fieberhaft nach vorn 
gerichtet war. 

Nun begann auch schon der Lärm in Tischnowitz. Man ver- 
nahm einige präzise Salven, welche, wie ich unmittelbar nach dem 



83 

Gefecht erfuhr, von preui3ischen Dragonern vom Sattel aus auf 
unsere angreifenden Wallmoden-Ülanen abgegeben worden waren. 
Dieses Feuer ließ auf Infanterie schließen und mag der Grund 
gewesen sein, daß unser Oberstleutnant, der ein kaltblütiger be- 
sonnener Mann war, passiv blieb. Auch meine Bitte, mit meinem 
Zuge vorgehen zu dürfen, wurde mit Hinweis auf die damals sehr 
respektierten Zündnadeln abgewiesen. Inzwischen horte das regel- 
mäßige Schießen auf und der Lärm des Gefechtes kam näher, 
wobei das Hurra der Preußen zu dominieren schien; einzelne 
Schüsse fielen dazwischen in ununterbrochener Folge. Alsbald 
kamen Ulanen zu Fuß und zu Pferd, teilweise verwundet, aus 
Tischnowitz heraus. Zwei auf einem Pferde sitzende Ulanen fielen 
mir auf, von denen der rückwärtige einen Schuß durch die Schulter 
bekommen hatte, was man an den Blutflecken auf dem weißen 
Mantel sah, dann einige kleine Trupps, unter denen vielleicht 
Kürassiere waren, die ich aber nicht bemerkt habe, dann eine ge- 
schlossene Abteilung, wenn ich nicht irre, unter Kommando des 
damaligen Rittmeisters Berres v. Perez. der einen prächtigen Säbel- 
hieb über die Czapka hatte, endlich einige sehr edle, aber ganz 
erschöpfte Beutepferde. 

Den Feind bekamen wir nicht zu sehen, er blieb in Tischnowitz 
und tat wohl daran; sein Ziel war erreicht. Er hatte uns eine 
Schlappe beigebracht und konnte sich an der Tatsache erheben, 
eine einzige preußische Eskadron habe die ganze Brigade Soltyk 
mit ihi'en schönen, beinahe intakten Regimentern zum Rückzug 
genötigt." 

Die Frage liegt nun nahe, wie es gekommen war, daß sich Verhalten der 
die bis auf so geringe Entfernung aneinander gelangten Haupt- ^^^ 
kräfte der Parteien an dem Zusammenstoß ihrer Vortruppen nicht 
beteiligt hatten. 

Als der durch das plötzliche Erscheinen der Preußen ent- 
standene Lärm bis zu dem im Tischnowitzer Gasthof befindlichen 
Brigadekommando gedrungen war, entschloß man sich, die knapp 
am Ortsrand sich ralliierenden Regimenter einige hundert Schritte 
auf die südlich Tischnowitz gelegenen "Wiesenflächen zurückzu- 
nehmen, um ein geeignetes Attackefeld vor die Front zu bringen, 
über welches gegen den Feind angeritten werden sollte, wenn er 
aus dem Orte vor brach, ^j 



1) Vergl. die vorangeführte Aussage eines Mitkämpfers. 

6* 



84 

Bei den Preußen hatte der Herzog v. Mecklenburg in der 
Gegend, wo sich nordwestlich Yorkloster die drei Straßen ver- 
einigen, die Kavalleriebrigade zu neuerlichem Halt befohlen, um 
das Heranrücken der Infanterie abzuwarten. 

Da traf bei der Tete die Nachricht von dem jenseits der 
Schwarzawa stattgefundenen Zusammenstoß der Vorhuteskadron ein. 

Oberst v. Redern ließ rasch aufsitzen, die in der Haupt- 
truppe befindlichen 9 Eskadronen und 6 Geschütze überschritten 
die Schwarzawabrücke; 2, 3/2. G. Dr. erhielten Direktion durch 
Tischnowitz — 2, 3, 4/Hus. 3 und 2 Geschütze hatten den Ort westlich 
zu umgehen, der Rest der Brigade folgte den Gardedragonern, 
von denen die bisher zur Rekognoszierung der linken Flanke be- 
stimmte 4. Eskadron bereits voraus in Tischnowitz eingedrungen 
war. Aber schon die letztgenannte vermochte nur mehr einzelne 
Nachzügler aufzugreifen. 

Die Brigade gelangte an den Südausgang des Marktfleckens^ 
wo sie in Gefechtsformation aufmarschierte. Der hier eintreffende 
Herzog erteilte Befehl, das weitere Vorgehen bis zur Ankunft des 
eben im Laufschritt durch Tischnowitz passierenden 4. Jägerbataillons 
aufzuschieben. Der Gegner war verschwunden. 

Auf österreichischer Seite wurde unterdessen, mutmaßlich auch 
unter dem Eindruck der Überraschung, die eigene Lage ungünstiger 
beurteilt, als sie tatsächlich war. 

GM. Graf Soltyk verfügte über 1250 Säbel und 8 Geschütze, 
die erst allmählich im Herankommen befindliche preußische Brigade 
Redern zählte 1630 Säbel und 6 Geschütze. Es war nicht aus- 
geschlossen, über den Feind einen Erfolg zu erringen, ehe die 
Infanterie der Avantgarde Mecklenburg eintraf. 

Ein solcher Einsatz — das haben besonders damalige Mit- 
kämpfer betont — war eine Sache des Prestige, auch konnte man 
einzelne Versprengte und vor allem die zahlreichen in Tischnowitz 
zurückgebliebenen Verwundeten der Gefangenschaft entziehen.^) 

Allerdings gehörte der rücksichtslose Schneid eines Edelsheim 
dazu, durch Tischnowitz hindurchzustoßen. Beiderseits der Orts- 
umfassungen sowie am rechten Ufer der Schwarzawa konnten 
Abteilungen vorgehen, um das schwierige Unternehmen zu unter- 
stützen. Auch die Verwendung der Batterie war dem Gelände 
nach keineswegs ausgeschlossen. 

^) Man vergleiche das Verhalten des preußischen Rittmeisters v. Collas 
in dem Reitergefecht bei Szenicz am 22. Juli: Die letzte Operation der Nord- 
armee, Seite 258 (Sperrdruck). 



85 

Der Feldzngsbericht der Avantgarde Mecklenburg spricht 
gerade über die Unterlassung des letzteren seine Verwunderung 
aus und fügt hinzu, daß die Ereignisse dieses Tages den Glauben 
an die Widerstandskraft der gegnerischen Kavallerie er- 
schüttert hätten. 

SjDäter wurde erzählt, daß im österreichischen Brigadestab 
übertriebene Gerüchte über des Gegners Stärke eingelaufen waren, 
auch glaubte man Infanteriefeuer zu hören Die Entschluß- 
fassung war nicht leicht, denn aus taktischen Gründen bestand 
eine Nötigung zum Angriff nicht, eher das Gegenteil. 

Unter der Unterlassung litt hingegen das Selbstgefühl der 
Truppe, deren traditionelle Bereitwilligkeit, den mehrhundertjäh- 
rigen Ruhm der Waffe zu wahren, in der Kriegsgeschichte gebucht 
ist. Aus diesem Grunde fand das sich nunmehr vollziehende Zurück- 
weichen der Brigade die schärfste Verurteilung im eigenen Lager. 

Der früher zu Wort gekommene Offizier der Kaiser-Kürassiere 
Brzählt folgend: 

,, Deprimiert zogen wir vom Feinde unbelästigt ab, uns einiger- 
naßen mit dem Gedanken tröstend, daß ja auch feindliche Infanterie 
m Orte war, gegen die man eben unter solchen Umständen nicht 
mfkommen könne. Später, als wir erfuhren, daß sich von preußischer 
Seite nur eine Eskadron an dem Gefecht beteiligt hatte, waren wir 
7erzweifelt. Eine schöne Gelegenheit, unserem alten Ruhmeskranz 
jin neues Blatt zuzufügen, war uns unbenutzt aus den Händen 
geglitten. Über das Warum? ließe sich sehr viel sagen — doch 
vozu alte Wunden aufwühlen: wir waren eben Kinder unserer 
jeit: ,auf Befehl todesmutig attackieren', das war unser Fall, aber 
lus eigener Initiative handeln, selbst gegen den Willen des Vor- 
gesetzten, den Feind und die Gelegenheit suchen — dieser Geist 
^^ar bei der großen Menge verloren gegangen und das in einer 
Vaffe, die Männer wie Edelsheim, Appel, Wallis, Schindlöcker, 
judwig und Alfred Windisch-Graetz zu den Ihren zählte! 

Ich für meine Person war damals ein junger Oberleutnant; 
line dreijährige Dienstzeit hinter mir, hatte aber doch bald nach 
lieser Affäre das Gefühl, daß ich mich nicht richtig benommen, 
'ielmehr dem Oberstleutnant gegen seinen Befehl hätte durchgehen 
Lud mich mit meinem zirka 36 Reiter starken Zug auf den Feind 
türzen sollen." 

GM. Graf Soltyk sandte die Brigadebatterie und Kür. 5 auf Eückzug und 
ie Höhe südlich Hradschan, dann folgte Kür. 1; schließlich trabte ^^^<^i=^^g- 



86 

die ganze Brigade nach E/ziczan zurück, wo gerastet, abgekocht 
■und gefüttert wurde. 

Der preußische Oberst v. Redern setzte, als 2 K/Jg. 4 den 
Südausgang von Tischnowitz erreicht hatten, die Vorrückung fort. 
Hradschan erwies sich vom Gegner frei ; aus den Kreideziffern an 
den Haustoren ersahen die Preußen die Stärke der hier am Vortag 
untergebrachten kaiserlichen E-eiterabteilungen der Brigade Boxberg. 

Erst als Jg. 4 nach Hradschan gelangt war, rückten die Garde- 
dragoner mit diesem Bataillon bis Czebin; die hier aufgestellten 
Vorposten des österreichischen Kür. 3 gaben allmählich unter 
leichten Plänkeleien ßaum gegen Eichhorn-Bitischka.^) 

Die im Abschnitt des Obersten Schwarz^) aufgestellten Es- 
kadronen von Kür. 3 und Ul. 5 hatten sich schon am Vormittag 
infolge der Begegnung bei Louczka nach Eichhorn-Bitischka, 
beziehungsweise Schwarzkirchen zurückgezogen. Die V2 2/Kär. 3 
wich von Skaliczka auf der Brünner Chaussee aus und fand erst 
am 13. wieder zu ihrem Regiment zurück. 

GM. Baron Boxberg hatte die bei ihm verbliebenen Teile 
der Brigade südlich Eichhorn-Bitischka bereitgestellt, um die Brigade 
Soltyk und die eigenen, zurückgedrängten Posten aufzunehmen. 

Am Nachmittag wurde von Eichhorn-Bitischka die Eska- 
dron 5/Kür. 7 zur Rekognoszierung vorgeschickt. Sie erreichte die 
Dalka-Höhe südlich Czebin, gewann Einblick in das dort befind- 
liche preußische Lager (Jg. 4 und 2. G. Dr.) und kehrte nach 
einigen Scharmützeln mit feindlichen Dragonern^) wieder zurück. 

Aber auch die Preußen sahen von der Höhe Czebinka aus 
das Biwak der Brigade Boxberg. 

Die Nächtigung der sich bei Tischnowitz gegenüber stehenden 
Kräfte ist aus Beilage 4 zu entnehmen. 

Die beidersei- Die Leistungen der Truppen beider Parteien überragen, wenn 

tige Fuhrung. ^-^ golchcr Vergleich statthaft ist, jene der beiderseitigen Führer. 
Der Herzog v. Mecklenburg hemmte durch seine Befehle 
den durch den Kavalleriebrigadier in die Aktion gebrachten flotten 
Zug. Immer wieder soll auf die Infanterie gewartet werden. Man 
glaubte, daß ein von ihrem Herankommen abhängiges, abschnitts- 
weises Vorgehen der Situation am besten entsprach, obzwar es 



1) Um Mittag war 1/Kür. 3 bei Czebin durch 3/Kür. 7 verstärkt worden. 

2) Vergl. Fußnote auf Seite 75. 

^) Oberleutnant v. Klosowski erhielt hiebei einen tödlichen Schuß in 
den Schenkel, 



87 

bekannt war, daß nur österreichische Kavallerie gegenüber stand. 
So verkümmerte die "Wagelust der Truppen unter der übergroßen 
Vorsicht ihres Führers. 

Andererseits verdient erwähnt zu werden, daß der Herzog 
um 9 ^^ vorm. die Bitte an das Armeekommando richtete, noch an 
diesem Tage bis Brunn, nahezu 50 lern, marschieren zu dürfen. Nach 
den Kämpfen bei Tischnowitz wurde diese Absicht aber aufgegeben. 

Über die Führung der Brigade Soltyk und deren grobe Ver- 
nachlässigung der gebotenen Sicherungsmaßnahmen ist nichts mehr 
zu sagen. 

Der Aufenthalt des Stabes der 2. Reservekavalleriedivision 
während aller dieser Vorgänge läßt sich nicht genau feststellen. 
Es scheint, daß man anfangs bis E-ossitz in das neue Stabsquartier 
zurückgegangen war und erst auf die einlangenden Nachrichten 
über den Gegner bis Eichhorn- Bitischka voreilte. 

So blieb eine einheitliche Regelung der Tätigkeit beider 
Brigaden aus. Wäre das Divisionskommando beim Einrücken der 
Brigade Soltyk in Tischnowitz gewesen, so hätte es vermutlich 
eingegriffen und diese unangenehme Schlappe verhindert.^) 



Das österreichische Generalstabswerk gibt für die Kämpfe 
bei Tischnowitz folgende Verluste an : 



Verluste. 









Tot 1 


Vermißt 


Verwun- 
det 1 


Verw. 
gefangen, 


Unverw. 
gef. 1 


Summe 




1 


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U3 

cm' 


GM. 
Baron 
Box- 
berg 

GM. 

Graf ^ 
Soltyk' 


Kürassierregiment 
König V. Sachsen 
Nr. 3 

Kürassierregiment 
Herzog v. Braun- 
schweig Nr. 7. . . 

Kürassierregiment 
Kaiser Franz Josef 
Nr. 1 

Kürassierregiment 
Kaiser Nikolaus 
JSr. 5 

UlanenregimentGraf 
Wallmoden Nr. 5 . 


— 


5 


8 


1 


8 

1 

2 
10 


1 

2 

26 


1 

3 


6 


4 


1 


14 


5 


— 




— 


1 

4 


8 

1 

2 
35 


2 
43 






Summe. . 


1 


5 


8 


- 


21 


28 


4 


6 


4 


1 


14 


5 


r 


— 




5 


46 


45 





^; Die Verhältnisse im Stabsquartier der Division Zaitsek werden 
von einstigen Mitgliedern nicht günstig geschildert. Der Divisionär soll den 
Ratschlägen seines tüchtigen Stabschefs nicht immer zugänglich gewesen sein. 



88 

Von den preußischen Gardedragonern blieben 2 Mann tot, 
Major V. Schack erhielt einen Lanzenstich^), außer ihm wurden 
17 Mann verwundet, als vermißt werden 3 Pferde ausgewiesen. 

Die PatrouiUe Eiucs kühnen Wagstückes muß noch Erwähnung getan werden, 

Erben. welches der Leutnant Robert Erben von Kür. 1 ausführte. 

Bei dem Abmarsch der Brigade Soltyk von Lomnitz wurde 
dieser Offizier mit einigen Kürassieren auf Patrouille nach Dau- 
brawnik entsendet. In diesem Orte entzog er sich geschickt der 
dahin vorgegangenen preußischen Eskadron 4/2 G. Dr., brachte durch 
Ausfragen der Bewohner den Anmarsch der preußischen Avant- 
garde in Erfahrung, ebenso den Zusammenstoß bei Tischnowitz. 
In Lomnitschka verkleidete er sich in Zivil, schlich sich nach 
Tischnowitz mitten unter die preußischen Truppen hinein, begab 
sich zuerst in einem Kaffeeschank unter die feindlichen Offiziere, 
mengte sich dann in einem Wirtshaus unter dort anwesende 
Unteroffiziere und erfahr Einzelheiten über das stattgehabte Gefecht, 
die Zusammensetzung der Avantgarde Mecklenburg sowie ihre Ab- 
sicht, morgen bis Brunn vorzugehen. 

Später wußte er nach Lomnitschka zu entkommen und ritt 
über Hunin und Aujezd auf die Brünner Chaussee, wo er sich der 
hier zurückgehenden Division Solms anschloß. 



Die 1. Eeserve 
kavallerie 



Die 1. Reservekavalleriedivision wurde durch die Ereignisse 
division. bei Tischnowitz unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Sie brach 
um 6^ früh von Czernahora auf, wo Ul. 8 zur Aufnahme des bei 
Lettowitz stehenden Ul. 4 zurückgelassen wurde. Nach dem Befehl 
des Korpskommandos sollte bei Zinsendorf gelagert werden. Da 
aber dortselbst Wassermangel herrschte, genehmigte Prinz Holstein 
die Bitte der Division, bei Rzeczkowitz biwakieren zu dürfen. 
Hier war es, wo Brünner Bürger beim Divisionsstab erschienen 
und die kaiserlichen Truppen beschworen, den Rückzug über die 
Stadt hinaus fortzusetzen, damit letztere nicht zum Schauplatz von 
Kämpfen werde. 



^) Major Eger erzählt: ,, Zugsführer Hettlinger, als Kommandant einer 
Patrouille, war mit einem Ulanen in Tischnowitz gefangen worden. Major 
V. Schack rief ersterem , Absitzen' zu. Während der Zugsführer dieser Auf- 
forderung nachkam, stach der IJlane mit einem kräftigen Schimpfwort den 
preußischen Major nieder und ritt davon. Die feindlichen Dragoner schössen 
ihm nach, beide Arme des Tapferen wurden von Kugeln durchbohrt; er starb 
später im Spital zu Brunn." 



89 

Schon in der Nacht waren Meldungen aus Lettowitz von 
Ul. 4 eingelaufen, welche die Vorposten des preußischen Detache- 
ments Pape südlich Zwittau und die Besetzung von Mhr. Trübau 
konstatierten, ül. 4 war am 11. Juli gegen 4*^ früh von Lettowitz 
abgerückt. Bei Czernahora hatte sich die Ablösung durch das 
nunmehr in die erste Linie tretende ül. 8 vollzogen. Die vor- 
geschobenen Abteilungen des letzteren Regiments wurden von der 
über Oels und Kunstadt anrückenden preußischen 8. Division zu- 
rückgedrängt. 

Eine Offizierspatrouille von ül. 8, welche die Verbindung 
mit der 2. schweren Division herzustellen hatte, war von Czernahora 
nach Tischnowitz geritten, stieß dort auf den Feind und wich 
gegen Laschau an der Brünner Chaussee aus, wo sie mit der ab- 
gedrängten V2 2/.Kür. 3 der Division Zaitsek zusammentraf. Die 
von dem Offizier erstattete Meldung hatte zur Folge, daß ül. 8 
bis in die Höhe von Lellekowitz und später nach Zinsendorf 
zurückging; zwei Eskadronen, welche nach Gurein disponiert waren, 
patrouillierten gegen Czebin und Eichhorn-Bitischka. Das feind- 
liche Lager bei ersterem Orte wurde zutreffend erkundet. 

Im Lager bei Rzeczkowitz erhielt GM. Prinz Solms diu-ch 
einen Kürassieroffizier der Brigade Soltyk kurz nach Mittag 
Kenntnis von dem Vordringen der Preußen. 

Das Korpskommando in Brunn schrieb auf diese um 2^° 
nachmittags erhaltene Nachricht an die 1. schwere Division: 

,, Überzeugen, Gefangene machen, nur im äußersten Fall 
..zurückgehen. Wie steht es mit Verbindung mit der 2. Division?" 

Von Rzeczkowitz wurde bald darauf die Besetzung von Czebin 
nach Brunn gemeldet und hinzugefügt, daß die Division nicht 
zinrückgehen wairde, ..außer wenn es Torheit wäre, sich unnütz 
der Übermacht grundlos zu opfern". 

Prinz Holstein w^ar aber jetzt anderer Ansicht geworden: 
spät abends erhielt die 1. Reservekavalleriedivision den Befehl 
zum Abmarsch durch Brunn nach PohrLLtz. um 11*^ nachts wurde 
aufgebrochen, um 6^ früh des 12. Juli erreichte man das 
Marschziel. 

Seitens der preußischen 8. Division, welche die Nachhut der 
Divisions Solms ziu-ückge drängt hatte, w^urde noch am Nachmittag 
eine Rekognoszierung von ül. 6 über Czernahora ausgefühi't. Die 
preußische Pionierkompagnie 3/4 machte die Eisenbahn bei Switawka 
unfahrbar. Im großen Hauptquartier zu Zwittau dürfte man über 
diesen bhnden Eifer wenig erfreut geAvesen sein. 



90 



Das Kaval- 

leriekorps- 

komraando. 



Bei der Darstellung der Vorgänge am 10. Juli wurde hervor- 
gehoben, daß das Kavalleriekorpskommando die gegen Brunn vor- 
rückenden preußischen Kräfte nur für eine leichte Vortruppenkette 
hielt. Aus solcher Auffassung ist ein Telegramm an das Armee- 
kommando nach Olmütz — ab Brunn 10. Juli, 6° abends — zu 
erklären, worin Bestimmungen für die Verlegung des Hauptquartiers 
der Armeeintendanz unter der Voraussetzung erbeten wurden, daß 
die eigenen Divisionen erst am 12. oder 13. Juli vor dem Druck 
des Gegners in die Höhe von Brunn würden zurückweichen müssen. 

Die am Morgen des 11. eintreffenden Meldungen der 
1. Eeservekavalleriedivision berichtigten mit einem 
Schlage die bisherige Auffassung im Korpshauptquartier. 
Man erfuhr, daß sich der Gegner mit mehreren, aus allen drei 
"Waffen zusammengesetzten Kolonnen im unaufhaltsamen Vorrücken 
gegen Brunn befand. Es war anzunehmen, daß er sich schon am 
kommenden Tage in den Besitz der Stadt setzen würde. 

Durch einen von Olmütz per Wagen abgeschickten Geniezug 
wurde der Tunnel bei Blansko durch Sprengungen an den Fels- 
wänden verlegt. 

In Brunn befand sich eines der vier großen Vorratsmagazine ^), 
welche angelegt worden waren, um eine Verpflegsbasis für die vor 
dem Feldzug geplante Defensivoperation um Olmütz zu schaffen. 
Die Verpflegsgüter wurden nun größtenteils mobil gemacht und 
bis zum Abend des 11. abgeschoben, der Rest der Gemeinde 
übergeben. 

Um 12^^ nachmittags begann der Abmarsch des Trains der 
Armeeintendanz nach Göding, welchem am Abend auch das 
Personal folgte; die Statthalterei verließ gleichfalls Brunn, um 
ihren Amtssitz zunächst nach Ung. Hradisch zu verlegen, um 7 ^ 
abends ging auch das Landesgeneralkommando nach Pressburg ab. 

Um 2^^ nachmittags hatte Prinz Holstein die ersten Nach- 
richten über die Besetzung von Tischnowitz erhalten. Es scheint, 
daß die Evakuierungsarbeiten in Brunn die Tätigkeit des Korps- 
stabes über Gebühr in Anspruch genommen haben, obwohl das 
Korpskommando nach der Lage der Dinge zu diesem Zeitpunkt 
in erster Linie dazu berufen gewesen wäre, auf ein einkiangs- 
weises Handeln der sich in nächster Nähe der mährischen 
Landeshauptstadt befindenden 1. und 2. schweren Division hin- 
zuwirken. 



^) Brunn, Prerau, Göding, Ung. Hradisch. 



91 

Bei der Konvergenz der auf Brunn zielenden Kommuni- 
kationen konnte man voraussehen, daß die preußischen Kolonnen 
die Bewegungsräume beider Divisionen durchschneiden mußten, 
wobei deren Verhalten in hohem Grade voneinander abhängig 
wurde. Es war dies sicher ein FaU. wo das Korpskommando aus 
der bisher geübten Zurückhaltung heraustreten mußte, um nebst 
der operativen Leitung der vier Divisionen an diesem Tage auch 
die taktische der 1. und 2. schweren Division zu übernehmen, 
da flu" deren Bewegungen straffster Einklang nötig war. 

Die Tatsachen erwiesen, daß die preußische Avantgarde 
Mecklenburg durch ihr Vordringen bis Czebin der Marschlinie der 
1. Reservekavalleriedivision überraschend nahe gekommen war 
und sich der fatale Zwischenfall von Tischnowitz leicht an anderer 
Stelle für die Division Solms wiederholen konnte. Der schematisch 
gehandhabte Verbindungs dienst konnte eine zielsichere Leitimg des 
über beiden Divisionen stehenden Korpskommandos nicht ersetzen. 

Von Brunn gingen unaufhörlich Depeschen an das Landes- 
generalkommando in Wien, das Armeekommando in Olmütz. das 
Kriegsministerium und die Generaladjutantur Sr. Majestät ab, 
welche diese Stellen über den Fortgang der Ereignisse miter- 
richteten. 

Bis zum Spätnachmittag konnte man in Brunn die Situation 
durch die eingelaufenen Nachrichten im großen ganzen soweit 
überblicken, daß die Aufstellung der eigenen Divisionen mit Aus- 
nahme der 3. schweren Division, die noch in Namiest vermutet 
wurde, bekannt war. Über den Feind wußte man. daß das 8. Korps 
und die 14. Division über Iglau. die Avantgarde des 3. Korps 
über Tischnowitz vordrangen. 

Das Situationsbild wies sonach zwar einige Lücken auf, 
zeitigte aber im allgemeinen die — wie aus dem Bericht des 
Prinzen nach Wien hervorgeht — vöUig zutreffende Vorstellung, 
daß der Gegner mit überlegenen Kräften gegen die ganze 
Front des Kavalleriekorps vorrücke. Ob in Brunn oder 
in Wien hieraus schon an diesem Tage khpp und klar kombiniert 
wurde, daß die Preußen die Elb- und 1. Armee gegen die Donau, 
die 2. gegen Olmütz dirigierten, ist leider nicht überliefert. 

Die Divisionen des Kavalleriekorps hatten am Abend des 11. 
so ziemlich jeden Zusammenhang verloren, sie standen in einer 
nach Westen gestaffelten Linie; eine EinT\^rkimg des knapp hinter 
dem gedrängten rechten Flügel etablierten Korpshauptquartiers war 
völlig ausgeschlossen. 



92 

Prinz Holstein entscliloß sich, die vier Divisionen eine aus- 
giebige Strecke nach rückwärts zu führen, um von dort in aller 
Ruhe den Apparat wieder zu geordneter Tätigkeit zu bringen. 
Die Lage der 1. schweren Division war nicht unbedenklich; 
ein in der Nacht oder bei Morgengrauen geführter Angriff konnte 
ihren Abzug — die große Stadt und die Schwarzawa im Rücken 
— zu einem äußerst schwierigen Unternehmen gestalten. 

Demnach ordnete der Prinz ungeachtet der Ermüdung der 
von den andauernden Strapazen nahezu erschöpften Division Solms, 
die an diesem Tage schon 20 hm zurückgelegt hatte, den Nacht- 
marsch nach Pohrlitz an. 

Um 6^^ abends wurde in Brunn an die vier Divisionen 
folgende Disposition^) ausgegeben: 

..Da der Feind bereits mit starken Abteilungen nächst 
,,Gurein steht, so hat nach Erhalt dieses Befehles die 

..1. Reservekavalleriedivision nach Pohrlitz, die 2. nach 
„Hosterlitz. die 3. nach Znaim und die 1. leichte Kavallerie- 
„division ebenfalls dahin abzumarschieren und nur eine leichte 
„Arrieregarde bei G. Raigern, beziehungsweise Ribnik, Biharzo- 
„witz und Paulitz zurückzulassen, welche Fühlung mit dem 
,. Feinde halten und auch nach den Flanken weitausgehend 
, .patrouillieren muß, um nicht abgeschnitten zu werden. 

„Die Sorge für den Rückzug darf aber nicht Anlaß geben, 
..daß sich die Arrieregarde auf die bloße Nachricht durch 
,,L andiente von einer feindlichen Annäherung zurückzieht; 
„es muß dieselbe vielmehr durch die eigenen Patrouillen von der 
„Yorrückung eines überlegenen Gegners sich überzeugt haben, 
„ehe sie ihre Aufstellung verläßt. 

„Mein Hauptquartier geht heute Nacht nach Pohi'htz." 

Diese Disposition stand also wdeder im Widerspruch mit der 
Zwittauer Armeedisposition, welche eine Begrenzung der rück- 
gängigen Bewegung nur von dem Druck des Gegners abhängig 
gemacht wissen wollte. Hierüber bestanden aber, wie die Vortage 
gelehrt hatten, in den einzelnen Divisionsstabsquartieren ganz ver- 
schiedene Auffassungen. 

Um 10^^ abends meldete eine nach Wien gerichtete Depesche 
den allgemeinen Rückzug des Kavalleriekorps; nach 11<^ verheß 
das Korpskommando Brunn. 

^) Sie erging in vier verschiedenen Ausfertigungen und wurde nur hier 
in eine zusammengezogen. 



93 

yni. 

Der 12. Juli. 

Einer bereits eiii£:ebür2.-erten Gepfloofenheit folg-end. ^vurde beim ^^^^ Haupt- 

,. ... ^ ' . quartier der 

preußischen 1. Armeekommanclo die Disposition lür den 12. Juli schon i. Armee, 
um 8^ früh des 11. vor dem Verlassen des tags zuvor bezogenen 
Hauptquartiers Neustadtl ausgegeben. Es ist notwendig, dies fest- 
zustellen, weil die am 11. Juli 11^ vormittags im großen Haupt- 
quartier zLi Zwittau ausgegebenen Dispositionen dem piinzlichen 
Stabe noch nicht zugekommen waren. Auch über die Aufschlüsse, 
welche die beschlagnahmten Schriften der Mhi\ Trübauer Post 
boten, besaß man noch keine Kenntnis. 

So liegt denn der in Xeustadtl verfaßten Disposition noch 
der Gedanke zu Grunde, bei Brunn auf AViderstand zu treffen. 
Die Armee soll daher zunächst von Nord und Nordwest bis in die 
Nähe der mährischen Hauptstadt vorgeführt werden: die Avant- 
garde des Herzogs v. Mecklenburg hatte ..mit Tagesanbruch von 
Tischnowitz rekognoszierend auf Brunn vorzugehen'". Das Haupt- 
quartier gedachte man nach Gurein zu verlegen. 

Man erkennt hieraus die Absicht, je nach der Lage bei 
Brunn entweder schon am 12. mit den Teten von dieser Stadt 
Besitz zu ergreifen oder, wenn der Geg-ner standhalten sollte, am 
13. mit vier Divisionen von Nord und Nordwest, mit dem 
Kavalleriekorps von Südwest konzentrisch vorzurücken, zwei 
Divisionen als Reserve bei G. Bittesch zurückzuhalten. Das läßt 
sich als Leitidee aus der ansonsten — wie gewöhnlich — nur die 
Ortsveränderung festsetzenden Disposition herauslesen. 

Als am Nachmittag des 11. das Hauptquartier des Prinzen 
in dem romantisch gelegenen Bergschloß Pemstein etabliert war, 
hatte sich die Situation wesentlich geklärt. 

Eigentlich hätten nach den in Mhr. Trüb au aufgefangenen 
Papieren und der 11^ Yormittagsdisposition Moltkes die in Neu- 
stadtl zu früh getroffenen Anordnungen abgeändert werden sollen. 
Das Zusammenschließen der Kolonnen gegen Brunn war nun nicht 
mehr geboten. 

Jedenfalls war aber im Sinne des großen Kauj)tquartiers die 
Eibarmee von der [Mitwirkung bei der Operation gegen Brunn zu 
entbinden und auf das Ziel Znaim zu weisen. 

Allein der Armeekommandant wollte sicher gehen und Heß 
es bei den einmal erteilten Befehlen bewenden. Längst ist seither 
festgestellt, daß sich in Prinz Friedrich Karls anerkannte Feldherrn- 



94 

eigens chaften ein Znsatz bedäcMiger Yorsiclit mengte, der mit 
seiner äußeren Erscheinung — dann aber auch mit seiner aus 
tiefgewurzelt er Passion hervorgehenden Zugehörigkeit zur Reiter- 
waffe in einem gewissen Widerspruch stand. 

Als aber auch die im nahen Tischnowitz stattgehabten Ereig- 
nisse in Pernstein bekannt Avurden, entschloß sich der Prinz zu 
durchgreifenden Maßnahmen. 

Der Avantgarde des Herzogs v. Mecklenburg wurde es 
anheimgegeben, sich entweder noch am selben Abend (11.)? sonst 
aber am nächsten Tage früh, in den Besitz von Brunn zu setzen. 
Der Armeekommandant sprach die Absicht aus, sein Hauptquartier 
mit der gleichfalls dahin bestimmten 6. Division nach der mährischen 
Hauptstadt verlegen zu wollen. 

Dem Kommandanten des Kavalleriekorps, Prinzen Albrecht, 
schrieb Friedrich Karl im Zusammenhang mit den obigen Anord- 
nungen: ^) 

,,Um dies möglichst zu protegieren, ersuche ich Euere 
,. königliche Hoheit ergebenst, morgen so früh als möglich 
„mit dem Kavalleriekorps oder einem Teile desselben über 
„G. Bittesch und Schwarzkirchen gegen die von Brunn nach 
„Süden (auf dem rechten Schwarzawaufer) führende Straße vor- 
„zugehen, und zwar so weit, als es der Zustand der Pferde 

„erlaubt. — — — — — — — — — — — — — — -. 

— — — „Besonders erwünscht würde es mir sein, wenn 
„Euere königliche Hoheit noch heute versuchen wollten, die 
„Brigade Soltyk aus ihren Biwaks aufzuscheuchen, um derselben 
„Abbruch zu tun." 

Preußischerseits wußte man, daß bei Tischnowitz die Brigade 
Soltyk gestellt worden war, nur mutmaßte man sie im Biwak von 
Eichhorn-Bitischka, wo indes die Brigade Boxberg lagerte. 

Von besonderer Bedeutung ist noch ein um 6^ abends an 
den König gerichtetes Schreiben des Prinzen Friedrich Karl. 

Nach Darlegung der Situation und Angabe der oben ge- 
schilderten Absichten für den 12., erbat der Armeekommandant 
eine mindestens zweitägige Rast für seine Truppen, weil die 
„Instandsetzung des Schuhzeuges und des Hufbeschlages" dies im 
hohen Grade wünschenswert mache. Da nach allen eingegangenen 
Nachrichten der gegenüberstehende Feind nur über vier 



^) Das Schreiben ging um 5 " nachmittags von Pernstein nach 
Straschkau ab. 



95 

KaYalleriedivisionerL verfüge, könne er ohnedies von der 
eigenen Infanterie nicht eingeholt werden. Dagegen sei es not- 
wendig, die Kavallerie der 1. Armee zu verstärken: hiezu käme 
zunächst die noch vor Königgrätz vom Kavalleriekorps ziu' 2. Armee 
abkommandierte 1. schwere Brigade in Betracht, der man auch 
noch einige andere Kavallerieregimenter der letzteren Armee mit- 
geben könnte. 

Das österreichische Kavalleriekorps zählte 10.000 Reiter, das 
preußische — einschließlich der bei der Avantgarde befindhchen 
Brigade — 6300 Eeiter. Außerdem stand aber dem Korps Hol- 
stein noch von der Eibarmee die Brigade Goltz mit 1000 Beitern. 
welche durch die ebenfalls vorzuziehende Brigade Kotze leicht auf 
2000 Reiter zu verstärken war. also insgesamt 8300 Reiter gegenüber. 

Es war aber möglich, die Kampfkraft der preußischen Kaval- 
lerie durch Beigabe von Infanterie zu stärken und ihr durch die 
bei der 1. und Eibarmee befindlichen 19 reitenden Batterien mit 
114 Geschützen die artilleristische Überlegenheit über die wenig 
über 50 Geschütze zählende Artillerie des Korps Holstein zu sichern. 
Dies vermochte die Überzahl von 1700 österreichischen Säbeln mehr 
als auszugleichen. Auf die 9 preußischen Divisionskavallerieregimenter 
mit wenigstens 3600 Reitern reflektiert dieser Kalkül gar nicht. 

Der Antrag des Prinzen Friedrich Karl ist immerhin ein 
ehrendes Zeugnis für den Ruf der kaiserlichen Reiterei. 

Aus dem weiteren Inhalt des erwähnten Schreibens geht 
andererseits hervor, welche Rolle vordenkende Erwägungen in 
diesem Hauptquartier spielten. Das Armeekommando beschäftigte 
sich schon seit mehreren Tagen mit der Eventualität einer, den 
eigenen Heereskörpern zufallenden Überschreitung der Donau. ^Man 
hatte Moltke gebeten, die von Torgau nach Tinnati herangezogenen 
Pontonkolonnen des 2. und 3. Korps der Armee nachzudirigieren. 
In dem besprochenen Schriftstück kommt der Prinz hierauf wieder 
zurück und bittet den König, ihm auch die Pontonkolonnen der 
2. Armee zu überweisen. Schließlich wird noch das Ansuchen tun 
Heranführung schwerer Artillerie ausgesprochen, um den Wider- 
stand der ..Floridsdorfer Yerschanzungen" zu überwinden. 

Der 12. Juli bildete für die preußische Heeresleitung eine Der Einzug 
wichtige Etappe ihrer Operationen: die Besitznahme der Landes- ^^.^ Preußen 
hauptstadt Brunn. 

Der etwa um 5 ^ früh aufgebrochenen Avantgarde des Herzogs 
V. Mecklenburg hatten sich vom Generalstab des Armeekom- 



96 

maildos der Generalstabsclief GL. v. Yoigts-Rlietz und der Major 
V. Caprivi angesclilossen. 

Der Marscli ging über Gurein. Rzeczkowitz, das 2/G. Dr. an 
der Tete, dessen 2. Eskadron zur Deckung der rechten Flanke 
über Eichliorn-Bitischka gegen Brunn dirigiert ward. 

In Ugartsdorf wurden die preußischen Truppen von einer 
Deputation des Brünner Gemeinderates unter Führung des Bürger- 
meisters — späteren Ministers — Dr. Giskra erwartet. Die hier 
geführten Verhandhnigen zielten auf Berücksichtigung der beider- 
seitigen Interessen ab. 

Es wird ein unbestreitbares Verdienst Giskras bleiben, die 
in der nächsten Zeit an die Stadtvertretung herangetretenen, 
schwierigen Aufgaben derart gelöst zu haben, daß eine tunlichst 
gleichmäßige Aufteilung der zu tragenden Lasten Platz gegriffen 
hat. Es wurde damals von preußischer Seite vielfach ausgesprochen, 
daß die Belassung der politischen Verwaltungsbehörden in Gebieten, 
welche der Invasion verfallen, im Interesse des betroffenen Staates 
und seiner Untertanen gelegen sei. Es wäre zu erwägen, ob dies 
bei Kriegen zwischen den Kulturstaaten Europas nicht zum Grund- 
satz erhoben werden sollte, da hiedurch allein eine annähernd 
gerechte Belastung des einzelnen durch unausweichliche Kriegs- 
leistungen erreicht werden könnte. Bei Feindesgefahr hätte nur 
die Bergung der Wertobjekte zu erfolgen, die mit der vom Gegner 
geforderten Subsistenz nicht in Beziehung stehen. 

Der Befehl des Herzogs v. Mecklenburg, der mit verhältnis- 
mäßig schwachen Kräften, 6 Bataillonen, 12 Eskadronen und 
3 Batterien, mit einem beiläufigen Stande von 5000 Mann, 1600 
Reitern und 18 Geschützen in eine volkreiche Stadt ^) einzurücken 
sich anschickte, verdient besondere Beachtung. Er lautete: 

„Das Dragonerregiment geht im Trabe durch die Stadt 
„und besetzt jenseits die Brücken über die Zwittawa und Schwar- 
„zawa; eine Eskadron bei Odrowitz^), eine Eskadron bei Rauss- 
„nitz 3), eine Eskadron Eisenbahnbrücke und westliche Chaussee- 
„brücke unter dem Spielberg, Vedetten und Patrouillen auf allen 
„Straßen gegen Wien und Olmütz vorgeschoben. Vom Jäger- 
„bataillon werden demnächst sämthche Tore der Stadt besetzt; 
„es wird nichts ein- und ausgelassen. Die übrigen Truppenteile 



^) Brunn zählte damals etwa 70.000 Einwohner. 

^) Vermutlich ist aber das nahe gelegene Pohrlitz gemeint. 

2) Auf der Chaussee nach Olmütz. 



97 

„rücken auf die ihnen in der Stadt anzuweisenden freien Plätze 
„und bleiben dort bis auf weiteres biwakierend. F/48 und 
„Ul. 11 verbleiben in Reserve vor der Stadt stehen. Beim 
„Einrücken der Trappen ist auf strenge Ordnung zu halten, 
„kein Austreten in die Häuser, es wird mit klingendem Spiel 
„und fliegenden Fahnen eingerückt. 

„Die Verpflegung wird den Truppen durch die Einwohner 
„auf die Plätze gebracht werden. 

„Vom Jägerbataillon wird der Bahnhof besetzt, durch Offi- 
„zierspatrouillen sind die Telegraphenbureaus auf dem Bahnhof, 
„sowie die etwa in der Stadt befi.ndlichen Staatstelegraphen, 
„die Postbureaus zu schließen und zu besetzen. Patrouillen nach 
„dem Spielberg und sämtlichen Militäretablissements." 

Um 10^ vormittags zog der Herzog mit seinen Truppen in 
Brunn ein. 

Nach einem Marsche von über 30 km rückte am Abend auch 
die 6. Division, an ihrer Spitze Prinz Friedrich Karl, in die Stadt 
ein. Der Armeekommandant nahm im Statthaltereigebäude Woh- 
nung. Ein Teil der Infanterie der Avantgarde wm-de in den 
Kasernen untergebracht; alles übrige biwakierte vornehmlich auf 
dem Krautmarkt und in den Anlagen des Glacis. 1/60 hatte Vor- 
posten gegen Süden aufgestellt. 

Der Befehl des Prinzen Friedrich Karl zur Vorrückung über Das preußische 
G. Bittesch war in Straschkau, dem Hauptquartier des Kavallerie- ^avaUerie- 

1 n ^(\ x^ ::i • liorps und die 

korps, um 7^0 abends eingegangen. österreichische 

Das Korpskommando rechtfertigte später, warum es der er- i-i^- 2. schwere 
gangenen Aufforderung, sofort aufzubrechen, nicht entsprochen 
hatte. Prinz Albrecht hielt es für ausgeschlossen, den Marsch zur 
Nachtzeit auf den schlechten, steilen und steinigen Wegen der 
Umgebung von Straschkau anzutreten, umsomehr als es den 
Divisionsstäben gänzlich an Karten fehlte und Führer nicht auf- 
zutreiben waren. 

Man darf sich bei Prüfung des Einzelfalles von dem bestehenden 
Vorurteil gegen die Führung des preußischen KavaUeriekorps 
nicht beeinflussen lassen. Vielfach wurde getadelt, daß sich 
das Korps stets die wenigen Gelegenheiten entgehen ließ, wo 
es in seiner Gesamtheit zum Eingreifen kommen konnte. 

Das von Pemstein aus vorgeschlagene Unternehmen war wirk- 
lich schon mit Eücksicht auf die Entfernungen ziemHch aussichtslos.^) 

^) Vergl. Beilage 4. 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 7 



98 

Von Straschkau bis Schwarzkirchen mußten 40 hm hinterlegt 
werden, um bis an die EückzugsHnie der Division Zaitsek zu 
kommen. Die Ausführung eines Nachtmarsches mit einem großen 
Kavalleriekörper unter den erwähnten schwierigen Verhältnissen 
bot selbst dann wenig Aussicht auf den durch Überraschung an- 
gestrebten Erfolg, wenn die Division Zaitsek an diesem Tage nicht 
so sachgemäße Sicherungsmaßnahmen getroffen hätte, wie dies 
tatsächlich geschehen war. 

So ist es nur zu bilhgen, daß Prinz Albrecht von einem so- 
fortigen Aufbruch absah. Immerhin sollte zur Lösung der wich- 
tigeren seiner beiden Aufgaben schon um 3 ^ früli des nächsten 
Tages abmarschiert werden, um im Süden von Brunn gegen dort 
abziehende gegnerische Kavallerie einzugreifen. 

Der Vormarsch erfolgte von den für die Divisionen bestimmten 
Sammelplätzen: Morawetz für die 2.^) und Hermannschlag für die 
1. Division. 

Die Marschlinien der beiden Divisionen über Krzizanau (2.) 
und Ossowa (1.) vereinigten sich bei G. Bittesch, um dann in der 
aus Beilage 6 zu ersehenden Kvi nebeneinander zu laufen. 

Das Korpskommando begleitete die 2. Division. 

Über eine Voraussendung von Aufklärungseskadronen ist 
nichts überliefert. Dem durch Bewohner verbreiteten Gerücht, man 
stünde 12 gegnerischen Reiterregimentern gegenüber, wurde durch 
Detachierungen Rechnung getragen, die sich indes nicht auf den Be- 
reich der für Kampfzwecke gebotenen Sicherungszone beschränkten. 

Gegen 10^ vormittags näherten sich beide Divisionen dem 
Orte ßossitz. 

Schon vorher wurde in Erfahrung gebracht, daß die Division 
Zaitsek in den ersten Morgenstunden nach Eibenschitz abgerückt sei. 

G. d. K. Prinz Albrecht ordnete an, daß die Divisionen öst- 
lich und westHch von Eossitz bis 2^ nachmittags rasten sollten, 
und zwar hatte sich hiebei die 1. Division des Obravaüberganges 
bei Tetschitz, die 2. jenes bei Segengottes zu versichern. 

Der Generalstabsoffizier der 2. Division, Hauptmann v. Schön- 
fels, erzählt in seinen Feldzugserinnerungen über die während 
dieser East gebotenen Eessourcen: ,,die Pferde standen in Hafer- 
feldern", den Mannschaften wurde durch die Sinaschen Beamten 
freigebig Erfrischungen geboten, die Stäbe konnten sich mit Sekt 
stärken. 



^) Der Ort Morawetz befand sich im ünterkiinftsbereicb des 2. Korps. 



99 

Unterdessen war die österreichische 2. schwere Divi- 
ion dem gegen sie gerichteten Anschlag entgangen. 

GM. V. Zaitsek hatte am Abend des L 1 . die Mitteihmg der 
»stlichen Xachbardivision von der Fortsetzung des Rückzuges er- 
lalten und war daher von seiner anlanghchen Absicht, bei Rossitz 
tehen zu bleiben, bereits abgekommen, als die um 6 '^^ abends in 
3rünn ausgegebene Korpsdisposition ') um ]\Iitteniacht einlangte. 

Der Divisionär Heß beide Brigaden um 6^ früh aufbrechen: 
Lie Xachhut gewahrte noch in weiter Ferne die aus der AVald- 
;one nordwesthch Rossitz auftauchenden preußischen Patrouillen. 

Am Nachmittag stand die Brigade Boxberg bei Ribnik am 
Jlokytnabach. die Hau2:)tkraft der Division war. so wie es die 
^orpsdisposition verlangte, nach HosterHtz gerückt. 

Mittags noch bei Eibenschitz stehende Patrouillen wollen den 
^Iarsch einer starken feindlichen Kolonne von Xamiest gegen 
ilossitz gesehen haben-; : Kundschafter bezeichneten diesen Gegner 
Js das preußische 1. oder 2. Korps. 

GM. V. Zaitsek erhielt (Stmide nicht bekannt- in Hosterlitz 
Lie Mitteilung der 3. schweren Division, daß diese am 13. mit der 
.. leichten auf Znaim zurückgehen werde und entschloß sich aus 
liesem Grmide um 7 ^ abends wieder aufzubrechen und bis Grus- 
)ach zu marschieren, wo die Hauptkraft der Division um ]\Iitter- 
lacht anlangte. '^) 

In der hierüber an das Korpskommando erstatteten Meldung 
)at die Division dringendst um Karten von Xiederösterreich. 

Da die 1. schwere Division seit dem Morgen in Pohi'litz stand, 
vermochte das preußische Kavalleriekorps trotz seiner ganz be- 
rächtlichen Marschleistung die österreichischen Divisionen nicht 
aehr einzuholen. 

Um 2 *^ nachmittags brach die preußische Kavallerie von der 
)brava wieder auf; die Wege der Divisionskolonnen sind aus 
Beilage 6 zu ersehen. 

Bei dem heillosen Zustand des Hufbeschlags war die Über- 
windung der waldigen Bergzone südlich Rossitz doppelt schwierig: 
v^iederholt mußten in der ganzen Kolonne die Pferde von den ab- 



1) Seite 92. 

-) Möglicherweise hatte man das über Krzizanau gegen G. Bittesch mar- 
chierende 2. Korps wahrgenommen und seine Yorwärtsbewegung irrtümUch 
-uf die südliche Linie verlegt. 

") Vergl. Beilage 6. 

7* 



100 

gesessenen Reitern geführt werden: einzelne Abteilungen kamen 
vom Wege ab und irrten in dem unpraktikablen Gelände umlier. 

Da mit der 1. Division dennoch, die Chaussee Brunn — 
Pohrlitz gewonnen werden sollte, wurde die 2. Division an den 
Iglavaub ergangen bei Eibenschitz, Kanitz und PraliHtz zurück- 
gelassen, um Flanke und Rücken der ersteren zu sichern. Die 
vom Kavalleriekorps schließlich erreichte Situation ist in Bei- 
lage 6 dargestellt. 

In einem Bericht an das 1. Armeekommando schildert Prinz 
Albrecht den Zustand seiner Truppen derart, ,,daß die Regi- 
menter entschieden völlig dienstunfähig werden, wenn 
sie auch heute (13.) marschieren müssen, anstatt ihren 
Beschlag wieder in stand setzen zu können". 

Es erübrigt noch, die Maßnahmen bei der in Pohrlitz lagernden 
1. Reservekavalleriedivision nachzutragen. 

In G. Raigern war Kür. 6 zurückgelassen worden, um das bis- 
herige Nachhutregiment Ul. 8 aufzunehmen und die Aufklärung 
gegen Brunn einzuleiten. 

Bei Ul. 8, welches naturgemäß auf der Straße nach Pohrlitz 
zurückgehen sollte, kam es zu einem eigentümlichen Mißver- 
ständnis. Das Regiment befand sich noch in der Nähe von Brunn, 
als Oberst Graf Wurmbrandt von einem Ordonnanzreiter seines 
Regiments einen angeblich vom Divisionskommando ausgegebenen 
Zettel erhielt, auf welchem die Route Turas, Sokolnitz, Klobouk^ 
Holics etc. aufgezeichnet war. Der Oberst glaubte sich hienach 
richten zu müssen und ritt nach Turas, wo er erst durch Patrouillen 
von Kür. 6 über den Sachverhalt aufgeklärt wurde und nach Pohr- 
litz einrückte. Weder Sohreiber noch Überbringer dieses Zettels 
waren späterhin zu ermitteln. 

Unterdessen hatto Kür. 6 das Einrücken der Preußen in 
Brunn festgestellt; der Sicherungsdienst war jedoch bei diesem 
Regiment nur mühsam zu bewerkstelligen, da die Leute trotz der 
strengsten Maßnahmen auf dem Pferde einschliefen. Der Regiments- 
kommandant entschloß sich, unter solchen Umständen lieber bis 
Mohleis zurückzugehen. Der Lagerplatz des Gros der Division bei 
Pohrlitz entbehrte aber auch jetzt der Sicherung gegen Norden. 

Die Vorrückung des preußischen Kavalleriekorps aus dem 
Bewegungsbereich der 2. in jenen der 1. schweren Division 
vollzog sich, ohne daß dies auf österreichischer SeitQ konstatiert 
worden war. 



101 

Plötzlich fielen um 8^ abends unweit Pohrlitz einzelne Schüsse, 
ine nach Urspitz vorgegangene Patrouille von Kür. 6 war von 
ner feindlichen Husarenpatrouille überraschend angefallen und 
jgen das Biwak der 1. schweren Division zurückgedrängt worden. 

Oberst Freiherr v. Scholley brach sofort mit der 4 Eskadronen ^) 
arken Lagerbereitschaft auf, durchritt Urspitz, Odrowitz und 
alspitz, stieß aber erst bei Kuprowitz auf die Vorposten der 
ivision Hann. In der Dunkelheit konnte gegen den anscheinend 
ark besetzten Ort nichts ausgerichtet werden, da man auch 
fanterie gesehen haben wollte. Scholley blieb bis 3 ^ früh bei 
alspitz, um die Nächtigung der Division zu sichern. Im Lager 
)i Pohrlitz war aber gesattelt worden, zur Ruhe kamen die er- 
üdeten Truppen nicht mehr. 

Bei der infolge völliger Ermattung nicht ausreichenden 
itigkeit von Kür. 6 wäre ein Überfall auf die Division Solms 
7eifellos geglückt. Die getroffenen Maßnahmen waren den Ver- 
^Itnissen überdies nicht angepaßt, indem das Kürassierregiment 
1 linken Iglavaufer haltend, die am rechten Ufer lagernde Divi- 
)n nicht sichern konnte; die Kommunikation Kanitz — Pohrlitz 
ir nicht direkt gedeckt. 

Bei der Division Hann hatte die Yorrückung der kaiserlichen 
skadronen große Aufregung verursacht. Schönfels erzählt: ,, Alles 
ieb ruhig bis gegen Vo 2 Uhr nachts. Da sprengten Patrouillen 
die Stadt mit der Meldung, daß feindliche Kavallerieabteilungen 
Trupps von halben Eskadrons gegen die Stadt vordrängen und 
tien Überfall zu beabsichtigen schienen. Der General wurde 
hr besorgt. Alles mußte satteln, die Eiugänge der Stadt wurden 
rrammelt — die Geschütze bespannt, größere Rekognoszierungs- 
•teilungen vorgesandt. 7 Kavallerieregimenter und 2 Batterien 
3 erfuhr man durch Gefangene und Landleute) standen kaum auf 
Lstanz von einer halben Meile uns gegenüber." 

In Eibenschitz wurden hierauf zum Schutz der Unterkünfte 
;^ei Geschütze an die Iglavabrücke vorgezogen. Wahrscheinlich hätte 
ich ein Überfall der Division Hann Aussicht auf Erfolg gehabt. 

Im Hauptquartier der Eibarmee zu Iglau wurde die Dis- ^'® ^^^" 

. . r,.. -, , . r» ^ 1 n ' Positionen der 

)Sition lur den 12. noch immer aui Grund des am 9. aus Zwittau Eibarmee. 
ifohlenen Linksabmarsches gegen Brunn-; entworfen. 

^) Je eine Eskadron von jedem der nicht im Yorpostendienst stehenden 
er am Vortag gestandenen ßegimenter. 
2j Seite 41. 



102 

Die 14. und 15. Division sollten über Trebitsch, die 16. über 
G. Bittesch nach Osten geschoben werden. 

Nun trat aber die erste Friktion infolge der vom großen Haupt- 
quartier unterlassenen Abgrenzung der Bewegungsräume der Armeen 
ein. Bei G. Bittesch stießen die Teten der 16. Division 
und des 2. Korps zusammen. 

Das bisher praktizierte Mittel der Übersendung der Disposition 
der 1. an die Eibarmee hatte somit versagt, die Übermittlung 
dürfte sich verzögert haben, denn die Disposition für den 12. Juli 
Avurde in Neustadtl im Hauptquartier der 1. Armee schon am 
Morgen des 11. ausgegeben. 

Das einfachste wäre wohl gewesen, die Eibarmee, solange 
deren Mitwirkung bei Brunn ins Auge gefaßt w^ar, dem Prinzen 
Friedrich Karl zu unterordnen, wie dies in den Tagen vom 19. Juni 
bis 4. Juli geschehen war. Sowie es sich herausstellte, daß sie bei 
Brunn entbehrlich war, konnte sie für ihre Operation gegen Znaim 
wieder selbständig gemacht werden. 

Im Armeehauptquartier Iglau war man am 11., so berichtet 
das Kriegstagebuch, darüber klar, daß man nur mehrere öster- 
reichische Kavallerieregimenter mit reitenden Batterien gegenüber 
hatte. 

Als im neuen Hauptquartier in Trebitsch bekannt wurde, daß 
der 16. Division der Weitermarsch über G. Bittesch durch die 
westliche Kolonne der 1. Armee verwehrt sei, wurde dem großen 
Hauptquartier die Absicht gemeldet, vom 13. ab eine mehr süd- 
östlich gerichte Direktion einschlagen zu wollen. 

Die bei der Die im Marsche gegen Znaim belassene Avantgarde Schöler 

Edeishrim^für stieß am 12. JuH mit den Nachhuten der 1. leichten Kavallerie- 

den 12. ge- divisiou zQsammen. 

^°rdluTgen^" ^^^' Freiherr v. Edelsheim hatte am 11., 6^ abends ange- 

ordnet, daß die Brigade Fratricsevics zeitlich früh auf Littohorn, 
ihre beiden östlich der Chaussee detachierten Eskadronen nach 
Jarmeritz zurückgehen sollten. Würde der Feind nachdrängen, so 
habe die Brigade unter Belassung von zwei Eskadronen auf der 
Znaimer Chaussee nach Hardegg zu marschieren. Die Hauptkraft 
der Division hatte um 8*^ früh von Mhr. Budwitz nach Mramotitz 
abzurücken. 

Als aus den Meldungen der Brigade Fratricsevics hervorging, 
daß der Feind bis in die Höhe von Markwatitz vorgedrungen war, 
wurde der Abmarsch von Mhr. Budwitz auf 4^ früh vorgeschoben; 



103 

ein Regiment der Brigade Appel hatte zur Aufnahme der erstge- 
nannten Brigade stehen zu bleiben. 

Das Divisionskommando wußte, daß die 3. schwere Division 
am 12. gleichfalls gegen Znaim dirigiert war. Mit Recht besorgte 
Edelsheim ein Zusammenströmen von Truppen gegen die dortigen 
Thayaübergänge und hatte seinerseits aus diesem Grunde die 
Brigade Fratricsevics gegen den Übergang von Hardegg disponiert. 
An GM. Graf Coudenhove erging das Ersuchen, ebenfalls auszu- 
weichen und sich gegen die Brücke von Joslowitz zu wenden. 

Die 3. schwere Division marschierte in Entsprechung dieses Die Division 
Vorschlages um 3^ früh von Biskupitz ab und bezog mittags ein ^o^^^'^^^'^®- 
Lager bei Tasswitz. ^) 

Der preußische General v. Schöler hegte nach den Ereignissen Das Gefecht 
des Vortages, an welchem sein Vortrupp unaufhörlich vom Gegner ^®^ ^^'"'*"^^*'^" 
aufgehalten ward, die Vermutung, daß die kaiserliche Kavallerie 
— wie man wußte, die Division Edelsheim — in einem zu- 
disponierten Jägerbataillon eine Stütze gefunden habe. Er ent- 
schloß sich daher, den erheblich verstärkten Vortrupp schon um 
3^ früh vom Kasernwirtshaus aufbrechen zu lassen. 

GM. V. d. Goltz verfügte über 4 Bataillone, 8 Eskadronen 
und 2 Batterien, so daß im Gros der Avantgarde nur 3 Bataillone, 
4 Eskadronen und 2 Batterien zurückgehalten wurden. -) 

Die Spitze der preußischen Kolonne stieß zunächst südöstlich 
von Schelletau auf die österreichische Eskadron 1 Hus. 5, welche 
während der ganzen Xacht in unmittelbarer Xähe des Gegners, 
die weitausgedehnte Waldzone hinter sich, gestanden war. Ritt- 
meister Eichrodt verdient hiefür begründetes Lob. 

War man wohl damals schon über die Notwendigkeit, auch 
während der Xacht die Fühlung mit dem Gegner aufrechtzuerhalten, 
sicherlich im klaren, so^ vermochte sich diese Forderung wegen 
ihrer Härte lange nicht in die Praxis umzusetzen. 

Die verdienstvollen Forschungen des preußischen Obersten 
Cardinal v. Widdern haben zu Tage gefördert, wie sehr in dieser 
Hinsicht auch noch im Feldzug 1870/71 gefehlt wurde. Die im 



^) Vergl. Beilage 6. — Kür. 8 hatte während des Marsches den Train gedeckt. 

-) Zur Sicherung der Flanken war 1/Hus. 7 auf Jamnitz, 2/Hus. 11 über 
Trebitsch, Jarmeritz gegen Hosting dirigiert, letztere trat später in Fühlung 
mit der österreichischen Eskadron 3/ Hus. 8. Gegen Jamnitz war österreichischer- 
seits V2 1/Hus. 8 disponiert. 



104 

Frieden unerläßliche Schonung des Pferdematerials ist dem Reiter- 
offizier so in Fleisch und Blut übergegangen, daß es immer innere 
Kämpfe für ihn geben wird, wenn er diese Rücksichten höheren 
opfern soll. 

Es muß indes verlangt werden, daß Kavalleriepatrouillen zur 
Nachtzeit am Gegner bleiben; die Wichtigkeit ihrer Aufgabe steht so 
hoch, daß der hiemit verbundene Kräfte verbrauch gerechtfertigt ist.^) 

Die Eskadron Eichrodt wich langsam vor dem Feinde zurück; 
in der Gegend von Horka wurde zum Feuergefecht abgesessen.^) 
Dem geschickten Verhalten des Rittmeisters gelang es, die preußische 
Vorbewegung wesentlich zu verzögern, denn die Tete erreichte 
den Waldausgang südöstlich Horka um 6^^ früh; sie konnte bei 
fließendem Marsche an der von dem Aufbruchsort 10 km ent- 
fernten Stelle eine Stunde früher eintreffen. 

GM. V. Fratricsevics hatte unterdessen beschlossen, ,,den aus 
dem Walde debouchierenden Gegner aufzuhalten und, 
wenn er Kavallerie entwickeln sollte, diese anzugreifen^'.^) 

Unmittelbar südlich der von Lessonitz nach Martinkau 
führenden Kommunikation erhebt sich eine Bodenwelle, die — 
von der Chaussee senkrecht geschnitten — den Raum von Jakobau 
den Blicken des von Norden anmarschierenden Gegners völlig 
verhüllt. An der Chaussee liegt das Neue Wirtshaus.^) 

Der General ließ die halbe Brig-adebatterie etwa 500 Schritte 
westlich der Chaussee hinter der Bodenwelle gegen den Wald- 
ausgang vei deckt bereitstellen. ,,Die beiden Husarenregimenter 
wurden etwas gegen Jakobau zurückgenommen, so zwar, daß 
Hus. 5 auf zirka 1200 Schritte westlich der Chaussee die Offen siv- 
flanke des rechts rückwärts im Staffel Verhältnis hinter ihm stehenden 
Hus. 8 bildete. Die andere halbe Batterie blieb unter Kommando 
des Leutnants Erben an der Straße."^) 



^) Nach dem Stande unserer Manöverer/ahrungen, die sämtlich eine 
übergroße Inanspruchnahme der Kavallerie erkennen lassen, dürfte sich 
langsam der Grundsatz herausbilden, die Divisionskavallerie — auf diese kommt 
es zunächst an — in der Regel nur als ein Reservoir für die Abgabe von 
Patrouillen zu betrachten, die bei der Division befindlichen wenigen Eska- 
dronen nicht allemal bis auf den letzten Reiter aufzuteilen imd nicht Auf- 
klärungseskadronen auszuscheiden, y^o eine Offizierspatrouille besser 
entspricht. 

2) Ihr gegenüber hatten sich F/28 und Jg. 8 entwickelt. 

^j Aus dem Operationsjournal. 

^) Die Generalkarte enthält wohl die Signatur, aber keine Beschreibung. 

^) Operationsjournal. 



105 

Mit Rittmeister Eichrodt war vereinbart worden, daß er 
plänkelnd bis hinter die Brigade zurückweichen möge, um hiedurch 
die feindliche Kavallerie zu raschem Folgen und zur Loslösung 
von ihrer Infanterie zu verlocken. Dann wollte man sich mit den 
beiden Husarenregimentern den aus dem Walde debouchierenden 
ßeiterabteilungen entgegenwerfen. 

Die Preußen waren indes so vorsichtig, sich des Waldaus- 
ganges zuerst durch ihre Infanterie zu versichern. 

Beim Neuen Wirtshaus harrte man im Stabe der Brigade 
Fratricsevics gespannt der Weiterentwicklung der Dinge. 

Bald wurde in dem einspringenden Waldwinkel, wo die 
Chaussee heraustritt, zuerst eine Kompagnie, dichte Schwarmlinien 
voran, sichtbar, der alsbald ein Bataillon folgte^), dann verließen 
3 bis 4 Eskadronen-) geschlossen — ohne Sicherung — den Wild. 

Eine Attacke war nunmehr für die österreichische Brigade 
aussichtslos. Hingegen konnte man den Gegner durch einen Feuer- 
überfali schädigen. 

Die westlich der Chaussee bereitgestellte Halbbatterie, bei 
welcher die Distanz (2500 Schritte) vorher abgemessen worden 
war, eröffnete ein langsames, aber anscheinend sehr wirkungsvolles 
Granatfeuer. Der Feind verschwand alsbald in ziemlicher Eile 
im Walde. 

Es verging nun etwa eiue Stunde, ohne daß der Gegner 
sichtbar wurde. 

General Graf v. d. Goltz traf unterdessen umfassende Maß- 
nahmen, um sich den Austritt aus der Waldzone zu sichern. 
3 Bataillone besetzten die Lisiere beiderseits der Chaussee, Jg. 8 
wurde zur Umfassung über Martinkau angesetzt, die Husaren- 
brigade bereitgestellt, um den Jägern zu folgen, endlich die vier- 
ptündige Batterie 1/7 vorgezogen. Das Gros der Avantgarde war 
stehen geblieben. Die geschilderte Entwicklung zum Gefecht 
nahm viel Zeit in Anspruch, worauf es österreichischerseits ankam. 

Neuerdings brach preußische Infanterie aus dem Walde heraus, 
mußte aber vor dem Granatfeuer der österreichischen Halbbatterie 
wieder den Schutz der Deckung aufsuchen. 

Gleichzeitig war westlich. Lessonitz feindliche Kavallerie 
sichtbar geworden.^) Gegen sie wendete die auf der StraiBe zurück- 
gelassene Halbbatterie ihr Feuer. 

1) 11/33. 

2) Vermutlich Hus. 11. 
3; 1 E. Hus. 11. 



106 

Nun fuhr aber die preußische Batterie westlich der Chaussee, 
etwa 1800 Schritte von der kaiserlichen Artillerie auf. AViewohl sie 
im Augenblick des Abprotzens vod ihrem Gegner mit heftigem Feuer 
überschüttet wurde, vermochte sie dennoch in Tätigkeit zu treten. 

Da zur Zeit auch preußische Infanterie bei Martinkau sichtbar 
wurde, entschloß sich GM. v. Fratricsevics, der seinen Zweck 
erreicht hatte, zurückzugehen. Den Gegner schätzte man auf zwei 
Infanteriebrigaden und zwei Kavallerieregimenter. 

Marsch der Die Spitze im Rückmarsch — 16 ßeiter von Hus. 5 — unter 

Brigade einem außerordentlich ß:eschickten und unternehmun2;slustiß:en 

Fratricsevics . , ^ . , o <=> 

lachHardegg. Unteroffizier (Führer Granitz) war in Littohorn am Nordwest- 
ausgang abgesessen und richtete ein heftiges Feuer auf die nach- 
drängenden Preußen. 

Dieser kleinen Schar wurde die Ehre zuteil, daß sich zwei 
feindliche Bataillone^) gegen den Ort entwickelten; die beiden 
vierpfündigen Batterien des Vortrupps fuhren auf 1200 Schritte 
auf und gaben 26 Schüsse ab. Unterdessen waren die Radetzky- 
husaren schon längst wieder abgezogen. 

Bei Mhr. Budwitz von Dr. 2 aufgenommen, zweigte die Brigade 
Fratricsevics um 9 ^° vormittags bei Lispitz von der Chaussee ab und 
erreichte später Liliendorf, wo bis 2 ^ nachmittags gerastet wurde. 

Während der ßast glaubte man den Marsch einer sehr starken 
Kolonne auf der Znaimer Chaussee über Paulitz wahrzunehmen, 
wodurch der am nächsten Tage beabsichtigte Anschluß an die 
eigene Division gefährdet schien. 

Die Beobachtungen beruhten indes auf Täuschung. 

Der Brigadier hatte schon am Morgen einen Artillerieoffizier 
zur Rekognoszierung des Weges nach Hardegg (1866 bestand die 
Straße nach letzterem Orte noch nicht), dann den Pionierzug von 
Hus. 8 vorausgeschickt, um die von der Division befohlene Zer- 
störung der Übergänge bei Frain und Hardegg vorzubereiten. 

Um 6 ^ abends rückte GM. von Fratricsevics nach mehr als 
zwölfstündiger Tagesleistung in Hardegg ein. Eine zwei Stunden 
später an das Divisionskommando erstattete Meldung enthält 
folgende Ausführungen: 

5j so ging ich durch die ungeheuren Walddefiles von 

,,mehr als IV2 Meilen gegen Hardegg, passierte auf beinahe un- 
, .fahrbaren felsigen Straßen die steilen Uferbegleitungen der 



F/28 und Jg. 8. 



107 

,,Tliaya und lagerte nun in einem Talkessel, von dessen gegen- 
,, überstehender senkrechter Felswand es dem Belieben des 
,, Gegners anheimgestellt ist, die Brigade fortwährend zu alar- 
,,mieren. Vor mir lV'2 Meilen, hinter mir eine Meile ununter- 
„brochen Wald. Da meine Brigade von dem fortwährenden 
,, Sicherheitsdienst und dem heutigen beschwerlichen zwölf- 
., stündigen Marsche zu jedem Patrouillen- und Torpostendienst 
., physisch unbrauchbar und größtenteils ohne Beschläge ist, so 
,,habe ich nach Zerstörung der Brücken^) nur je einen Zug bei 
,.Hardegg und Frain als Feldwache zu Fuß verwendet. AVeder 
,,hier noch in Frain oder der Umgebung ist eine Requisition 
,, möglich und jedenfalls kein Wagen vorhanden; die Wagen aus 
„Mähren können wegen der zerstörten Brücken nicht mehr her- 
..über. Da es unwahrscheinlich ist, daß der Gegner mich hier 
„drücken wird, so frage ich mich gehorsamst an, wann ich 
..meinen Weitermarsch fortsetzen soll. 

,, Kommt kein anderer Befehl, so werde ich, da ich hier 
,, ohnehin gar nichts leisten und zu keiner Sicherung beitragen 
.,kanu, morgen 8*^ früh meinen Marsch über ßetz nach Haugs- 
,,dorf antreten." 

Die Pferde waren so müde, daß sie sich im Biwak mit Sack 
und Pack niederlegten. 

Die in Trebitsch gestandene Eskadron 3/Hus. 8 -) traf um 
8 ^ abends in Hardegg ein. Sie war in Fühlung mit dem Gegner 
über Jarmeritz, Hosting und Jaispitz zurückgegangen, hatte dann 
den Vormarsch des Feindes beobachtet, übersetzte schließlich 
zwischen den eigenen und feindlichen Vorposten die Znaimer 
Chaussee und traf durch Zufall auf die in den Feldern sichtbaren 
Spuren ihrer Brigade. 

FZM. Freiherr v. Waldstätten findet Worte hoher Aner- 
kennung für die Leistung der Brigade Fratricsevics am 11. und 
12. Juli. Von bestem Geiste beseelte Truppen, die trotz fort- 
gesetzter Rückmärsche ihre Stimmung nicht eingebüßt hatten, 
eine geschickte, wo notwendig unerbittlich harte Führung hatten 
sich hier in mustergültigem Verfahren bewährt. 

Von Mhr. Budwitz an, hatte Dr. 2 den Xachhutdienst über- DieHauptkraft 

nommen. der Division 

Edelsheim. 



M Die Furten wurden durch auf den Flußgrund gelegte Eggen un- 
praktikabel gemacht. 

'^} Rittmeister v. Lukinäcs. 



108 

Die Brigaden Appel und Wallis waren schon zwischen 8 und 
9 ^ vormittags auf dem bei Mramotitz ausgemittelten Lagerplatz 
eingetroffen. 

Die Preußen waren mit dem Gros der Avantgarde bis Mhr. 
Budwitz ^) unter Zurückdrängung der "Windisch-Graetz-Dragoner 
vorgegangen. Weiter hinaus folgte nur der preußische Vortrupp, 
zwei Eskadronen (von Hus. 7 und Hus. 11) in unmittelbarer Füh- 
lung, der E-est, Infanterie und Artillerie, auf der Straße, die Kaval- 
lerie zu beiden Seiten im Terrain auf erhebliche Distanz dahinter. 

Dr. 2 schickte sich um 11^^ vormittags zu einer Rast bei 
Paulitz an, wurde aber von den preußischen Husaren zur Fort- 
setzung des Rückzuges über Wolframitzkirchen genötigt. 

Die Meldung hierüber war kaum bei Edelsheim in Mramotitz 
eingelangt, als man Dr. 2 auf den Höhen nördlich des Lagerplatzes 
erscheinen sah. 

Es gab einen unerquicklichen Augenblick, das Zurückgehen 
des mit der Sicherung betrauten Regimentes war unerklärlich, 
zumal der Augenschein und später die Anfrage ergab, daß der 
Gegner nicht unmittelbar folgte. 

Edelsheim ließ das Regiment durch den Brigadier neuer- 
dings vorführen. Die Fühlung mit dem wenig über Paulitz nach- 
drängenden Feinde war aber inzwischen verloren gegangen. 

Die gegen 5^ nachmittags von Dr. 2 bezogene Vorposten- 
aufstellung zeigt Beilage 6. 

Im Lager der Division war nach der voreiligen Rückkehr 
von Dr. 2. Alarm geblasen und eine Bereitschaftsstellung ein- 
genommen worden. In einen Kampf vorwärts der Thaya wollte 
sich Edelsheim nicht einlassen, weshalb er sich entschloß, die drei 
Regimenter über den Fluß zurückzuführen.-) Das Divisions- 
kommando nächtigte im Gebäude der Genieakademie zu Kloster- 
bruck. 

Die Zeit der Rast in Mramotitz war in reger Schreibtätigkeit 
verflossen; an die Nachbardivision Coudenhove war eine ausführ- 
liche Situationsmitteilung ausgefertigt worden. 



^) Eine von F/28 östlich dieses Ortes aufgestellte Feldwache wurde kurz 
nach Mittag von einer österreichischen Husarenpatrouille — möglicherweise 
von4/Hus. 5 — angefallen, weshalb späterhin an dieser Stelle eine ganze Kom- 
pagnie zur Sicherung verwendet wurde. Der Befehl für den Rückzug der 
Eskadron 4/Hus. 5 fiel samt dem überbringenden Husaren in die Hände des 
Feindes. 

^; Vergl. Beilage 6. 



109 

Aus einem ebenfalls von Mramotitz an das Kriegsministerium 
abgesendeten Bericht^) entnimmt man, daß der Divisionär voll- 
kommen zutreffend erkannt hatte, daß ihm auf der Iglauer Chaussee 
nur ein starkes Detachement gefolgt war. Weiters vermutete er, 
daß die Hauptkraft der Eibarmee im Begriff war, bei Iglau auf- 
zuschließen. 

,, Meine Verbindung mit dem Kommando der Kavallerie, 
,,FML. Prinz Holstein in Brunn und dem Armeekommando, 
,, dessen Standpunkt mir unbekannt, ist so gut wie aufgehoben." 

Später kam nach Klosterbruck wieder ein Lebenszeichen des 
Korpskommandos; es war die am 11. Juli, 6^^ abends abgesendete 
Disposition-), welche die Division anwies, sofort nachZnaim zurück- 
zugehen; der längst von den Ereignissen überholte Befehl hatte 
48 Stunden gebraucht, um von Brunn (65 bis 70 hn) einzutreffen. 

Edelsheim beabsichtigte, am Südufer der Thaya, wenn tunlich, 
am 13. Juli stehen zu bleiben. 

Der dem Geniestab zugeteilte Hauptmann v. Mihälik erhielt 
den Befehl, mit den Pionierzügen der drei zur Stelle befindlichen 
Regimenter sämtliche Thayabrücken zur Zerstörung herzurichten. 

Der Fluß hatte zwar niederen Wasserstand, konnte aber von 
Geschütz und Fuhrwerk nur auf Brücken passiert werden. 

Mit zirka 90 Kavalleriepionieren ^) wurde von 8*^ abends bis 
4 *^ früh (13.) gearbeitet, um sieben Übergänge zu demolieren, 
darunter die bei Oblas über die Thaya führende große Holzbrücke 
und die sehr solide Znaimer Brücke.^) 

FML. Prinz Holstein war mit seinem Stabe in der Nacht Das osterrei- 
zum 12. der über Brunn abziehenden 1. schweren Division nach ^ H^-J^^^^^^ 
Pohrlitz vorausgeeilt. kommaudo 

Über die letzten Ereignisse mußte an vier verschiedene ^^ 
Stellen ^) berichtet werden. Diese Berichte sind eine Zusammen- 
stellung der von den Divisionen eingelangten Xachrichten, eine 



^ ) Das Telegraphenamt in Znaim hatte seine Tätigkeit schon am 10. Juli 
beschlossen. 

2) Seite 92. 

^) Werkzeug: Krampen, Schaufeln und Hacken. , 

^) Außerdem die gemauerte Brücke über den Mühlgraben nächst der 
Schallersdorfer Mühle, die Holzbrücken bei Esseklee und Pumlitz, dann die 
Thayastege bei Tesswitz und Edelspitz. 

^) Kriegsministerium, Armeekommando, Generaladjutantur und Landes- 
generalkommando Wien« 



110 

Sichtung fand nicht statt, neben belanglosen Einzelheiten findet 
sich Wichtiges. Zu einer Zusammenfassung des Aufklärungsergeb- 
nisses gelangte man nicht. 

Die Daten für eine Meldung folgenden Inhaltes lagen vor: 
,,Die über Igiau vordringende Eibarmee hat mit ihrer Tete gestern 
Scheletau erreicht, die konzentrisch gegen Brunn vormarschierende 
1. Armee dürfte sich im Laufe des heutigen Tages in Besitz der 
Stadt setzen." 

Wenn aber die ganze Sichtungsarbeit in Wien gemacht werden 
sollte, wodurch für die Berichterstattung an den Monarchen und 
die Nächstberufenen Zeit verloren wurde, so bildete das Korps- 
kommando nur eine unnötige Zwischeninstanz; es wäre besser ge- 
wesen, dai3 die Divisionen direkt nach Wien meldeten, wie dies 
Edelsheim vorgeschrieben war. 

Im Verlauf des Tages wurde das Hauptquartier nach Grus- 
bach verlegt. 

Die Front des Kavalleriekorps hatte sich gegen die Vortage 
am Abend des 12. erheblich verkürzt; das Korpskommando befand 
sich nunmehr annähernd hinter der Mitte der Front. Die Ent- 
fernungen waren jetzt zu beherrschen und selbst eine, dem Vor- 
schreiten des Gegners angepaßte unmittelbare Leitung, wie sie 
dem Armeehauptquartier in Zvvittau vorgeschwebt hatte, wäre nicht 
ausgeschlossen gewesen. Statt dessen wird in der nächsten Zeit 
tagweise und derart vordisponiert, daß man den Divisionen sogar 
die Aufbruchszeit und das Marschziel vorschrieb. Der geometrische 
Ordnungssinn des „auf gleicher Höhe erhalten" triumphierte über 
eine der Lage angepaßte Auftragerteilung. 

überblickt man das Aufklärungsergebnis, welches aus der 
Gesamtleistung des Korps hervorgegangen war, so fällt sofort 
auf, daß die wichtigen Kraftverschiebungen im preußischen 
Echiquier zur Versammlung nach Brunn nicht konstatiert worden 
waren. 

FZM. Freiherr v. AValdstätten klagt die eigene Division an, 
daß ihr der Linksabmarsch der Eibarmee entgangen sei. Indes waren 
nach der räumlichen Situation die 2. und 3. schwere Division be- 
rufen, diese nicht unwichtige Entdeckung zu machen; seit zwei Tagen 
hatten jedoch beide Armeekörper die Mitarbeit an der Aufklärung 
gänzlich aufgegeben. 

DasH^pt- Der zweitägige Autenthalt des großen Hauptquartiers in 

quartier Konig jy . ^ i u 

Wilhelms. Zwittau War ZU Ende gegangen. 



111 

In der Nacht zum 12. stand plötzlich Benedetti vor dem 
Nachtlager des preußischen Ministerpräsidenten, die französische 
Intervention hatte dringlichere Formen angenommen. 

Ihr mit einer stark ins Gewicht fallenden Entscheidung zuvor- 
zukommen, bildete einen zum unaufhaltsamen Vordringen gegen 
Wien anstachelnden Beweggrund. Hingegen kamen von Seiten der 
Armeekommanden Klagen über Klagen über den reii3enden Kraft- 
verbrauch während der rastlosen Operation; die Gewährung mehrerer 
Ruhetage wurde dringend erbeten. 

Es ist begreiflich, daß es in der Umgebung des preußischen 
Königs sorgenvolle Gesichter gab; das Dilemma der Lage war 
dazu angetan. Vom 12. Juli an bis zur Verlängerung des Waffen- 
stillstandes traten die militärischen Forderungen in schwerwiegende 
Abhängigkeit zu dem in unaufhörlichem Szenenwechsel begriffenen 
diplomatischen Zwischenspiel. 

Benedetti machte in diesen Tagen den Vorschlag zu einer 
dreitägigen Waffenruhe, die aber von Osterreich abgelehnt wurde, 
weil hieran die Bedingung des Stillstandes aller militärischen 
Bewegungen geknüpft war, was die Heranziehung der kaiserlichen 
Südarmee verzögert hätte. ^) 

Der Höhepunkt dieser inneren Krise wurde erreicht, als 
Moltke auf die Frage Bismarcks: ,,Was werden wir tun. wenn 
Frankreich marschiert?" erwiderte: ,,Wir müssen hinter die Elbe 
zurück." 

Die Größe Moltkescher Konzeption leuchtet aus der Zurecht- 
legung der plötzlich auf den Kopf gestellten Verhältnisse hervor. 
Mit ruhigem Überblick vermag er für die neue Lage die leitenden 
Gesichtspunkte aufzufinden. Die hierauf bezugnehmenden Dar- 
legungen entziehen sich indes dem Rahmen dieser Schrift. 

Augenblicklich war aber am wichtigsten, die Trennung der 
österreichischen Nord- von der Südarmee unbedingt aufrecht- 
zuerhalten. Militärische Forderungen der Lage sprachen in erster 
Linie dafür, aber auch Bismarck hatte darauf hingewiesen. Der in 
Zwittau am 11. Juli an die 2. Armee ausgegebene Operationsbefehl 
trägt diesem Gesichtspunkt bereits vollauf Rechnung, ^j 

Lettow-Vorbeck hebt nur hervor, daß auch von den am 12. Juli 
bei Brunn eingetroffenen Truppen der 1. Armee eine Zerstörung 
der Bahnstrecke Prerau — Lundenburg zu fordern war; die zurück- 



1) Siehe hierüber Ausführliches in Lettow, 11, Kapitel IX. 

2) Die kritischen Tage von Olmütz, Seite 31. 



112 

zulegenden Entfernungen waren nahezu dieselben, wie sie von 
einem von der 2. Armee hiezu bestimmten Detachement über- 
wunden werden mußten. 

Bei Betrachtung der Gesamtsituation am Abend des 12. Juli ^) 
begreift man die Ungeduld Moltkes, denn noch war ein Abzug 
der Nordarmee im Marchtal möglich, zwar eine mit ßücksicht 
auf die 1. Armee gefahrvolle, aber doch ausführbare Operation. 
Die 2. Armee konnte zur Verhinderung gar nichts beitragen. 

Eine andere Frage war die Beschleunigung des Vormarsches 
auf Wien. Sie zu erzielen, mußte die Versammlung gegen Brunn 
möglichst schnell aufgehoben, die Eibarmee unbedingt wieder gegen 
Znaim gelenkt werden. 

Obwohl Moltke in einem an diesem Tage an die Gattin ge- 
richteten Brief die Meinung ausspricht, er glaube nicht mehr, daß 
die Österreicher im freien Felde entgegentreten würden und hoffe, 
kampflos in Briinn einzuziehen, . . . der Feind wäre unter vierzehn 
Tagen überhaupt nicht widerstandsfähig, ergeht doch erst am 
nächsten Tage an die Eibarmee eine sie von ihrem Zuge gegen 
Brunn entbindende Weisung. Freilich mußte Moltke annehmen, daß 
im Sinne der Vormifctagsdisposition vom 11. das 1. Armeekommando 
von der ihm übertragenen Befugnis bereits Gebrauch machte. 

Der König verließ am 12. das vom Detachement Pape der 
2. Armee gesicherte Zwittau und erreichte Schloß Czernahora, wo 
er sich nun unter den Truppen der 1. Armee befand. 

IX. 
Der 13. Juli. 

Disposition der Prinz Friedrich Karl hatte noch am 12. Juli abends für 

preußischen 

1. Armee. den nächsten Tag angeordnet, die Avantgarde Mecklenburg habe 
bis an den Obravaabschnitt südlich Brunn vorzugehen, die 5. und 
7. Division in die mährische Hauptstadt einzurücken ^), endlich das 
2. Korps mit der Tete Eibenschitz zu erreichen. 

Alle übrigen Truppen sollten ruhen. 

Bemerkenswert erscheint, daß sich das Kavalleriekorps seit 
dem 12. an der Tete der Armee, sogar vor der Avantgarde des 
Herzogs v. Mecklenburg, befand. 

Prinz Albrecht von Preußen, der mit 6 Brigaden ins Feld 
gezogen war, verfügte augenblicklich nur mehr über 3, mit 

Die kritischen Tage von Olmütz, Beilage 6. 

-) Brunn hatte sodann eine Besatzung von nahezu 10.000 Mann. 



113 

zusammen 3800 Reitern. Die 1. schwere Brigade war zur 2. Armee 
und die 2. leichte zur Avantgarde abkommandiert. Das Ober- 
kommando der 1. Armee hatte weiters am 12. abends befohlen, 
daß von Seiten des Kavalleriekorps die Brigade Rheinbaben an 
das 2. Korps abzugeben sei, um hieraus für diese Armeekolonne 
eine neue Avantgarde zu bilden. Das Detachement des Herzogs 
V. Mecklenburg verlor hienach gänzlich die Bedeutung einer Heeres- 
avantgarde. 

Prinz Albrecht wollte die Brigade Bismarck, welche sich am 
rechten Flügel seines Korps schon zum Teil in Eibenschitz befand, 
an das 2. Korps abgeben. In dem betreffenden Schreiben an seinen 
Neffen, Prinzen Friedrich Karl, beklagte sich der Korpskomman- 
dant über die starken Detachierungen. Für den Fall, als das 
Armeekommando auf der Bestimmung der Brigade Rheinbaben 
beharren würde, erwähnt er, daß dann der Dienst der leichten 
Kavallerie^) ausschließlich der Brigade Bismarck mit ihren stark 
hergenommenen Regimentern zufallen würde. 

Um 2^ nachmittags des 13. Juli hielt König Wilhelm seinen Das große 
Einzuo: in Brunn; während seiner Anwesenheit beherberöfte ihn Hauptquartier 

° . ^ in Brunn. 

das Statthaltereigebäude. 

Schweren Herzens entschloß sich die oberste preußische 
Heeresleitung, den Vormarsch gegen Wien durch eine unum- 
gänglich notwendige Rastpause zu unterbrechen. 

An die 1. Armee erging folgender Befehl: 

, .Brunn, den 13. Juli 1866. 

,,Des Königs Majestät bewilligen den Truppen der Ersten Armee 
,, nach den bisherigen anstrengenden Märschen eine zweitägige Ruhe. 

,.Die schon früher nach Turnau dirigierten beiden Ponton- 
,,kolonnen wolle das Oberkommando sogleich durch Landmarsch 
,,nach Pardubitz heranziehen, wo dieselben für ihren später etwa 
,, anzuordnenden Weitertransport mittels Eisenbahn bereitzu- 
,, halten sind. 

,,Die beantragte Heranziehung von 50 schweren Geschützen 
,,ist einstweilen noch nicht auszuführen ; weitere Bestimmung 
,, darüber bleibt diesseits vorbehalten." -) 



^, Vergl. Anhang I und II. 

2) JSach Dresden wurde vom großen Hauptquartier telegraphiert, die 
dorthin dirigierten 50 schweren Geschütze so bereitzuhalten, daß sie über 
Befehl ohne Zeitverlust mit der Bahn abtransportiert werden könnten. 
(Preußisches Generalstabs werk.) 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 8 



114 

Die beiden Schlußabsätze beantworten die Zuschrift des 
Prinzen Friedrich Karl vom 11. Juli. 

Die 2. Armee erhielt gleichzeitig die nachstehenden Direk- 
tiven : 

„Es wird im allgemeinen auf die früheren Befehle ver- 
„wiesen, wonach die Zweite Armee unter Basierung auf die 
,, Grafschaft Glatz die Retablierung des nach Olmütz zurück- 
,, gegangenen Feindes sowie Zu- und Abzüge desselben zwischen 
,,AVien und Olmütz zu hindern hat. Letzteres wird sich ins- 
,, besondere durch ein näheres Heranrücken der Zweiten Armee 
„an die genannte Festung und durch Unterbrechung der Eisen- 
„bahn an einem geeigneten, von der Armee erreichbaren Punkt 
,,der Straße Lundenburg — Prerau ausführen lassen. ^) 

„Behufs der Befehlsvermittlung zwischen dem Hauptquartier 
,, Seiner Majestät des Königs und der Zweiten Armee empfiehlt 
,,sich die Anknüpfung seitens deren Feldtelegraphie am nächst- 
„gelegenen geeigneten Punkt der Zwittau — Brünner Eisenbahn, 
„unter welcher Voraussetzung bei der jetzt bestehenden größeren 
„Entfernung von der täglichen Absendung von Offizieren zu 
„obigem Behuf Abstand genommen wird. 

,, Dagegen wolle die Zweite Armee alle für die ferneren 
,, Operationen der Gesamtarmee wichtigen Nachrichten über Stand 
,,und Bewegungen der feindlichen Armee in Olmütz stets um- 
,, gehend auf jenem telegraphischen AVege hieher melden. 

„Die Postverbindung über Glatz ist seitens der Zweiten 
,, Armee sobald als möglich herzustellen." 

Endlich an die Eibarmee: 

, .Nachdem die Erste Armee bereits gestern Brunn ohne 
„Kampf besetzt hat und eine größere Truppenkonzentrierung 
,,hierselbst deshalb unnötig geworden ist, wird hiedurch der für 
,, diesen Fall schon früher erteilte und, wie es scheint, nicht in 
,,Euer Exzellenz Hände gelangte Befehl wiederholt, wonach 
„nunmehr die gesamte Eibarmee direkt auf Znaim vorzu- 
„gehen hat. 

,, Euere Exzellenz wollen die im Schreiben des Obersten 
„von Schlotheim, d. d. Trebitsch, den 12. Juli, mittags 2 Uhr 2) 



1) Vergl. Seite 111 und 126. 

2) Vergl. Seite 102. 



115 

,,hieher gemeldeten Anordnungen für den Marsch der Eibarmee 
,, in Richtung auf Lundenburg obigem Befehl entsprechend sofort 
,, modifizieren." 

Die Tormittagsdisposition vom 11. erreichte das Haupt- 
quartier der Eibarmee erst am 13. Juli 6^-' abends, somit nach 
55 Stunden. 

In Trebitsch wartete man am 12. Juli sehnlichst auf eine Dispositionen 

der fllbarmee. 

Anordnung Moltkes; noch immer waren die Direktiven vom 9. Juli 
maßgebend, welche die Armee gegen Brunn wiesen. In deren 
Ausführung war es am heutigen Tage zu einer Kollision mit dem 
2. Korps bei Eisenberg gekommen. 

Als aber das große Hauptquartier kein Lebenszeichen von 
sich gab, wurde eine Disposition für den 13. ä deux mains verfaßt, 
durch welche der 1. Armee ausgewichen werden und die Möglich- 
keit aufrechterhalten bleiben sollte, sich in weiterer Folge entweder 
gegen Brunn oder gegen Znaim wenden zu können. 

Demnach wurde die Hauptkraft der Armee in den E-aum 
Jarmeritz — Slawietitz — Namiest dirigiert: General v. Schöler erhielt 
den Auftrag, mit dem Gros der Avantgarde Wolframitzkirchen zu 
erreichen. 

Das Wiener Krieocsministerium fanmerte noch am 12. Juli Anordnungen 
als die dem Kavalleriekorps vorgesetzte Kommandostelle. Die Krie^^smiiiste- 
folgenden Direktiven sollten das Verhalten der vom Prinzen nams vom 
Holstein befehligten Divisionen regeln; die Randbemerkungen, 
die von dem Original des ministeriellen Erlasses übernommen 
sind, stammen von der Hand des Generalstabschefs, Oberst 
Schmidt. 

..Die drei schweren Kavalleriedivisionen haben in das March- -^■"'- so umge 
,,feld zu rücken und sich dort am rechten Flügel des Florids- f^jl^'^^ ni^ht üLr 
,,dorf und Stadlau umfassenden Brückenkopfes, gestützt an die Lundenburg, 
,, äußersten Gürtelforts aufzustellen. i>r«!*!Xi«nr^' 

,, Sollte feindliche Übermacht trotz des Schutzes, den das '-"^*'^- 

,, Feuer der Forts gewährt, dann noch einen weiteren Rückzug 
, .notwendig machen, so werden schon jetzt Ansiaiten getroffen. wo? 

,, mehrere Übergänge über die March herzurichten und am rechten 
,,üfer mit kleinen Brückenköpfen zti sichern. 

,,Im Marehfeld hat die Kavallerie die Bestimmung, eine 
..kräftige Verteidigung des Brückenkopfes durch Offensivstöße 
,,zu unterstützen. 

8* 



W'iS weiter /unter 
der Jlarck? 



116 



Sämtliche iwter- 
stehendin Kuvul- 
lerieuhteüufiytn 
mar seiner en seit 
20.123. Juni 
forttvuiircnd , 
haben keinen 
Rasttag geliaht, 
daher Htifbe- 
schliige, Fferdt- 
aiisrüsiung schon 
sehr scliudliuft ; 
sind stets 
tn anstrengtndein 
Torposttndie'nst 
genesen; eine 
lüöftige Unter- 
stützung der 
Yerteidigutig des 
Brüclcenl'opfes 
durch Offensit- 
stöße ist vor 
mehreren Tagen 
Hulie nicht zu 

erwarten. 

Wohin Koloiintn- 

inugazine/ 



,,Die 1. leichte Division hat die Bestimmung, durch den 
„Grürtel der Brückenkopfforts zu rücken, die Donaubrücken zu 
,, passieren und dann ihre Aufstellung im Tullnerfeld am rechten 
,, Donauufer zu nehmen. 

„Letzteres wurde dem Divisionskommando bereits bekannt- 
„gegeben.i) 

,,Für die Bewegungen, die im Bereich des Brückenkopfes 
, .vorgenommen werden, ist besonders darauf Rücksicht zu nehmen, 
,,dai3 die AVirkung der Geschütze von den Vorwerken nicht ge- 
,, hindert werde. Sollte das Drängen des Gegners in den letzten 
,, Tagen aufhören, so wäre dies ein Zeichen, daß die feindUche 
,, Hauptmacht sich östlich gegen Brunn und Lundenburg zieht, 
,,dann wäre der Rückzug unter Fühlung mit dem Feinde langsam 
,, fortzusetzen, unter allen Umständen aber zu verhindern, daß 
,,die Kavallerie von der Donau abgedrängt wird. 

,,Da ein ernstlicher Widerstand vor dem Anlangen im 
,, Donautal nicht beabsichtigt wird, so hat das Kriegsministerium 
,,auch keine Infanterie zu den Divisionen disponiert. 

,,D ie Kavallerie vollkommen intakt indieEbenen 
,,des Donautales zu bringen, wo sich Gelegenheit zu 
,, er folgreichen Aktionen ergeben wird, sei das Haup t- 
,,augenmerk Eurer Hoheit." 

Ersichtlich bestand in "Wien die Meinung, man würde es im 
Marchfeld zunächst nur mit den über Tglau vorgeiückten und von 
der Division Edelsheim konstatierten Kräften des Feindes zu tun 
haben. 

Hiedurch wird der Beweis geliefert, daß nur allein die 1. leichte 
Kavalleriedivision ihren Aufklärungsaufgaben oblag und durch 
die Menge der von ihr erbrachten Nachrichten auf die Vorstellung 
der in Wien den Ereignissen folgenden Personen in der angedeuteten 
Art einwirkte. 

Der etwas sprunghafte und nicht sehr konzis verfaßte Erlaß 
zeitigt mannigfache Erwägungen. Das Kavalleriekorps (beziehungs- 
weise die 3 schweren Divisionen) sollte nach den vorstehenden 
Bestimmungen am nördlichen Donauufer bleiben und dem gegneri- 
schen Drucke gegen Osten ausweichen. Vermutlich wurde diese 
Richtung mit Rücksicht auf die Nordarmee gewählt. Der Flußlauf 
der March erschwerte trotz etwa hergerichteter Übergänge dieses 
Manöver. Sachgemäßer scheint eine Verwendung des Korps auf- 



^) Der betreffende Erlaß traf in Klosterbruck am 13. Juli, 12 ^^ nachts ein. 



117 

wärts der Residenz, gleichfalls nördlich des Stromes. Für die 
Divisionen des rechten Flügels war zur Erreichung des geeigneten 
Raumes unter Umständen ein zweimaliger Uterwechsel bei AVien 
und Krems notwendig. AVestlich der Vorrü:kungszone der feind- 
lichen Armeen ließ sich dann eine Gruppierung annehmen, aus 
welcher nicht nur die Aufklärung günstige Ausgangspunkte ge- 
funden hätte, sondern auch der kleine Krieg gegen, die Yerbin- 
bindungen der Preußen geführt werden konnte. Hiezu war aber 
vor allem ein Maß der Schlagfertigkeit der Kavallerie erforderlich, 
welches sie nach dem Zeugnis des Generalstabschefs dermalen 
nicht besaß. 

Weiterer Verwendung mußte sonach eine Retablierungsfrist 
vorangehen. 

Noch in Pohrlitz am 12. Juli, 3 *^ nachmittags hatte das Korps- L>i5positionpn 

, ^ r>-' 1 -1 « • TT IT • • 1 -i-< «lesKavallerie- 

kommanclo lur den 13. eine Marscndisposition ausgegeben. Ks korps für den 
sollten gelangen : . i-'- J^i»- 

Die 1. leichte Kavalleriedivision nach Jetzelsdorf, Arriere- 
garde zwischen Kallendorf und Haid. 

Die 1. Reservedivision nachXikolsburg, Arrieregarde beiMuschau. 

Die 2. Reservedivision bei Grusbach, Arrieregarde bei Mos- 
kowitz. 

Die 3. Reservedivision bei Haugsdorf, Arrieregarde wie die 
1. leichte Division. 

Die 1. schwere Di^dsion hatte die rechte Flanke über Lunden- 
burg zu decken. Alle Divisionen sollten um 6*^ früh aufbrechen. 

Das durch die Vereinigung der Divisionen Edelsheim und Cou- 
denhove geschaffene Verhältnis entbehrte der Regelung. 

Es erübrigt hier nachzutragen, daß die Brigade Mendel am Die Brigade 
9. Juli noch vor ihrer Einwaggonierung in Lettowitz vom Kriegs- ^^ondei. 
ministerium den Auftrag erhalten hatte, nicht mit ihrem Korps 
bis Floridsdorf zu fahren, sondern in Lundenburg auszuwaggo- 
nieren und die Deckung der Bahn Wien — Olmütz zu übernehmen, 
auf welcher der ^Abtransport der Nordarmee stattfinden sollte. 

Die Situation der am 10. Juli auswaggonierten Brigade ist 
der Beilage 7 zu entnehmen.^) 



^) Die am 11. Juli bei Lundenbiirg begionenclen fortifikatorischea 
Arbeiten, die Verstärkang der Brigade durch eine versprengte Kürassier- 
abteilung, dann die Korrespondenz Mondeis mit Holstein hinsichtlich der 
Beteiligung des Kavalleriekorps an der Bahndeckung behandelt: ,.Die letzte 
Operation der Nordarmee", IV. 



118 

Am 12. Juli wurde von einem Geniezug das Geleise der 
Strecke nach Brunn auf eine Länge von etwa 230 m abgetragen 
und nach Lundenburg zurückgeschafft. 

Die 1. schwerft Vom rechten Flügel beginnend, wird nunmehr wieder über 

die Vorgänge bei den Divisionen des österreichischen Kavallerie- 
korps berichtet. 

Prinz Solms brach um 4^ früh aus dem Biwak bei Pohrlitz 
auf und langte gegen 10^ vormittags bei Nikolsburg an. "Wegen 
der in der dortigen Gegend herrschenden Wasserarmut wurde das 
Lager gegen Drasenhofen verlegt. 

Kür. 9 hatte die aus Beilage 7 ersichtliche Vorpostenauf- 
stellung bezogen, hinter welche Kür. 6 zurückgegangen war, 
Ersteres Regiment erhielt den Auftrag, die in seinem Sicherungs- 
bereich liegenden Thayaübergänge zur Zerstörung herzurichten. 

Das Korpskommando hatte, um den Wünschen der Brigade 
Mondel einigermaßen zu entsprechen, angeordnet, daß die Division 
Solms ein Regiment über Lundenburg dirigiere, welches dann im 
Marsche über Hohenau die ,,Eklairierung des Marchtales" zu be- 
wirken hätte. 

Das hiezu bestimmte Kür. 11 erreichte am 13. Juli abends 
Eisgrab. 

Im Stabsquartier der 1. schweren Division war man nach 
den nicht ganz zutreffenden Aussagen eines gefangenen Husaren 
der Meinung, dem preußischen 4. Korps gegenüberzustehen, bei 
welchem sich angeblich drei schwere und drei leichte Kavallerie- 
regimenter befanden. 

Südlich Brunn stand indes, wie aus Beilage 1 zu ersehen ist, 
das preußische Kavalleriekorps. 

Außer den durch die Ablösung der Vorposten und durch die 
teilweise Räumung von Eibenschitz für das anrückende 2. Korps 
hervorgehenden Bewegungen fand bei diesem preußischen Heeres- 
teil keine nennenswerte Unternehmung statt. Das Vorgehen des 
Obersten Freiherrn v. SchoUey am Vorabend hatte entschieden 
Eindruck gemacht. In einem Schreiben aus dem Korpshauptquartier 
wird den preußischen Divisionen aufgetragen, ,,sich wegen der 
Sicherheitsmaßregeln gegen den Feind, der anscheinend näher 
und tätiger vor unserer Front ist als in letzter Zeit, zu einigen". 

Von Kanitz wurde um 1^ nachmittags die Eskadron 2/Kür. 2 
mit zehn Wagen zur Fouragierung nach Pohrlitz nnd Umgebung 
ausgeschickt. Bei diesem Orte und Urspitz kam es hiedurch zu 



119 

hitzigen Scharmützeln zwischen einzelnen Reqiiisitionskonimanden und 
den über die Vorpostenlinie vorgegangenen österreichischen Patrouillen 
von Kür. 9. Um 9 ^^ abends nach Aufbringung eines Quantums von 
500 Scheffel Hafer und 250 Stück Brot war die preußische Eskadron 
mit zwei gefangenen Stadion-Kürassieren wieder inKanitz eingerückt. 

Die auf Vorposten befindlichen, übermüdeten Kürassiere der 
Division Solms glaubten indessen noch bis Mitternacht feindliche 
Infanterie, Kavallerie und Geschütze gegenüber zu sehen; so 
wenigstens lauteten die eingelangten Meldungen. 

Auch aus der Gegend von G. Pawlowitz waren in der Nacht 
alarmierende Gerüchte über das Erscheinen starker Reiterei in das 
Biwak südlich Nikolsburg gedrangen. Die Entsendung von Kür. 4 
ließ den Spuk zerstieben. 

Die Division Zaitsek sollte nach der Disposition am 13. in Die 2. schwere 

1 1 1 1 -1 Division. 

irrusbach bleiben. 

Die Akten des Korpskommandos, welches sich ebenfalls in Grus- 
bach befand, enthalten den Befehl an das Divisionskommando, unter 
Zurücklassuug eines schweren und eines halben leichten Regiments an 
letzterem Orte noch heute nach Laa abzumarschieren. Im Operations- 
journal der Division Zait-ek heißt es: ,,Da die anderen Divisionen 
zurückgingen, marschierte die 2. Division um 8 ^ abends nach Laa.*' 

Auch Grusbach wurde indes aufgegeben und die Vorposten 
jis Höflein zurückgenommen. 

Die Akten versagen die Motivierung dieser Vorgänge, weil 
an die Stelle des schriftlichen der mündliche Verkehr zwischen 
dem Korps- und dem Divisionskommando getreten war. 

Auf Grund der Korpsdisposition wurde im Stabsquartier zu Die Vorgänge 
Klosterbruck von GM. Freiherrn v. Edelsheim für den 13. an- ^^ naim. 
geordnet^ daß die Brigaden um 8 *^ früh nach Jetzelsdorf — Brigade 
Fratricsevics über Retz — abzumarschieren hatten. Die Brisfade WalHs 
sollte sogleich zwei Eskadronen gegen Mramotitz vorschicken, um 
Dr. 2 aufzunehmen. ^j Es scheint, daß zur Zeit schon ein Einvernehmen 
mit der Division Coudenhove gepflogen worden war, wonach Edels- 
heim die Aufklärung auf und westlich der Chaussee Znaim — Wien 
übernahm, die 3. schwere Division sich gegen Osten anschloß. 

Während Oberstleutnant Giusti in Ausführung des vor- 
erwähnten Auftrages mit 1, 2/Dr. 1 durch die Stadt gegen die 



^) Diese Disposition wurde auch nach dem Eintreffen des Kiüegsministerial- 
f^rlasses (Seite 116) nicht geändert. 



120 

Znaimer x'\nhöhe ritt, ertönte hinter ihm ein dumpfer Knall, 
welcher von der beabsichtigten Zerstörung der Thay abrücke bei 
Oblas herrührte. Die AVirkung von drei über die Fahrbahn ge- 
legten Sprengtonnen erwies sich indes völlig ungenügend, erst 
durch Abbrennen eines Brückenfeldes wurde die gewünschte 
Unbrauchbarmachung erzielt.^) Bei dem westlich Znaim über 
die Thaya führenden Übergang warf man die Brückendecke ab, 
die geplante Zerstörung der Tragkonstruktion durch Torpedos 
mißlang ebenfalls. 

Auf preußischer Seite war GM. Graf v. d. Goltz mit seiner 
Brigade und den Bataillonen 11/33 und 11/56 sowie 2 Batterien 
um 5 ^" früh von Gröschlmauth aufgebrochen und sollte bis Mramotitz 
gelangen. 

Vor ihm zogen sich die Windisch-Graetz-Dragoner langsam 
zurück und wurden gegen 9*^ vormittags von den beiden Eska- 
dronen Giubtis aufgenommen. 

Der Oberstleutnant ließ nunmehr auf der Znaimer Anhöhe 
zwei Züge zum Feuergefecht absitzen und beabsichtigte durch 
eine möglichst breite Entwicklung der Schützen den Gegner über die 
Schwäche der eigenen Kräfte zu täuschen, um die feindliche Vor- 
rückung zu Gunsten der Brückenzerstörung tunlichst zu verzögern. 

Dr. 2 durchf artete unterdessen die Thaya und rückte in das 
Biwak bei Jetzelsdorf. 

GM. Graf v. d. Goltz entschloß sich, bei Mramotitz nicht 
Halt zu machen, sondern sich ohne Verzug in den Besitz von 
Znaim zu setzen. Von der Infanterie seines Detachements nahm 
er anfangs nur eine Kompagnie 33 — ohne Gepäck — mit, später 
folgten noch zwei Kompagnien von 11/33. 

Über Edmitz und Brenditz suchte der Feind die Flanken der 
Savoyen-Dragoner zu umspannen und erreichte auch schließlich 
dadurch, daß Oberstleutnant Giusti die Höhen nächst dem heutigen 
Exerzierplatz freigab. Durch lange andauernde Plänkeleien war 
immerhin einige Zeit gewonnen worden. 

Nun mußte in scharfer Face durch die steilen, schleoht- 
gepflasterten Straßen von Znaim gegen die Thaya hinabgeritten 
werden-); die Eskadron 1/Dr. 1 durchfurtete die Thaya bei der 
Genieakademie, 2/Dr. 1 bei Oblas. 



^) Die Arbeiten wurden durch einen Pionierzug von Hus. 9 ausgeführt. 

2) Oberstleutnant Harrenreich — damals Kommandant des 1. Zuges 
der 1. Eskadron erzählt: ,,Der Gegner rückte mit vorgeschobenen Infan- 
teriepläüklern gegen Znaim vor; ich hatte inzwischen mit meinem abge- 



121 

Der Feind war mit Hus. 7 r'en Dragonern hartauf gefolgt i); 
Oberleutnant v. Younga hatte clurcli einen quer über die enge 
Gasse aufgefahrenen Lastwagen den nachjagenden Preußen vorüber- 
gehenden Aufenthalt bereitet. 

x4l1s die feindlichen Husaren hinter Alt-Schallersdorf die 
Thaya erreichten, schlug ihnen vom jenseitigen Ufer ein heftiges 
Feuer der bei Obias teilweise zum Fußgefecht abgesessenen 
Dragonerdivision entgegen -), welches zunächst ein weiteres 
Vorgehen hemmte. Die große Brücke hüllten Flammen und 
Rauch eiü. 

Um 11*^ waren auch die preußischen Kompagnien 6. 7, 8/33 
in Znaim angelangt. Die erstere ging sofort bis an die Thaya- 
brücke vor, entwickelte sich am Nordufer des Flusses und fährte 
ein Feuergefecht mit den jenseits befindlichen Dragonern. 

So kam der Mittag heran. 

Von der Brigade Wallis standen seit dem Morgen 3, 5, 6/ Dr. 1 
samt der halben Brigadebatterie in Kallendorf. der Rest der Divi- 
sion biwakierte südlich Jetzelsdorf. 

Die 3. schwere Division war um 6*^ früh von ihrem Biwak- 
platz aufgebrochen und gelangte auf Feldwegen über Gerstenfeld 
nach Haugsdorf, wo südlich des Ortes rechts neben der Division 
Edelsheim ein Lager bezogen wurde. Ul. 11 war nach Kallendorf 
disponiert, um gemeinsam mit den Savoyen-Dragonern die 
Sicherung gegen Norden zu bestreiten; gewiß kein einwandfreies 
Verfahren. ^) 

Unterdessen hatte GM. Graf v. d. Goltz seine Truppen"^) 
südlich Znaim versammelt und beschloß nach 2^ nachmittags, den 
Gegner vom nördlichen Thayaufer zu vertreiben. 

Ein heftiges Feuergefecht entbrannte nunmehr zwischen den 
durch den Fluß getrennten Parteien. 



sessenen Zuge die Lisiere besetzt und führte ein Feuergefecht. Die Vor- 
rückung des Gegners stockte hiedurch. Als ich nun von meiner linken Seiten- 
hut (Führer Hoini) auch noch die Meldung erhielt, daß feindliche Husaren 
bereits in Znaim eingedrungen seien, brach ich das Gefecht ab, ließ auf- 
sitzen, durchritt, vom Gegner hart bedrängt, Znaim und passierte die Thaya 
durch die Furt bei Klosterbruck." 

^} Von den vier zur Stelle befindlichen Eskadi'onen war die 2. östlich 
um Znaim geritten, 3, 4, 5/Hus. 7 verfolgten mitten durch die Stadt hindurch. 

^) Auch hier kämpfte der Zug Harrenreichs. 

^) Vergl. Beilage 7. 

*) Die Husarenbrigade und deren Batterie, dann 11/33 und II 56. 



122 

Die zwei österreichischen Eskadronen wurden durch die eben 
am Gefechtsfeld eintreffende Eskadron 6/Ul. 11 verstärkt. 

Als die preußische Eskadron 5/Hus. 7 aufwärts der von den 
Dragonern besetzten FJußstrecke sich anschickte, die Thaya zu 
durchfurten, brach Oberstleutnant Giusti den gegen große Über- 
legenheit geführten Kampf ab und ging mit den 3 Eskadronen 
gegen Kailendorf zurück. 

Vorher hatte Rittmeister Freiherr v. Dreihann mit drei Zügen 
seiner Eskadron (6/Ul. 11) einen erfolgreichen Vorstoß gegen den 
immer hitziger vordrängenden Feind ausgeführt. 

Als gegen 5^ nachmittags die Nachricht von diesen Ereig- 
nissen im Lao-er bei Jetzelsdorf eintraf, führte GM. Graf Wallis 
Hus. 10 und die hier befindliche halbe Brigadebatterie nach Kailendorf 
zur Unterstützung der Dragoner vor. Die im Lager verbliebenen Regi- 
menter sattelten und hielten sich ebenfalls zum Eingreifen bereit. 

Als bis 7^ abends keinerlei Anzeichen auf eine weitere Vor- 
rückung der Preußen hindeuteten, wurde die in Beilage 7 dar- 
gestellte Mächtigung bezogen. 

General v. Schöler war auf die Meldungen v. d. Goltz' über 
die Vorgänge bei Znaim mit dem seit 11^ vormittags bei Wolf- 
ramitzkirchen lagernden Gros der Avantgarde um 5 ^ nachmittags 
aufgebrochen und erreichte gegen Abend die Stadt und Umgebung. 
Die in der Genieakademie zu Klosterbruck aufgefundenen Vor- 
räte an Karten und Schreibmaterial bildeten für die Preußen eine 
sehr erwünschte Beute. 

Die Brigade Goltz lagerte südöstlich Znaim, 5/Hus. 7^) und 
7/33 hatten am linken Thayaufer Vorposten bezogen. 

Bei der Division Edelsheim waren dauernd Gerüchte von 
dem Vorgehen einer preußischen Kolonne über Retz eingelaufen. 
Nicht weniger als vier Entsendungen^) von Jetzelsdorf und Kallen- 
dorf gegen Retz, Gnadlersdorf und Schattau landen statt, bis 
endlich die Grundlosigkeit dieser Nachrichten festgestellt war. 

Unausgesetzt gingen Dragoner- und Ulanenpatrouillen von 
Kaliendorf gegen die feindliche Vorpostenlinie vor, einer Patrouille 
von 2/Dr. 1 gelang es, bei hereingebrochener Dämmerung einen 
preußischen Husaren gefangenzunehmen. 

Der Ausbreitung des Gegners auf dem südlichen Flußufer 
wurde stets durch neuerliches Anreiten der beiden vorne befind- 
lichen kaiserlichen Eskadronen entp:e2:en2:ewirkt. 

^) Wurde später von einer Eskadron Hus. 11 abgelöst. 

2) 1 Zug Dr. 2, 1 Zug Hus. 10, V2 Eskadron Dr. 1, V2 Eskadron Ul. 11. 



123 



Prinz Holstein verlegte am Nachmittag des 13. sein Haupt- 
quartier von Grusbach nach Laa. 

Das Landesgeneralkommando in Wien hatte am 11. für die 
vier Divisionen einen Marschplan verfaßt, womit der seinerzeitigen 
Aufforderung des mährischen Landesgeneralkommandos entsprochen, 
den nicht gekannten Litentionen des Kommandos der Nordarmee 
aber zuwidergehandelt wurde. 

Dieser Marschplan fixierte folgende Stationen: 



13. Juli 



U. Juli 



15. Juli 



16. Juli 



Juli 



1. leichte Division 
1. schwere . ,, 
2. 



Jetzelsdorf 



Haugsdorf 



O. Hollabrunnj 
Poisdorf I 
Laa 
O. Hollabrunnl 



Stockerau 

Gaunersdorf 

Ladendorf 

Stock erau 



Wien 

Marchfeld 

Ulrichskirchen 

Marchfeld 



TuUnerfeld 
Marchfeld 



Die vorliegende Instradierung wurde den Divisionen direkt 
vom Landesgeneralkommando übermittelt, sie erhielten das Elaborat 
am 13. beziehungsweise 14. Juli. 

Beim Kavalleriekorpskommando traf der Marschplan erst am 
letzteren Tage ein. 

Lidessen hatte Prinz Holstein noch vor dem Abreiten von 
Grusbach am Vortag eine andere Disposition für die Divisionen 
herausgegeben : 



1 


14. Juli 


1 
15. Juli 


1. leichte Division 
1. schwere ,, 

3- ?) V 


0. Hollabrunn (Guntersdorf) 
Poisdorf (Drasenhofen) 

Staatz (Laai 
Enzersdorf (Mailberg) 


Stockerau (GöUersdorf) 

Wilfersdorf (Poisdorf) 

Asparn a. d.Zaya (Staatz) 

Leitzersdorf (G. Mugl) 



Die eingeklammerten Ortsbezeichnungen bestimmten jene 
Punkte, an denen die Arrieregarde zurückzulassen war. 

Aus diesen sich kreuzenden Anordnungen ergaben sich 
Schwierigkeiten und Anfragen. Im Hauptquartier beklagte man 
sieb, von den Divisionen zu wenig im laufenden gehalten zu 
werden. Der Prinz ordnete an, daß täglich zweimal Bericht zu er- 
statten sei. 

Zu den an anderer Stelle^) stehenden Ausführungen über die 
Beteiligung des Kavalleriekorps an dem Schutze der Bahn Olmütz — 



Das öster- 
reichische 
Kavallerie- 
korps- 
kommando. 



^) Die letzte Operation der Nordarmee, VI. 



124 

Wien wäre noch hinzuzufügen, daß die Bewegung der kaiserlichen 
E-eiterei mit dem Verhalten der Brigade Mondel immerhin im 
Zusammenhang stand, beide .Heereskörper durften nur vor aus- 
gesprochener Überlegenheit zurückgehen. 

Ein schriftlicher Befehl des Kriegsministeriums vom 10. Juli 
an das Kavalleriekorps, der Brigade Mondel zwei Eskadronen 
ständig zuzuweisen, traf erst am 21. Juli ein, als sich die Kavallerie 
schon südlich der Donau befand. 

Daß ein unökonomischer Parallelismus in der Tätigkeit der 
in der Gegend von Nikolsburg — Lundenburg stehenden Kraft- 
gruppen eingetreten war, zeigt schon die Betrachtung der 
Beilage 7. 

Des Nachdenkens wert wäre eine anders geartete Verwen- 
dung des Kavalleriekorps: es ist dies die Versammlung der drei 
schweren Divisionen zwischen Lundenburg und Czeicz, um einen 
Schleier zu bilden, hinter welchem sich die damals schon 
beschlossene Operation der Nordarmee marchabwärts vollziehen 
konnte. 

Selbstredend hätte die Verwirklichung dieses Gedankens 
schon 1 bis 2 Tage früher eingeleitet werden müssen. 

Noch eines Aktenstückes vom 13. Juli ist Erwähnung zu 
tun. Bei den Divisionen des Kavalleriekorps hatte sich eine erheb- 
liche Zahl maroder — namentlich gedrückter — Pferde angesammelt, 
die als Impedimenta mitgeführt wurden. Prinz Holstein richtete 
an das Kriegsministerium nunmehr das Ersuchen, die Abgabe 
dieser Tiere an die Depots der Regimenter gestatten zu wollen. 

X. 
Der 14. Juli. 

T^ie 1. und Die Masse der preußischen 1. Armee genoß am 14. Juli die 

vom König genehmigte Erholungsrast. 

Nur die 8. Division wurde dicht an Brunn herangeschoben, 
wo nunmehr vier Divisionen versammelt waren, vermutlich weniger 
aus operativen Eücksichten, als um die Eessourcen der Stadt aus- 
zunützen. 

Prinz Friedrich Karl ordnete weiters an, daß die dem 2. Korps 
zugewiesene Brigade Eheinbaben des Kavalleriekorps über Kromau, 
dann die Brigade Bismarck über Pohrlitz zur Eekognoszierung 
der Thayaübergänge vorgehen sollten. 



125 

Die Gegenvorstellungen des Prinzen Albrecht wegen Gewäh- 
rung eines Rasttages dürften zur Zeit der Ausgabe obiger Dispo- 
sition noch nicht beim Armeekommando eingelangt gewesen sein. 

Mündliche Verhandlungen unterbrachen vermutlich die Kon- 
tinuität des schriftlichen Verkehrs. Bekannt ist nur, daß am 14. 
Patrouillen der Kavalleriedivision Alvensleben ^) gegen Süden, 
2 E/Dr. 3 der Brigade Bismarck über Kromau vorgingen. 

Aus einem Schreiben des Prinzen Albrecht an seinen Neffen 
geht hervor, daß ersterer die große Rekognoszierung für den 15. Juli 
plante und sich vom Armeekommando die Bewilligung erbat, alle 
vier Brigaden hiezu verwenden zu dürfen. 

Die Märsche der Eibarmee am 13. Juli waren noch unter 
dem Gesichtspunkt ausgeführt, sich den Richtungswechsel nach 
Brunn oder Znaim offen zu halten. 

Alis den im Laufe des 13. eingelangten Mitteilungen der 
1. Armee entnahm General v. Herwarth, daß die Unterstützung 
dieser Armee nicht erforderlich sein dürfte. In der für den 14. ent- 
worfenen Disposition ließ der General sonach die Armee im allge- 
meinen auf die in Znaim befindliche Avantgarde Schöler aufschließen. 

Die am 14. durchgeführten Märsche sind aus Beilage 7 zu 
erkennen. 

Auf dem Ritte von Trebitsch nach Tajkowitz brachte um 8 ^ 
früh ein Feldjäger den Befehl Moltkes zum Marsche gegen Znaim^), 
welcher bereits in Ausführung begriffen war. 

Aus den am 14. in Brunn erlassenen Direktiven des großen ^Dispositionen 
Hauptquartiers gehen sowohl die Situationsbeurteilung als aucli ^Hau°t-^° 
die Absichten Moltkes mit vollkommener Klarheit hervor. quamers. 

Das Schriftstück ist an die drei Arnieekommanden und die 
Gardelandwehrdivision gerichtet und lautet: 

, .Brunn, den 14. Juli 1866. 

,,Nach Ablauf der den Truppen der Ersten Armee von des 

„Königs Majestät bewilligten zweitägigen Ruhe soll diese Ai'mee 

,,den weiteren Vormarsch über die Thaya auf Wien antreten, 

,,wozu derselben die Straßen: 

,,a) Eibenschitz — Laa— Ernstbrunn, 

,,&) Dürnholz — Ladendorf, 

,,c) Muschau — Nikolsburg — Gaunersdorf 



^) Yon den 1. G. ül. 

') Vergl. Seite lU. ^t^.«..^ 






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"^e^ 



126 



,,zur Verfügung gestellt werden. Außerdem dirigiert sich ein 
,,Detachement, dessen Stärkebemessung dem Oberkommando der 
„Ersten Armee überlassen bleibt, auf Lundenburg. Die weit 
,, vorzuschiebende Avantgarde desselben hat so bald als möglich 
,,die Eisenbahn nach Prerau für den Feind unfahrbar zu machen, 
,, wogegen aber die Eisenbahnstrecke Brunn — Lundenburg — Grän- 
,,serndorf für unsere Zwecke zu konservieren und deshalb nach 
„Maßgabe des Yorrückens zu besetzen und jede Beschädigung 
„derselben zu hindern ist. 

,,Die durch diesseitigen Befehl vom gestrigen Tage auf Znaim 
jjdirigierte Eibarmee marschiert von dortausauf den beiden Straßen: 
,,a) Jetzelsdorf — 0. Hollabrunn, 
,.^) Joslowitz — Enzersdorf im Tal 
,,und entsendet außerdem ein Detachement auf Maissau, um von 
,,hier aus später gegen die obere Donau zwischen Tulin und 
„Krems zu demonstrieren. 

„Um bei diesen Bewegungen der Ersten und der Eibarmee 
„im Bedarfsfalle eine gegenseitige Unterstützung sicherzustellen, 
,,wird bestimmt, daß die Thaya bei Muschau und Znaim mit 
,,den beiderseitigen Hauptkräften am 17. d.M. zu überschreiten ist. 

,,Die Erste Arn^ee instradiert ihre beiden schon früher nach 
,,Turnau dirigierten Pontonkolonnen mittels Landmarsches über 
,,Pardubitz längs der Biünner Eisenbahn aufBiünn; desgleichen 
„läßt die Zweite Armee sogleich ihre sämtlichen Pontonkolonnen 
„nach Brunn abrücken. Die Marschtableaus für die Ponton- 
„kolonnen sind seitens der beiden Oberkommandos baldigst hieher 
,, einzureichen, damit wegen etwaigen Weitertransports derselben 
,,auf der Eisenbahn disponiert werden kann. 

„Die Gardelandwehrdivision v. Rosenberg setzt sich am 
„16. d. M. unter einstweiliger Zurücklassung eines Detachements 
,,in Prag nach Pardubitz in Marsch. Ferner wird schon jetzt 
„nachrichtlich mitgeteilt, daß es nach Eintreffen der Division 
,,v. Bentheim in Prag in der Absicht liegt, diese unter Anschluß 
,,des Besatzungsdetachements der Division von Prag aus, sowie 
,,auch eventuell diese letztere Division von Pardubitz aus, 
,, mittels Eisenbahn zur Hauptarmee heranzuziehen, wobei dann 
„aber von der Division Bentheim eine Infanteriebrigade, ein 
,, Kavallerieregiment, eine Batterie in Prag zurückzulassen sind. 
„Die näheren Bestimmungen über diesen Eisenbahntransport 
,, müssen bis zur erfolgten wirklichen Inbetriebsetzuug der Prag — 
,,Brünner Eisenbahn noch vorbehalten bleiben. 



127 

„Das Hauptquartier Seiner Majestät des Königs bleibt bis 
,,auf weiteres noch in Brunn, welches mit einem Detachement 
„der Ersten Armee besetzt zu halten ist. Alle drei Armeen 
„etablieren sogleich Briefrelaisstationen zwischen ihren Haupt- 
„ quartieren und Brunn. Durch Vermittelung dieses Briefrelais 
„sind täglich die neuesten Vorkommnisse und die Absichten für 
„den folgenden Tag hieher zu melden. Die Erste Armee wird 
„noch insbesondere auf Sicherung ihrer rückwärtigen Etappen- 
„linie nach Brüun Bedacht zu nehmen haben." 

Moltke teilt in dieser Disposition die gegen die Donau bei 
Wien führenden Straßenzüge auf die Armeen des Prinzen Friedrich 
Karl und des Generals v. Herwarth auf; eine Begrenzung der 
Bewegungsräume wird nicht fixiert. 

Die oben enthaltene Bestimmung der gleichzeitigen Über- 
schreitung der Thaya am 17. wurde durch eine noch am selben 
Tage (14.) ausgegebene Ergänzungsdisposition aufgehoben^) und 
die Länge der Tagesetappen demnach dem Ermessen der Armee- 
kommanden anheimgestellt. Die am Göllersbach und der Zaya 
liegenden Endpunkte der den Arraeekommanden zugewiesenen 
Straßenzüge konnten in etwa drei Tagen erreicht werden. 

Durch die Heranziehung der Pontonkolonnen wird der 
vom Prinzen Friedrich Karl ausgesprochene Wunsch berück- 
sichtigt. 

Die Nachdirigierung des 1. E-eservearmeekorps bezweckt, sich 
aller Kräfte zu der anscheinend bevorstehenden Entscheidung zu 
versichern, um die Überlegenheit zu erlangen. 

Den Divisionen des österreichischen Kavalleriekorps DieDivisionen 
waren für den 14. ihre Marschziele angegeben. Aus der Tatsache, chischen Ka- 
daß die Teten der feindlichen Armeen an diesem Tage nicht weiter vaUeriekorps. 
vordrangen, ergab sich, daß diese Art der Disponierung nicht dem 
Verfahren entsprach, welches bei Bildung des Kavalleiiekorps vor- 
geschwebt hatte. 

Die Situation am 14. abends ist aus Beilage 7 zu ersehen. 

Der Kommandant der 1. schweren Division, Prinz Solms, 
hatte am 13. Juli eine Depesche — ab Lundenburg, 8^^ abends — 
an das Kriegsministerium gerichtet: 



^) Aus den eingesendeten Dispositionen der Armeekommanden hatte 
man im großen Hauptquartier ersehen, daß die Überschreitung der Thaya mit 
den Teten schon für den 15. in Aussicht genommen war. 



128 

,, Oberst Pollak ^) meldet von den Vorposten, daß Pohrlitz 
,, besetzt, in Brunn für gestern und heute durch Plakate für 
,,45.000 Mann Quartier angesagt wurde. 

„Der König von Preußen wurde in Brunn erwartet. Man 
,, glaubt morgen an eine allgemeine Vorrückung. 

„Starke Kolonne auf der Iglauer Straße nach Znaim." 
Die am 14. ausgeschickten Patrouillen von Ul. 4 stießen mit 
gegnerischen zusammen und brachten Gefangene zurück.^) Die 
Besetzung von Pohrlitz wurde gemeldet^), Nuslau vom Feinde frei 
gefunden. Die Brücken bei Muschau und U. Wisternitz wurden 
von ül. 4 zerstört.*) 

Nach der Disposition des Korpskommandos sollte die 
2. schwere Division am 14. mit der Hauptkraft bis Staatz zurück- 
gehen. In diesem Sinne sind auch die in den Feldakten er- 
liegenden Anordnungen des Divisionskommandanten verfaßt; die Vor- 
truppen hatten in der Linie Neudorf — Laa — Altenmarkt zu sichern. 

Aus welcher Ursache dann später bis in die für den nächsten 
Tag vorgeschriebene Nächtigungsstation Asparn a. d. Zaya marschiert 
wurde, ist nicht zu ermitteln. 

Über den Feind war keine andere Nachricht im Divisions- 
stabsquartier eingelaufen, als daß eine feindliche Ulanenpatrouille 
südlich Grusbach gesehen worden war. 

Hinsichtlieh der SicheruDg^) ist bemerkenswert, daß auf jeder 
der beiden von Laa gegen Mistelbach führenden Straßen 2 Kürassier- 
eskadronen und 1 Ulaneneskadron vorgeschoben waren. Diese 
Mischung von schwerer und leichter Kavallerie hielt man somit 
damals für solche Aufgaben zweckmäßig. 

Die bei Laa über die Kanäle führenden Übergänge waren 
von der Arrieregarde unpraktikabel gemacht worden. Hiezu war 
ein Detachement von Kür. 5 zurückgeblieben. 

Die 3. schwere Division war nach dem Marschplan des 
Landesgeneralkommandos Wien im Begriff nach 0. Hollabrunn 



^) Kommandant von Kür. 9. 

2) Bei Frainspitz eine Patrouille von den 1. G. Ul. (4 Reiter). 

3) Irrtum. Auch eingeschickte Meldungen über bei Eibis und Muschau 
gesehene preußische Infanterie beruhten auf Täuschung. 

^) Erstere abgebrannt; über die Unbrauchbarmachung der letzteren 
fehlen Angaben. 

^) Vergl. Beilage 7. 



129 

zu marschieren, in der Gegend von Wallersdorf langte jedoch die 
Disposition des Korpskommandos ein, worauf GM. Graf Coudenhove 
die Richtung nach Enzersdorf im Tale einschlug. 

Bei der 1. leichten Kavalleriedivision lösten sich inner- 
halb der Brigade Wallis die Regimenter im Vorpostendienst ab. 
1, 2/Hus. 10 begann von Retz seine Patrouillierungen gegen Westen 
und Osten; der Rest des Regiments übernahm die Vorposten bei 
Kaliendorf. 

Bald wurde konstatiert, daß der Feind seine nunmehr auch 
aus Infanterie bestehende Vorpostenlinie bis auf die Höhen 2 Jcm 
südlich Neu-Schallersdorf vorgeschoben hatte. 

Vormittags wurde in Seefeld eine feindliche Ulanen- 
patrouille von einer Patrouille von Dr. 1 überfallen und gefangen- 
genommen. 

Am Nachmittag kam es ebendort zu einem Patrouillen- 
zusammenstoß. ^; Bei diesen Scharmützeln zeigten die nur von 
Unteroffizieren geführten Patrouillen beider Teile außerordentlich 
viel Unternehmungslust. 

Die Brigaden Fratricsevics und Appel waren um 5*^ früh 
abmarschiert und hielten in 0. Hollabrunn eine längere Rast. 

Die Abendsitnation ist aus Beilage 7 zu entnehmen. GM. 
Freiherr v. Edelsheim hatte sich nicht nach den Dispositionen 
des Landesgeneralkommandos gerichtet, sondern war nach den 
später verfaßten Weisungen des Kriegsministeriums im Marsche 
nach Wien begriffen, dessen Etappen er sich selbst wählen 
durfte. 

Das Hauptquartier des Prinzen Holstein wurde am 14. Juli Da^Kavai- 
von Laa nach Asparn a. d. Zaya verlegt. kommando. 

Von den vier Divisionen des Korps hatte die 1. leichte 
intensive Fühlung, die 1. schwere war nur durch Patrouillen- 
begegnungen mit dem Feinde in Kontakt gekommen; die beiden 
Mitteldivisionen vollführten Reisemärsche. 

,,Es ist fühlbar, daß der bis gestern geübte Druck 
mit der Ankunft an der Thaya nachgelassen hat", schrieb 
das Korpskommando nach Wien. Durch Feststellung der feind- 
lichen Vorpostenlinie — wie dies bei der Division Edelsheim einzig 
und allein geschah — wäre aber zu ermitteln gewesen, daß die 
preußischen Heeresteten am 14. nicht weiter vorrückten. 



^) Hieran beteiligte sich auch eine Patrouille von Kür. 12. 
Das österreichische KavaUeriekorps Holstein. 



130 

In Wien hatte am Vortag FM. Erzherzog Albrecht 
das Kommando der operierenden Armeen übernommen.^) 

Im Korpshauptquartier zu Asparn trafen folgende Direktiven 
des Erzherzogs ein: 

,,Euer Hoheit erhalten hiemit den Befehl, den Rückzug 
,,mit dem Ihren Befehlen unterstehenden Kavalleriekorps in 
„folgender Weise durchzuführen: 

,,Die drei schweren Kavalleriedivisionen sind gleich nach 
„Erhalt des Befehls zum Rückzug durch den Brückenkopf bei 
,,WieD, und zwar ausschließlich über die Stadlauer Brücke auf 
jjdie Simmeringer Heide zu instradieren, allwo dieselben im 
„Halbkreis von drei Meilen in die Entfernung von Wien, also 
„ungefähr innerhalb des Rayons Fischamend, Schwadorf, Trais- 
„kirchen und Münchendorf in enge Kantonieruug zu verlegen 
„und die Donau in dieser Strecke mittels kleiner Detachements 
„und stehenden Patrouillen, Zuhilfenahme vorhandener Wasser- 
,,fahrzeuge etc. etc. zu bewachen ist. 

,,Die leichte Division des GM. Baron Edelsheim ist anzu- 
„weisen^ unter Rücklassung der Brigade Oberst Appel, welche 
„die Bewachung der ganzen Strecke nunmehr zu übernehmen 
„und nur nach Maßgabe, als der Feind sehr drängt, den Rückzug 
,, durch den Brückenkopf und die Taborbrücke, Klosterneuburg 
,,nach TuUn anzutreten hat, mit zwei Brigaden den Marsch 
,, sogleich durch den Brückenkopf über die Taborbrücke nach 
,,Tulln anzutreten, wo ihr sodann im Verein mit Jägerabtei- 
,,lungen des 3. Armeekorps die strengste Bewachung der Donau- 
,^strecke von Krems bis Klosterneuburg — sowie die Patrouil- 
,,lierung von Krems aufwärts — obliegt. 

,,Es wird sodann diese Division vom Tage des Eintreffens 
,,in TuUn dem Kommando des 3. Armeekorps bis auf weiteren 
,, Befehl unterstellt. 

,,In bezug auf die Verpflegung ist sich unverzüglich mit 
„dem Landesgeneralkommando Wien ins Einvernehmen zu setzen. 

,, Brigade Mendel ist in Kenntnis zu setzen." 
Hieraus ist zu ersehen, daß das Armeeoberkommando beab- 
sichtigte, das Kavalleriekorps, gleichviel ob der Gegner drängte 
oder nicht, auf das Südufer der Donau zurückzunehmen. 



^) Yergl. hierüber „Die letzte Operation der Nordarmee" und „Die 
Donauverteidigung", 



131 

Prinz Holstein traf nun für diesen Marsch die in der folgendeo 
Tabelle zusammengefaßten Anordnungen: 



15. Juli 



16. Juli 



17. Juli 



1. leichte Kavdiv. 

1. schwere^) „ 

2. schwere 2) ., 



3. schwere „ 

Korpshauptquartier 



Stockerau 

Schrick 
Ladendorf 

Stockerau 
Ülrichskirchen 



Wien 

"Wolkers dorf 

L'lrichskirchen 

Lang Enzersdorf, 

Sirebersdorf 

Wien 



Wien 
Wien 

Wien 



Laxenburg 



Weiterinstradierung durch Landesgeneralkommando Wien (hin- 
sichtlich Hrigade Appel vide Befehl des Erzherzogs), Am 17. Juli haben 
die 1. schwere um 6° früh, die 2. schwere um 4° früh und die 3. schwere 
um 3*^ früh auf zubrechen. 3) Die Kolonnen magazine sind einen Tag voraus 
auf die Simmeringer Heide zu schicken. 



1) Das über Lundenburg — liohenau dirigierte Regiment hatte am 16. nach 
Stillfried zu reiten und sich am 17. .JuU seiner Division anzuschließen. 

-) Von der Arrieregarde in Laa war eine Eskadron auf der Straße über 
Eichenbrunn derart zurückzudisponieren, daß sie am 15. nach Ernstbrunn und am 
16. nach Harn annsdorf gelange. Zweck: Verbindung mit der 3. Division. 

3) Die Festsetzung dieser Aufbruchsstunden geschah wegen des Lberganges 
über die Stadlauer Brücken. 



Da die angeordneten Märsche im Durchschnitt entsprechend 
große Tagesleistungen verlangten, so war anzunehmen, daß die 
einzelnen Etappen ohne Behelligung durch den Gegner eingehalten 
werden konnten. 

In der Nacht zum 15. Juli, 1^^ traf in Asparn ein zweiter 
Befehl des Armeeoberkommandos ein. Hievon sind für das spätere 
Verhalten des Kavalleriekorps die folgenden Textstellen von Be- 
deutung: 

,,Das Korpskommando hat sogleich mit der in Lundenburg 
,, stehenden Brigade die Verbindung herzustellen und ihr noch 
,, heute eine Eskadron zuzusenden, welche erst nach Eintreffen 
,,der Brigade Mondel in Wien wieder zum Kavalleriekorps ein- 
,,zurücken hat. 

,,ü"m den Rückzug der obigen^) Kolonne zu protegieren, 
,,hat das Kavalleriekorps möglichst noch bis 16. in seiner 
,, gegenwärtigen Aufstellung standzuhalten und erst dann den 
., Rückmarsch in der bereits anbefohlenen Weise sukzessive, wenn 



^) Sächsische Kavalleriekolonne. 



132 

.,es das übermächtige Nachdrängen des Feindes gebietet, anzu- 

,, treten; wobei übrigens noch bemerkt wird, daß die Haupt- 

,,armee heute von Olmütz aufgebrochen ist und den 

,, Marsch nach Wien bewirkt."^) j 

Dieser Befehl enthielt eine wichtige prinzipielle Änderung 

gegenüber dem vorangegangenen. Das Kavalleriekorps war sonach 

in seinen Bewegungen wieder von der Vorrückung des Feindes 

abhängig gemacht worden. Die vorher ausgegebene Instradierung 

entsprach nicht mehr dem neu erhaltenen Auftrag. 

Der vom Prinzen Holstein sofort an die Divisionen geschickte 
Befehl, am 15. in der am Vortag eingenommenen Aufstellung zu 
verbleiben, traf zwei von ihnen bereits in der Fortsetzung der 
i^ewegung gegen Süden. 

XI. 
i Die Anlage der preußischen Operation gegen Lundenburg. i 



Eintreffen der Jn der Nacht vom 14. zum 15. Juli traf in Brunn der 

xhzncr der Hauptmann Mischke aus dem Hauptquartier der preußischen 
Nordarmee 2. Armee mit der Nachricht ein, ,,daß der größte Teil der 

aus Olmütz. I 



') Der erst nach Fertigstellung des Bandes: ,,Die letzte Operation der 
Nordarmee" entstandene Plan, in drei weiteren Bänden den noch fehlenden 
Teil der Operationen nach Königgrätz darzustellen, brachte es mit sich, dai3 
die Schilderung der ebenerwähnten Vorgänge bruchstückweise an mehreren 
Stellen der Gesamtschrift aufgenommen wurde. Zar Orientierung und um den 
Zusammenhang herzustellen, diene die nachstehende kurze Rekapitulation: 
FZM. Hitt. V. Benedek hatte am 11. Juli beabsichtig t.^ die sächsische Reiter- 
division, drei k. k. Ulanenregimenter und die Kavalleriebatterien der Armee- 
geschützreserve sowie einige Trains am 12. Juli über Prossnitz, Prödlitz, 
Czeicz, Eisgrub und Wolkersdorf nach Wien zu dirigieren. („Die kritischen 
Tage von Olmütz", Seite 39 und 40.) Diese später wieder abgeänderte Maß- 
nahme wurde durch ein Schreiben Benedeks an Crenneville in "Wien bekannt. 
Da das Vorgehen der Preui3en gegen Brunn diese Kolonne gefährdete, richtete 
das Kommando der operierenden Armeen an das Kommando der Nordarmee, 
an die sächsische Reiterdivision, an die Armeegeschützreserve und die Brigade 
Mondel, endlich an das Kavalleriekorps die Weisung, daß die fragliche Kolonne 
n,ach Osten abzubiegen, bei Göding die March zu überschreiten und den Marsch 
am linken Ufer fortzusetzen habe. Oberst Mondel erhielt schon am 14., 9" 
abends den Auftrag, sich mit der mehrerwähnten, hauptsächlich aus der 
sächsischen Reiterei bestehenden Kolonne in Verbindung zu setzen und die 
drei ersterwähnten Befehlsschreiben weiterzubefördern. Der an das Kavallerie- 
korps gerichtete Auftrag ist oben zitiert. Das Kommando der Nordarmee 
erhielt den Befehl am Gefechtsfeld von Tobitschau, ebenso langte dort die 



133 

österreichischen Streitkräfte aus Olmütz abgerückt und im Marsch 
auf Prerau sei".^) 

Diese Meldung kann nur mündlich erstattet worden sein, da 
in den Akten des Berliner Kriegsarchivs hierüber nichts vorliegt.-) 

Schließt man aber aas den Aufzeichnungen der Angehörigen 
des Stabes der 2. Armee — Tagebücher des Kronprinzen, Blumen- 
thals, Stosch' undYerdys auf die damals bestehenden Anschauungen, 
so dürfte das große Hauptquartier folgendes erfahren haben: 

Sehr beträchtliche Kräfte der österreichischen Xordarmee 
haben die Festung verlassen; am 14. zogen die letzten Staffeln vor 
der Front der 2. Armee vorüber.^) 

Hiedurch war eine gänzlich veränderte operative 
Lage geschaffen. 

Freilich hatte man die Notwendigkeit schon seit einigen 
Tagen erkannt, die Nordarmee von der Donau abzudrängen und 
ihre Vereinigung mit den sich dort sammelnden österreichischen 
Kräften unter allen Umständen zu hindern. Das Problem der Aus- 
führung dieses Gedankens unter den geändeiten Verhältnissen stellte 
Moltke indes vor eine Doktorfrage allerersten Ranges. Die nächsten 
Erwägungen mußten sich damit befassen, die wahrscheinlichste Aus- 
führung der von Benedek eingeleiteten Operation herauszufinden. 

Der Abmarsch der Nordarmee — auch nur mit Teilen — 
im Marchtal war mit Rücksicht auf die dem Gegner doch gewiß 
bekannte Situation der preußischen 1. Armee ein ungeheures 
Wagnis. 

Als westlichste Marschlinie für die Österreicher konnte, wenn 
sich Benedek dennoch hiezu entschloß, die Straße über Kremsier 
nach Ung. Hradisch am rechten, sodann weiter auf dem linken 
Marchufer über Holics in Betracht kommen. 

In Wirklichkeit war das in Olmütz entworfene Marschtableau 
noch weit waghalsiger, da man im Marchtal mit vier Korps in 

direkt an die Armeegeschützreserve gerichtete Ausfertigung ein. (.,Die kritischen 
Tage von Olmütz", Seite 123, 124-). Das Kommando der sächsischen Eeiter- 
division, welches unterdessen mit dem -4. Korps marschiert war, bekam den 
Befehl am 15. in Zdaunek. (,,Die letzte Operation der !Xordarmee'", Seite 27.) 

^) Militärische Korrespondenz. Krieg 1866. Seite 263. 

-) Eine an den G. d. I. Mischke. Jugendfreund Kaiser Friedrichs TIT ., 
gerichtete Anfrage traf den am 7. ^ärz 1906 verblichenen General bereits 
auf dem Sterbelager. Der wichtige Wortlaut seiner Meldung ließ sich daher 
nicht mehr feststellen. 

3) Bekanntlich verließ die letzte Staffel der Nordarmee Olmütz erst 
zwei Tage später. Vergl. ,.Die letzte Operation der Nordarmee''. IL 



134 

zwei Tagesstaffelii noch dazu bis Göding am rechten Ufei 
marschieren wollte. Der letztgenannte Ort war am 17. und 18. Juli 
von dieser endlos langen Kolonne zu durchziehen. 

Nach dem Bericht aus Konitz, dem Hauptquartier der 
2. Armee, ließ sich in Brunn mutmaßen, daß die Räumung von 
Olmütz mindestens schon am 13. begonnen hatte. Im Marchtal 
konnte alsdann die Tete der hier abrückenden Kolonne bis zum 
Abend des 15. bis Ung. Hradisch — war aber der Auf bruch schon 
am 12. erfolgt — bis Strassnitz gelangt sein.^) 

Zur Yerwehrung dieses Abzuges stand nun zunächst die 
preußische 1. Armee zu Verfügung. Es kam darauf an, gegen 
welchen Raum sie zu dirigieren war. 

Wünschenswert mußte es sein, den österreichischen Teten 
vorauszueilen, sich ihnen von Süden vorzulegen, um das Marchtal 
abzusperren. Die Situation der 1. Armee sowie der Zug der 
Kommunikationen wies als naheliegendste Maßnahme darauf hin, 
die Erreichung der Marchstrecke Landshut (bei Lunden- 
burg) — Göding anzustreben. Die Vorrückung der Armee in süd- 
östlicher Richtung war zweckmäßiger als eine scharfe Schwenkung 
gegen Osten, welche sich infolge minderwertigerer Kommunika- 
tionen nicht mit der wünschenswerten Schnelligkeit ausführen ließ. 
In beiden Fällen konnte sich der Gegner, wenn es ihm nicht ge- 
lungen war, die kritische Zone im Marchtal vor Ankunft der 
Preußen zu passieren, dem Zusammenstoß dadurch entziehen, daß 
er über die Karpaten auswich. Bei dem vorgeschlagenen Ver- 
fahren war indes die Wahrscheinlichkeit verringert, daß erhebliche 
Kräfte der Österreicher gegen Süden entkommen konnten, ebenso 
minderte sich der Zeitverlust im Falle eines Luftstoßes. 

Im großen Hauptquartier wußte man überdies aus der ein- 
gesendeten Disposition, daß die 1. Armee am 15. Juli früh 
den Vormarsch gegen Süden antreten werde. Gegenbefehle 
für eine rechtzeitige Schwenkung direkt nach Ost mußten zu spät 
kommen. 

Die Marchstrecke Landshut — Göding konnte in zwei Tag- 
märschen erreicht werden. War der Gegner schon am 12. auf- 
gebrochen und nur mit einer Tagesstaffel auf der am linken Ufer 
führenden Straße in sehr großen Etappen marschiert, dann konnte 
er aber auch bereits entwischt sein, wenn die 1. Armee am 17. Juli 
früh zur Marchforcierung schritt. 



^) Tagmärsche zu zirka 20 km vorausgesetzt. 



135 

Es handelt sich nun noch vom Standpunkt der preußischen 
Heeresleitung um Erwägung der Frage, wie sich das Kräfte- 
verhältnis bei einem möglicherweise stattfindenden Zusammenstoß 
stellen würde. 

Nahm man wieder den wahrscheinlichsten FaU an, daß nur 
eine Tages Staffel — also nach damaligen Ständen etwa zwei Korps, 
eventuell noch eine Kavalleriedivision — auf die bezeichnete Linie 
verwiesen war, so hatte diese Staffel einen Gefechtsstand von 
beiläufig 40.000 Mann, 2500 Reitern und 120 Geschützen. 

Die vier zunächst zur Hand befindlichen Divisionen (b., 6.. 7., 8.), 
dann die Kavalleriedivision Alvensleben der 1. Armee genügten 
sonach, um das numerische Gleichgewicht herzustellen. Wenn das 
in Olmütz am 13. Juli ausgegebene Marschtableau zur Ausführung 
gelangt wäre, so hätten die Preußen im Mai'chtal noch einen 
zweiten österreichischen Echelon zu bekämpfen gehabt. Alles kam 
dann darauf an, daß sich die 2. Armee im Rücken der abziehenden 
Nordarmee geltend machte und das von der 1. Armee noch er- 
übrigende 2. Korps rechtzeitig zur Stelle gebracht wurde. Ge- 
schickte, von keinen Zufälligkeiten durchkreuzte Disponierung 
vermochte dem kaiserlichen Heere auch in diesem Falle über- 
legene Kräfte entgegenzustellen. 

Ging somit die I.Armee mit der Kavalleriedivision und zwei 
Infanteriedivisionen über Klobouk gegen Göding. mit je einer 
Division über Bilowitz und Lundenburg. endlich mit dem 2. Korps 
über Auspitz vor, dann war man nicht nur bei dem ersterwähnten, 
fiir wahrscheinlich gehaltenen Verfahren dem Gegner gewachsen 
sondern auch bei der Eventualität, die sich aus der tatsächlichen 
Ausführung des Olmützer llarschtableaus ergeben hätte. 

Die weiteren Betrachtungen über das hier gestellte Problem 
mögen nach der Wiedergabe der von den Preußen getroffenen 
Anordnungen Platz finden. Hieraus werden auch die von obigen ab- 
weichenden Anschauungen des großen Hauptquartiers hervorgehen. 

Die von Moltke an die drei Armeekommanden gerichteten 
Direktiven sind in verschiedenen Ausfertigungen verfaßt: sie wurden 
der Einfachheit halber hier in eine einzige gleichlautende zu- 
sammengezogen : 

..Brunn, den 15. Juli 1866, 8"^ früh. 
..Nach einer in dieser Nacht eino^eo^ano-enen Meldung: der 
„Zweiten Armee ist der Feind von Olmütz abgerückt und teil- 
„weise oder ganz in Marsch auf Prerau.'' — — 



136 

Daß ein Marsch erheblicher Kräfte am rechten Ufer der March 
von Olmütz nach Kojetein, wie er tatsächlich stattfand, der Auf- 
merksamkeit der 2. Armee entgehen konnte, nahm Moltke somit 
gar nicht an. 

,,Die Erste Armee bedarf bei Brunn einer Unterstützung 
,, durch die Zweite nicht, deren Aufgabe noch jetzt ist, Olmütz 
,,zu beobachten und den weiteren Abzug des Gegners möglichst 
,,zu verzögern." 

Blumenthal schrieb als Randglosse zu dieser Textstelle: 
,,"Wenn er abgezogen ist, so kann der Abzug nicht verhindert 
werden." Moltke hatte aus der Ferne aber besser gesehen^); am 
14. Juli war eben nur die erste Tagesstaffel abgerückt. 

Moltkes Ablehnung einer Unterstützung der 1. Armee für ihr 

weiteres Vordringen gegen Süden ist die Antwort auf die von 

Blumenthal gemeldete Disponierung des Garde- und des 6. Korps 

nach Boskowitz und Lettowitz, statt nach Konitz und Gewitsch. 

,,Es wird demzufolge die Zweite Armee angewiesen, das 

,, Garde- und 6. Korps auf dem kürzesten Wege nach Olmütz 

,, heranzuziehen, die heute gegen Prossnitz heranrückenden 

„Korps aber in der Richtung auf Kremsier und Napajedl 

,,in Marsch zu setzen, um wieder Fühlung an den Feind zu 

,, gewinnen." . . 

,,Ist beides unmöglich, wird daher nicht geschehen," schrieb 
ßlumenthal im Ärger über die Durchkreuzung seiner Pläne mit 
dem Garde- und 6. Korps. Moltke wollte, daß die etwa im March- 
tal abziehenden österreichischen Kräfte von der 2. Armee im Rücken 
gefaßt und der über Lundenburg vorstoßenden 1. in die Arme ge- 
trieben werden sollten. 

Blumenthal hatte hingegen zwei Korps nach Brunn dirigiert, die 
nicht mehr rechtzeitig gegen Olmütz herangezogen werden konnten, 
was dem großen Hauptquartier unbekannt war. Sollte er nun mit 
zwei Korps March-abwärts vorrücken und die Festung unbeob- 
achtet hinter sich lassen, bis die beiden anderen Korps endlich 
herangekommen waren? 

,, Infolge der eingetretenen Verhältnisse werden die Erste 
,,und die Eibarmee, welche heute an der Thaya stehen, den 
,, bereits angetretenen Marsch auf Wien einstweilen aufgeben 
„müssen. 



^) Yergl. ,,Die kritischen Tage von Olmütz" hinsichtlich der Erfolge, 
welche der 2. Armee entgangen waren. 



13 



,,Die Erste Armee, welche heute mit der 8. Division bereits 
,,Gödingerreicht^j, wird sich morgen, den 16. d. M., gegen Lunden- 
,,burg konzentrieren, um dem Feinde den Rückzug na«h Wien 
,,wie nach Pressburg zu verlegen, eventuell, um ihn mit fünf 
,, Armeekorps anzugreifen."-; 

Der Ausdruck ,, Konzentrierung bei Lundenburg" ist gewiß 
nicht wörtlich zu nehmen. Hinsichtlich des einzuschlagenden Ver- 
fahrens ließ sich zur Zeit eben nur eine ganz allgemeine Direk- 
tive geben. 

Nach heutigen Anschauungen vermißt man bei der nur auf 
höchst ungewissen Grundlagen aufgebauten Operation einen Hin- 
weis darauf, die Kavallerie ausgiebig zu verwenden, wohl auch 
sich der Marchübergänge rechtzeitig zu versichern. 

Moltke scheint also, wie sich aus obigem ergibt, dennoch 
mit der Möglichkeit eines Abzuges der ganzen Nordarmee im 
]\Iarchtal gerechnet zu haben, weil er von der Absicht der Öster- 
reicher, den direkten Rückzug nach Wien erzwingen zu wollen, 
spricht. Eine solche Operation zum Gelingen zu führen, vermochte 
nur ein voller Schlachterfolg. Numerische und geographische Ver- 
hältnisse begünstigten dies keineswegs. 

Die Blumenthalschen Randglossen spendeten der beabsich- 
tigten Verwendung der 1. Armee ein lobendes ,,sehr gut", ohne 
daß aber der Generalstabschef selbst Anstrengungen zur Mitwirkung 
im Moltkeschen Sinne zu machen gewillt war. 

,,Zur Sicherung dieser Operation [der 1. Armee auf Lunden- 
,,burg] dirigiert sich die Eibarmee von Znaim aus über Laa nach 
,,Wilfersdorf und rekognosziert in der Richtung auf Wien. Im 
,, Falle, daß von dort feindliche Streitkräfte vorgehen sollten, 
,,wird die Eibarmee sich auf die Erste Armee zurückziehen und 
,,es wird sodann von den näheren Umständen abhängen, ob wir 
,,uns mit 6^2 Armeekorps^; g^geii die österreichische Nord- oder 
., Südarmee wenden." 

Hielt denn Moltke eine solche Offensive der Südarmee für 
möglich? Es ließen sich gegenteilige Aussprüche von ihm anführen."^; 



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Traf nicht zu. Brunn— Göding = 56 Im 


') 


1. Armee 


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Korps, 




2. , 




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1. Armee 




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Korps, 




2. ,. 




2 


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Eibarmee .... 




. i /2 „ 


') 


Vergl. Seite 112. 









138 

Freilich legen die Tatsachen Zeugenschaft dafür ab, daß der gleich 
unwahrscheinliche Abmarsch der Nordarmee im Marchtal wirklich 
in Olmütz geplant nnd Moltkes Rechnen mit allen überhaupt denk- 
baren Eventualitäten berechtigt war. 

Der Auftrag zum Linksabmarsch der Eibarmee, um sie zur 
Sicherung gegen Süden und gleichzeitig zur Mitwirkung an einer 
bevorstehenden Entscheidung heranzuziehen, entspricht den For- 
derungen der Lage. 

,,Die auf Kremsier und Napajedl dirigierten Korps der 
,, Zweiten Armee haben wie eine stark vorgeschobene Avantgarde 
.,der Ersten Armee zu operieren, sich mit dieser in Verbindung 
,,zu setzen und eventuell auf sie zu stützen." 

Blumenthal meint hiezu: „Ist wirklich nicht zu verstehen." 
,,Die Anordnungen über den 16. hinaus können mit Sicher- 
,,heit erst getroffen werden, wenn das Oberkommando der 
,,2. Armee an Ort und Stelle ermittelt haben wird, ob nur Teile 
,,oder die ganze Armee Olmütz verlassen hat, doch wird schon 
, .jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Eisenbahnlinie 
„Oderberg — Mhr. Weißkirchen — Lundenburg für unsere eigene 
,, Benützung von großer Wichtigkeit werden kann, daß dieselbe 
„daher nicht zu zerstören, sondern namentlich in Prerau mög- 
,, liehst gegen Unternehmungen von Olmütz her zu schützen 
,,und, wo sie unterbrochen, sofort wieder herzustellen ist. Die 
,,desfalls nötigen Befehle nach Oberschlesien wolle das Königliche 
„Oberkommando gefälligst erteilen." ^) 

Vollzog sich der Abmarsch einer Kolonne der Nordarmee am 
linken Marchufer, wie dies anfänglich im Kalkül als der wahrschein- 
lichste Fall hingestellt worden war, so mußte bei der 1. Armee mit 
einer Flußforcierung gerechnet werden. Da dies mit entsprechender 
Schnelligkeit zu geschehen hatte, erscheint es verwunderlich, daß 
Moltke die Aufmerksamkeit des Armeekommandos auf die not- 
wendigen Vorkehrungen nicht hinlenkte. 

Bei der Fülle der möglichen Fälle dürfte es der General- 
stabschef mit Bedacht unterlassen haben, um nicht vorgefaßte 
Meinungen zu erzeugen. 

Sicherlich mußte man in Brunn fühlen, daß man am Vorabend 
großer Ereignisse stand. Wohltuend berührt, daß trotz gespannter 
Lage kein treibender oder drängender Beisatz die ruhige Aus- 

^) Diesem Auftrag wurde durch Dirigierung des mit dem Infanterie- 
regiment Nr. 63 zu vereinigenden Detachements Knobelsdorff nach Grulich 
entsprochen. 



139 

führung der Befehle durch die empfangenden Stellen in eine die 
Überlegungsfrist kürzende Hast hineindrängt. 

Hauptmann Mischke, der Abgesandte der 2. Armee^ war am 
Abend des 14. Juli von Konitz abgegangen. Er konnte die über 
60 hn messende "Wegstrecke nach Brunn mit Rücksicht auf die 
Nacht kaum sonderlich schnell zurücklegen, traf sonach in den 
'Tsten Morgenstunden in Brunn ein. Befanden sich die eben be- 
sprochenen Dispositionen nicht vorbereitet in der Aktenmappe des 
Generalstabes, dann war die um 8 ^ früh erfolgende Ausgabe 
sicherlich eine Arbeitsleistung ersten Ranges. 

Unter den aufgefangenen österreichischen Aktenstücken befindet 
<ich im preußischen Kriegsarchiv auch die Disposition Benedeks vom 
11. Juli zum Abmarsch von Olmütz. (Ausfertigung an das sächsische 
Korps.) Daß sie Moltke damals vorgelegen hat, ist ausgeschlossen. 
Seine an die 2. Armee gerichteten Anordnungen bezeugen dies. 

XII. 

Die preußische 1. Armee und die drei schweren Reservekayallerie- 

divisionen am 15. Juli. 

Vom Könifi: waren zwei Rasttage bewilligt worden ^) ; die Dispositionen 

^ . . . ^ . des Prinzen 

Ablehnung des Vorschlages zu einer dreitägigen Waffenruhe scheint Friedrich Karl, 
indes die ungesäumte Wiederaufnahme der Operationen veranlaßt zu 
haben. Auf Grund der am 14. Jali im großen Hauptquartier aus- 
gegebenen Direktiven wurden an diesem Tage beim 1. Armee- 
kommando die folgenden Anordnungen getroffen. Bei dem für 
die Hauptkraft der Armee zur Zeit noch befohlenen Marsch gegen 
Süden hatte auf der Straße nach Nikolsburg die Avantgarde des 
Herzogs v. Mecklenburg vorauszugehen und sich des Thayaüber- 
ganges bei Muschau zu versichern, die 6. Division der Avantgarde 
bis Pohrlitz zu folgen. 

Dem rechten Armeeflügel voran, sollte das Kavalleriekorps mit 
allen vier Brigaden in der Richtung auf Grusbach und Dürnholz vor- 
rücken und die etwa nördlich des Jaispitzbaches und der Thaya befind- 
liche österreichische Kavallerie über diesen Abschnitt zurückwerfen.-) 

Das 2. Korps hatte den Raum Misslitz — Kromau — Hosterlitz 
zu erreichen. 



1) Yergl. Seite 113. 

2) Im Sinne von Prinz Albrechts Antrag. Yergl. Seite 125. Die Brigade 
Rheinbaben sollte erst nach Beendigung des Auftrages so bereitgestellt werden, 
daß sie dem 2. Korps am nächsten Tage als Avantgarde vorangehen konnte. 



140 

Der vorstellend angeführte Teil der Anordnungen des Prinzen 
Friedrich Karl blieb auch ungeändert, als infolge des Abmarsches 
der Nordarmee die neuen Weisungen aus dem groi3en Hauptquartier 
ergingen. 

Nach den ursprünglichen Direktiven vom 14. Juli sollte die 
1. Armee ein Detachement gegen Lundenburg dirigieren; der 
Prinz hatte hiezü die 7. Division bestimmt, welche am 15. mit der 
Tete bis G. Niemtschitz marschieren sollte. Außerdem war aber 
die 8. Division angewiesen, über Klobouk abzurücken und Göding 
am 16. zu erreichen.^) 

Die 5. Division hatte am 15. in Brunn zu bleiben. 

Als im Armeehauptquartier Moltkes Disposition von 8 ^ früh 
einlangte, wurde abändernd bestimmt, daß die 7. Division noch 
am 15. Juli mit der Tete Auspitz erreichen und die 5. Division 
statt des Easttages am Nachmittag von Brunn in den Eaum Turas, 
Sokolnitz, Satschan, Möuitz vorzurücken habe. In Brunn blieben 
zwei Bataillone als Besatzung zurück. 

Somit konnten im Laufe des 16. Juli nur drei preußische 
Divisionen in der Gegend von Lundenburg der angeblich March- 
abwärts rückenden Nordarmee entgegentreten. 

Da der 6. Division befohlen wurde, sich der Zwittawaüber- 
gänge bei G. Eaigern und Seelowitz zu versichern, dürfce die 
Absicht bestanden haben, äußerstenfalls auch diese Division gegen 
Lundenburg heranzuziehen. 

Immerhin leuchtet durch die Anordnungen des Prinzen Frie- 
drich Karl hindurch, daß er den Abmarsch erheblicher Kräfte des 
Gegners im Marchtal nicht für allzu wahrscheinlich hielt. Die Tat- 
sachen gaben ihm Eecht. 

Die von ihm erlassene Weisung, die Bahn Lundenburg — 
Olmütz nicht zu zerstören, scheint nicht an ihre Adresse gelangt 
zu sein. ^) 

Der Vormarsch Die Avantgarde des Herzogs V. Mecklenburg brach um 5^ früh 

der preußi- ^^^^ q.^ Eai2:ern ^) auf und erreichte über Pohrlitz um die Mittags- 

schen Avant- o / <^ 



garde des 

Mecklenburg' ^^ Letzteres vermutlich auf Grund mündlicher Vereinbarungen in Brunn, 

da die Direktiven des großen Hauptquartiers vom 14. hierüber nichts vor- 
schrieben. 

2) Diese Bahnstrecke wurde am 15. bei Göding vom Detachement Langer- 
mann unterbrochen. 

^) Marschordnung: Avantgarde: ül. 11, F/18, eine Batterie. — Gros: 
3 E/2. G. Dr., Hus. 8, Dr. 2 (über Befehl des Prinzen Friedrich Karl von der 



141 

stunde die Thaya, wo infolge der abgebrannten Brücke die weitere 
Vorrückung gehemmt war. 

Am jenseitigen Ufer zeigten sich kaiserliche Ulanenpatrouillen, 
hinter ihnen auch eine geschlossene Reiterabteilung in der Stärke 
von zwei Zügen. 

Die Pionierzüge der preußischen Infanterie schritten alsbald 
an die Arbeit, um den Übergang zu ermöglichen. Die neben der 
Brücke durch die Thaya führende Furt wiurde durch Entfernung 
einer großen Anzahl von Eggen, welche auf den Flußgrund gelegt 
worden waren, praktikabel gemacht. Vorher hatten einzelne, stärkere 
Patrouillen des I. E. Nr. 60 die Thaya nach Zirrücklassung ihrer 
Monturen, fast nur mit Gewehr und Mimition versehen, übersetzt 
und durch ihr Feuer die österreichischen Ulanenpatrouillen vom 
Ufer vertrieben. 

Um 4 ^^ nachmittags durchfurtete die preußische Eskadron 
2/Ul. 11 den Fluß, sie sollte gegen Xikolsburg rekognoszieren imd 
in Bergen und U. Tanno'^'itz fouragieren. 

Die Ulanen drangen in steter Fühlung mit dem Gegner unter 
tbrtgesetzten Plänkeleien, unterstützt durch die ihnen trotz ihrer 
primitiven Adjustierung zur Seite bleibenden Patrouillen der 60er, 
allmähHch bis an den Südrand von Xikolsburg vor. 

Unterdessen hatten die Infanteriepioniere bei Muschau unter 
Benützung der teilweise stehen gebhebenen Brückenjoche Lauf- 
stege hergestellt, so daß noch vor Eintritt der Dunkelheit die rest- 
lichen 3 E/Ul. 11 imd die Bataillone F/18 und F 48 auf das süd- 
liche Ufer übergehen konnten. Die letzteren sicherten die Über- 
gangsstelle durch Vorposten in großem Bogen von Guldenfurt über 
U. Tannowitz, Bergen gegen U. Wistemitz. 

Von der 6. Division wurde die Pionierkompagnie 3/3 nach 
Muschau vordisponiert, welche am 16. in der Zeit von 3^ früh bis 
10" vormittags eine Notbrücke über die Thaya herstellte. 

Das Kavalleriekorps des Prinzen Albrecht hatte westlich Pohr- Das preußische 
litz um 8 ^ früh treffenweise bereitzustehen. Man beabsichtigte eine korps. 
Vorrückung der beiden Divisionen in Gefechtsformation im engsten 
Einklang durchzuführen, schien also ernsten Widerstand voraus- 
zusetzen. An Aufklärtmgsmaßnahmen dürfte niemand gedacht 
haben. 



G. Division zur Verfügung gestellt), eine Batterie, I.R. 60, F/48, Jg. 4 (3 Kom- 
pagnien), 1 E/2 G. Dr., eine Batterie. Sanitätsanstalt, Trains. 1 Kompagnie 
Jg. 4. — Zusammen 6 Bataillone, 16 Eskadronen, 3 Batterien. 



142 



Nachtruhe- 
Stellung der 
1. Armee, 



Die in das zweite Treffen bestimmte Division Hann traf zu- 
erst ein, das Einlangen der Division Alvensleben verzögerte sich 
so lange, daß die erstere um 8 ^^ früh Befehl erhielt, allein über 
Wostitz gegen die Strecke Dürnholz — Grusbach vorzugehen. Dies 
geschah; die Brigade Goltz erhielt die Richtung auf Dürnholz, 
die Brigade Bismarck auf Grusbach. 

Die endlich eingelangte Division Alvensleben folgte im zweiten 
Treffen. 

Die Brücke bei Dürnholz war zerstört; ihre augenbhckliche 
Herstellung wurde dem Bürgermeister bei schwerer Strafe an- 
befohlen. Der Übergang bei Grusbach über den Jaispitzbach 
erwies sich unversehrt. Bei ersterem Orte durchfurtete die Eska- 
dron 1/Kür. 2 die Tliaya und ritt bis Guttenfeld vor, wo sie an- 
fangs Vorposten aufstellen sollte. Die Verbindung mit der am 
südlichen Ufer befindlichen Kavallerie der Avantgarde Mecklenburg 
wurde hergestellt, mit österreichischen Ulanenpatrouillen kam es 
wiederholt zu kleineren Scharmützeln. Die Eskadron ging am 
Abend infolge eines mißverstandenen Befehles wieder gegen Dürn- 
holz zurück und stellte am Südufer knapp vor der wieder benutzbar 
gemachten Brücke Vorposten auf. 

Über den Feind hatte man erfahren, daß in Nikolsburg 
70 Ulanen, 3 Eskadronen Kürassiere und ein österreichischer Fuhren- 
park stünden. ^) Das Kavalleriekorps nächtigte im Räume Jrritz, 
Moskowitz, Grusbach ^), Dürnholz. 

Die am Abend des 15. Juli von der preußischen 1. Armee 
eingenommene Nächtigungssituation ist aus „Die letzte Operation 
der Nordarmee", Beilage 1 zu entnehmen. ^) 

^) Traf nicht zu. 

^) Zwei Geschütze waren hier an den südlichen Ortseingang vorgezogen, 

2) Über die Vorgänge bei der 5., 7. und 8. Division, dann beim Zer- 
störungsdetachement Langermann orientiert Kapitel IV des bezeichneten Bandes. 
Erst bei dem vorliegenden Bande war es nach langwieriger Arbeit im Berliner 
Kriegsarchiv möglich, nnter Zuhilfenahme der Kriegstagebücher sämtlicher 
Truppenkörper die täglichen Nächtigungsräume festzustellen. In den hier bei- 
liegenden Oleaten sind die Kantonnementsgrenzen der Armeekörper mit voller 
Genauigkeit enthalten. 

Um die unwesentlichen Abweichungen gegenüber der obbezeichneten 
Beüage richtigzustellen, folgt hier die Angabe der Kantonnements : 

2. Korps. Dobrzinsko, Kromau, ßakschitz, Eibnik, Weimisslitz, Dobelitz, 
Petrowitz, Lissnitz, Bochtitz, Wolframitz, D. Knönitz, Aschmeritz, Socherl, 
Wenzelsdorf, MissHtz, Nispitz, Moratitz, Chlupitz, Hosterlitz, Kaschnitzfeld, 
Mausdorf, G. Olkowitz, Tesswitz an der Wiese. 



143 
Das Yordrino-en der preußischen Avauto-arde ^leckleuburö; ^'® öster- 

^ ^ ^ . ^ ... ° reicläsche Di- 

beeinflußte zunächst das Verhalten der 1. schweren Division. vision Soims. 

Nach der Disposition des Korpskommandos sollte Prinz Solms 
am 15. nach AVilfersdorf ^; zurückgehen und eine Avantgarde in 
Poisdorf zurücklassen. 

Die Division war schon vom Lagerplatz in Poisdorf abmar- 
schiert, als der abändernde Befehl des Prinzen Holstein einlangte. ^ ' 
Das kaum verlassene Biwak wurde nun wieder bezogen; TTl. 8 an 
die Thaya vorgeschickt, wo drei Eskadronen an der Flußstrecke 
U. Wistemitz — Dürnholz Vorposten bezogen, zwei als Reserve in 
Drasenhofen Aufstellung nahmen. 

Da über die Thaya hinüber keine Patrouillen ausgeschickt 
wurden, verging der Vormittag in völhger Ruhe. Prinz Solms 
meldete sogar die Vermutung an das Korpskommando : ..Alles 
scheint die Direktion nach Znaim genommen zu haben.'' 

Der Prinz sah sich außerdem veranlaßt, über den Zustand 
seiner Division freimütig Bericht zu erstatten, „damit nicht in 



5. Division. Turas, Sükolnitz, Aujezd, Telnitz, Otmarau. Mönitz. 
Trebomislitz, Satschan. 

6. Division. Prahlitz, K. Xiemtschitz. Kuprowitz, Mödlau. Malspitz, 
Odrowitz, ]\Jobleis, Pohrlitz, Schömitz. Gubschitz, Frainspitz. 

7. Division. Hunkowitz, Schabschitz, Xuslau, Prisnotitz, G. Xiem- 
tschitz, Branowitz^ Auerschitz, G. Steurowitz, Auspitz. 

8. Division. Biwak bei Klobouk. 

Kavalleriekorps. Damitz. Irritz. Treskowitz, Wostitz. Leipertitz. 
Moskowitz, Schakwitz, Frisch au, Probitz, Grusbach, Dürnholz. 

Avantgarde Mecklenburg. Pausram, "^eißstätten, Muschau, U.Wister- 
nitz, Bergen, U. Tannowitz 

Eeserveartilleiie der 1. Armee. G. Eaiorern. Holasitz. Sobotowitz. 
Wojkowitz, Seelowitz. 

Avantgarde der Eibarmee in Jetzelsdorf, Kailendorf und K. Tajax, 
ein rechtes Seitendetachement in Gnadlersdorf und ßetz mit Vorposten in 
0. und ü. Nalb. 

14. Division. Edmitz, G. Maispitz, Pöltenberg, Znaim, K. Tesswitz, 
Alt Schallersdorf, Xeu Schallersdorf mit einem rechten Seitendetachement in 
Hardegg und Frain. 

15. Division und Kavalleriebrigade Kotze. "Wisch enau, Xiklovritz. 
0. Danowitz, Moratitz. 

16. Division. AVainitz, G. Olkowitz, Prossmeritz, Töstitz, Panditz, 
Tesswitz an der Wiese, Pratsch, Lechwitz, 

ßeserveartillerie. Platsch, Winau, Mramotitz, Brenditz. 
^; Seite 123. Die am 14. abends in Asparn verfaßte Disposition — 
Seite 131 — schrieb Schrick vor, war aber noch nicht zur Division gelangt. 
2) Vergl. Seite 132. 



146 

Vor der Front der 2. Division, deren Hauptkraft im Biwak 
bei Asparn vereinigt blieb, war alles ruhig; von Landleuten erfuhr 
man, daß sich der Feind gegen 0. HoUabrunn gewendet habe. 

Der Kanonendonner des Gefechtes bei Jetzelsdorf wurde in 
den Vormittagsstunden bei den Vorposten der Division Zaitsek 
ebenso gehört, wie im Stabsquartier der preußischen Division 
Alvensleben in Wostritz. 



Die 3. schwere 
Division. 



Die Division Coudenhove erhielt den Befehl des Korps- 
kommandos zum Verbleiben in Enzersdorf i. T. ebenfalls rechtzeitig. 

Auf den aus der Gegend südlich Znaim herüb erschallenden 
Gefechtslärm wurde Kür. 8 nach Eggendorf i. T. detachiert und 
sollte gegen AVest und Nordwest patrouillieren. 

Über eine bei G. Harras stattgefundene Begegnung mit dem 
Feinde berichten nur österreichische Quellen. Demnach wären 
gegen 6 ^ abends zwei feindhche Kavallerieregimenter — Husaren 
und Ulanen — aus " der Gegend von Hadres vorgerückt. 

Einer kaiserlichen Eskadron von Kür. 12, welche um stärker 
zu erscheinen, in ein Glied aufmarschierte, soll es gelungen sein, 
den Gegner hiedurch zu täuschen und zur Umkehr zu bewegen, 
als auch die restlichen Eskadronen des Regiments herangekommen 
waren. ^) 

Das ganze Kür. 1 2 ging hierauf nach Kammersdorf zurück. 



xni. 

Das GJefecht bei Jetzelsdorf. 

Die Dispösitio- General V. Herwarth hatte für den 15. das Vorgehen der 

armee^für den Avantgarde Schölcr mit dem Gros nach Kaliendorf, mit einem 

15. Jaii. rechten Seitendetachement über Gnadlersdorf und ßetz, angeordnet. 

Die 14. Division sollte nach Znaim, ein rechtes Seitendetachement 

derselben^) nach Hardegg marschieren und den Übergang bei Fr ain 



^) Hierüber ist in den preußischen Feldakten nichts aufzufinden. 

2) Dieses Seitendetachement war schon am 13. in Jarmeritz zusammen- 
getreten, weil sich die Nachricht von dem Auftauchen feindlicher Kavallerie 
in der rechten Flanke der Armee verbreitet hatte. Kommandant war Oberst 
Schwarz, dem an Truppen das von ihm befehligte I.E. 16, 2 E/Ul. 5 und eine 
Batterie beigegeben wurden. Das Detachement stand am 14. in Jaispitz. In 
Hardegg und Frain waren die Thayaübergänge von der Brigade Fratricsevics 
zerstört, weshalb zur Nächtigung nur die Infanterie auf das südliche Ufer 
überging. Dort fand man noch die von den Savoyen-Dragonern hergestellten 
Kochlöchev. 



Karte zum Gefecht bei Jetzelsdorf am 15. Juli. 








Mafsstab 1:75.000 



— I — 

1000 



lODooScnntte 



147 

beobachten, der 16. Division war Lechwitz, der 15. Division und der 
Reservekavalleriebrigade Niklowitz und 0. Danowitz, der Reserve- 
artillerie die Gegend nördlich Znaim als Marschziel zugewiesen. 

Die unterlassene Begrenzung der Bewegungsräume für die 
Armeen führte beim Einlangen in die gewählten Unterkunfts- 
bereiche zu Kollisionen der 15. und 16. Division mit dem 
2. Korps bei Moratitz, beziehungsweise Tesswitz a. d. Wiese und 
G. Olkowitz.i) 

Das Hauptquartier der Eibarmee gelangte nach Znaim. Dort 
traf um 3^ nachmittags ein Feldjäger mit den am 14. in Brunn 
verfaßten Direktiven ein. Dieser nahm sodann einen Bericht des '' 

Armeekommandos in das große Hauptquartier mit, nach welchem 
man in Znaim aus unverbürgten, von Reisenden übermittelten 
Gerüchten erfahren habe, daß die österreichische Armee den Bahn- 
transport von Olmütz nach Wien per Eisenbahn begonnen hätte. 
Das Armeekommando bezeichnete die Wiederherstellung der tele- 
graphischen Verbindung zwischen Brunn und Znaim als sehr 
wünschenswert. 

GM. Freiherr v. Edelsheim hatte im Schlosse Schönbom Dispositionen 
am rJachmittag des 14. lür den folgenden lag den Abmarsch der herrn v. Edeia- 
Brigaden Appel und Fratricsevics für 5", beziehungsweise 5^^ früh heim, 
angesetzt. Das Divisionskommando beabsichtigte, mit diesen beiden 
Brigaden über Stocker.au nach Korneuburg zu marschieren; die 
Brigade WaUis hatte bis 0. Hollabrunn zurückzugehen und die 
Fühlung mit dem Feinde aufrechtzuerhalten. 

Oberst Graf W^allis ordnete hierauf an, daß Dr. 1 den Dienst 
in erster Linie zu übernehmen^), hiezu mit dem Gros in Gunfcersdorf 
stehen zu bleiben und leichte Vorposten auf den Höhen nördlich 
dieses Ortes zwischen Mailberg und Roselsdorf aufzustellen habe. 
Patrouillen . waren um 5 ^ fi:üh gegen Seefeld, Haid und Retz ab- 
zufertigen. 

Hus. 10 sollte seine Vorposten derart einziehen, daß es um 
8 ^ früh von Jetzelsdorf und Zellerndorf nach Guntersdorf abrücken 
und von dort mit der Batterie nach 0. Hollabrunn weitermarschieren 
konnte. 



^) In G. Olkowitz befanden sich im Kantonnement und Ortschaftslager: 
von der Eibarmee ein Bataillon des I. E. Nr. 34 der 16. Division, von der 
1. Armee das Bataillon 11/14 der 3. Division. 

2) In der Nacht befanden sich 1, 2/Hus. 10 in Zellerndorf und 4, 5, 6/Hus. 10 
in Jetzelsdorf, Beobachtungslinie Seefeld — Retz. 

10* 



148 

Am Morgen des 15. erhielt der Brigadier vom Divisionär die 
Ermächtigung, mit seinem Gros eventuell bis Göllersdorf zurück- 
zugehen. 

Das Gefecht Die prcußischc Avantgarde Schöler hatte um 6 ^ früh 

eijetzeisdorf. ^^^ Yorrückung von der Thaya angetreten; die zerstörte Brücke 

bei Oblas war durch eine Kriegsbrücke ersetzt worden. 

Der Vormarsch erfolgte in zwei Kolonnen. 

Auf der nach Kailendorf führenden Chaussee ging zunächst 
GM. Graf v. d. Goltz mit seiner durch 2 Bataillone ^) und 2 Batterien 
verstärkten Brigade — 2, 4, 5/Hus. 11 als Vortrupp — voran, ihm 
folgte General v. Schöler mit 3 Bataillonen^), 3 Eskadronen ^) und 
2 Batterien; als Seitendetachement war Oberstleutnant v. Kobhnski 
mit 2 Bataillonen^) mid 1 Eskadron^) über Gnadlersdorf gegen 
Retz dirigiert. 

Um 8 ^^ früh traf in Guntersdorf bei Oberst Graf Wallis eine 
um 6 ^ früh abgesendete Meldung des Obersten v. Jäger, Kom- 
mandant von Hus. 10, ein, daß eine feindliche Infanteriebrigade 
mit einer Eskadron über Kailendorf vorrücke, der Oberst daher 
den Rückzug angetreten habe. 

Der Brigadier entschloß sich, dem Gegner auf den 
hiefür vorzüglich geeigneten Höhen zwischen Jetzelsdorf 
und Guntersdorf vorübergehenden Widerstand zu leisten, 
um dessen Vorrückung zu verzögern. 

Die halbe Brigadebatterie fuhr im Trab dahin zurück, die 
zur Ablösung der Husaren vorausgegangenen Eskadronen V2 3. und 
6 /Dr. 1 bildeten ihre Bedeckung. In der Brigaderelation wird die 
Verwendung von nur IV2 Eskadronen und V2 Batterie damit 
motiviert, ,,die infolge der vorausgegangenen Strapazen sehr her- 
genommene Truppe nicht mehr als erforderhch anzustrengen". 

Die im Lager bei Guntersdorf zurückbleibenden 3^/2 E/Dr. 1 
und V2 Batterie wurden angewiesen, sich auch bei demnächst 
hörbarem Gefechtslärm eines unterstützenden Eingreifens zu ent- 
halten. 

Hierauf bestieg Oberst Graf Wallis mit den Offizieren seines 
Stabes einen Wagen und fuhr nach den etwa 5000 Schritte 
nördhch des Lagers gelegenen Höhen. Die seltsame Erscheinung, 

') um, 11/56. 

'') 1/40, F/69, Jg. 8. 

^) ^) Des schweren pommerschen Landwelirreiterregiments, 

*) F/17, F/28. 



149 

daß ein Kavalleriefülirer sich in dieser Art zm Übemalinie der 
Gefechtsleitung anschickte, ist dadurch erklärt, daß sämtliche nicht 
für den augenblicklichen Gebrauch bestimmten Reitpferde zeitlich 
früh mit dem Train abgesendet worden waren und man das eine 
noch zurückbehaltene für weitere Tagesleistungen schonen wollte. 
Es konnte übrigens auch vorausgesetzt werden, daß man im Verlauf 
der eben eingeleiteten Aktion die Straße nicht verlassen würde. 

Die Halbbatterie fuhr in den Weingärten links der Straße, 
etwa in der Höhe von Bildstock 267^) auf, die IV2 Dragoner- 
eskadronen hielten sich links rückwärts. Der Brigadestab blieb 
auf der Straße. 

Ton den Preußen-Husaren war am Morgen die 1. Eskadron 
bis Kailendorf vorgesendet worden. Sie empfing die an der Spitze 
der Brigade Goltz vorgehende Eskadron 2/Hus. 11 mit aus dem 
Sattel abgegebenem Feuer. Die Plänkeleien dauerten eine Zeitlang 
fort. Als die feindlichen Husaren -zur Attacke ansetzten, zog sich 
Eittmeister Freiherr v. Mladota zurück. 

Die abrückenden Eskadronen von Hus. 10 passierten die Höhen 
südlich Jetzelsdorf zur selben Zeit, als dort die halbe Brigade- 
batterie ihre Geschütze postierte. Bei Jetzelsdorf blieb nur der 
4. Zug der Eskadron 6/Hus. 10 unter Oberleutnant Freiherrn v. Geramb 
zurück. 

Es war 9^ vormittags. 

Vom Standpunkt des österreichischen Brigadekommandos sah 
man zur Zeit eben die Kolonne des preußischen Generals v. d. Goltz 
auf den Höhen auftauchen imd deren Tete sich dann auf der 
Serpentinenstraße gegen Jetzelsdorf herabsenken. Die Eröffnung des 
Artilleriefeuers über 4000 Schritte versprach noch keinen Erfolg. 

Nach den bis 10^*^ auf österreichischer Seite angestellten Be- 
obachtungen gewann man die ITberzeugung. daß sich eine preußische 
Kavalleriebrigade. 5 Bataillone Infanterie und 2 Batterien im 
Anmarsch befanden. 

Offenbar vermutete der Gegner, der übrigens sein Marschziel 
bereits erreicht hatte, beim AnbHck des ansehnlichen Höhenzuges 
Schaf holz — Johannes B. und bei dem kühnen Auftreten des nächst 
Jetzelsdorf zurückgelassenen Husarenzuges, daß stärkere öster- 
reichische KJräfte in der Nähe sein müßten. Seine Bewegung kam ins 
Stocken. Die Reiterkolonne hielt auf der Serpentinenstraße, während 
die vorgezogene Infanterie alsbald im Orte verschwand. 



^) Siehe Textskizze. 



150 

Der Husarenzug Geramb. bei welchem sich auch eine Dragoner- 
patrouille befand, zog sich jetzt westHch der Chaussee gegen die 
eigene Geschützstellung zurück, die preußische Eskadron 2/Hus. 11 
folgte scharf nach. 

In diesem Augenblick schwenkte Oberleutnant Freiherr v. 
Geramb derart ab, daß die Schußlinie für die eigene Artillerie 
frei wurde. 

Vier Granaten sausten alsbald gegen die feindliche Eskadron, 
die unter Zurücklassung von zwei Schwerverwundeten rasch wieder 
in Jetzelsdorf verschwand. 

Etwa eine halbe Stunde verstrich : während dieser Zeit gelang 
es den Preußen, die beiden Verwundeten nach dem Orte zurück- 
zuschaffen. 

Wie aus dem Gefechtsbericht der Brigade Wallis hervorgeht, 
war die preußische Kavalleriebrigade inzwischen nördhch des 
Pulkau-B. aufmarschiert, auf den jenseitigen Höhen war feindliche 
Infanterie, auf vier Bataillone geschätzt, sichtbar geworden. Auch 
das Gros der Avantgarde scheint sonach zur Unterstützung des 
Vortrupps vorgezogen worden zu sein. 

2, 4, 5/Hus. 11 brachen nun neuerdings östlich der Chaussee 
aus dem Dorfe hervor, mußten aber vor dem Feuer der öster- 
reichischen Halbbatterie abermals hinter die deckenden Häuser 
zurückweichen. 

Mittlerweile vermochten die Preußen, wenn auch nicht ohne 
Schwierigkeiten, die Batterie Pilgrim knapp nördhch Jetzelsdorf 
zu placieren. Das Feuer der beiderseitigen i^rtillerie hatte jedoch 
wegen der großen Entfernung wenig Erfolg. ^) 

Oberst Graf Wallis, von dem erreichten Resultat befriedigt, 
befahl um die Mittagsstunde den Abmarsch der auf den Höhen 
befindlichen kaiserhchen Abteilungen. 

Bei Jetzelsdorf erhob sich alsbald eine starke Staubwolke, 
welche den Aufmarsch der feindlichen Kavallerie am Südhang des 
Pulkautales teilweise verhüllte. 

Die preußische Eskadron 2/Hus. 11 folgte den Österreichern 
und bezog Vorposten auf den von der Artillerie verlassenen 
Höhen. 

Die Truppen des Generals Graf y, d. Goltz biwakierten bei 
Jetzelsdorf, das Gros der Avantgarde nächtigte in KaUendorf und 

^) Die österreichische Halbbatterie verfeuerte im ganzen 23 Granaten. 
Die österreichische Eskadron 6.'Dr. 1 verlor durch das feindliche Geschützfeuer 
zwei Pferde. 



151 

K. Tajax, encllicli das rechte SeitendetaclierQent in ßetz luid 
Gnadlersdorf mit Vorposten in der Linie 0. und ü. Xalb. 

Auf österreicliisclier Seite hielten sich die Savoyen-Dragoner 
bei Guntersdorf noch durch einige Zeit bereit, dem weiteren Vor- 
dringen des Feindes entgegenzutreten. Am Abend bezogen die 1. und 
2. Eskadron nördhch Grund mit detachierten Zügen in Wullersdorf 
und 0. Stinkenbrunn Vorposten, der Eest des Eegiments lagerte bei 
Schöngrabern, die Hauptki^aft der Brigade südlich 0. Hollabrunn. 

Oberst Graf Wallis schätzte den ihm gegenübergestandenen 
Gegner auf 7 Bataillone, 10 Eskadronen, 1 bis 2 Batterien. 

Durch das Ausharren auf der Höhe südlich Jetzelsdorf wurde 
leider nicht mehr erreicht, als daß die Preußen verspätet in ihre 
Biwaks und Unterklmfte gelangten, da am Pulkau B. die feindliche 
Avantgarde bereits ihr vorgeschriebenes Marschziel erreicht hatte. 
Diesem Umstände mag wohl zum Teil ihr zögerndes Vorgehen zu- 
geschrieben werden. 

Die Patrouillentätigkeit der Savoyen-Dragoner am 15. Juli 
war mustergültig.^) Die auf Eetz dirigierte Unter offizierspatrouille 
stellte den Vormarsch des rechten Seitendetachements der Kolonne 
Schöler fest, in Zellemdorf bestand sie mehrere Scharmützel mit 
einem preußischen Eequisitionskommando von Hus. 7. Eine andere 
Patrouille hatte in Haugsdorf westphälische Husaren überfallen: in 
Eausenbruck glückte ein gleicher Streich gegenüber einer Patrouille 
von Ul. 5.-) 

Koch in der Xacht schlich sich eine kleine österreichische 
Patrouille von Grund über Guntersdorf bis zu dem auf den vor- 
liegenden Höhen lodernden preußischen AVachtfeuer und alarmierte 
die feindlichen Vorposten. 

Zur Zeit, als die Brigade Fratricsevics in Stockerau rastete. Vorgänge bei 
ritt ein Generalstabsoffizier der 3. schweren Division durch die 
Stadt, welcher die Weisung des Kavalleriekorps an die Division 
Edelsheim übermitteln sollte, am 15, in 0. Hollabrunn stehen zu 
bleiben. Da bis zur Beendigung der Rast kein Gegenbefehl erfolgte, 
marschierte die Brigade Fratricsevics weiter. 

In den Komeuburger Auen bezog die Hauptkraft der 1. leichten 
Division ein Lager. Das Divisionsstabsquartier befand sich in der Stadt. 



der Haupt- 
kraft der 
Division 

Edelsheim. 



^) Die Savoyen-Dragoner hatten 7 Gefangene eingebracht, 
2) Divisionskavallerie der preui3ischen 16. Division. Hierüber fehlt eine 
Bestätigung in den österreichischen Berichten. Die Regimentsgeschichte von 
Ul. 5 bezeichnet den Gegner als jy'VVindisch-Graetz-Dragoner''. 



152 

Hier langten nun die Befehle des Korpskomniandos ein, 
wovon der erste vorsclirieb, daß die Division am 15. nach Stockerau 
gelangen, der zweite, daß sie in 0. Hollabrunn bleiben sollte. 

GM. Freiherr v. Edelsheim war auf Grund des Kriegsmini- 
sterialerlasses ^) bis Korneuburg zurückgegangen, die neuen Befehle 
des Korpskomniandos erregten Verstimmung im Stabe der Division, 
da auf Grund der "Weisungen des Kriegsministeriums die Fülilung 
mit dem Feinde aufgegeben wurde, während nunmehr das Gegenteil 
verlangt ward. Aus dem Schreiben des Divisionärs an das Kaval- 
leriekorpskommando ist bemerkenswert: 

,,Ich erlaube mir, hier aufmerksam zu machen, daß, 
,.wenn ich meine Arrieregarde bestimmten Befehlen 
„gemäß, an einen Ort zurückdisponieren muß, ohne 
„Rücksicht, ob der Feind drückt oder nicht, es mir un- 
,, möglich ist, die Fühlung zu erhalten, ohne die Truppe 
,, durch Anstrengung zu Grunde zu richten". 

Das Korpskommando antwortete unter Erklärung der Ursachen 
seiner widersprechenden Befehle mit der Bestimmung, daß die 
Division am 16. in Korneuburg zubleiben und am 17. nach "Wien 
abzurücken habe. 

Edelsheim hatte schon am Nachmittag des 14. seinen General- 
stabschef, Major Freiherrn v. Waldstätten, nach Wien geschickt, 
um beim Kommando der operierenden Armeen die Bitte vorzu- 
bringen, „der Division vor dem Abmarsch ins Tullnerfeld ein bis zwei 
Rasttage zu bewilligen, damit es möglich werde, durch die Ressourcen 
der Hauptstadt die verschiedenen Schäden an der Bekleidung und 
Ausrüstung, vorzüglich aber den Hufbeschlag herzustellen". 2) 

Der Major wurde um 7^ früh des 15. vom FML. John, dann 
auch vom Erzherzog Albrecht empfangen und konnte um 12^^ 
nachmittags die getroffenen Verfügungen nach Korneuburg tele- 
graphieren. Die Brigade Appel sollte bei Lang Enzersdorf am nörd- 
lichen Donauufer bleiben und leichte Fühlung mit dem Gegner 
nehmen, die Brigade Fratricsevics am 16., die Brigade Wallis am 
17. in Wien einrücken. -^j 



1) Vergl. Seite 116. 
-) Waldstätten. 

2) Edelsheim hatte vergeblich gebeten, die Bestimmung der Brigaden 
Appel und Wallis wechseln zu dürfen. Der Tag ist übrigens ausgefüllt mit 
einer Menge sich kreuzender Anordnungen und Anträge, von denen hier 
nur das Wesentlichste aufgenommen wurde. 



153 



Schon frülier, um 10 ^ vormittags, Latte der Divisionär an 
das Kommando der operierenden Armeen telegrapliiert, ob den 
"Weisungen des Kavalleriekorps zum Eückmarscli nach. 0. Holla- 
brunn Folge zu leisten sei. 

Um 6'^'^ abends kam ein, die Meldung Waldstättens be- 
stätigendes Telegramm des Kommandos der 02)erierenden Armeen 
in Komeuburg an, später ein schi-iftlicher, auch an das 3. Korps- 
kommando und an das Brückenkopfkommando gerichteter Befehl, 
aus welchem nur noch ergänzend angeführt wird, daß die Brigade 
Fratricsevics am 17., die Brigade AVallis am 18. im Prater zu 
rasten und die erwünschte Eetablierung zu bewirken habe, dann 
sollten diese beiden Brigaden in das Tulhierfeld abrücken und dem 
3. Korps unterstellt werden. 

Der Brigade Appel wurde vorgeschrieben am 16. und 17. 
unter Eücklassung schwacher Beobachtungsposten vor Stockerau 
bei Jedlersdorf zu lagern. ..vom 18. an, aber eine leichte Be- 
,,obachtungspostenkette vor dem Brückenkopf bei Floridsdorf, 
..und zwar von Stockerau angefangen im Halbkreis über Ulrichs- 
,,kirchen, Gänsemdorf bis in die Höhe von Siebenbrunn zu 
..unterhalten und diu'ch weiter ausgehende Patrouillen den Tor- 
,,terrain zu eklairieren. Für die Zeit dieses Dienstes ist die 
,, Brigade unter das Brückenkopf kommando gestellt und erstattet 
,,alle Meldungen dahin. In ernste Gefechte hat sich diese Brigade 
,, keinesfalls einzulassen, sondern stets niu* leichte Fühlung zu 
..halten.'' 

Am Abend wurden von Korneubiu'g die bei Jetzelsdorf statt- 
gehabten Ereignisse telegraphisch nach "Wien gemeldet. 

Das Kavalleriekorpskommando war am 15. in Asparn a. d. 
Zaya verblieben. 

Die auf Grund der nachts eingetroffenen Weisungen des Kom- 
mandos der operierenden Armeen^; nunmehr am Morgen verfaßte 

Disposition ist in dem folgenden Tableau zusammengestellt: 



Dhs Kaval- 

leriekorps- 
kommando. 



16. Juli 



17. Juli 



1. schwere Kavalleriedivision 



Wilfersdorf (Arrg. Poisdorf) 
Ladendorf ( ,, Asparn a. d.Z.) 
Leitzersdorf ( ,, Enzersdorf i. T.) 
Korneuburg ( ,, Schönborn) 
Ulrichskirchen 



1. leichte ,. ,, 
Korpshauptquartier , 

Das zur Brigade Mondel detachierte Kür. 11 bleibt dort bis zum Einrücken in Wien 



Wolkers dorf 

Ulrich s kirchen 

Lang Enzersdorf 

Wien 



1) Yergl. Seite 131. 



154 

Diese, sofort von den Ereignissen überholten Anordnungen 
bedürfen keines Kommentars. 

In der hierüber an das Kommando der operierenden Armeen 
erstatteten Meldung wurde berichtet, daß die drei schweren Divi- 
sionen am 18. Juli Wien erreichen würden. Der gleichfalls dahin 
dirigierte Bericht über das Tagesergebnis wurde so früh abge- 
schlossen, daß die wichtigen, sich bei den Flügeldivisionen ab- 
spielenden Ereignisse keine Erwähnung fanden. 

Ein Bild über die Situation beim Feinde erbrachte dieser 
hier nicht eigens angeführte Bericht nicht einmal für den Yortag, 
was gewiß möglich gewesen wäre. 



XIV. 
Der 16. Juli. 

Die preußische Die am 15. Juli 3^ uachmittags vom Prinzen Friedrich Karl 

1. Armee. ausgegebene Disposition wird mit den Worten eingeleitet: 

..Nach den in der vergangenen Nacht über den Feind ein- 
,, gelaufenen Nachrichten ist derselbe von Olmütz abgerückt und 
,, teilweise oder ganz im Marsch auf Prerau. 

,,AVeitere Nachrichten über den Feind, namentlich ob der- 
„ selbe längs der Eisenbahn oder auf dem linken Marchufer auf 
,,Wien oder Pressburg geht, fehlen noch." 

Im Tagebuch des Oberkommandos wird zur Zeit schon von 
der Möglichkeit gesprochen, daß die Nordarmee ihren Abzug östlich 
der Karpaten bewerkstelligen würde. Vergeblich erwartet man 
jedoch AVeisungen an die Kavallerie in der Disposition zu finden, 
welche das Bestreben verrieten, das im Hauptquartier peinUch 
empfundene Dunkel der Lage zu lichten. 

Statt durchgreifende Maßnahmen in dieser Hinsicht anzu- 
ordnen, fährt die Disposition mit der Bestimmung der Marschziele 
für die einzelnen Armeekörper fort. Die Ausführung ist in der auf 
Beilage 8 dargestellten Situation zu erkennen. Gegen Lundenburg 
sollte nördlich der Thaya die 7. Division, südhch des Flusses die 
Avantgarde Mecklenburg vorgehen. Da General v. Fransecky früher 
an dem gemeinsamen Zielpunkt einlangte, verblieb der Herzog 
in Eisgrub ; dies ergab die einzige Abweichung von der Armee- 
disposition. 

Sie schheßt mit der Bestimmung: ,,... finden die auf Gö ding 
,,und Lundenburg dirigierten Truppen die genannten Orte mit 



155 

,, überlegenen feindlichen Kräften besetzt, so ist für morgen noch 
,,kein ernsthaftes Gefecht um diese Orte zu engagieren, vielmehr 
,,am 17. d. M. erst das Herankommen der rückwärts gelegenen 
J.Divisionen abzuwarten." 

Überblickt man das Ergebnis dieser ^Anordnungen, so waren 
drei Divisionen und die i^rmeereserveartillerie nördhch der Thaya 
zunächst verfügbar, um den Abmarsch des Gegners auf dem rechten 
Marchufer zu hemmen. Hinter dieser Kraftgruppe stand südlich 
der Thaya, gegen Osten zusammengeschoben, die andere Hälfte 
der 1. Armee unterstützungsbereit. Auf dem linken Marchufer 
hatte zwar bei Hohes die 8. Division festen Fuß gefaßt; sie hätte 
indes kaum ausgereicht, den Abzug der Nordarmee zwischen March 
und Gebirge so lange aufzuhalten, bis die etwa bei Landshut und 
Hohenau das Ufer wechselnden preußischen Kolonnen zur Unter- 
stützung herangekommen waren. 

Die Manövrierfreiheit der 1 . Armee war durch die Flußläufe 
der Thaya und March außerordenthch behindert. 

Die Verlegung des Hauptquartiers nach G. Pawlowitz, die 
zeitlichen Aufbruchsstunden der Divisionen, die Vordisponierung 
der Brückentrains, endhch die Entsendung des Oberquartiermeisters, 
General v. Stülpnagel, nach Göding^), wo zu allererst Nachrichten 
über die feindliche Annäherung einlangen mußten, erweisen, daß 
sich das Armeekommando in die geänderte Situation völlig hinein- 
gedacht hatte. 

Am 15. Juli früh war die 1. Armee gegen Süden abmarschiert; 
heute stand sie im großen ganzen Front gegen Nordost. So scharfe 
Lageverschiebungen stellen nicht gewöhnhche Ansprüche an die 
Elastizität des Geistes. 

Nur hinsichthch der dringend notwendigen Kavalleriever- 
wendung versagte die damalige Schule. Und doch wäre es sehr 
wünschenswert gewesen, die unnötige Versammlung der 1. Armee 
bei Lundenburg zu ersparen und den aus schwerwiegenden Gründen 
mit aller Beschleunigung durchzuführenden Vormarsch gegen Wien 
nicht zu unterbrechen. 

Zog der Feind wirklich im Marchtal herab, so mußte die 
preußische Kavallerie seine Vorrückung tunlichst lange verzögern, 
bis die 1. Armee — was am 16, noch nicht der Fall war — für 
Gegenmaßnahmen zweckmäßig gruppiert war. 



^) Nach dem Tagebuch des Armeekommandos wäre Stölpnagel allerdings 
nur zur Rekognoszierung der Übergangsverhältnisse nach Göding gegangen. 



156 

Bis zum Abend des 16. war der ohnedies nicht sehr kräftige 
Glaube an die Operation der Nordarmee im Marchtal immer mehr 
geschwunden^), so daß der Prinz für den 17. die Wiederaufnahme 
der BeAvegung gegen Süden anordnete, die flußaufwärts durch zwei 
Divisionen gedeckt werden sollte. ^) 

Über die Einzelheiten der am 16. vollzogenen Märsche unter- 
richtet hinsichtlich der 7. und 8. Division ,,Die letzte Operation 
der Nordarmee", Y. 

Die Kämpfe der 8. Division bei Göding — Holics wurden in 
richtiger Erkenntnis der Verhältnisse nicht als ein Zusammentreffen 
mit den Teten der Nordarmee angesehen. 

Eine besondere Verwendung war am 16. dem Kavalleriekorps 
zugedacht; es hatte den Linksabmarsch des 2. Korps und dessen 
Thayaübergang bei Dürnholz — namentlich die Trains — gegen 
Süden zu decken. Nach Abgabe der Brigade Rheinbaben an das 
2. Korps verfügte Prinz Albrecht hiezu nur mehr über drei Brigaden. 

Anfangs bUeb die Brigade Bismarck bei Grusbach stehen, 
die Brigaden Goltz und Pfuel gingen nach Nikolsburg, wo sich 
nachmittags, als das 2. Korps die Thaya überschritten hatte, alle 
drei Kavalleriebrigaden versammelten und dann später in den aus 
Beilage 8 ersichtlichen Nächtigungsraum abrückten. Den großen 
Kavalleriekörper hatte man mit Sicherungsaufgaben betraut, statt 
daß er die südlich gegenüberstehende österreichische Kavallerie 
energisch zurücktrieb und hiedurch die Versammlung der beiden 
preußischen Armeen gegen Osten verschleierte. 

Die Eibarniee. In Zuaim hatte General v. Herwarth bereits den Weitermarsch 

der Eibarmee in südlicher Richtung disponiert. Aus seinen An- 
ordnungen ist hervorzuheben, daß das laut Anordnung des großen 
Hauptquartiers nach Maissau zu dirigierende Detachement, welches 
zur Demonstration gegen die Donaustrecke Tulln — Krems bestimmt 
war, von der Avantgarde detachiert werden sollte. (Stärke: zwei 
Bataillone, Hus. 11, eine reitende Batterie.) 

Um 10^ abends des 15. Juli langten in Znaim die Direktiven 
von 8 ^ Vormittag für den Linksabmarsch ein. 



1) Nicht ganz mit Recht, wenn man die Gesamtsituation am Abend des 
16. Juli betrachtet. „Die letzte Operation der Nordarmee", Beilage 2. 

-) Prinz Friedrich Karl telegraphierte hierüber an den König, ab Paw- 
lowitz, 16. Juli, 10 "^ abends: 7. und 8. Division bleiben morgen bei Göding, 
Holics; Rest der Armee gegen Süden, erreicht mit Avantgarde Wilfersdorf. 
Hauptquartier Lundenburg. 



157 

Die hierauf von der Armee am 16. durchgeftüirten Bewegungen 
sind aus Beilage 8 zu erkennen.^) An dem heißen Tage gestalteten 
sich die starken Märsche für die Truj)pen recht beschwerlich. 

Bei Eichenbrunn stieß die Kavalleriebrigade Goltz auf die 
dort stehenden drei Yorposteneskadronen der Division Zaitsek, 
welche sich alsbald zurückzogen. 

Bei der Annäherimg an AVulzeshofen gewahrte der General- 
stabsoffizier der 14. Division österreichische Kavallerie — etwa 
eine Eskadron Kürassiere. Die im scharfen Trab vorgehenden 
2 E/Ul. 5 trafen den Gegner nicht mehr an. 

Aus einem Bericht der Eibarmee geht hervor, daß man in 
der am 15. gegenübergestandenen Kavallerie die Regimenter 
Preußen-Husaren und Savoyen-Dragoner zutreffend erkamit hatte. 

Da man sich in Konitz, im Hauptquartier der 2. Armee, mit 
den letzten Direktiven Moltkes nicht befreunden konnte, wurde 
der Oberquartiermeister General v. Stosch ins große Hauptquartier 
geschickt, um Moltke für die Ideen Blumenthals zu gewinnen. 
General v. Stosch brachte die Nachricht von dem Gefecht bei 
Tobitschau mit, wo man mit der letzten Staffel der Xordarmee 
oder einem Teile der Eestungsbesatzung gefochten zu haben glaubte. 
Da das kronprinzhche Hauptquartier selbst noch in nächster Zeit 
an der Meinung festhielt, daß sich die österreichische Nordarmee 
im Abzug March-abwärts befinde-;, so mag Stosch im großen 
Hauptquartier auch in diesem Sinne berichtet haben. 

Hienach ergab sich für Moltke keine Veranlassung, die zeit- 
raubende Yersammlung der 1. Armee bei Lundenbiu-g und den 
Linksabmarsch der Eibarmee abzubestellen. 

Da der Entschluß Benedeks zum Ausweichen über die Kar- 
paten erst am 15. Juh nachmittags gefaßt wurde und die Truppen 
des österreichischen 2. und 4. Korps sowie der sächsischen Beiter- 
•livision erst am 17. morgens aus dem Marchtal nach dem Gebirge 
abschwenkten, waren auch tatsächliche Grundlagen für das Fort- 
bestehen der Anschauung des preußischen Generalstabschefs gegeben. 



Das groi3e 
Hauptquartier. 



^) Das nach G. Harras nachgezogene Detachement Koblinski: F/17, F/28, 
1 E/schw. R. E,, Avar am Vorabend bei Gnadlers dorf gestanden und suchte 
nunmehr den Anschluß an die Avantgarde. Das bei Bausenbruck — Mitzmanns 
in Beilage 8 eingetragene Detachement Schwarz: LR. 16, 2 E/ül, 5 und eine 
Batterie hatte bei Hardegg und Frain genächtigt. Die Tätigkeit der von der 
Avantgarde Schöler auf der Chaussee Znaim — AVien zurückgelassenen Eska- 
dronen 2, 4/Hus. 7 unter Major Prinz Hessen wird später behandelt. 

-) ,,Die letzte Operation der Nordarmee", III. 



158 

Aus den von Stoscli mitgenommenen Direktiven geht hervor, 
daß Moltke den Bkimenthalschen Anschauungen zustimmte. Das 
1. Armeekorps, dessen spätere Verstärkung durch das 1. Reserve- 
korps in Aussicht gestellt wird, soll vor Olmütz zurückbleiben, 
das 5. Korps mit der Kavalleriedivision der angeblich im Marchtal 
abwärts rückenden Nordarmee folgen; das Garde- und 6. Korps 
dürfen im Marsche nach Brunn belassen werden. 

Hiedurch entstand der schwerwiegende Nachteil, daß erheb- 
liche Kräfte der 2. Armee als zweites Treffen hinter die 1. ge- 
langten. ^) 

Von besonderer Bedeutung in den an die 2. Armee gerich- 
teten Direktiven ist der Hinweis, daß es nicht in der Absicht 
der preußis chen Heeresleitung gelegensei, aufKomorn 
oder östlicher zu folgen. Man würde dann diesseits 
den Vormarsch auf Wien bewirken. 

Die kaiserliche Residenz und die sich an der Donau sammelnden 
frischen Streitkräfte bieten sich als das wichtigste Operationsziel 
dar, dem mit ungeteilten Kräften zugestrebt werden soll. 

Die 1. schwere Es ist vou Intcrcsse, ZU beobachten, wie sich das österreichische 

Kavalleriekorps dem nun aussetzenden Drucke des Feindes gegen- 
über verhielt. 

Nach ihrem überflüssigen Nachtmarsch war die Division 
So 1ms um 4^ früh in Gaunersdorf eingetroff'en. Das Korps- 
kommando sprach sein Befremden über diesen unmotivierten 
Rückzug aus und wies auf die Gefährdung der Brigade Mendel 
hin, von deren seither erfolgtem Abzug Prinz Holstein noch keine 
Kenntnis erlangt hatte. Die schwere Division möge nun unbedingt 
während des 16. in Gaunersdorf stehen bleiben. Prinz Solms recht- 
fertigte sich damit, daß der rechte Flügel der Vorposten der 
Division Zaitsek am 15. hinter seiner Hauptkraft stand, auch 
heute (16.) wäre der Anschluß an die mit ihren Vorposten weit 
südlicher befindliche Nachbardivision nicht ausführbar; man bat 
um Regelung des Sicherungsdienstes. 

Die nicht über den Poi B. hinausgehenden Patrouillen der 
1 . schweren Division konstatierten weder das Vorgehen des preußi- 
schen Kavalleriekorps, noch daß die preußische 16. Division mit 
ihrer Tete die Straße Dürnholz — JMistelbach erreicht hatte. 



^) Vergl. ,,Die letzte Operation der Nordarmee", Seite 61. 



159 

In der an das Korpskommando erstatteten Situationsmeldung 
findet sich nur der dürftige Hinweis, daß feindliche Vedetten 
außerhalb Poisdorf stünden und daß ein Koi'poral von Kür. 6 ge- 
fangen worden sei. 

GM. V. Zaitsek beabsichtigte am 16. dispositionsgemäß nach Die 2. schwere 
Ladendorf zu marschieren ; die Nachricht von dem bis Gaunersdorf 
durchgeführten Eückzug der Division Solms bewog ihn. das Biwak 
der Division nach X. Kreuzstetten zu verlegen. Die heillosen 
Sicherungsverhältnisse der l^eiden Xachbardi^isionen sind aus der 
Beilage 8 zu ersehen. 

Die Division meldete am Abend, daß bei Zwentendorf 50 bis 
60 feindliche Husaren gesehen worden waren. 

Eine in der Xacht von Major Freiherr v. Scotti von Kür. 3 
geführte Patrouille ritt bis an die Vorposten der preußischen 
Avantgarde Schöler heran. 

Nach der Korpsdisposition hatte die 3. schwere Division ^^^ ^- s^*^^^^® 

TTT-T- Tf 1- -v-i/^p Division. 

am 16. Juli bis Leitzersdort zu marscnieren. jsach Getangenen- 
aussagen sollte ein Überfall bevorstehen. Aus diesem Grunde brach 
die Division schon um 4^ früh von Enzersdorf i. T. auf und ging 
bis Korneu bürg zumck. Bei ersterem Orte wollen die eigenen 
gegnerische Patrouillen erbhckt haben, bei Obritz und Hadres 
sollte das preußische Bataillon F/16 stehen. 

GM. Freiherr V. Edelsheim ordnete auf Grimd der Befehle i^ie i. leichte 

IT -Ti To n^i Kavallerie- • 

des Kommandos der operierenden Armeen an, daß am 16., 2" Irüh division. 
die Trains mit dem Abmarsch beginnen, die Brigade Fratricsevics 
um 5 ^ früh in das Lager im Prater folgen sollte. Die Brigade 
Wallis hatte nach Stockerau zu reiten und ntu' schwache Ab- 
teilungen am Feinde zmlickzulassen : am 17. war der Dienst in 
der ersten Linie von der Brigade Appel zu übernehmen, welche 
ursprünglich am 16. in Komeuburg verbleiben sollte. Sodann hatte 
die erstere Brigade ebenfalls in den Prater abzurücken. 

Lautlos und unbeachtet passierte die Brigade Fratricse\dcs 
um 9*^ vormittags des 16. den Xordbahnhof tmd en-eichte ihi'en 
Biwakplatz im Prater. Am Xachmittag wurde sie von Sr. Majestät 
besichtigt. 

Auch der Divisionsstab begab sich nach Wien. 

Ton der Brigade Appel, welche über abgeänderten Befehl 
in den Brückenkopf zurückgegangen war, wurden am Xachmittag 
2 E/Hus. 9 nach Stockerau disponiert, welche die am Feinde 



160 

gebliebenen Abteilungen der Brigade Wallis am nächsten Tage 
ablösen sollten. 

Oberst Graf Wallis marscliierte mitHus. 10 und vier Geschützen 
um 5*^ früh von 0. HoUabrunn nach Stockerau, 2 E/Hus. 10 wurden 
zur Versehung des Yorpostendienstes in 0. Mallebarn belassen. 

Das bisher auf Vorposten gestandene Dr. 1 hatte am Morgen 
des 16. den Aufbruch der Avantgarde Schöler konstatiert; den 
vom Vortag her stark ermüdeten Reitern entging es aber, daß 
die auf der Straße Znaim — Stockerau befindlichen Kräfte 
des Gegners gegen Osten abmarschierten und auf der 
Chaussee nur zwei Husareneskadronen beließen. 

Die vordringenden feindlichen Streifpatrouillen wurden bei 
Grund von den Savoyen-Dragonern zurückgeworfen, dann ging 
aber das letztere Regiment, welchem zwei Geschütze beigegeben 
waren, abschnittsweise hinter die von den Husaren etablierte Vor- 
postenlinie zurück und vereinigte sich bei Stockerau mit dem dort 
befindlichen Teile der Brigade. 

Der preußische Major Prinz v. Hessen war mit seinen zwei 
Eskadronen bis südlich 0. Hollabrunn gefolgt, ging aber zur Näch- 
tigung nach Schöngrabern zurück. 

Die Regimentsgeschichte des preußischen Hus. 7 schreibt: 

,,Man stand von den eigenen Truppen vier Meilen entfernt 
und weit überlegenem Feinde gegenüber. Vorsicht tat daher not. 
Nur ein Teil der Eskadrons sattelte ab, die Dorfeingänge wurden 
verbarrikadiert und mit Karabiners chützen besetzt ; 20 Schritte vor 
den Sperren zogen die Husaren Stricke über die Straße 1V2 Fuß 
von der Erde. Starke Wachen lagen in Alarmhäusern, kleine 
Patrouillen ritten nach vorwärts." 

Bei der Brigade Wallis ahnte man nicht, daß auf der von 
Znaim heranführenden Chaussee nichts als diese schwachen Kräfte 
standen. Der Kommandant der in 0. Mallebarn zurückgelassenen 
zwei Eskadronen berichtete: ,,Aus dem Umstand, daß der Feind 
keine ausgesprochene Vorpostenlinie besetzt hat und nur immer 
Patrouillen entsendet, läßt sich mit ziemlicher Gewißheit entnehmen, 
daß er noch heute seine Vorrückung fortsetzt." 

Die erwähnte Täuschung hielt an. 

Das Kavai- Priuz Holstein verlegte sein Hauptquartier nach TJlrichskirchen. 

kommanda. Keine der vier Divisionen hatte den Dispositionen des Korps- 

kommandos entsprochen, das auf Beilage 8 ersichtliche Bild des 
Kavalleriekorps am Abend des 16. Juli erweist, daß die Leitung 



161 

auch dann nicht bewältigt wurde, als die zu beherrschenden Räume 
eine wesentlich geringere Ausdehnung hatten als zu Beginn der 
Aktionen. 

Es muß indes der Gerechtigkeit halber hervorgehoben werden, 
daß der in der Xacht zum 15. Juli erfolgte Wechsel in den 
Direktiven des Armeeoberkommandos manches dazu beigetragen 
hat, die Schwierigkeiten der Leitung in hohem Maße zu steigern. 

Die unumgängKch notwendige Retablierung der an der Grenze 
der Leistungsfähigkeit angelangten Kavallerie uiachte die baldige 
Überschreitung der Donau dringend wünschenswert, obwohl das 
Verhalten des Feindes, mit dem Fühlung gehalten werden sollte. 
noch keineswegs zwang, hinter den Strom zurückzugehen. 

Wohl wurde das Nachlassen des feindlicherseits ausgeübten 
Druckes erkannt, von der großen Verschiebung der Preußen gegen 
Osten hatte indes an diesem Tage niemand Kenntnis erlangt. ^ 

Flu* den 17. ordnete das Korpskommando, aus dessen Ver- 
band die Division Edelsheim ausgetreten war, an, daß die 1. schwere 
Division nach Wolkersdorf, die 2. nach G. Ebersdorf gelangen und 
die 3. in Komeuburg bleiben sollte. 

XV. 
Der 17. Juli. 

Die Auffassung des Prinzen Friedrich Karl, aus welcher Die preußische 
die am 16. um 10^ abends in G. Pawlowitz flu' den nächsten Ta»- ^- ^^°^®®- 
ausgegebene Disposition entsprang, ist bekannt. '^) 

Drei Divisionen und die gesamte Reserveartillerie hatten im 
Räume Lundenburg — Göding —Hohes, hievon die 5., dahinter die 
7. Division^; am rechten, die 8. am hnken Marchuf er zu verbleiben. 

Der Rest der 1. Armee hinterlegte eine ganz geringe Strecke 
in südlicher Richtung. 

Aus den Einzelheiten der Disposition ist hervorzuheben, daß 
die Avantgarde Mecklenburg und das Kavalleriekorps *i auf sich 



^) Wie das österreichische Generalstabs werk, IV, Seite 120 zu anderen 
Schlüssen kam, ist aus der Berichterstattung des Korps und der Divisions- 
kommanden nicht zu entnehmen. 

-) Vergl. Seite 156. 

2) Die Pioniere der 7. Division stellten während des 17. Juli die von 
der Brigade Mondel abgebrannten drei Bahnbrücken her. 

■*) Brigade ßheinbaben blieb in ihrer Zuteilung beim 2. Korps. Den drei 
anderen Brigaden wurde es überlassen, den Marsch in den ihnen bezeichneten 

Das österreichische KavaUeriekorps Holstein. 11 



102 

kreuzenden Marsclilinien vorgefülirt werden sollten, vermutlicli um 
das ebene Anland der March für die Yorrückung des Kavallerie- 
korps auszunützen, während man die durch Infanterie ^) verstärkte 
2. leichte Kavalleriebrigade des Herzogs in das coupierte Gelände 
an der Chaussee Poisdorf — "Wien dirigierte. 

Das Armeehauptquartier wurde um Mittag des 17. Juli nach 
Lundenburg verlegt. Von dort wurde nach Brunn telegraphiert, da 
man für die Fortsetzung der durch die Versammlung bei Lunden- 
burg unterbrochenen Operationen keine Weisungen hatte. Ohnedies 
war die Bewegung der einen Hälfte der 1. Armee gegen Süden 
auf eigene Verantwortung unternommen worden, was zu keineswegs 
angenehmen Konsequenzen führen sollte. 

General v. Stülpnagel bheb zur Entgegennahme telegraphischer 
Aufträge in Lundenburg zurück, während Prinz Friedrich Karl mit 
den übrigen Offizieren des Armeekommandos um 5 ^^ nachmittags 
nach Feldsberg ritt. 

Der Oberquartiermeister hatte um 7 ^^ abends an Moltke tele- 
graphiert : 

..Bitte dringend um schleunigste Entscheidung, ob die 
.,1. Armee morgen weiter auf Wien marschieren darf?" 

Eine halbe Stunde später ging eine Depesche des Armee- 
kommandos via Lundenburg an den König ab, worin ersteres bat, 
am 18. mit der Avantgarde bis Wolkersdorf, ,.mit der Kavallerie 
„bis U. Gänserndorf vorpoussieren und dort Euer Majestät Befehle 
..erwarten zu dürfen. Ich bitte um die Straße Laa — Wien für die 
,,1. Armee. Es scheint, dai3 sich der Feind nach Ungarn 
,,zieht, nachdem er 30.000 Mann von Olmütz per Bahn nach 
,,Wien befördert hat, darunter die Sachsen." 

Moltke telegraphierte, ab Brüini, 8 ^ abends : 

,, Heutigem Befehl zufolge^) soU 1. Armee auf beiden March- 
,, ufern in kurzen Märschen vorrücken, um allmähliches Nach- 
., schieben der 2. Armee zu ermöglichen. Demarkation zwischen 
,,1. und Eibarmee: Linie Gänserndorf — Zistersdorf. Starke Avant- 
,,garde wegen etwaiger feindlicher Offensive von Pressburg oder 



Unterkunftsbereich nach eigenem Ermessen durchzuführen. Patrouillen oder 
Aufklärungseskadronen wurden am 17. ebensowenig wie während der folgen- 
den Tage entsendet. 

^) Übrigens wurde die Avantgarde an diesem Tage um zwei Bataillone 
geschwächt, indem F/18 und F/48 zu ihren Divisionen einzurücken hatten. 

2) Vergl. Seite 166. 



163 

,,Wien her. Feldjäger mit Befehl um 5 ^ nachmittags von liier 
.. abgegangen. '^ 

Hierauf Stülpnagel. ab Lunclenburg, 8^^ abends: 

..Demarkationslinie wegen mehrerer Orte gleichen Namens 
..nicht zu übersehen, darf 1. Armee morgen die Straßen Xikols- 
,.burg — AV'ien und Neudorf — Aspam a. d. Zaya benützen, auf 
,, welchen ein großer Teil echeloniert steht, sonst sehr große 
,, Störung hier. Zwei Di\T.sionen sind auf hnkem Marchufer. Wie 
,,weit kommt 2. Armee morgen?" 

Moltke telegraphierte zurück, daß die beiden Straßen der Eib- 
armee zufallen sollten und daß das Gardekorps morgen (18.) nach 
Raigern gelangen würde. 

Unterdessen war es in der Gegend von Staatz und bei AVilfers- 
dorf zwischen den nach Süden rückenden Kolonnen der 1. mid 
der laut Disposition des großen Hauptquartiers nach Wilfersdorf 
vorrückenden Eibarmee zu ärgerlichen KolHsionen gekommen. Die 
spät am Abend in G. Pawlowitz verfaßte Armeedisposition des 
Prinzen Friedrich Karl hatte das Hauptquartier der Eibarmee 
nicht rechtzeitig erreicht. Infolge der ohne gegenseitiges Einver- 
nehmen verfaßten Anordnungen geschah es, daß die 1. Armee die 
Marschlinien der Eibarmee unter spitzem Winkel durchschnitt und 
im Echiquier eine totale Durcheinandermengung der beiderseitigen 
Truppen eintrat. 

Xach den Beschwerlichkeiten des heißen Marschtages führte 
die aus dem geschilderten Umstand hervorgehende YerzögeiTing 
in der Unterbringung, beziehungsweise Lagerung der Truppen zu 
einem höchst unnötigen Klräfteverbrauch ^). 

General v. Herwarth gedachte am 17. im Marsche gegen Die Eibarmee. 
Osten mit den Tetedi\T.sionen die Linie Poisdorf — Wilfersdorf zu 
erreichen, was ganz im Sinne der Moltkeschen Direktiven vom 15. 
gelegen und ohne den eigenmächtigen Wiederantritt der Bewegung 
gegen Süden seitens der 1. Armee anstandslos durchzuführen 
gewesen wäre. 



^) In der Umgebung von Staatz stießen die 14. und 15. Division der Eib- 
armee mit der 3. Division und der Kavalleriebrigade Eheinbaben der 1. Armee 
zusammen. Bei Staatz selbst hatte die Masse der 14. Division am Fuße des 
Schloßberges ein Biwak bezogen; im Orte befanden sich Abteüungen des 
I. R. 14 und der 2. G.ül. In Wilfersdorf war die 16. Division mit der Avant- 
garde Mecklenburg zusammengetroffen; der Ort wurde von beiden Armee- 
körpern belegt. 

11* 



164 

Im Hauptquartier der Elbarmee scheint man an ein bevor- 
stehendes Zusammentreffen mit dem Gegner gedacht zu haben, da 
der gesamte Bagagetrain der Armee bei Höflein zurückgelassen wurde. 

Wie sich die Absichten des Armeefiihrers hinsichthch Er- 
reichung der Tagesziele modifizierten, wird aus der Beilage 9 klar. 

NamentHch bei der 14. Division waren diese Reibungen mit 
erheblichen Strapazen für die Truppen verknüpft. Die Division sollte 
nach Poisdorf gelangen. Als ihre Avantgarde sich K. Hadersdorf 
näherte, erfuhr man, daß sich in und um Poisdorf bereits die 
6. Division befinde. General v. Herwarth verlegte nichtsdesto- 
weniger das Armeehauptquartier nach Poisdorf, ließ aber die 
14. Division gegen Staatz umkehren, wo inzwischen die Tete des 
2. Korps mit der Kavalleriebrigade Rheinbaben eingerückt war. 
Nun trat die aus Beilage 9 ersichthche Yermengung der durch- 
einander lagernden und kantonierenden Heereskörper ein. 

Die um 3^ früh aufgebrochene 16. Division hatte ihren Nach- 
tigungsraum bei Wilfersdorf — Erdberg zeitlich erreicht, die an- 
rückende Avantgarde des Herzogs v. Mecklenburg mußte mit Teilen 
gegen Osten ausweichen. 

Die Avantgarde Schöler kam nach Heranziehung des Deta= 
chements Koblinski von G. Harras an die ihr vorgeschriebenen 
Marschziele. In der Armeedisposition war die Yorsendung eines 
Detachements gegen Gaunersdorf anbefohlen; dies führte zu einem 
Zusammenstoß mit der Arrieregarde der österreichischen 1 . schweren 
Division. 

Das Gefecht Priuz Solms War mit seiner Division um 6 ^ früh von Gauners- 

dor?^^^' clorf aufgebrochen und bezog ein Lager südlich "Wolkersdorf. 

Kür. 4 hatte bei Gaunersdorf stehen zu bleiben. Die Patrouillen 
dieses Regiments konstatierten noch am Yormittag das Eintreffen 
mehrerer preußischer Eskadronen, Ulanen und Husaren, an der Zaya 
bei Wilfersdorf und Paasdorf : es waren die Teten der 16. Division 
und der Avantgarde Schöler. 

Zur Deckung der rechten Elanke hatte Prinz Solms über 
Auftrag des Korpskommandos 2 E/Kür. 9 nach Schönkirchen an 
den W^eidenbach disponiert. 

Bei Gaunersdorf stellte die Kürassierdivision 1/4 auf den 
Höhen zwischen diesem Orte und Schrick Yorposten auf, die 2. 
stand als Reserve hinter dem erstgenannten Dorf. 

Das der Avantgarde der Elbarmee vorangehende Detachement 
des Obersten v. Rauch — F/69, 2., 3/Hus. 11 und 2 Geschütze — 



165 

erreichte gegen 1 ^ nachmittags mit der Kavallerie und Artillerie 
den Ort Schrick : die Füsiliere waren infolge übergroßer Ermüdung 
erhebhch zurückgeblieben. 

Kna2)p südlich des Dorfes setzten sich die beiden preußischen 
Geschütze auf 1600 Schritte gegen die österreichischen Vorposten 
ins Feuer. Zwei Kürassierpferde wurden getötet. 

Oberstleutnant Freihen- v. Coburg zog. nachdem einzelne all- 
zukühn vordringende Husarenpatrouillen des Feindes zurückgeworfen 
waren, durch Gaunersdorf ab und vereinigte sich mit der 2. Division. 
Das spätere Vorgehen preußischer Kavallerie über Gaunersdorf 
scheint erst dann erfolgt zu sein, als die Infanterie des Deta- 
chements in Schrick eingelangt war. 

Gegen das, in entwickelter Linie formierte, kaiserliche 
Kürassierregiment ritt gegen 4^ nachmittags eine feindliche Husaren- 
eskadron in Schwärmen bis auf etwa 500 Schritte an und eröffnete 
aus dem Sattel ein lebhaftes Karabinerfeuer. ^) 

Oberst v. Berres schickte die 5. Eskadron unter Rittmeister 
Eitter v. Eisenstein, dem sich später noch der Zug des Ober- 
leutnants Freiherm v. Gudenus anschloß, zur Attacke vor. 

Die Husaren gingen hierauf zurück. MehiTaals wiederholte 
sich nun das Spiel, daß der Feind sofort ^-ieder Front machte, 
wenn die Kürassier eskadron stehen bHeb. 

Endlich gelang es dem österreichischen Rittmeister, vom 
Feinde unbemerkt, eine deckende Mulde zu erreichen. Die um- 
kehrenden Husaren wui'den über das Versteck hin ausgelassen und 
dann in Flanke imd Rücken gepackt, worauf sie nach kurzem 
Handgemenge endgültig durch Gaunersdorf nach Schrick zurück- 
gingen, wo das Detachement nächtigte. 

Die Hauptkraft der Division Solms hielt sich unterdessen bei 
Wolkersdorf in Erwartung eines Angriffes kampfbereit und ver- 
sicherte sich auch der Unterstützimg durch die 2. schwere Di\T.sion. 
Xach den eingelangten Meldungen sollten sich bei Schrick 15.000 
Preußen befinden. 

Die am 16. aussetzende imd am 17. Juli migenügend betriebene Das große 
Aufklärung seitens der preußischen 2. Armee-) hatte das große *^P^<i^artier. 



^) IS'ach den Angaben der österreichischen ßegimentsgeschichte. Xach 
der Geschichte des preußischen Hus. 7 sind über Gaunersdorf nur Patrouillen 
vorgegangen. Aus dem Kriegstagebuch der Husaren läßt sich folgern, daß 
die 3. Eskadron an den Zusammenstößen beteiligt war. 

^) Vergl. „Die letzte Operation der Nordarmee", Seite 122—126. 



166 

Hauptquartier im Unklaren über die Riclitung gelassen, in welcher 
die Masse der Nordarmee abgezogen war. 

Wohl schrieb an diesem Tage der preußische Kriegsminister 
General v. Roon in die Heimat, daß Benedeks Armee sich der 
Hauptsache nach gegen Pressburg und Komorn zurückgezogen habe, 
,,so daß wir bei Wien nur Teile der geschlagenen Nordarmee 
und der italienischen Armee finden dürften. Diese werden sich in 
den Verschanzungen von Wien uns gegenüberstellen, und da wird 
also voraussichtlich noch mancher brave Mann bluten und fallen." 

Andererseits hatten sich aber im Laufe des Tages vor der 
Front der 8. Division im Marchtal sächsische Keiterpatrouillen 
gezeigt und eine Eskadron der 2. Armee brachte in Erfahrung, 
daß am 15. Juli durch Kremsier 30.000 Österreicher March-abwärts 
gezogen waren. ^) 

Um 5 ^ nachmittags ergingen an die drei Armeekommanden 

folgende Direktiven Moltkes: 

,, Brunn, den 17. Juli 1866. 

,,Die augenblicklichen Verhältnisse machen es nötig, die 
..Bewegungen der 1., 2. und Eibarmee von hier aus speziell zu 
,, regeln, und können die Direktiven dafür nur auf kurze Zeit 
,,im voraus gegeben werden. 

,, Seine Majestät der König beabsichtigen im allgemeinen 
,,den Vormarsch gegen die Donau, wobei indessen die Richtung 
,,auf Wien oder auf Pressburg noch vorbehalten bleibt. 

,,Die Eibarmee soll die große Straße von Brunn nach Wien 
,, einschlagen, die Straßen von Dürnholz und Laa dorthin in der 
,, rechten Flanke beobachten. 

,,Die 1. Armee wird auf beiden Ufern der March vor- 
,, rücken, wobei die Übergänge über diesen Fluß zu sichern, 
,, beziehungsweise herzustellen bleiben. Die Armee hat den Rückzug 
,,der feindlichen Abteilungen von Olmütz nach Wien und Press- 
.,burg zu verhindern. Als Demarkation zwischen der Elb- und 
.,1. Armee gilt eine Linie dicht westlich Gänserndorf und 
.,Zistersdorf. 

,,Die 2. Armee, soweit sie vor Olmütz abkömmlich geworden 
,,ist, wird sich auf der Linie Nikolsburg — Lundenburg sammeln 
,,und der Bewegung der 1. und Eibarmee unmittelbar folgen. 

,,Das Vorrücken der 1. und Eibarmee erfolgt in gleicher 
,,Höhe. Um mit versammelten Kräften an der Donau anzulangen, 



') Vergl, jjDie letzte Operation der Nordarmee", Seite 54, 55. 



167 

,,sincl kurze Märsche auszufahren, bis die 2. Armee, welche heute 
„Brunn und die Gegend von Kremsier erreicht, herangelangen 
,,kann. 

,,Da eine feindliche Offensive von Wien und eventuell auch 
,,von Pressburg her nicht außer MögHchkeit liegt, so erfordert 
,,die Situation ein engeres Aufschließen in sich und starke 
„Avantgarden, namentlich bei der Eibarmee. Diese letztere hat 
„sich morgen am 18. um AYilfersdorf zu konzentrieren mid für 
,,clen weiteren Vormarsch Befehle abzuwarten. 

,,Die 1. Armee hat ins Auge zu fassen, daß eine Di\dsion 
,, bestimmt werden kann, von Malaczka aus in beschleimigtem 
,, Vormarsch sich Pressbiu-gs, des dortigen Donauüberganges und 
..wo möghch der Punkte Hainburg und Kittsee zu versichern, 
..wozu indes der Befehl noch vorbehalten bleibt. 

,,Vom vorstehenden haben die kömghchen Oberkommandos 
,,den untergebenen Truppenkommandos nur so viel mitzuteilen. 
..als zur Erreichung des Zweckes erforclerhch ist. 

,, Dieselben senden von jetzt an wieder täghch Offiziere in 
,,das diesseitige Hauptquartier, welche von dem Stand der Divi- 
..sionen Auskunft zu geben im stände sind. 

..Das Hauptcjuartier Sr. Majestät des Königs geht morgen, 
..den 18., nach Mkolsburg, woselbst ein Bataillon der 1. Armee 
..vorläufig zu belassen ist. 

..Die Pontonkolonnen der 2. Armee, welche heute in Mödritz 
..und Eaigern eintreffen, haben dort Ruhetag und folgen dann 
..liinter dem Garde- und 6. Armeekorps; die der 1. Armee, 
„welche am 20. Brümi mit Fußmärschen erreichen, werden nath- 
.. dirigiert. 

..Brunn bleibt clmxh die 2. Armee besetzt, bis die bereits 
..nachgeschobenen Landwehrbataillone eintreffen. Ein geeigneter 
,. höherer Offizier ist als Kommandant bleibend für diesen wich- 
„tigen Punkt von der 2. Armee zu ernennen. 

„Das Eeservekorj)s des Generals v. d. Mülbe ist mit seinem 
,, ersten Echelon bereits im Marsch von Prag, um das 1. Armee- 
„korps vor Olmütz zu verstärken." 

Von besonderer Bedeutung ist es. daß Moltke nunmehr, ent- 
gegen seiner vor 5 Tagen geäußerten Ansicht die Wiederaufnahme 
der österreichischen Offensive von Wien füi' möglich hält. Die 
bekannt gewordenen Truppentransporte von Olmütz nach Wien, 
die durch mehrere Tage vor sich gegangen waren, dann die. 
wie Moltke vermutete, bereits durchgeführte Heranziehung aller 



168 

drei Korps der Südarniee an die Donau, ließen ihn eine Kräfte- 
versammlnng des österreichisclien Heeres voraussetzen, der nur 
unter Mitwirkung der 2. Armee entgegengetreten werden konnte. 

Lettow hat in seinem Feldzugswerk mit besonderer Ausführ- 
lichkeit die poHtische Geschichte jener Tage in ihrer Verknüpfung 
mit den Operationen dargestellt, so daß man in dieser Hinsicht 
nur auf seine Schrift zu verweisen braucht. 

In einem gewissen Gregensatz zu der anbefohlenen Ver- 
zögerung der Märsche nach Süden, um das Herankommen der 
2. Armee abzuwarten, steht der überaus kühne Gedanke, daß eine 
Division des Prinzen Friedrich Karl bei Pressburg das südliche 
Donauufer zu gewinnen trachten sollte. Das war wohl nur dann 
ausführbar, wenn man den unwahrscheinlichen Fall als möghch 
erachtete, daß die österreichische Heeresleitung die Benützung der 
Schiffbrücke dem Feinde nicht verwehren beziehungsweise diesen 
Übergang nicht abbrechen würde. Die Pontonkolonnen der Preußen 
waren noch weit zurück. 

Die Bewegungsrichtung des Feindes S23rach schon jetzt mit 
höherer Wahrscheinlichkeit dafür, daß es in der Absicht der Preußen 
lag, die Donau abwärts von "Wien und nicht zwischen Kloster- 
neuburg und Tulln zu überschreiten. 

Durch die Moltkeschen Direktiven verschmälerte sich die 
preußische Operationsfront auf 30 Imi] die am 17. noch drei Tag- 
märsche tiefe Hauptkraft (Garde- und 6. Korps bei Brunn hinzu- 
gerechnet) sollte allmählich gegen Süden aufschließen. 

Dieser so gebildete Keil, dessen Spitze vorläufig der Front 
des Floridsdorf — Stadlauer Brückenkopfes auswich, war bestimmt, 
die Trennung der beiden großen österreichischen Kraftgruppen 
aufrechtzuerhalten: in der tiefen Gliederung bot sich für den 
Anfang die Möglichkeit, Bedrohungen der Flanken leicht abzu- 
wehren. Man sieht, Moltke bevorzugte nicht einseitig ein be- 
stimmtes Operationsveufahren. Wenn man die beliebten Ausdrücke 
einstiger Strategen zur Charakterisierung heranziehen will, so dürfte 
man hier die Absicht, auf den inneren Linien zu operieren, 
herausfinden. 

Die Schwierigkeit der Vorrückung der 1. Armee zu beiden 
Seiten der March mußte des großen Gedankens wegen in den Kauf 
genommen werden. Die Hindernislinie war übrigens nicht schwer 
zu passieren. 

Nur eines fällt auf und hätte bei rasch wiedergewonnener 
Schlagfertigkeit des österreichischen Heeres zu bedenklichen Folgen 



leriekori^s 
Holstein. 



169 

führen können. ^) Die Bergkette der Kleinen Karpaten ^^drd bis 
zum Tage von Blumenau und auch teilweise an diesem selbst, wie 
vermöge stillschweigenden Übereinkommens zwischen den Parteien 
als eine nnbetretbare Zone angesehen, aus welcher österreichische 
Kräfte nicht herausbrechen würden, weshalb die Aufklärung auch 
nach dem jenseitigen Anland nicht hinüberzugreifen nötig hatte. 
Am östlichen Gebirgsrand rückte in den späteren Tagen die Xord- 
armee wie hinter einem undmchdringhchen mid unzerreißbaren 
Schleier gegen Pressburg herab. 

Die Kollisionen zwischen der 1. und Elb arme e am 17. hatten 
nunmehr ]\[oltke zur Festsetzung einer Grenzlinie zwischen den 
beiderseitigen Bewegimgsräiunen veranlaßt. 

Das in seiner Verfassiuig arg mitgenommene Kavalleriekorps Das Kavai- 
des Prinzen Holstein näherte sich allmählich den Donauübergängen. 

Die Ereignisse bei der 1. schweren Division wurden bereits 
behandelt. 

Die Division Zaitsek war um 6^ früh von X. Kreuz- 
stetten abmarschiert und erreichte die aus Beilage 9 ersichtliche 
Situation. 

Auf die bei der 1. schweren Division infolge der Ereignisse 
bei Gaunersdorf eingetretene Alarmierung schickte man Kür. 3 um 
6 ^ abends von G. Ebersdorf zur Unterstützung nach Wolkersdorf : 
das Regiment wurde aber bald darauf wieder auf den alten Lager- 
platz zurückgezogen. 

Die 3. schwere Division blieb am 17. in ihrer Aufstellung 
vom Vortag, die Patrouillen der in 0. Gänserndorf stehenden 
Yorposteneskadronen erkundeten die Nächtigung der Avantgarde 
Schöler. Xach Aussage eines Bezirksbeamten sei General v. Herwarth 
gestern nach Xeudorf marschiert, dort stünden 20.000 Preußen, in 
Eichenbrunn 10.000 inid in Wulzeshofen 18.000 Mann.-; Auch der 
Zusammenstoß bei der 1. schweren Division nächst Gaunersdorf 
wm-de gemeldet. 

Die Husarenpatrouillen der preußischen Brigade Goltz wurden 
sowohl bei der 2. als auch bei der 3. Division gesehen. 

Bei der 1. leichten Division brach die Brigade Wallis um 
5^ früh von Stockerau auf, um der Brigade Fratricse\"ics nach 
"Wien zu folgen; sie rastete von 9 bis 10^ vormittags in Florids- 



^) Vergl. des Erzherzogs Josef und Benedeks Offensivpläne: ..Die letzte 
Operation der Nordarmee", XXIV. XXXI. 
- Vergl, Beilage 9. 



170 

dorf, wo sicli die beiden in 0. Mallebarn gestandenen Eskadronen 
anschlössen. Um 11 ^ passierte die Brigade den Nordbalmliof und 
bezog auf der Zirkuswiese im Prater ein Lager. 

Die von der Brigade Appel in Stockerau zurückgelassenen 
Eskadronen übernahmen den Sicherungsdienst auf der Znaimer 
Straße, ihre Situation ist aus Beilage 9 zu entnehmen. 

Die unter dem Prinzen v. Hessen gegenüberstehenden 2 E/Hus. 7 
hatten durch ein Mißverständnis den Befehl, sich über Ernstbrunn 
an die Armee heranzuziehen, nicht erhalten. Unter Plänkeleien 
mit den Liechtenstein-Husaren führte der preußische Major eine 
Eskadron bis nach Schönborn vor, die österreichischen Patrouillen 
waren indes schon abgezogen. Aus versprengten preußischen In- 
fanteristen wm^de beim Detachement des Prinzen, das in der 
Nacht nach 0. HoUabrunn zurückgegangen Avar, eine Abteilung 
formiert, welche den Streifungen der Kavallerie den nötigen 
Rückhalt gewährte und im nächtlichen Sicherungsdienst unter- 
stützend mitwirkte. 

Das Kavalleriekorpskommando begab sich am 17. nach Wien, 
wo es in dem in der Leopoldstadt befindlichen Hotel zum ..gol- 
denen Lamm" sein Hauptquartier etablierte. 

Aus der Betrachtung der Beilage 9 resultiert neuerlich, daß die 
einheitliche Regelung der Sicherungsmaßnahmen unterblieben war. 

Für den 18. wurde angeordnet, daß die 3. schwere Division 
um 3^ früh, die 2. um 4^ früh und die 1. schwere um 6*^ früh 
abmarschieren und über die Stadlauer Brücke in den Prater 
gelangen sollten, wo sie endlich einen Rasttag halten konnten. 
Die Arrieregarden der Divisionen sollten bis zum 19. früh dort 
stehen bleiben, wo jetzt die Lagerplätze der Gros waren. 

Der Bericht des Korpskommandos über den Verlauf des 17. 
vermochte dem Kommando der operierenden Armeen nicht den 
gewünschten Überblick über die gegnerische Situation zu gewähren, 
da die Patrouillierungen infolge der hohen Erschöpfung von Mann 
und Pferd nicht planmäßig geregelt waren. 

XVI. 

Der 18. Juli. 

Die preui3i- Um 9^ abcnds des 17. Juli wurde im Hauptquartier des Prinzen 

sehe 1. Armee. Eriedricli Karl eine Disposition für den nächsten Tag ausgegeben, 

nach welcher unter Mitbenützung der Chaussee Brunn — Wien die 

Teten der 1. xlrmee den Nordrand des Marchfeldes erreichen sollten. 



171 

Wie man sich im Armeehauptquartier bei solchen Anord- 
nungen mit der Eibarmee auseinanderzusetzen gedachte, ist nicht 
ganz verständlich. Auf das von Moltke an Stülpnagel in Lunden- 
burg gerichtete^) und nach Feldsberg übermittelte Telegramm dürften 
die ergangenen Anordnungen außer Kraft gesetzt worden sein. 

Um 6^ früh überbrachte ein Feldjäger die Direktiven des 
großen Hauptquartiers nach Feldsberg. 

Die nunmehr um 10^*^ vormittags fertiggestellte Disposition 
für die 1 . Armee beginnt mit den AVorten : 

,.Die Eisenbahn von Olmütz nach Wien, auf welcher die 
„Österreicher in den letzten Tagen zirka 30.000 Mann befördert 
,, haben sollen, ist von uns bei Göding und Lundenburg dm'ch- 
,,brochen und der Feind gezwungen Avorden, sich nach Ungarn 
,,zu werfen." 

Ob die richtige Anschauung über den Abzug der Xordarmee 
über das G-ebirge auf zutreffenden Kombinationen beruhte, oder ob 
hierüber Meldungen vorlagen, ist nicht ermittelt. Es ist indes das 
erstere anziuiehmen, da bei den am linken Ufer March-abwärts 
rückenden ArmeekörjDern, welche nach den rätimlichen Verhältnissen 
am meisten zur Aufklärung berufen waren, noch einige Zeit die 
Besorgnis vor einem Rückenangriff bestand.^) 

Die Märsche der Divisionen sollten nach dem Abkochen an- 
getreten werden. Aus Beilage 10 sind die dispositionsgemäß er- 
reichten Xächtigungsrätime zu entnehmen : das Echiquier der 
1. Armee war mm zwei Tagmärsche tief. 

Dem Kavalleriekorps wurde . die Herstellung des March- 
überganges bei Dürnkrut. der 8. Division jenes bei Morva-Szt. Jänos 
übertragen. 

Auf dem Ritte des Armeekommandos von Feldsberg nach 
Hohenau begegnete man dem nach Xikolsbin-g reisenden, franzö- 
sischen Botschafter, Herrn v. Benedetti. 

Über die zur Zeit verschiedene Auffassting der Lage in den 
Hauptquartieren des Königs und der 1. Armee gibt ein von 
Hohenau am 19. Juli, 8^ früh an Moltke abgesendetes Schreiben 
des Prinzen Friedrich Karl wertvolle Aufschlüsse: 

,,In bezug auf Ihr geehrtes Schreiben von 12^ in ver- 
..gangener Nacht ^j erlaube ich mir ganz ergebenst das Xach- 

1) Yerg]. Seite 163. 

-) Yergl. .,Die letzte Operation der Nordarmee", Seite 198, 261. 
^) Erliegt nicht in den Akteu. Die Antwort läßt indes den Inhalt drs 
Briefes erraten. 



172 

,, folgende zu bemerken, respektive zu bitten, es Sr. Majestät 
,,zum Vortrag zu bringen. 

,, Niemand kann mehr als ich davon durchdrungen sein. 
,,daß in dem jetzigen Stadium des Feldzuges nichts leichtsinnig 
„aufs Spiel gesetzt werden darf. Die Auffassung, verbunden mit 
,, Mahnung zur Vorsicht, habe ich vor einigen Tagen meinen 
,, Generalen mitgeteilt. 

,, Seine Majestät läßt mich vor einer Offensive des Feindes 
,,aus Wien (denn von Pressburg her ist sie sehr unwahrscheinlich 
,,und unwirksam) warnen. Sollte Benedetti durch Mitteilung 
,, bezüglicher Gerüchte an Seine Majestät nicht die Veranlassung 
,,zu dieser Warnung sein, denn Benedetti will uns aufhalten und 
„unsere Macht unterschätzen machen? 

,,Was nun eine solche Offensive betrifft, so kann sie nur 
,, Aussicht auf Gelingen haben, wenn wir von dem Feinde in 
,,einem Tage erreicht und an demselben Tage eine unserer 
„etwa getrennten Kolonnen abgestraft werden könnte. Der Feind 
,, müßte an demselben Tage sich auch wieder hinter seine Werke 
,, zurückziehen können. Ich meine nun, daß unsere Armeen so 
,, lange nicht in den Bereich dieser Offensive getreten sein werden, 
,,bis Infanterieabteilungen von uns den Weidenbach überschritten 
„haben werden. Ich meine ferner, daß diese Offensive wahr- 
,, scheinlich den General Herwarth, nicht mich trifft und ich 
,, bekenne endlich meine Ansicht, daß der Feind schon einmal, 
,,mit dem E-ücken gegen die Elbe geschlagen, diesen Fehler in 
,,dem nämlichen Feldzug kaum wiederholen, also keine Offen- 
„sive unternehmen diü'fte. 

,, Unternähme sie der Feind aber dennoch, so halte ich 
,, dafür, daß meine Armee ein Echelon vorwärts der des General 
„Herwarth zu bilden hätte. Auf diese Art würde ich einen 
„Angriff auf ihn flankieren können und umgekehrt, Herwarth 
,,mich unterstützen. Der Weidenbach und der Russbach scheinen 
,, Gelegenheit zu solchen Aufstellungen zu geben. 

„Aus dem Gesagten möchte hervorgehen, daß ich eine 
„Offensive des Feindes herbeisehne, daß ich es für angemessen 
,, fände, wenn man ihn durch unsere Aufstellung zu solcher 
„einlud. 

„Heute und morgen früh erwarte ich sie nicht. Ich werde 
,, morgen mich derartig konzentrieren und aufstellen, auch Biwaks 
,,zum Teile beziehen, daß ich günstig stehe, um ihn zu emp- 
,, fangen." 



173 

Gegen diese Ausführungen wird sich schwerlich etwas ein- 
wenden lassen, nur erscheint die Bedeutung einer österreichi- 
schen Offensive über die Kleinen Karpaten gegen die linke 
Flanke der 1. Armee gar nicht in den Kreis der Erwägungen 
gezogen. 

Die Befehlsübermittlung versagte am 18. Juh bei der 1. Armee 
vollständig. Hiedm"ch geschah es, daß die Truppen sehr spät auf- 
brachen und bis tief in die Xacht hinein, einige auch bis zum 
nächsten Morgen marschieren mußten, was in Anbetracht der Lage 
keineswegs geboten war und nur eine unnütze Beanspruchung der 
Kräfte bedeutete. 

Insbesonders kam die 3. Division völlig auseinander: drei 
Kegimenter erreichten ihre Unterkünfte erst um 2^ früh des 19., 
I.E. 14 marschierten gleich weiter bis in die für den 19. bestimmten 
Station Windisch-Baumgarten. Auch LR. 21 der 4. Division hatte 
einen Xachtmarsch diurchzuführen. 

Beim Kavalleriekorpskommando in Hohenau wiu:de die Dis- 
position um 2 ^^ nachmittags ausgegeben, die Brigaden hatten selb- 
ständig in die neuen L'nterkunftsbereiche einzurücken. Die Brigade 
Pfuel brach um 6 ^ abends von Bemhardsthal auf und war um 10 ° 
in der Gegend von Jedenspeigen, die Brigaden der Division Hann, 
etwa um 5 ^ nachmittags von Hohenau abmarschiert, waren nach 
Mitternacht bei Dürnkrut — Götzendorf eingetroffen. Die Brigade 
Rheinbaben. welche aus dem Verband des 2. Korps wieder in jenen 
des Kavalleriekorps treten sollte, erreichte erst am 19., 2 ■''^ früh, 
die L^nterkünfte bei Dobermannsdorf. 

Die Avantgarde des Herzogs v. Mecklenburg traf um 10^ 
nachts vor Spannberg ein. in welches von der Cholera heimgesuchte 
Dorf drei Kavallerieregimenter einquartiert wurden. ^) 

Die Dii'ektiven des großen Hauptquartiers vom 17. nach- Die Eibarmee, 
mittags ziu" Konzentrierung der Eibarmee bei Wilfersdorf langten 
um 3^ friih des 18. in Poisdorf ein. Die hienach ausgeführten Be- 
wegungen sind in der Beilage 10 dargestellt, die Eibarmee hatte 
sich von ihrem Xachbar wieder so ziemlich losgemacht. 

Die beiden Eskadronen des Prinzen von Hessen hatten neuer- 
dings den Befehl erhalten, sich nach der Straße Komeuburg — 
Emstbrunn heranzuziehen. 



^) Über die Vorgänge bei der 5., 7. und 8. Division vergl. ,.DJe letzte 
Operation der Nordarmee", XVI. 



174 

JSIocli vor dem Yerlassen von Bmnn hatte Moltke an die 
2. Armee folgenden Befehl ausgegeben: 

,,Die Zweite Armee setzt morgen, den 19. d. M., mit dem 
,jGarde- und 6. Armeekorps^) den Vormarsch auf der Lunden- 
,, burger und auf der Mkolsburger Straße fort, wovon beide 
„Korps direkt avertiert worden sind. 

,,Das 5. Armeekorps^) ist nach Maßgabe der Umstände in 
,,der Richtung auf Göding oder Skalitz weiter zu dirigieren." 

Das gi'oße Das Scliloß Mkolsburg, welches das große Hauptquartier noch 

Hauptquartier. ^^^ ^^^ aufnahm, war ein Besitz des Ministers Graf Mensdorff.^) 

Die Anschauungen in der Umgebung des Königs hatten sich 
seit dem 12. Juli vollständig geändert. Der geheime Hofrat und 
Vorleser des Monarchen Louis Schneider erzählt, daß König Wilhelm 
am Tage der Ankunft in Mkolsburg über eine bevorstehende Schlacht 
auf dem Marchfeld sprach, wo sich die zahh'eiche Kavallerie der 
Österreicher zu besserer Geltung als bisher bringen würde. 

Aus einem Bericht der Eibarmee von 11^^ vormittags ist die 
Meldung zu erwähnen, daß in der Nacht vom 15. zum 16. in der 
Gegend von G. Harras nach Angabe der Einwohner zirka 4000 Mann 
Infanterie und zwei Regimenter Kavallerie biwakiert hätten, die 
am 16. über G. Mugl abgezogen wären. 

Um 11^ abends wurde in Nikolsburg die Disposition für den 
19. an die beiden Armeekommanden ausgegeben. 

Es gelangt hier nur die an die 1. Armee gerichtete zum 

Abdruck, die für die Eibarmee war ein knapp gehaltener Auszug. 

Moltke beginnt mit der Angabe der heute von der Eibarmee 

eingenommenen Situation, in welcher sie bis auf weiteres ruhen soll. 

Die Disposition fährt alsdann fort: 

,,Das Garde- und 6. Armeekorps erreichen morgen höchstens 
,,die Linie Pawlowitz — Muschau. Unter diesen Umständen darf 
,,der zu morgen angeordnete Vormarsch der 1. Armee mit der 
„Tete nicht über die Linie Malaczka — Gaunersdorf hinaus- 



^) -) Die tagweise von der 2. Armee erreichten Marsch'ziele sind aus 
„Die letzte Operation der Nordarmee" (Beilagen) zu ersehen. Am 18. Juli 
abends standen: das Gardekorps und VI. Korps südlich Brunn, das V. Korps 
bei Kojetein, die Kavalleriedivision Hartmann bei Kremsier. 

^) Ein eigentümlicher Zufall wollte es, daß sonach das erste und letzte 
Hauptquartier, welches König Wilhelm auf dem Boden der Monarchie auf- 
geschlagen hatte, Schwägern gehörte. Reichenberg war Eigentum des G. d. K. 
Graf Clam-Gallas. 



175 

..gehen, wobei Vorpoussierungen von Abteilungen zu besonderen 
..Zwecken, zum Beispiel zur Unterbrecliimg der Telegi'aphen- 
. .Verbindung Wien — Pressburg, nicht ausgeschlossen sind. Im 
..ganzen muß aber das Aufschließen der Armee in sich und das 
., Heranrücken des Garde- und 6. Armeekorps in zweiter Linie 
..abgewartet werden. 

..Die Pontonkolonnen der 2. Armee treffen morgen, den 
..19.. in Kostel ein. wo sie unter Befehl der 1. Armee treten 
..und von dieser letzteren ihre fernere Marschdirektion zu er- 
.. halten haben. 

..Seine Majestät der König machen ausdrücklich 
..darauf aufmerksam, daß auf ein offensives Vorgehen 
..des Feindes von Floridsdorf her gerücksichtigt werden 
,.son."^) 

Die Linie Gaunersdorf — Malaczka war von den Teten der 

westlich der March vorrückenden Kolonnen der 1. Armee am 18. JuK 

abends bereits erreicht. 

Wie sich Moltke das Verhalten der beiden preußischen 
Armeen im Falle einer österreichischen Offensive aus dem Brücken- 
kopf vorstellte, geht aus dem nachstehenden Bleistiftentwurf hervor : - 1 

j.Geht der Feind schon am 20. Juli offensiv aus Florids- 
dorf vor: 

20. Juli: Wenn der Feind heute Gaunersdorf angreift, so 
hat General Herwarth abends bei Gaunersdorf stand zu halten: 
Prinz Friedrich Karl konzentriert sich rechts und geht dem Angriff 
in die rechte Flanke. Ist die Überlegenheit zu groß — Straße nach 
Wilfersdorf frei zu machen. 

21. Juli: Arrieregardedi^ision bei Gaunersdorf: Eückzug 
Herwarths vor Tagesanbruch nach Wilfersdorf, wo halbes 6. Armee- 
korps Aufnahme. Prinz Friedrich Karl über Spannberg nach Zisters- 
dorf. Von Malaczka, was verfügbar, nach Hohenau. Gardekorps 
nach Böhmischkrut. 

Erfolgt am 20. Juli noch keine allgemeine Offensive: 

21. Juli: 6. Armeekorps: Wilfersdorf — Mistelbach. Garde- 
korps : Böhmischkrut — W^ilfersdorf. 

22. Juli: Hauptquartier: Wilfersdorf oder Zistersdorf. Herwarth: 
Wilfersdorf. Prinz Friedrich Karl: Dürnkrut. Kronprinz: Eisgrub.*' 



^j Sperrdruck von hier aus veranlaßt. 

-) Aus Moltkes Militärischer Korrespondenz. Krieg 1866. 



176 

Der erste Teil dieses Entwurfes und das Schreiben des Prinzen 
Friedrich Karl vom 19. Juli, 8 ^ früh enthalten verwandte Gedanken. 

Von welchem Zeitpunkt der Entwurf Moltkes stammt, ist 
wegen der fehlenden Datierung nicht zu erkennen, weshalb der 
Anteil der beiden hohen Offiziere an diesem Projekt nicht beurteilt 
werden kann. Über dessen Inhalt wird noch später zu sprechen sein. 

Das Kavai- jji den Morgenstunden des 18. Juli überschritten die drei 

HoTsteln^ schwcreu ßeservekavalleriedivisionen die Donau bei Stadlau. Die 
Situation und Stärke der von ihnen im Marchfeld zurückgelassenen 
Arrieregarden ist aus Beilage 10 zu erkennen. Hieraus entnimmt 
man, daß im Räume zwischen Weidenbach und March, in welchem 
die preußische 1. Armee vorrückte, keinerlei Aufklärung stattfand. 

Im Prater, wo die schweren Divisionen zwischen 8 und 10^ 
vormittags eingerückt waren, entwickelte sich bald ein außer- 
ordentUch lebhaftes Treiben. Um die argen Materialschäden der 
Ausrüstung zu beheben, waren Schuster, Schneider, Sattler, 
Schmiede etc. aus allen Bezirken der Stadt herbeigeeilt und be- 
sorgten die zahlreichen Herstellungen. 

Der Kaiser, dann auch König Johann von Sachsen besich- 
tigten die lagernden Truppen. 

Hinsichtlich der Berichterstattung dieses Tages ist hervor- 
zuheben, daß aus den Meldungen der 3. schweren Division eine 
am 17. JuU vollführte Linksschiebung der Eibarmee gefolgert 
werden konnte, weiters wußte man, daß der Feind über Gaunersdorf 
auf der Brünner Chaussee vordringe. 

Mit dem am 19. Juli früh ausgeführten Abmarsch der 
Arrieregarden auf das südliche Donauufer hatte das 
Kavalleriekorps, obwohl die Auflösung seines Verbandes 
erst einige Tage später erfolgte, seine Tätigkeit am 
Feinde beendigt. 

XYII. 
Betrachtungen. 

Die preußische Der Vormarscli der preußischen Hauptkräfte an die Donau 

Kavallerie- wurde zweimal durch unnütze Versammlungen nach östlicher 
Richtung unterbrochen, welche die erwünschte Schnelhgkeit der 
Operation beeinträchtigten. Zuerst galt es, den bei Brunn ver- 
muteten "Widerstand zu besiegen, später der im Rückzug flußabwärts 



177 

vermeinten Xorclarmee das Marchtal zu sperren. In beiden Fällen 
wurzelten Moltkes Anordnungen zum ZusammenscWießen der Armee- 
kolonnen wie zu der gleich darauf wieder möglichen Entfaltimg 
der Heeresfront fast durchwegs nur auf Kombinationen über des 
Gegners Handeln. Die Kavallerie, von der Füln'img nicht ent- 
sprechend verwendet, hatte kaum nennenswert zur Lösung der 
brennenden Fragen beigetragen. 

In der kürzlich erschienenen Schrift: ..Moltke in der Vor- 
bereitung und Durchführung der Operationen" ^i heißt es hierüber: 

..AVenn trotzdem im Feldzug 1866 die Kavallerie Verwendung 
viel zu wünschen übrig ließ, so ist die Schuld dafür keineswegs 
bei Moltke zu suchen. Wohl ist Moltke aller "Wahrscheinlichkeit 
nach die Bildung des Kavalleriekorps bei der Ersten und der 
Division Hartmann bei der Zweiten Armee mit zu verdanken, 
Einfluß auf die Verwendung der Waffe besaß der Generalstabschef 
indes nicht. Den Führern lag die Kavallerieverwendung damals 
noch nicht im Blute : es fehlte ihnen weniger an Fähigkeiten als 
;in Selbstvertrauen. Es fehlte vor allem aber ,.der richtige Mm^at". 

Die 8300 Reiter starke Kavallerie der 1. und Eibarmee-) 
gelangt erst am 6. Juli aus der allgemeinen Front heraus an die 
Spitze der Kolonnen^), wird jedoch kaum auf Tagmarschentfemung 
vorgeschoben. Am 8. Jiüi kommt man bei Nassaberg in Fühlung mit 
der Division Edelsheim. Bei Saar am 10., Tischnowitz am 11. und 
Martinkau am 12. Juli messen sich beiderseits geschlossene Abteilungen 
von der Stärke einiger Eskadronen. AVährend der East an der Thaya 
und der darauffolgenden Verschiebung nach Osten reißt die Fühlung 
ab und Tvdrd erst wieder — von imt ergeordneten Begegnungen 
pinzelner Patrouillen abgesehen — im Marchfeld aufgenommen."^) 

Bezeichnend ist, daß von einem planmäßigen Verfahren, be- 
stimmte Eäume oder Linien aufzuklären, nichts zu erkennen ist. 
Es darf dies nicht verwundern, denn bis in die Gegenwart reicht 
der Kampf der Meinungen über die zweckentsprechendste Lösung 
dieser Aufgaben. Während Moltke in seinen ., Verordnungen für 
die höheren Truppenführer vom 24. Jimi 1869" den Unterschied 
zwischen Sicherung und Aufklärung bereits scharf herausgearbeitet 



^) Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, 36. Heft. 

^) Ohne die Divisionskavallerieregimenter. (Beiläufige Stärkeangaben für 
Anfang Juli.) 

^) Yergl. die Situationsskizzen. 

^) Hierüber: .,Die Donauverteidigung." 

Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 12 



178 

hat, werden noch — wie Oberst Cardinal v. Widdern in seinem 
umfassenden Werke ^) darlegt — im Kriege gegen Frankreich die 
beiden grundverschiedenen Aufgaben nicht in verschiedene Hände 
gelegt: die Vorposten-Eskadronen hatten häufig gleichzeitig die 
Aufklärung zu besorgen. 

Der namentlich durch seine Schriften über kavalleristische 
Fragen bekannte preußische GL. v. Pelet-Narbonne äuJ3ert sich 
über diesen Gegenstand in folgender Art:^) 

„Aufklärung und Sicherung werden schon in der F. D. 0.^) 
von 1887 getrennt behandelt. Wir wissen ja alle, daß die Aufgaben 
der Aufklärung, Sicherung und Verschleierung vielfach ineinander 
greifen, dennoch dürfen sie nicht verquickt werden und wenn 
auch die F. D. 0. textlich die Aufgaben scheidet, so geschieht 
dies doch im Inhalt nicht in ausreichender Weise, um solche Ver- 
quickung zu verhindern; es wird also meines Erachtens in der 
F. D. 0. nicht genügend auf die Eigenart der verschiedenen Auf- 
gaben gerücksichtigt, so daß es zum Beispiel vorkommt, daß — 
wie es mir begegnet ist — eine Kavallerie division eine Aufgabe 
strategischer Aufklärung und gleichzeitig taktischer Deckung eines 
vormarschierenden Truppenkorps nach der Flanke erhielt, wobei 
die Lösung der einen Aufgabe die Erfüllung der anderen aus- 
schloß. Bei uns unterscheidet man offiziell in dieser Hinsicht noch 
nicht genügend, die Franzosen sind in ihren Vorschriften in diesem 
Punkt konsequenter. Ich habe seit Jahren betont und man stimmt 
mir im allgemeinen bei, übt es wohl auch so in der Praxis, daß 
die Kavalleriedivision im allgemeinen lediglich die Aufgabe der 
Aufklärung, die Divisionskavallerie lediglich die Aufgaben der 
Sicherung und Verschleierung zu lösen haben. — Ausnahmsweise 
kann die letztere Aufgabe auch einer Kavalleriedivision zufallen — 
siehe die 6. Kavalleriedivision in der Stellung gegen Metz 14. und 
15. August 1870 — dann aber wird die strategische Aufklärung 
sonst besorgt, nie sind beide Aufgaben zu stellen." 

Es wird heute eine Errungenschaft genannt, daß man die 
Richtigkeit der zur Zeit Napoleons herrschenden Anschauungen 
über Kavallerieverwendung wieder anerkennt. Wie man die sach- 
gemäße Aufgabe Stellung aber noch 1870 unterheß, so fehlte auch 
im Juli 1866 die jetzt selbstverständlich klingende Forderung an 



') Verwendung und Führung der Kavallerie 1870 bis zur Kapitulation 
bei Sedan. 

'^) In einem Privatbrief. 
^) Felddienstordnung. 



179 

die bei der 1. und Eibarmee verfügbare, zahlreiche Kavallerie: 
den Kolonnen weit vorauszugehen, sie durch die Aufklärung vor 
unnötigem Kräfteverbrauch für Sicherungszwecke zu bewahren, 
endlich die zeitgerechte Aufstai^elung der erforderlichen Erhal- 
tungsmittel einzuleiten. 

Um ein Beispiel für die Bedeutung dieser Unterlassung heraus- 
zugreifen, möge auf die Unklarheit über die Vorgänge bei der 
Bahnstation Lettowitz hingewiesen werden, wodurch der Glaube 
an die Richtigkeit der aufgefangenen Benedekschen Armeedispo- 
sition fast erschüttert worden wäre. Die Einwaggonierung des 
österreichischen 10. Korps auf Tagmarschentfemung von der feind- 
lichen Kavallerie hätte doch niemals stattfinden können. 

Betrachtungen über die Handhabung des Dienstes beim preußi- ^-^^ Kavai- 
schen Kavalleriekorps zeitigen ebenso unerfreuliche Wahrnehmungen Prinzen 
wie bei der ähnlich gearteten österreichischen Schöpfung. Aibrecht. 

Mangels einer Regelung fehlte der Einklang zwischen dem 
Kavalleriekorps und der Avantgarde des Herzogs v. Mecklenbiurg. 
welche beide vor der Front der 1. Armee tätig sein sollten. Dies 
wirkte keineswegs günstig auf die Leistungen beider Heereskörper ein. 
denen überhaupt keine bestimmten Aufgaben gestellt worden waren. 
Am 6., 8.. 9.. 10., 15.. 17. bis 20. Juli ^ i nächtigte das Kavallerie- 
korps auf gleicher Höhe mit der Avantgarde, am 7. und 11. Jiüi 
im Staffel rechts rückwärts, am 12., 13.. 14. und 16. Juli vor 
derselben. 

Eine einzige Unternehmung wurde — am 12. Jiüi — von 
Seiten des Kavalleriekorps inszeniert, mn sich mit der öster- 
reichischen Reiterei zu messen : sie mißlang. 

Zumeist ziehen beide Divisionen des Korps auf einer Straße 
hintereinander her, sie werden nicht viel anders geführt wie 
Infanteriedivisionen. Entsendungen erfolgen vornehmhch zu Foiura- 
gierungs- und Verbindungszwecken, seltener zur Aufsuchung des 
(legners. Vor Beginn des Tagmarsches müssen sich die Truppen 
auf einem Sammelplatz einfinden, zu dessen Erreichung gelegenthch 
auch Rückmärsche notwendig sind. Die Zone der taktischen 
Sicherung ist so eng gezogen, daß es bei Saar und an der Thaya 
zu gänzHch unnötigen Gefechtsaufmärschen kommt. In den letzten 
Tagen vor Erreichung des Marchfeldes beschränkt sich die Tätigkeit 
'les Korps lediglich auf brigadeweise bewirkte Ortsveränderuugen. 



^) Vergl. hierüber auch ..Die Donauverteicligung", Beilagen 2 und 3. 

12* 



180 

Satteldriick und vernachlässigter Hufbeschlag mehrten die 
inneren Friktionen. 

Das Kriegstagebuch der Kavalleriedivision Alvensleben meint : 
,,Zum Eingreifen von Massen ist es nicht gekommen, weil das 
Terrain hiefiir fehlte und die österreichische Kavallerie die Feuer- 
waffen fürchtete." ^) 

Hauptmann Schönfels, der Generalstabsoffizier der Division 
Hann, sowie auch das obenerwähnte Kriegstagebuch fassen ihre 
Erfahrungen im Kavalleriekorps dahin zusammen, daß das Korps- 
kommando nur eine den rechtzeitigen Befehlsempfang hindernde 
Zwischenstelle war. 

Selbstverständhch haben derartige Urteile nur begrenzte 
Gültigkeit ; ein schlecht oder an unrichtiger Stelle verwendetes 
Werkzeug versagt auch dann, wenn seine innere Qualität einwand- 
frei ist. 

Moltke tadelt in seinem Memoire vom 25. Juli 1868 im all- 
gemeinen die Leistungen der preußischen und lobt jene der öster- 
reichischen Kavallerie. Er will, daß Kavalleriekorps nur ad hoc 
gebildet werden sollten, der Stab des Korpskommandos habe bis 
zum Augenbhck der Verwendung im Armeehauptquartier zu bleiben. 
In der Verordnung für die höheren Truppenführer vom 24. Juni 
1869 ist die Verwendung großer Kavalleriekörper noch immer 
nicht im Napoleonischen Stile, der heute in vervollkommnetem 
Maße die Anschauungen beherrscht, zum Ausdruck gebracht. Noch 
immer leben in der Vorstellung die unter dem Namen ,, Reserve- 
kavallerie" zur Schlacht entscheidung zurückgehaltenen Reitermassen. 
Deshalb mußte 1870 von der preußischen Heeresleitung erst der 
bekannte, dringliche Ruf : ,, Kavallerie vor!" erschallen, ehe Wandel 
geschaffen wurde. 

Prinz Friedrich Karl schrieb am 24. Mai 1866^): ,,Wenn die 
Frage sich so stellt, ob wir Divisionskavallerie haben wollen auf 
Kosten der Reservekavallerie, oder diese auf Kosten jener, so ent- 
scheide ich mich für letztere Alternative. 

Die Divisionskavallerie, so viel Momente sich vielleicht gerade 
jetzt für deren Anwendung finden mögen, unsere jetzige beweg- 
liche und fern treffende Infanterie kann dieselbe allenfalls entbehren. 
Eine starke Reservekavallerie ist nicht zu entbehren zur Ent- 



^) Vergl. hierüber „Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld" Aus- 
spruch des Schriftstellers Brix, Seite 168. 

2) „Einige Winke für die unter meinen Befehlen ins Feld rückenden 
Truppen." (Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine. Oktober 1906.) 



181 

sclieidung der Schlacht, zur Verfolgung, zur Deckung des Rück- 
zuges. Dort ruhmreiche aber partielle Erfolge ohne wesentlichen 
Einfluß auf den Ausgang der Schlacht, hier die entscheidenden 
Schläge," 

Hinsichthch der Leistungen im Aufklärungsdienst dürfen 
wohl die beiden österreichischen leichten Kavalleriedi\dsionen den 
Anspruch erheben, zweckmäßiger verwertet worden zu sein, als 
dies bei der gegnerischen Reiterei geschah. In der Rolle als 
Schlachtenkavallerie hatte die altberühmte kaiserUche Reiterei bei 
Trautenau, AVjsokow und Königgrätz einen fast ebenbürtigen Feind 
gefunden, so daß es schwer hält, einer der Parteien den Erfolg 
im lokalen Sinne zuzuerkennen. 

Von höherem Gesichtspunkt aus hat hingegen das öster- 
reichische Heer seiner Kavallerie mehi' zu verdanken, als dies airf 
der Gegenseite der Fall war. 

Über die der Formierung einer ..Heeresavantgarde" zu Grunde Die Avant- 
liegenden Gedanken wiu-de schon einmal gesprochen^). Das unter Herzo<'s^^ 
dem. Herzog v. Mecklenburg vereinigte Detachement von 6 Batail- Mecklenburg 
Ionen. 12 Eskadronen und 3 Batterien war, wie ein Rückblick auf 
die letzten Operationstage erkennen läßt, nicht in dem, mit diesem 
Begriff verbundenen Sinne verwendet worden. Auf mäßige Ent- 
fernung vor die Front geschoben und dem Kommandanten der 
Tetedivision einer der Armeekolonnen unterstellt, spielt das Deta- 
chement die Rolle einer gewöhnlichen Vorhut, ebenso vde eine 
solche der Avantgarde Schöler zufiel, wobei aber letztere von der 
Eibarmee entschieden sachgemäßer verwertet wurde. 

Aus dem vom Stabe des Herzogs v. Mecklenbui'g verfaßten 
Feldzugsbericht ist zu entnehmen, daß man mit der eigenen 
Tätigkeit nicht recht zufrieden war. Als Gnmd für ausgebliebene 
gTÖßere taktische Erfolge wiu'de in erster Linie die zu späte For- 
mierung der Avantgarde geltend gemacht, die dem Feinde einen 
nicht mehr einzubringenden Vorsprung ließ. Li der zugewiesenen 
Vormarschzone war freilich nur österreichische Kavallerie imd 
reitende Artillerie anzutreffen, diese einzuholen und zum Schlage zu 
zwingen war schwer. Doch bestand auch nicht der ernst- 
liche AVille hiezu. Seitens des Armeekommandos nicht, welches 
sehr bescheidene Marschleistungen forderte und seitens des Avant- 
gardenführers ebensowenig, da letzterer, statt durch rührige Auf- 



^) „Der Eückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld", Seiten 82 und 83. 



182 

klärung den Marscli fließend zu gestalten, namentlicli in den ersten 
Tagen seine Kavalleriebrigade mit übertriebener Vorsicht in dem 
allerdings schwierigen Gelände geschlossen hinter der Infanterie 
in die Kolonne einreihte. 

In einer Hinsicht muß man den i^iisführungen des Feldzugs- 
berichtes zustimmen; es heißt dort: 

„Obwohl das Terrain sehr dazu geeignet war, das Vordringen 
der Avantgarde sowohl in der Front, als durch Hinterhalte und 
Flankenangriffe außerordentlich zu erschweren und trotz der großen 
Überlegenheit an Kavallerie und des Vorzugs der besseren Kenntnis 
des Terrains, wich das Korps des Prinzen Holstein fortwährend 
zurück, sobald sich nur die Spitzen der Avantgarde zeigten, welch 
letztere sich durch die anstrengendsten Märsche^) vergeblich be- 
mühte, den Feind irgendwo einmal zum Stehen zu bringen." 

Trotz dieser Mängel verwirklichte die preußische Heeres- 
leitung ihre Absicht. Die gemächhchen Teten wurden von den 
dahinter befindlichen Massen in fast unaufhaltsamer Operation bis 
über die Thaya geschoben, wo dann — in ihrem Werte über- 
schätzte — Nachrichten über österreichische Ansammlungen bei 
Wien das Tempo wieder mäßigten. 

Moitkes Von hohem Interesse ist es, das Moltkesche Befehlsverfahren 

\ahren^^' ^^ ^^^^ ^^^^^ ^^^^ Behandlung gelangenden Tagen zu studieren. 

Das Seil, mit welchem er die Armeen lenkt, ruht bald lose 
in seiner Hand, Direktiven auf mehrere Tage hinaus gewährleisten 
den Unterführern weiten Spielraum, bald wird mit der Spannung 
der Lage auch das Seil straffer angezogen und statt Angabe weit- 
gelegener Zielpunkte tritt eine tagweise Dispositionserteilung ein, 
die der oberflächliche Beobachter für einen Eingriff in die Befug- 
nisse der Armeeführer halten könnte. 

Diese, Moltkescher Geistesarbeit entsprungene Art der Führung 
A^'ar 1866, in solcher Vollendung geübt, neu. Seither ist dieses Ver- 
fahren im großen und im kleinen nachgebildet worden. 

Beachtenswert ist auch die preußische Marschtechnik jener 
Tage. Aus den Situationsskizzen tritt die AVahl ausgedehnter Unter- 
kunftsräume für die einzelnen Heereskörper hervor, welche den 
berechtigten AVünschen der Bequemhchkeit und der Ausnutzung 
der Ressourcen Rechnung trägt. 

Die Erscheinung, daß Naturwege zur Vervielfältigung der 
Kolonnen, um den Marsch fließender zu gestalten, fast nie auf- 



183 

gesucht TTurclen. dürfte mit dem oft peinlich empfundenen Karten- 
mangel zusammenhängen. 

Die 1. und 3. Reservekavalleriedivision hatten am 3. Juli ^'^ ^^^- 

stnngen des 

Opfermut, Entschlossenheit und alle mit der Tradition der kaiser- österreichi- 

Uchen Reiterei verknüpften Soldatentugenden auf das glänzendste sehen Kavai- 

bewiesen; der Division Edelsheim sind vor und nach der Schlacht 

die hervorragendsten, bisher unübertroffenen Leistungen auf dem 

Gebiet des Aufklärungsdienstes gutzuschreiben. Selbst der das 

Äußerste fordernde, lobkarge Führer der 1. leichten Di\'ision mochte 

in einem Befehl vom 14. Juli seinen Truppen die Anerkennimg 

hiefür nicht versagen. Schwerer als der strahlende AugenbUcks- 

erfolg in der Schlacht, mußten diese auszeichnenden AVorte von 

ihnen errungen werden. 

Mit den Leistungen des österreichischen Kavalleriekoi^)s in 
seiner Gesamtheit war aber wohl niemand zufrieden, weder damals 
noch heute, soweit sich dies in der hierauf nur flüchtig eingehenden 
Literatur ausprägt. 

Es will jedoch scheinen, als ob bei dieser in Bausch und 
Bogen erfolgten Verurteilung nicht ausreichend abgewogen würde, 
inwieweit es möglich war. trotz der Fesseln, welche man der 
Führimg umgeworfen hatte, Ersprießlicheres zu leisten. 

Unter I wurden bereits jene Einschränkungen erwähnt, welche 
die Freiheit des Handelns für das Korpskommando einengten. 

Aus dem Verlauf der zwölftägigen Tätigkeit nördlich der 
Donau wird sich der Leser auch über jene Schwierigkeiten klar 
geworden sein, welche in der Ausdehnung des Korps auf über- 
mäßig große Räume lagen, in einer Bewaffnung, die bei den 
schweren Divisionen zu auch noch so bescheidener Unabhängigkeit 
von der Lifanterie nicht ausreichte und endhch — aber nicht an 
letzter Stelle — in der ungenügenden Vorbereitung der Kaval- 
lerieführer — Edelsheim ausgenommen — für die zufallenden 
Aufgaben. 

Die hohe Befähigung des letzteren, auch auf diesem Gebiet 
und Avährend der eben besprochenen Operationsperiode, wird 
. vom Xachbardivisionär, GM. Graf Coudenhove, der sich in der 
Schlacht mit unsterblichem Ruhm bedeckt hatte, was Edelsheim 
versagt bheb, neidlos anerkannt. Xach einer Begegnimg mit dem 
Kommandanten der 1. leichten Kavalleriedivision schrieb Graf 
Coudenhove in einem Briefe vom 13. Juli: ..Edelsheim ist wirkLich 



184 

ein ausgezeiclineter Soldat und seine Plusaren haben auf dem 
E/ückzug Vorzügliclies geleistet . . .'' ^) 

Was nun unter den gegebenen Verhältnissen von der Korps- 
führung versäumt wurde, dürfte vornehmlicli darin bestehen, daß 
man sich im Stabe des Prinzen Holstein zu wenig damit beschäftigt 
hatte, die Situation beim Feinde dauernd evident zu halten, aus 
den freilich nur spärlichen Meldungen die Wahrscheinlichkeit seines 
weiteren Handelns zu kombinieren und hienach den Divi- 
sionen bestimmte Aufgaben zu übertragen. Es mußten 
Räume angegeben werden, die unbedingt aufzuklären waren, mit 
einmal konstatierten feindlichen Kolonnen durfte die Fühlung auch 
dann nicht mehr verloren gehen, wenn ihre Bewegungsrichtung 
die Aufklärungszonen mehrerer Divisionen kreuzte. Hiezu waren 
außer der Vereinbarung zwischen den Unterführern auch ein- 
heithche, vom Korpskommando getroffene Maßnahmen erfor- 
derlich. 

Die Divisionen bewegten sich hingegen nach dem starren 
Schema des Marschtableaus, ohne gegeneinander abgegrenzte 
Auf klärungsb er eiche, die Erkundung in voller Willkür — unab- 
hängig voneinander — ausübend oder hierin sogar vorübergehend 
aussetzend. 

Im Korj^shauptquartier lief dann eine Anzahl, schwer zu 
einem zusammentiängenden Bilde zu vereinigenden Berichte ein, 
die Meldesammelstelle gab sie ohne Kommentar nach Wien 
weiter. 

Im Verlauf der Rückmärsche trat einigemal der Fall ein 
— es wurde im Texte darauf hingewiesen — daß sich zwei, später 
auch drei Divisionen unter Einhaltung der vorgezeichneten Marsch- 
linien derart einander näherten, daß es unbedingt einer Regelung 
bedurft hätte, damit nicht zusammenhanglose Sicherungsmaßnahmen 
Platz griffen, wie dies kurz vor dem Überschreiten der Donau am 
16. und 17. Juh-) geschah. 

Auch die ungünstige Wahl des Korpshauptquartiers und die 
wenig durchgreifenden Maßnahmen, um die möglichst sichere und 
schnellste Verbindung zwischen den Divisionen und dem Korps- 
kommando zu gewährleisten, sind schwer zu rechtfertigen. Das 
Weitergeben der Befehle und Meldungen von einem zum anderen 



^) Die persönlichen Beziehungen der beiden Generale waren nicht die 
allerbesten, um so bedeutungsvoller ist der zitierte Ausspruch. 
^) Vergl. Beilagen 8 und 9. 



Das österreichische Kavalleriekorps im Aufklärungs-, 
bezw. Sicherungsdienst (Schematische Darstellung). 



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1 Brigade 



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Hauptkraft 
der 1. leichten 



Vorposten 




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Hauptkraft 
i der 3. schweren 



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1 Kürassierregiment nnd 
1 Ulanendivision 



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1 Kürassierregiment 



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Hauptkraft 
der 2. schweren 



Vorposten 




1 Regiment 
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Hauptkraft 
der 1. schweren 



Kavalleriedivision 



Das österreichische Kavalleriekorps Holstein. 



185 

Flügel, wie es die Korpsdisposition vom 10. Juli verlangte, war 
doch, niu* ein ganz angenügendes Auskmiftsmittel. 

Daß sich gelegentlich auch die Möglichkeit dargeboten hatte, 
die "Wünsche des Armeekommandos nach Verzögerung der feind- 
lichen Yorrückung zu erfüllen, wiurde im Texte gleichfalls berührt. 
Das Korpskommando war tatsächlich einigemal in der Lage, zwei 
Divisionen zu vereinigen, dem feindlichen Kavalleriekorps entgegen- 
zugehen, es in kui'zem Vorstoß anzufallen und diesen ohnehin 
vorsichtig vorgehenden Gegner energisch auf die Kolonnenteten 
zurückzudrücken und diese zu noch bedächtigerem Vorschreiten 
zu veranlassen. 



Das bei den einzelnen Divisionen des Korps Holstein ein- Das Verfahren 

geschlagene Verfahren, um den Dispositionen des Armee-, be- Divisionen des 

Kavallerie- 



ziehungsweise Korpskommandos gerecht zu werden, wird zwar aus 
der Darstellung klar gew^orden sein, doch um rasch einen Vergleich 
zu ermöglichen, wurde in der Textskizze eine schematische Dar- 
stellmig versucht. 

Bei den schweren Divisionen besteht der Dienst nur in der 
Sicherung durch Vorposten, über welche auf mäßige Entfernung- 
Patrouillen vorgetrieben wurden : bei den Divisionen Solms 
und Coudenhove Hegt dieser Dienst in der Hand des Komman- 
danten des Arrieregarderegiments, bei der Division Zaitsek ab- 
wechselnd in jener der Brigadiere. 

Daneben gewährt die Division Edelsheim schon das Bild 
moderner Entfaltung eines Aufklärungsapparates ; sie ist die einzige 
welche die Kräfte zur Erreichung des Zw^eckes sachgemäß anzu- 
spannen versteht, dank den Leistungen ihres Stabes und der 
Brigadiere, dank aber auch der durch ihre Bewaffnung erzielten 
erhöhten Widerstandsfähigkeit. 

Die Schrift ihres Generalstabschefs schafft vollen Einbhck in 
die dort herrschenden Verhältnisse, was bei den anderen Divisionen 
leider nicht in diesem Maße möglich ist.« 



korps. 



Es erscheint unerläßlich, einzelne wichtie-e Klarste] lun2:en aus ^^^ Division 

T ^ TT - PI -1 1 -p Edelsheim. 

dieser, der Kriegs eriahrung entsprungenen bchi'itt zu 
zitieren und gewisse Erwägungen daran zu knüpfen. 

,,GM. Edelsheim hat strenge darauf gesehen, daß die ent- 
sendeten Eskadronen die ihnen bestimmten Punkte er- 
reichten und behaupteten und die ihnen angewiesenen Linien 
nicht verließen. 



H. 



^i 



% 



186 

Diese Punkte waren stets mit sorgfältiger Überlegung 
gewählt; es galt niclit bloß die reine Aufklärung, sondern es 
sollten vor allem .Linien' gedeckt und dadurch, auch die 
Sicherheit für die Haupttruppe gewonnen werden. Straßen- 
knotenpunkte wurden deshalb besonders bevorzugt. 

Die jetzt modernen Nachrichtendetachements, die frei ge- 
lassen werden im Manöverraum, frei vor allem von jeder Gefahr 
sich bewegen, dürften im Kriege, unter scharfer Fühlung mit dem 
Feinde, sich vielleicht doch nicht in dem Grade bewähren, als man 
voraussetzt." 

Eine wichtige Frage ist es, wie im hier besprochenen Fall 
des Rückzuges die Ablösung der Aufklärungseskadronen, welche 
ihre Kräfte in beschwerlichem Dienste bald verbrauchten, zu be- 
wirken ist, ohne die Kontinuität der Aufklärung zu stören. 

Bei der Division Edelsheim wurden jene Aufklärungseska- 
dronen, welche auf den parallel zur Hauptlinie führenden Kommu- 
nikationen verwendet wurden, strahlenförmig von der Marsch- 
linie entsendet und kehrten seinerzeit ebenso wieder dahin zurück. 
Traf es nun nicht genau abgemessen zu, daß an jenem Punkte der 
Parallelkommunikation, wo der Dienst der erstabgesendeten Eska- 
dron endete, auch schon die ablösende zur Einleitung der Er- 
kundung bereitstand, so blieb während einiger Zeit der Raum, 
welcher den rechts und links der Marschlinie des Gros hinaus- 
geschickten Eskadronen zugewiesen war, unbeobachtet. Die Ab- 
lösung wurde nun tatsächlich in der Regel nicht derart angeordnet, 
daß dieser Ubelstand vermieden ward. 

Ein Marsch der Division in mehreren Kolonnen würde an 
dieser Klippe in anderer Art vorübergeführt haben. Dagegen hatte 
damals gesprochen, daß es in der Absicht Edelsheims lag, unter 
dem Schutze der zunächst am Feinde belassenen Brigade der 
Hauptkraft volle Ruhe, ohne Ausstellung von Vorposten, zu ge- 
währen. Eine Zeit hindurch, als von der Division zwei große 
Straßenzüge aufzuklären waren, kamen jedoch zwei Brigaden in erste 
Linie, die letzte konnte sich weiter rückwärts der Ruhe hingeben. 

Von hoher Bedeutung ist, was an verschiedenen Stellen in 
der erwähnten Schrift über das Maß des zu leistenden Wider- 
standes gesagt wird, denn darin gipfelte der dem Kavalleriekorps 
so häufig gemachte Vorwurf, daß es in dieser Hinsicht völhg ver- 
sagt habe. 

,,Der erneuerte Widerstand bei Wien erschien als eine Kon- 
zentrierung zu einer neuen Schlacht daselbst und dazu mußte der 



Heereskörper mögliclist intakt, zahlreich, und schlagfertig an 
der Donau eintreffen. Verlustreiche Gefechte durften daher, Tv^enn 
kein höherer strategischer Zweck dafür vorlag, nicht geführt 
werden. Solche Rückzugsgefechte sind, ihrem morahschen Ein- 
druck nach, verlorene Gefechte, die auf den Geist der Truppe 
selten vorteilhaft wirken und für das große Ganze gewöhnhch 
keinen Xutzen bringen." 

,,Wir wollten eine schlagfertige Kavalleriedivision an die 
Donau bringen, nicht aber Reste einer solchen. An dem wurde 
festgehalten und das wurde auch erreicht." 

,,Das einzig Zweckmäßige schien uns damals : In steter, 
scharfer Fühlung mit dem Feinde zurückzugehen, jeden verlust- 
reichen Kampf aber zu vermeiden. Das ist einfach, klar und zweck- 
mäßig. Welchen Nutzen konnten aufopferungsvolle Kämpfe bringen, 
aus denen endUch die Reste der Division an die Donau gelangt 
wären? Gewiß wäre es erwünscht gewesen, wenn die feindliche 
Armee 48 Stunden später an die March und an die Thaya ge- 
kommen wäre, um einen ungestörten Abmarsch der Korps von 
Olmütz zu ermöghchen. Aber die Kavalleriedivisionen für sich 
allein vermochten eine solche Änderung in der operativen Lage 
des Feindes nicht herbeizuführen." 

Hierüber möge einiges vorgebracht werden. 

Es erscheint sehr schwierig, die Grenze zu bemessen, bis zu 
welcher man sich nach den angeführten Betrachtungen mit dem 
Feinde engagieren durfte. 

Als um Mitternacht des 9. Juli Oberst Freiherr v. Appel einen 
Überfall auf das schwach besetzte Iglau vorschlug, mag einen 
AugenbHck all die während der unglücklichen Operationen zurück- 
gedämmte Unternehmungslust im Divisionsstabsquartier voll in die 
Halme geschossen sein. Solches ist wenigstens aus der Schrift des 
Generalstabschefs zu entnehmen. 

Kur weil die Zeit mit Rücksicht auf das Herankommen der 
nördlich der Straße gemeldeten starken Kräfte des Feindes 
schon zu sehr vorgeschritten war, wii'd auf diesen Coup ver- 
zichtet, dessen Ausführung Edelsheim gewdß sonst sehr gelegen 
gekommen wäre. 

Die diu^ch die bewirkte Erkimdung klar erkannte Lage ließ 
Appels Vorschlag als aussichtslos erscheinen. 

"VVie aber, wenn die Verhältnisse nicht so deuthch zu 
übersehen waren? Der Divisionär war gewiß nicht der Mann, 



188 

der bei seinen Handlungen stets an Rückversicherungen dachte, 
das hatte er bei Magenta und Solferino bewiesen. Ein Reiter- 
führer mußte namentlich in solcher Situation die Gelegenheit 
erhaschen, dem Feinde einen kräftigen Schlag zu versetzen. Man 
wäre also angegangen und hätte sich vielleicht blutige Köpfe 
geholt. 

Wäre der Entschluß deswegen zu verurteilen gewesen? 

Damit sei nur auf die Schwierigkeit der Übersetzung der 
besprochenen Anschauungen in die Praxis verwiesen. 

Auch die Lehre des Aufsparens auf eine später gewärtigte 
Entscheidungsschlacht dürfte nicht verallgemeinert werden, um 
nicht einmal die Entschlußfähigkeit weniger tatkräftiger und kühner 
Männer, wie sie damals die Führerstellen bei der 1 . leichten Division 
bekleideten, zu mindern. 
» über die Art, wie das Vorgehen des Gegners zu mäßigen 

war, beziehungsweise wie dem allzu raschen Verlassen der von 
den Arrieregarden der schweren Divisionen eingenommenen Auf- 
stellung vorzubeugen war, wurde schon einmal gesprochen. ^) 
Es genügt hiebei anzuführen, daß von den Batterien der drei 
schweren Divisionen seit Königgrätz kein Schuß mehr abgefeuert 
worden war. ^) 

Das Gelände. Unstreitig würde das in den vorstehend geschilderten Opera- 

tionstagen in Frage kommende Gelände auch heute von einem 
ßeiterführer nicht geradezu mit Freude begrüßt werden. Die Klagen 
der damaligen Kavallerie auf beiden Seiten über die ihnen gestellten 
Zumutungen kennzeichnen jedoch einen überwundenen Standpunkt; 
dafür haben bei uns Edelsheim und Pejacsevich, in Preußen 
Schmidt, Rosenberg u. a. gesorgt. Dennoch ist es auch hier 
wieder nötig, gerechten Maßstab anzulegen. Man darf die mi- 
genügend bewaffnete, durch teilweise unnötige Strapazen herab- 
gekommene schwere Kavallerie jener Tage nicht mit modernen 
Reiterdivisionen vergleichen, die bei ihrer Friedens Schulung nicht 
wie einst, nur den Exerzierplatz aufsuchen, denen Organisation 
und Bewaffnung ein Maß des Widerstandes verleiht, welches man 
nach den jüngsten Erfahrimgen noch immer mehr zu steigern 
trachtet. 



^) Vergl. Seite 54 und 55. 

2) Die Munitionsvorräte waren durch die Schlacht sehr gemindert, aber 
doch nicht zur Neige gegangen. 



189 
Um die Bildung eines unabhängigen Urteils über die Leistungen '^^^ rrteii 

- -- . 1 • 1 1 • 1 • • 4 über die T.itig- 

des Kavalleriekorj)s zu erleichtern, mögen hier noch einige Aus- keit des Kavai- 
fiihrungen von berufener Stelle beigefügt werden. Die Einsicht- leriekorps. 
nähme in diese Schrift veranlaßte den einstigen Generalstabschef 
der Division Edelsheim zu folgenden Darlegungen: 

..Am 3. Juli abends war die Aiinee schwer geschlagen, in 
ihrem Gefüge vollständig gelockert, ihre Kampfkraft gebrochen 
und durch die Schlacht und die vorausgegangenen Gefechte auch 
moralisch gänzlich erschüttert, dies alles hervorgebracht durch die 
überlegene Wirksamkeit des feindlichen Gewehres, dem man keinen 
gleichwertigen Widerstand entgegenzusetzen vermochte. 

Dieser Zustand lastete vor allem auf dem FeldheiTu und 
seinen Ratgebern, aber auch auf allen Führern und Soldaten, und 
das Gefühlj daß alles vergebens war und wäre, beherrschte alles. 

In solcher Lage stockt auch die notwendige geistige Arbeits- 
kraft und das Armeekommando hatte wohl keine andere Absicht: 
als die Armee der niui zu erwartenden feindlichen Verfolgung 
zu entziehen und allmählich die taktische Ordnung wiederherzu- 
stellen. Anderes war nicht zu machen. 

Diese Verfolgung fand nicht statt und der Sieger blieb am 
4.. 5. und 6. Juli im ganzen genommen stehen. Das war ein 
großes Glück für uns. denn sonst wären noch viele Tausende von 
Gefangenen, unzählige Geschütze und Fuhrwerke in seine Hände 
gefallen und wir hätten ein Jahr 1806 erlebt. 

Xach der Schlacht bei Lützen 1813 finden wir. daß während 
des Rückzuges durch Sachsen nach Schlesien eine große Zahl von 
Xachhutgef echten geliefert wurde, die die Verfolgung einigermaßen 
hemmten, jedoch in ihrer Gesamtheit einer verlorenen Schlacht 
gleichkamen. Aber die Schlacht bei Lützen war kein Jena und 
kein KöniggTätz. 

Ich meine, es wäre nicht zweckmäßig gewesen, hier ein 
solches System zu befolgen und nur einem Druck des Feindes zu 
weichen, sondern es galt sich vom Feind, so^del es anging, loszu- 
machen. 

Das Armeekommando hat dies angestrebt, zumindest in den 
ersten Tagen. 

L^nd so haben auch die Kavalleriedivisionen ihi'e Marsch- 
etappen vorgezeichnet erhalten. Diese Etappen sind klein, kleiner 
als ein gewöhnlicher Tagmarsch. DaduiT-h wußte das Annee- 
kommando, wo seine Divisionen standen, und diese, wohin sie 
zu gelangen hatten. 



190 

Hätte der Feind, durch richtige Marschetappen und durch 
sofortige Aufnahme der Verfolgung, wenigstens am 5. die Kavallerie- 
divisionen eingeholt, so wären sie bemüßigt gewesen, standzu- 
halten, um nicht hinter die vom Armeekommando bezeichneten 
Punkte zurückgehen zu müssen. Es ist vorauszusetzen, daß der 
aufrechte Befehl des Armeekommandos sie wenigstens zu dem 
Versuch veranlaßt hätte. Ob ihre innere Kampfkraft dazu aus- 
gereicht hätte, ist eine andere Frage. 

Als nun durch das Abdrehen der Marschrichtungen nach Wien 
hinter uns ein leerer Raum war, schien gar kein Grund vor- 
handen, sich in Gefechte einzulassen, die mit dem Rückzug 
enden mußten, der Trupj)e durch die Kampfbereitschaft Kräfte 
entzogen, die für einen späteren Zeit]3unkt aufgespart werden 
sollten. 

Die Kavallerie hatte eigentlich während ihres Rückzuges nur 
ihre eigenen Interessen im Auge zu halten, denn es waren keine 
Infanteriekolonnen vorhanden, die zu berücksichtigen waren. 

Von der Elbe bis an die Thaya findet sich kein Abschnitt, 
der eine Verteidigung begünstigen würde und selbst die Thaya ist 
ein Wasser, welches den Pferden nur bis an den Bauch reichte. 
Erst die Donau konnte die Kriegslage ändern. 

Ich gebe zu, daß es nach dem Verlauf, den die Operationen 
nahmen, angenehm geVesen wäre, wenn die 1. Armee einige Tage 
später nach Brunn gekommen wäre. Das zu ändern stand aber 
weder in der Macht der österreichischen Kavallerie noch sonst 
einer Truppe, sondern war ganz allein von den Maßnahmen der 
Preußen abhängig ; wären sie zwei Tage früher von Pardubitz auf- 
gebrochen, so waren sie auch zwei Tage früher in Brunn. 

Aus einer vorhinterladlichen Zeit stammt die landläufige Idee, 
daß ,,die Kavallerie den Rückzug zu decken hat". Und diese Idee 
ist vom Armeekommando und von anderen Leuten ausgesprochen 
worden, ohne sich über die Art der Ausführung Rechenschaft zu 
geben. Eigentlich denkt sich jeder dabei etwas anderes. 

Was kann und soll die Kavallerie in diesem Fall leisten? 

Sie soll den Standpunkt des Feindes auf den verschiedenen 
Anmarschlinien feststellen, um dadurch einen sicheren Kalkül zu 
ermöghchen, auf wie lange Zeit hinaus ein Zusammenstoß mit 
dem Feind absolut ausgeschlossen ist — wann möglich — und 
wann wahrscheinlich ist. Das ist Aufklärungsdienst und seine 
Verwertung; er ist doch etwas anderes als nur das Sammeln mili- 
tärischer Neuigkeiten. Dieser Dienst fordert viel Arbeit, also 



191 

Kraftaufwand, Kachdenken und Überlegung und nimmt die Truppe 
und ihre Führer sehr stark in Anspruch. 

Es ist wünschenswert, daß sich die Kriegshandlung mit einer 
gewissen Regelmäßigkeit vollzieht. Man hält dies gewöhnhch für 
selbstverständlich, aber es treten da Störungen aller Art ein. 
Die Truppe soll z. B. bei Xacht schlafen, bei Tag ruhig fortmar- 
schieren, doch auch rasten: rechtzeitig essen und eine gewisse 
Gemütsruhe genießen. Xun das geht eben nicht so glatt, es wird 
oft bei Xacht marschiert: die East plötzlich unterbrochen, der 
Marsch geschieht nur ruckweise, die Kochkessel werden um- 
geschüttet, bevor das Essen fertig ist. Die Ursachen dieser Stö- 
rungen liegen gewöhnlich in der erhitzten Phantasie eines Kom- 
mandanten oder seiner Ratgeber, hervorgerufen durch ein ganz 
falsches Gerücht oder das Erscheinen einer feindlichen ßeiter- 
abteilung. Die Kavallerie kann imd soll solche Unverschämtheiten 
der feindlichen Kavallerie entschieden verhindern. 

Ein größerer Kavalleriekörper kann damit so weit gehen, 
daß er seine Artillerie ins Feuer setzt, sich als große Geschütz- 
bedeckung benimmt und den Feind veranlaßt, dasselbe zu tim. 
Diese [Mission findet ihr Ende, wenn die feindliche Infanterie an 
sie heranrückt. Einige Zeit dauert dies -immerhin und die Kaval- 
lerie kann dann ihr Gefecht zeitgerecht abbrechen und wegreiten; 
die äußern Abteilungen selbst in schärferer Gangart. 

Viel mehr ist aber einem entschlossenen Feind gegenüber 
nicht zu erreichen, und daß er entschlossen ist, wird wohl diu'ch 
die Tatsache seiner Yorrückung bewiesen. 

Die Zeit, wo die Kavallerie sich auf die marschierende Infan- 
terie stürzen durfte, um sie zusammenzuhauen, ist vorüber. Das, 
was noch 1866 der preußischen Kavallerie erlaubt war. ist heute 
nicht mehr erlaubt. Und wenn die Infanterie auch keine Patronen 
haben sollte, ist ihr Prestige so gestiegen, daß die gegiierische 
Kavallerie erst w^ohl überlegen würde, ob die letzte Patrone wirk- 
lich verschossen ist. — Sie ^drd viel lieber zum Gewehr als zum 
Säbel greifen." 



Anhang. 



Das österreichische Kavalleriekoriis Holstein. 18 



I. 

Ordres de bataille des österreicUischen und preußischen 

Kavalleriekorps. 

Ä. österreichisches Kavalleriekorps. 

Kommandant: FML. Wilhelm Prinz zu Schleswig-Holstein. 

Generalstabschef: Oberst Franz Schmidt. 

1. Reservekavalleriedivision. 

Kommandant: GM. Karl Prinz zu Solms-Braunfels. 
Generalstabschef: Hauptmann Hugo Obauer. 

Brigaden: 



Oberst Konstantin Graf Thun- 
Hohenstein. 

Kürassierregiment Kaiser Ferdinand 

Nr. 4. 

Ö Ö [^ Ö 

Kürassierregiment Prinz v. Hessen 
Nr. 6. 



Ö Ö 1^ [^ Ö 
Ulanenregiment Kaiser v. Mexiko 

Nr. 8. 



Vierpfündige Kavalleriebatterie 
Nr. 5/VI. 



GM. Eugen v. Schindlöcker. 



Ö ^ Ö Ö 

Kürassierregiment Graf Stadion 

Nr. 9. 



1^ Ö Ö Ö 
Kürassierregiment Kaiser Franz Josef 

Nr. 11. 

Ö Ö Ö [^ Ö 

Ulanenregiment Kaiser Franz Josef 
Nr. 4. 

Vierpfündige Kavalleriebatterie 
Nr. 6/YI. 

13* 



196 



2. R e s e r V e k a V a 1 1 e r i e d i V i s i o ii . 

Kommandant: GM. Karl Zaitsek v. EgbelL 
Generalstabschef: Oberstleutnant Alfred Ritter v. Joelson 



Brigaden ; 



GM. Karl Frh. v. Boxberg. 



1^ Ö 1^ Ö 

Kürassierregiment König v. Sachsen 

Kr. 3. 



Ö Ö 1^ Ö 

Kürassierregiment Herzog v. Braun- 

scliweig Nr. 7. 



Ö Ö 



2. Division des Ulanenregiments 
Graf Wallmoden Nr. 5. 



Vi erp fündige Kavalleriebatterie 
Nr. 4/XII. 



GM. Roman Graf Soltj'k. 

Ö ^ Ö Ö 

Kürassierregiment Kaiser Franz Joset* 

Nr. ]. 

Ö u^ Ö Ö 

Kürassierregiment Kaiser Nikolaus 

Nr. 5. 

Ö Ö El 
1. Division des ülanenregiments 
Graf Wallmoden Nr. 5. 



Vierpfündige Kavalleriebatterie 
Nr. 5/XII. 



3. Reserveka valier ledivision. 
Kommandant: GM. Karl Graf Coudenhove. 

Generalstabschef: Oberstleutnant Friedrich Frh. v Cnobloch. 



Brigaden: 



Oberst Alexander Graf zu 
Pappenheim. 

I^ Ö 1^ Ö 

Kürassierregiment Graf Wrangel 
Nr. 2. 



I^ Ö 1^ 1^ 

Kürassierregiment Prinz v. Preußen 
Nr. 8. 



GM. Adolf V. Giengen. 



[Z3l 



Vierpfündige Kavalleriebatterif 
Nr. 2/XII. 



Ö Ö Ö E^ 

Kürassierregiment König v. Bayern 

Nr. 10. 

1^ !^ 1^ [^ 

Kürassierregiment Graf Neipperg 

Nr. 12. 

1^ Ö 1^ Ö !^ 

Ulanenregiment Kaiser Alexander 

Nr. 11. 



Vierpfündige Kavalleriebatterie 
Nr. 3 Xll. 



19- 



1. leichte Kavalleriedivision. 

Kommandant: GM. Leopold Frh. v. Edelsheim. 
Generalstabschef : Major Johann Frh. v. AValdstätteu. 

Briiraden : 
Oberst Johann Frh. v. Appel. 



Ö Ö [^ [^ Ö 

Dragonerregiment Fürst Windisch- 

Graetz Nr. 2. 

i^ i^ 1^ 1^ 1^ 

Husarenregiment Fürst Liechtenstein 
Nr. 9. 



LZjE 



Yierptiindige Kavalleiiebatterie 
Nr. 4/XL 



Oberst Olivier Graf Wallis Frli. auf 
Carighmain. 

1^ I^ !^ '^ ^1 

Dragonerregiment Prinz v. Savoyen 
Nr. 1. 

Ö ::t"^ Ö ^3 Ö 

Husarenregiment König v. Preußen 
Nr. 10. 



Vierp fündige Kavallerie batterie 
Nr. 5 XL 



GM. Ignaz v. Fratricsevics. 

ÖÖ^ÖÖ I Ö Ö ^I Ö ^ 

Hasarenregiment Graf Radetzky Husarenre.o-iment Kurfürst Hessen- 



Nr. 5. 



Kassel Nr. 8. 



Yierptündige Kavalleriebatterie Nr. 6 XL 
Summe des Korps: 98 Eskadronen und 9 Batterien, 



198 



B. Preußisches Kavalleriekorps. 

Kommandierender General: G. d. K. Prinz Albrecht v. Preußen. 
Chef des Generalstabes: Oberstleutnant v. Witzendorft. 

1. Kavalleriedivision ^). 

Kommandeur: GM. v. Alvensleben. 
Generalstabsoffizier: Major Frh. v. Eller-Eberstein. 



1. leichte Kavalleriebrigade. 
GM. Freih. v. ßheinbaben. 

Ö Ö 1^ Ö 
Gardedragonerregiment Nr. 1. 

Ö Ö Ö 1^ 
Gardeulanenregiment Nr. 1. 

Ö Ö 1^ Ö 
Gardeulanenregiment Nr. 2. 



2. reitende Batterie des Gardeartillerie- 
regiments. 



2. schv^ere Kavalleriebrigade. 
GM. V. Pluel. 

Ö Ö i^ Ö 

Brandenburgisches Kürassierregiment 

Nr. 6. 

C>] Ö 1^ Ö 
Magdeburgisches Kürassierregiment 

Nr. 7. 



cniL 



1. reitende Batterie des Gardeartillerit- 
regiments. 



i. reitende Batterie des Artillerieregiments Nr. 2. 

2. Kavalleriedivision. 

Kommandeur: GM. Hann v. Weyhern. 
Generalstabsoffizier: Hauptmann v. Schönfels. 



2. leichte Kavalleriebrigade GM. Herzog Willielm v. Mecklenburg-Schwerin.-') 

^ Ö Ö Ö 
Gardedragonerregiment Nr. 2. 



1^ Ö 1^ 1^ 
Brandenburgisches Husarenregiment 

Nr. 3. 



Ö Ö Ö 1^ 

Brandenburgisches Ulanenregiment 

Nr. 11. 



(ZHE 



1. reitende Batterie des Artillerie- 
regiments Nr. 2. 



1) Die 1. schwere Brigade zur 2. Armee abkommandiert. 
'^) Bei der Avantgarde der 1. Armee. 



199 



3. leichte Kavalleriebrigade. 
GM. Graf v. Bismarck- Bohlen. 

Ö Ö I^ Ö C>] 

Neumärkisches Dragonerregiment 
Nr. 3. 

Ö Ö Ö Ö 
Thüringisches Husarenregiment Nr. 12. 



3. reitende Batterie des Artillerie- 
regiraents Nr. 2. 



3. schwere Kavalleriebrigade. 
GM. Frh. V. d. Goltz. 

Ö Ö Ö Ö 
Pommersches Ulanenregiment Nr. 9. 

Ö Ö Ö Ö 
Kürassierregiment Königin Nr. 2. 



HU 



2. reitende Batterie des Artillerie- 
regiments Nr. 2. 



Summe des Korps (einschließHch der 2. leichten Brigade); 49 Eskadronen 

und 6 Batterien. 



200 



II. 

Die Ausriistiing und liewaft'nuug der k. k. und der k. preußischen 
Kavallerie im Jahre 18(>() mit besonderer Berücksichtigung ihrer 

Befähigung zum Feuergefecht. 

(Bearbeitet von Hauptmann Kerchnawe.) 

Ausrüstung und Bewaffnung der Kavallerie beider kriegführenden Mächte 
wiesen je nach ihrer Zugehörigkeit zur leichten oder schweren Kavallerie 
Verschiedenheiten auf. 

Die Trennung in schwere und leichte Kavallerie war bei der 
preußischen Kavallerie eine viel schärfere, der Unterschied in Bewaffnung 
und Ausrüstung demnach größer als bei der österreichischen. 

Bewaffmmjr Die gesamte k. k. Kavallerie führte den Kavalleriesäbel M. 1861, von 

der österrei- welchem zwei Muster bestanden, ein schweres und ein leichtes, 
duschen Ka- -^j-.^ ^^^ Schweren Kavalleriesäbel M. 1861 war im Prinzip die schwere 

Kavallerie, mit dem leichten Kavalleriesäbel M. 1861 im Prinzip die leichte 
Kavallerie (Ulanen, Dragoner und Husaren) bewaffnet. Doch hatte jedes 
Kürassierregiment eine Anzahl leichter Säbel (bis zu Va des Mannschafts- 
standes), jedes leichte ßegiment eine Anzahl schwerer Säbel zur Bewaffnung der 
schwächeren, beziehungswei*e stärkeren Leute. Der Kavalleriesäbel M. 1861 — 
dessen leichtes Muster auch jetzt noch teilweise bei den berittenen Waffen 
im Gebrauch ist — war in beiden Mastern in seiner äußeren Form ganz 
gleich (nur die Ulanensäbel hatten Verschiedenheiten am Korb), leicht ge- 
krümmt und mit einseitigem Hohlschlift' versehen. Die Klinge der schweren 
Säbel war 91-5 cm lang, '6\) cm breit und zirka 12 kg schwer, jene der leichten 
84 cm lang, 3"5 cm breit und zirka j -1 kg schwer. 

Außer dem Säbel führten die Ulanen noch eine 26B cm lange und etwas 
über 2 kg schwere Lanze (Pike) ohne Fähnchen. 

Schutz Waffen führte die k. k. Kavallerie, abgesehen von den Helmen 
der Kürassiere und Dragoner und den Czapkas der Ulanen (exkl. Ul.ß. Nr. lo) 
keine. Hingegen gewährten die umgehängten Pelze der Husaren, die stets ange- 
zogenen oder umgehängt getragenen Mäntel der anderen Eeitergattungen (bei 
der Südarmee hatten auch die Ulanen die Ulanka eingehängt) einen ziemlich 
ausgiebigen Schutz gegen Hieb und Säbelstiche. 

An Feuerwaffen war vor dem Feldzug jeder Mann — mit Ausnahme 
von 16 Mann per Eskadron — mit einer gezogenen Kapselpistole (Vorderlader) 
mit Kolbenansatz ausgerüstet. Dieser Kolbenansatz, welcher für gewöhnlich 
von der Pistole getrennt verwahrt wurde, konnte durch einen federnden 



201 

Haken mit dem Pistolenscliaft verbunden werden und ermöglicbte sodann 
— in ähnlicher Weise wie die Anschlagtasche der Mauserrepetierpistole — 
den Gebranch der Pistole als AnschlagwafFe. Doch war die Ausrüstung mit 
Pistolen mit Kolbenansatz noch nicht bei allen Regimentern durchgeführt. 

Die oben erwähnten 16 Mann per Eskadron waren mit gezogenen 
Karabinern System Lorenz ausgerüstet. 

Im Mai 1866 wurde die Ausgabe von Extrakorpsgewehren System 
Lorenz an die gesamte Mannschaft ohne Cliargengrad der 1. leichten ^) und 
an die Mannschaft ohne Chargengrad je einer Eskadron jedes Regiments 
der 2. leichten Kavalleriedivision -) der Nordarmee verfügt. Diese Gewehre 
langten^ mit je 30 Patronen Lbungsmunition außer der Kriegstaschenmunition 
verseilen, am 14. beziehungsweise 19. Mai, also wenig mehr als einen Monat 
vor Kriegsausbruch, bei den Truppen ein. Die mit Extrakorpsgewehren be- 
teilten Leute hatten ihre Pistole abzuführen. 

Die Pistole hatte ohne Kolbenansatz ein Gewicht von l'ö kg, eine Länge 
von 43^/4 cm, mit Kolbenansatz ein Gewicht von 2^/4 kg, eine Länge von 
()6-V4C?»; das Gewicht des Extrakorpsgewehres betrug ^^/zJcg, seine Länge 
166^'2 cm, Gewicht und Ausmaße des Karabiners waren etwas geringer. 

Alle die genannten Feuerwaffen hatten ein Kaliber von 14 ynm und 
waren nur mit einfachen Stöckelabsehen versehen, welche — bei der Pistole 
selbstverständlich nur mit Anschlagkolben — einen gezielten Schuß nur bis 
30<> Schritte, auf den Distanzen unter SOO Schritten Distanzunterschiede 
nur durch Feinnehmen des Kornes oder Tiefhalten ermöglichten. Wollte 
man, was ja prinzipiell nicht angestrebt wurde, die bedeutend weitergehende 
Leistungsfähigkeit dieser Waffen ^) ausnützen, so war dies nur mit Grob- 
nehmen des Kornes oder Hochhalten möglich, bei den zur Verfügung- 
stehenden mindergeübten, im Schießen auf größere Distanzen aber ganz 
ungeübten Schützen ein Auskunftsmittel von höchst zweifelhaftem Wert. 

Die Präzision dieser Feuerwaffen war eine ausreichende. ^) 

Aus allen drei Waffen wurde das Geschoß — ein zvlindroeivales Koni- 
pressivgeschoß — verfeuert, jedoch beim Extrakorpsgewehr mit einer Ladung 
von 55, bei der Pistole mit einer solchen von 25 Gran Gewehrpulver, 
Kriegstaschenmunition in jedem Falle 24 Patronen per Mann. 

Die Pistole wurde zu Pferd in einer Holfter auf der rechten Sattelseite, 
abgesessen an der Pistolenumhängschnur getragen, der Karabiner an einem 
Bandelier an der rechten Hüfte, das Extrakorpsgewehr wahrscheinlich um- 
gehängt. ?) 

Die Pferderüstung der gesamten Kavallerie war einheitlich. Sie Die Aus- 
bestand aus dem in drei Größenklassen erzeugten, ungarischen Bocksattel auf rüstung der 
neunfach zusammengelegter Decke, Kopfgestell, Vorder- und Hinterzeug. Die 
bei den schweren Regimentern noch nicht lange eingeführten Böcke waren 
ziemlich roh gearbeitet, ihr Anpassen nicht leicht, was — speziell bei den 



k, k. Kava: 
lerie. 



1) 3440 Stück. 

^) 520 Stück. 

3) Die Tragweite der Pistole mit Kolbenaasatz reichte bis über 1000, jene des 
Extrakorpsgewehres bis auf 2000 Schritte. AuflOOO Schritte wurden 5 bis 6, auf 2000 Schritte 
noch 2 Bretter aus einzölligem. Tannenholz durchschlagen. 

'») Auf 300 Schritte 100, mit dem Extrakorpsgewehr auf 500 Schritte noch 900/o Treffer. 

■•) Diesbezüglich war nichts angeordnet worden. 



Eesume. 



202 

Augmentationspferden und bei jenen Regimentern, bei welchen sich die Edels- 
heimschen Grundsätze noch nicht eingelebt hatten und die im Frieden noch mehr 
auf dicke als auf leistungsfähige Pferde hielten — im Verein mit dem ziemlich 
schweren Pack, Ursache verhältnismäßig zahlreicher Druckschäden wurde. 

Der Pack bestand aus dem mit Lammfell überzogenen Mantelsack (für 
Uniform, Wäsche und Stiefel, der Mantel selbst meist angezogen), welcher 
mit einer zweitägigen Haferration und dem Futtersack rückwärts, den beiden 
Packtornistern, zweitägiger Heuportion und eventuell dem Mantel vorne am 
Sattel befestigt war. An der rechten Sattelseite außerdem hinter dem Sitze 
Pistolenholfter, vor dem Sitze Pferdeptlock, an der linken Sattelseite Hufeisen- 
tasche. Bei vier Mann jedes Zuges war außerdem noch ein Kochgeschirr über 
den Mantelsack gepackt. Das Gewicht des ausgerüsteten Reiters und Sattels 
betrug zusammen 130, bei den mit Kochgeschirren versehenen Leuten 13-1 leg. 

Eine technische Ausrüstung wurde erst — gleichzeitig mit den 
Extrakorpsgewehren — zirka ein Monat vor Feldzugs beginn an die zehn Re- 
gimenter der 1. und 2. leichten Kavalleriedivision ausgegeben. (Vergl. Fuß- 
note auf Seite 51.) 

Wie aus vorstehendem entnommen werden kann, war der Unter- 
schied zwischen schwerer und leichter Kavallerie in der Bewaffnung 
und Ausrüstung ein geringfügiger. 

Der Hauptunterschied lag im Mannschafts- und Pferdematerial. Zur 
schweren Kavallerie durften nur Mannschaft von mindestens 168 cm Höhe 
und kräftigem Körperbau, Pferde stärkeren Schlages von mindestens 161 cm 
genommen werden, zur leichten Kavallerie hingegen waren gedrungene Leute 
von 160 bis ITOVa cw Körpergröße, Pferde leichteren Schlages von 154 c>» Höhe 
zu nehmen. 

Die Ausbildung war zwar bei beiden Reitergattungen die gleiche, beide 
hatten dasselbe Reglement, trotzdem aber betrachtete man vornehmlich die 
Kürassiere noch als Schlachten- und Reservekavallerie. Auch in der Waffe 
selbst hatten bei älteren Offizieren ähnliche Anschauungen die Oberhand. Erst 
nach der Schlacht bei Königgrätz verwendete man die Kürassiere auch als 
leichte Kavallerie. 

Das Abrichtungsreglement für die k. k. Kavallerie vom Jahre 1857 ent- 
Bestimmungen i , i xr t • • i i 

für das Feuer- tLi^lt zwar die auch von den späteren ergänzenden Vorschritten ^) über- 

gefecht zu nommenen Worte: 

Fuß bei der „Der Kavallerist ist nur dann im stände, seiner Bestimmung in jeder 

Hinsicht zu entsprechen, wenn er auch sein Feuergewehr mit Erfolg zu ge- 
brauchen erlernt hat", es fehlen aber in allen damaligen Vorschriften Be- 
stimmungen, in welcher Beziehung diese Fertigkeit im Feuergefecht zu Fuß 
auszunützen sei. 

Auch bei der Edelsheimschen „Versuchsbrigade" 2) waren hierüber 
keine reglementären Vorschiiften und Bestimmungen ergangen, wenngleich 
angenommen werden kann, daß GM, Freiherr v. Edel sheim, der den Feuerwaffen 
entsprechenden Wert beilegte, diesbezüglich seinen Regimentern gewiß Ver- 



ls, k. Kaval- 
lerie. 



1) Abrichtungsreglement für die leichten Regimenter, beziehungsweise für die Frei- 
willigen-Regimenter. 

'^) Freiw. Hus. R. 1 und 2, Freiw. Ul.R., später Hus.R. 13 und 14 und Ul. R. 13. 



203 

haltungsmaßregeln gegeben hat. Aber Gera eingut der ganzen Waffe waren sie 
noch nicht geworden. 

Das Exerzierreglement gab einzig und allein nur Anhaltspunkte, wie 
zum Feuergefecht abzusitzen und wüe die abgesessene Abteilung zu 
formieren sei. 

Zum Feuergefecht hatte bei der hiezu bestimmten Eskadron — auch 
bei höhereu Verbänden hatten nur einzelne Eskadronen abzusitzen — der 
Kommandant, der rangsjüngere Oberleutnant, beide Leutnants, die Trompeter, 
vier Korporale und alle geraden Nummern (mit Ausnahme jener der Standarten- 
rotten), ferner bei den nicht mit Extrakorpsgewehren bewaffneten Regimentern 
alle Karabinerschützen abzusitzen, die Pferde der abgesessenen Chargen 
waren an ungerade Nummern zu verteilen. Sollte die abgesessene Mannschaft 
verstärkt werden, so hatten die Zugskommandanten Sorge zu tragen, daß 
kein aufgesessener Mann mehr als drei Pferde (je eines an jeder Seite) zu 
halten habe. Das Maximum an abgesessenen Schützen betrug also -/3 des 
Feuergewehrstandes. 

Bei den Ulanen blieben die Piken bei den Pferden. Das Kommando 
der zu Pferd verbliebenen Abteilung hatte der 2. Rittmeister zu führen. 

Die abgesessene Mannschaft hatte die Feuerwaffe zu ergreifen und, in 
zwei Gliedern formiert, während der Bewegung gegen die Mitte der Division 
zu schließen. Sodann war sie zu dem zu besetzenden Punkte zu führen, wo 
nach Ausscheidung einer Reserve zu Fuß, ein Glied formiert und die ein- 
zelnen Leute angewiesen werden sollten, die vorhandenen Deckungen auszu- 
nützen. Es war nur auf „wohlgezieltes" Einzelfeuer, nicht aber auf ein Feuer 
aus geschlossener Ordnung Wert zu legen. Für die Durchführung des Feuer- 
gefechtes und gegenseitige Unterstützung der einzelnen Leute und Truppen 
waren die Bestimmungen über die Anwendung des Feuers beim Kämpfen in 
„geöffneter Ordnung" zu Pferd maßgebend. 

Die Bewaffnung der preußischen Kavallerie war eine viel mannigfaltigere Die Bewaff- 
als jene der österreichischen. nung der 

T\- TT- - • TT I I-. 1 -r -, ■, . k. preußischen 

Die Kürassiere und die sehweren Reserve- und Landwehrreiter- Kavallerie 

regimenter führten an blanken Waffen Pallasche — Kürassierdegen russischen^) 
Musters — mit 96"2 cm langer und 1"5 Jcg schwerer, gerippter, durchwegs gerader 
Ivlinge und messingenem Spangenkorb. 

Die Kürassiere hatten außerdem an Schutzwaffen einen 8 bis 12 Jcg 
schweren Küraß aus poliertem Stahl, welcher gegen Pistolenschüsse und 
Schüsse aus glatten Gewehren schußsicher war, andererseits aber den Mann, 
besonders im Fußgefecht, erheblich belastete und den Gebrauch einer 
zweihändigen Handfeuerwaffe erschwerte, ferner einen Metallhelm mit bis in 
den Nacken reichendem Nackenschutz. 

Die schweren Reserve- und Landwehrreiterregimenter trugen nur den 
Kürassierhelm, keinen Küraß, hingegen Lanzen alter Art (M. 23), 3-22 vi lang 
und zirka 1'8 kg schwer mit schwarzweißen Fähnchen. 



1) Die Kürassiere waren während und nach den Befreiungskriegen ganz nach 
russischem Muster ausgerüstet und bewaffnet worden. Ihre Kürasse waren damals aus- 
schließlich französischer (erbeutete) oder russischer Provenienz (vom Zaren geschenkt). 
Das Regiment Gardes du Corps trägt noch heute bei gewisser Dienstleistung schwarze 
Kürasse, ein Geschenk Kaiser Alexanders I. 



204 

Die ebenfalls zur schweren Kavallerie zählenden Ulanen (auch jene der 
Landwehr) führten den 87-2 cm langen, zirka 1*4 'kg schweren, leichtgekrümmten, 
mit beiderseitigem HohlschlifF und stählernem Spangenkorb versehenen 
Kavalleriesäbel M. 52 \), ferner die Linienregimenter die Lanze neuer Art 
(M. 23 und M. 55), welche nur 3"14 m lang, hingegen 1-87 Ä'^ schwer war. die 
Landwehr- und ßeserveulanen die bei de:i schweren Reiterregimentern be- 
schriebene Lanze alter Art. 

Als Schutzwaffen kamen die Kopfbedeckung (Tschako bei den Linien- 
ulanen, Infanteriehelm bei den Landwehrulanenj und die metallenen Achsel- 
stücke in Betracht. 

Die zur leichten Kavallerie zählenden Dragoner und Husaren hatten 
an blanken Waffen nur den bereits beschriebenen Kavalleriesäbel M. 52, 
als Schutz \v äffe kann höchstens der Helm (Infanteriehelm) der Dragoner ge- 
rechnet werden. 

Die blanken Waffen der preußischen Kavallerie waren also länger und 
schwerer als jene der österreichischen, die österreichischen jedoch mehr für 
den wuchtigen Hieb, die preußischen mehr für den Stoß konstruiert, während 
bei der preußischen Kavallerie die Ausbildung im Waffengebrauch, besonders 
zu Pferd, nicht auf jener Höhe stand, welche der wirkungsvolle Gebrauch 
dieser Waffen erforderte. 

An Feuerwaffen führten die schwere Kavallerie, exklusive 80 Mann 
per Regiment, sowie die Unteroffiziere und Trompeter der leichten Kaval- 
lerie per Mann je eine glatte Kavalleriepistole M. 50, welche nur im 
Xahkampf einigermaßen Wirkung haben konnte. Gezogene Hinterladpistolen 
waren wohl im Versuch, kamen aber nie zur Einführung. -) 

Je 80 Mann jedes schweren Regiments sowie sämtliche Gefreiten und 
Gemeinen der leichten Kavallerie führten den Zündnadelkarabiner 
M. 41/G2. Dieser hatte ein Kaliber von 15"42 mm^ ein Gewicht von zirka B"5 Äj. 
Der Aufsatz reichte bis 750 Schritte (Tragweite etwa 1300), die Feuerschnellig- 
keit betrug 6 bis 7 gezielte Schüsse in der Minute. 

Die Taschenmunition betrug — gleichgültig ob der Mann mit Karabiner 
oder Pistole ausgerüstet war — 20 Patronen per Mann. 

Karabiner und Pistole wurden an der rechten Sattelseite in einem 
Schuh, beziehungsweise Holfter getragen, ersterer konnte aber auch an einem 
Lederbandelier befestigt werden. 

Die Feuerwaff'en der preußischen leichten Kavallerie (beziehungsweise 
der Karabinerschützen) waren jenen der k. k. Kavallerie entschieden über- 
legen, hingegen waren die preußischen Kavalleriepistolen eine für das 
Feuergefecht zu Fuß ganz untaugliche Waffe und der österreichischen ge- 
zogenen Kavalleriepistole mit Kolbenansatz entschieden inferior. 

Ausrüstung Die Pferderüstung bestand bei den Kürassieren aus dem deutschen 

der Sattel, bei allen anderen Reitergattungen (auch bei den schweren Landwehr- 

VTevTßisclien j.gjtern) dem ungarischen Bocksattel auf neunfach zusammengelegter Decke 
(Woylach) mit Vorder- und Hinterzeug und dem Kopfgestell. An Pack wurde, 
ähnlich wie in Österreich, Mantel- beziehungsweise Futtersack samt Futter, 

1) Der dem österreichischen Infanterieoffizierssäbel ähnliche, aber schwerere und 
stärker gekrümmte Ulanensäbel wurde den Ulanen erst 1873 wieder verlieben. 
') Statt ihrer nach 1870 der Revolver. 



Kavallerie. 



205 

Packtaschen samt Überdecke, Pierdepfiock und Fouragierleine, ferner bei 
jedem Manne Kochgeschirr und Eßschale getragen. Der Pack war ebenfalls 
schwer, bei den Kürassieren das vom Pferde zu tragende Gewicht noch 
größer als jenes bei der österreichischen schweren Kavallerie. 

Die ungarischen Sättel waren in 25 Größenklassen erzeugt, sehr sorg- 
fältig gearbeitet und mit großer Sorgfalt angepaßt. Da bei der preußischen 
Kavallerie das Pferdeschonen im Frieden noch mehr im Schwange war als 
bei der österreichischen, mancher SchwadronscheP, besonders bei dei' schweren 
Kavallerie, seinen Stolz in der russischen Fettfarche seiner gemästeten Pferde 
sah, fielen die Pferde auch bei mäßigen Kriegsstrapazen so rasch ab, daß 
die sorgfältigste Anpassung der gut gearbeiteten Sättel bald illusorisch 
wurde und die Zahl der Druckschäden jenei* beim Gegner nicht nachstand. 

Die rasch abfallenden Pferde waren unter dem schweren Pack und den 
schweren Reitern der schweren Kavallerie auch so ermattet, daß sie bald 
keiner mittelmäßigen Anstrengung mehr gewachsen waren. ^) 

Technische Ausrüstung besaß die preußische Kavallerie keine. 

Der "Unterschied zwischen schwerer und leichter Kavallerie war 
aber bei der preußischen Kavallerie nicht nur in der Bewaffnung und Aus- Resume. 
rüstung bedeutender, sondern auch in der Größe von Reitern und Pferden. 

Bei den Kürassieren war bei der Mannschaft ein Minimalmaß von 
I'IO m, bei den Ulanen von l'Qlm. bei der leichten Kavallerie ein solches 
von 1-62 m vorgeschrieben, doch durfte das Größenmaß bei der schweren 
Kavallerie (exklusive Garde; 1*75, bei der leichten 1*72 nicht überschreiten. 

Für die Kürassiere wurden mindestens 1 57 Va cm große Pferde 
schweren Schlages-), für die Ulanen solche von 155V2 c»i Größe mittleren 
Schlages, für die leichte Kavallerie Remonten von 152V2 c/» Größe leichten 
Schlages gefordert. Dementsprechend bezog die schwere Kavallerie ihren 
Pferdebestand zum Teil aus Hannover, Holstein und Mecklenburg, der Rest 
sowie die ganze leichte Kavallerie wurden vornehmlich aus der Provinz 
Preußen und aus Posen remontiert. 

In der Ausbildung von schwerer und leichter Kavallerie machte das 
Reglement für den Kampf zu Pferd keinen Unterschied, 
man faßte wohl auch schwere und leichte Regimenter im Kriege manch- 
mal in einen ßrigadeverband zusammen, nichtsdestoweniger verwendete mau 
zum Aufklärungs- und Sicherungsdienst doch vornehmlich die leichten Regi- 
menter. Diese erwiesen sich hierin auch als leistungsfähiger und ausdauernder. 

Das Exerzierreglement vom Jahre 1855 für die preußische Kavallerie Besümmungen 

gibt bei dem der Eskadron gewidmeten Abschnitt einige Anhaltspunkte lur das Feuer- 

dafür, wann die Reiterei vom Fußgefecht Gebrauch machen sollte. Es wird gerecht zu Fuß 
bei der 

k. preußischen 
M So konnte keine der von Leutnant v. Eosenberor bei Kralitz am 14. Juli zur it„ ,, 

^ Jvavaiierie. 

Attacke auf die sächsischen Reiter aufgeforderte Ulaneneskadronen dieser Aufforderung Folge 

leisten, obwohl sie nur 3 Meilen an diesem Tage gemacht hatten. Erst eine Eskadron der 

Leibhasaren fand sich hiezu bereit. Aber aiich bei dieser spielen sich die letzten G-efechts- 

aktionen im Trab und Schritt ab. 

Bei Roketnitz— Dlubonitz am 15. Juli vermag das 2. Landwehrhusarenregiment der 
Attacke des Regiments Haller-Husaren nur im Schritt entgegenzutreten, obwohl es eben- 
falls erst 3'/2 Meilen gemacht und nur zum Teile eine kurze Attacke geritten hatte. 

*) Bei den Gardes du Corps lL2rm. 



206 

der Meinung Ausdruck gegeben, daß es sich auf die Besetzung und Sicherung 
von Defiles beschränken werde und ordnet an, daß aus diesem Grunde die 
leichte Kavallerie hiefür auszubilden sei. Nach dem Wortlaut des 
ßeglements bestand also für die schwere Kavallerie keine Verpflichtung, sich 
diesem Ausbildtingszweig zu widmen, für welchen sie — wenn man von den 
wenigen Karabinerschützen absieht — ihrer Bewaffnung nach ohnedies nahezu 
keine Befähigung hatte. 

Auch das preußische Reglement bestimmt, daß bei größeren Kavallerie- 
körpern nur einzelne Eskadronen zur Führung des Feuergefechtes zu Fuß 
zu verwenden seien, berücksichtigt hingegen bei der Eskadron das Absitzen 
einzelner Züge hiefür, während nach dem österreichischen Reglement grund- 
sätzlich die ganze Eskadron abzusitzen und wenn angängig mit der abge- 
sessenen Mannschaft der anderen Eskadron der Division in einen Eskadrons- 
verband zu treten hatte. 

Zum Feuergefecht saßen in jedem Abmarsch (3 Reiter) die Nummern 
1 und 2 und die nötige Anzahl Unteroffiziere (mindestens einer per Zug hatte 
aufgesessen zu bleiben), Trompeter und Offiziere ab, im ganzen also grundsätz- 
lich -/s aller Reiter (bei der österreichischen Kavallerie die Hälfte, eventuell — 
was besondere Maßnahmen erforderte — -Is.) 

Die abgesessene Mannschaft war in ein Glied zu formieren, „wenn 
die Verhältnisse es erlaubten", auch eine Reserve zu formieren. Auch hier 
war auf ruhiges und gezieltes Einzelfeuer Wert zu legen. 

Ein angriifsweises Vorgehen der abgesessenen Mannschaft war nicht in 
Aussicht genommen, zurückgehende Feuerlinien waren nicht unmittelbar, 
sondern durch seitwärts etablierte neue Feuerlinien zu unterstützen. 



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Beilage 1 



Von Königgrätz bis an die Donau. 

Das ost.-ncicl.is,l„. I\avHll,.ii.'km|.s ll<,lsl,«in iin-1 Jns Voiili üig(>n 
.I.T pr.-iiUi.scliHii Hnn|)tlinirt «.-eii Wi^ll. 







Übersiehtsk irte 

zum Mai-scbtabloai liii- (Ims 
(isteiT. Kiivalleri !koi|js. 




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1. Armee 



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Situatioo der prouBisdien HaupUcraft und 
der boiWien verianimelten öatorreichUcbcn 
StreitVriftc tun Abend des« IR. ,Inli IgCR. 







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Eibarmee 



•n Abmil da« 17. Juli 






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ai K6iiig);rfttis bin au die Donau. 

In..),- K..v.ll.Mi.V..||.. II.J.l. ., i.i^l \m, V.inlri 





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der beiWicD vcraaiumelir ' 
StruitlcTlft« am Ab«ii<l I 







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Siliialion der preuüi« len Hauptkrafl 

und de« ödterreichisiliei KawHeriekonis 

»m I.H. und H. iili 1866. 




tm ^iiiüMtm BMplkn/t tft« Vi, 







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\i'ii Kftni^'f^'rllty. I)is uii ilif M'uiui 




liim der prcußisclieD Ilaiiplkran 
lind des OsternnchiscJien KavalleriekorpB 

am Ali.'iid iles 1'.'. .liiü '-itiH. 




Beila^p h 



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Oburst V. Ite<l«ni ^*kH- » 



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Vou Königgrätz bis au die non.iii. 

Das iiatenvitliis.h.' Kaviillerii-k.irps lldalcm uiirl -la« V..rclniigi'i 
•Irr pr-iiBisclicii H»u|ilkraft gfKC" Wien. 




Situation vor Ueginn des Roitcrgefechtes 

lici Tisclinowit/, am 11. Juli 1866 um die 

zehnte Vormittagsstunde. 




W^ UM. OniiS.iUvl 




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t;M. V. Zaitsek 



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Situation der drei prepufläselieo Armimn 

und (los ■"wtfireicUisi'lien K ivallt^riekorp« 

am Abend de» lu.jili 1866. 



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